Die führende französische Wirtschaftszeitung La Tribune schrieb am 18. Dezember:
"Die City of London bringt das Vereinigte Königreichs zum Zittern."
Der ganzseitige Artikel beschreibt den Niedergang der City, einstiger
"Hauptmotor der Weltfinanzwirtschaft"- der Stadtbezirk Londons mit
eigener Regierung, welcher bisher 21 % des Bruttosozialprodukts Londons erbrachte. Waren hier vor der Finanzkrise noch 360.000 Menschen
beschäftigt, so sind bereits bis Mitte diesen Jahres 62.000 entlassen worden. Danach kamen aber noch 2500
Entlassungen bei Lehmann Brothers, 3000 bei Barclays, 3000 bei der Royal Bank
of Scotland, mehrere Tausend bei Lloyds/HBOS, fast 11.000 bei der Citigroup und einigen
Hunderten bei Credit Suisse, Goldmann Sachs und HSBC hinzu. In nur wenigen Monaten wurden
die finanziellen Fähigkeiten der City um 10 Jahre zurückgeworfen.
Die Beschäftigten dort leben in ständiger Angst, einen Anruf von dem Human Ressources Management Office- der Personalabteilung – zu bekommen und den "Pink Slip" zu
erhalten, die auf pinkfarbenem Papier gedruckte Kündigung. Kündigungen werden
sofort vollzogen, die Angestellten vom firmeninternen Sicherheitsdienst an
ihren Arbeitsplatz begleitet, wo sie ihre persönlichen Dinge zusammenklauben können,
um dann des Hauses verwiesen zu werden. Für Abfindungsforderungen werden sie
lapidar darauf verwiesen, später telefonisch anzufragen.
Gleichzeitig hat das britische Pfund in den letzten Monaten
den schlimmsten Absturz seit 1931 erlebt, wie der Daily Telegraph berichtete. Damals sei das Pfund nach der Aufhebung des Goldstandards um 24% eingebrochen. Der jetzige Wertverlust
betrage bereits 23% und ein Ende sei noch nicht in Sicht. Grund seien die
ausufernden Staatsschulden Großbritanniens als Folge der verschiedenen
Rettungspakete.
Weiterhin wird gewarnt, daß falls weitere Investoren ihr Geld
aus dem Finanzsektor abzögen, sich das Land in der gleichen Lage wie z. B.
Thailand am Ende der Asienkrise von 1997 wieder finden könnte und beim IWF zu
Kreuze kriechen müßte.
Durch die de facto Verstaatlichung der wichtigsten britischen Banken spricht die
Regierung derzeit offiziell von einer Gesamtschuldenlast von 650 Milliarden
Pfund. Das entspricht 44,2 % des Bruttosozialprodukts. Aber das ist noch ein
geschöntes Bild, werden doch die potentiellen Verbindlichkeiten, die aus den
Übernahmen entstehen können, nicht berücksichtigt. So verpflichtet die
Mehrheitsbeteiligung an der Royal Bank of Scottland den Staat für deren Gesamtverbindlichkeiten einzustehen, die alleine schon 125% des Bruttosozialprodukts ausmachen.