Was läuft falsch in Europa? Sind Sie neotenisch?

15.10.2008
Was läuft falsch in Europa? Sind Sie neotenisch? admin 15.10.2008

Nicht alle durchweg bösen Menschen sind auch dumm. Man betrachte den Fall Julian Huxley, der für einen Personenkreis steht, zu dem auch die folgenden Leute gehörten: sein Großvater Thomas Huxley; sein satanistischer Mentor Aleister Crowley; H.G. Wells; Brigadegeneral John Rawlings Rees; Bertrand Russell; und Julians Bruder Aldous. Diese Gruppe war mit das Bösartigste, was es im britischen Establishment gegeben hat. Trotzdem hat Julian ein brauchbares Konzept entwickelt, vielleicht auch nur anderen übernommen – es heißt „Neotenie". Er bezog sich dabei auf den Sonderfall, daß Tiere einer niederen Lebensform beispielsweise noch im Larvenzustand den Übergangsprozeß ins Erwachsenstadium abbrechen, nie die normale, ausgewachsene Form ihrer Art erreichen, aber als fortpflanzungsfähiges „neo-erwachsenes" Exemplar die Larvenform oder vergleichbares reproduzieren. Man stelle sich vor, daß so etwas massenhaft Menschen angetan wird – nicht biologisch im herkömmlichen Sinne, sondern kulturell. Wie der klinische Fall der aus den 68ern hervorgegangenen „Weathermen" zeigt, ist genau das vielen Amerikanern genauso wie der europäischen Oligarchie angetan worden.



[pretitle]Was läuft falsch in Europa?[/pretitle]

Sind Sie neotenisch?

von Lyndon LaRouche

1. September 2008


Nicht alle durchweg bösen Menschen sind auch dumm. Man betrachte den Fall Julian Huxley, der für einen Personenkreis steht, zu dem auch die folgenden Leute gehörten: sein Großvater Thomas Huxley; sein satanistischer Mentor Aleister Crowley; H.G. Wells; Brigadegeneral John Rawlings Rees; Bertrand Russell; und Julians Bruder Aldous. Diese Gruppe war mit das Bösartigste, was es im britischen Establishment gegeben hat. Trotzdem hat Julian ein brauchbares Konzept entwickelt, vielleicht auch nur anderen übernommen – es heißt „Neotenie". Er bezog sich dabei auf den Sonderfall, daß Tiere einer niederen Lebensform beispielsweise noch im Larvenzustand den Übergangsprozeß ins Erwachsenstadium abbrechen, nie die normale, ausgewachsene Form ihrer Art erreichen, aber als fortpflanzungsfähiges „neo-erwachsenes" Exemplar die Larvenform oder vergleichbares reproduzieren. Man stelle sich vor, daß so etwas massenhaft Menschen angetan wird – nicht biologisch im herkömmlichen Sinne, sondern kulturell. Wie der klinische Fall der aus den 68ern hervorgegangenen „Weathermen" zeigt, ist genau das vielen Amerikanern genauso wie der europäischen Oligarchie angetan worden.


Vorwort: Das Werden der Larve

Wenn Sie diese Studie durchgearbeitet haben, werden Sie es als eine wichtige Tatsache ansehen, daß seit dem Attentat auf Präsident John F. Kennedy lediglich drei Präsidentschaftsbewerber der Demokratischen Partei ins Amt gekommen sind. Präsident Lyndon B. Johnson, der 1964 gewählt wurde, lebte ständig mit der Angst vor denselben Gewehren, mit denen mit Präsident Kennedy umgebracht wurde und mit denen man immer wieder versuchte, auch den französischen Präsidenten Charles de Gaulle zu töten. Die beiden weiteren Präsidenten waren Jimmy Carter 1976 und Präsident Bill Clinton, der zwei aufeinanderfolgende Amtszeiten, 1992 und 1996, absolvierte und der letzte anständige Präsident war, den wir erleben durften.

Die beiden republikanischen Kandidaten aus dem Bush-Clan, die seit den beiden Amtszeiten von Präsident Ronald Reagan gewählt wurden, haben sich als beschämende oder noch schlimmere Wahl erwiesen. Präsident George H.W. Bush war in strategischer und wirtschaftlicher Hinsicht eine Katastrophe, und sein jämmerlicher Sohn, der offenbar von George Shultz für das Amt ausgesucht und darin größtenteils von dem an London ausgerichteten Vizepräsidenten Dick Cheney gesteuert wurde, hat einen derart üblen Charakter bewiesen, daß die Beschreibung nichts „für die Ohren zarter Damen" wäre.

Und nun sollen wir uns bei der kommenden Wahl zwischen zwei offenbar völlig unfähigen Kandidaten entscheiden.

Das eben geschilderte Muster hält sich nun in den USA seit nahezu drei Generationen, seit dem Tod von Präsident Franklin Roosevelt. Trotzdem sollte man nicht versuchen, die Schuld für die über uns hereinbrechenden Krisen allein diesen Präsidenten als Einzelpersonen zuzuschieben. Etwas ist grundsätzlich schiefgelaufen, nicht nur mit unseren politischen Institutionen, sondern überhaupt mit unserer verfallenden Kultur, die mittlerweile das Umfeld der großen Mehrheit der Amerikaner beherrscht (und in West- und Mitteleuropa ist es wahrscheinlich noch schlimmer). Der Grund für unser Elend waren weniger unsere versagenden Präsidenten als vielmehr die kulturellen Bedingungen, unter denen sie für ihr Amt ausgewählt wurden. Wer hat sie denn gewählt? Wir befinden uns in der Gewalt einer wahrhaft klassischen Tragödie, einer praktisch globalen Katastrophe.

Wie Sie nach der Lektüre dieses Berichts hoffentlich erkennen werden, ist all dies auch von großer Bedeutung, wenn man verstehen will, warum die einst starke, wirklich eigenständige amerikanische Automobilindustrie verschwunden ist.

Wie ich bereits in früheren Veröffentlichungen geschildert habe, hat der Prozeß der Subversion und Zersetzung in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, der dafür verantwortlich ist, daß heute die ganze Welt am Rande eines dunklen Zeitalters steht, drei Phasen gehabt. Als erstes kam es unter Präsident Harry Truman zu einem kulturellen Einbruch, verglichen mit der Zeit unter Präsident Franklin Roosevelt. Als zweites gab es eine Übergangsphase von dem Attentat auf Präsident John F. Kennedy bis zur Wende im Frühjahr 1968. Die dritte Phase war das Abgleiten in den realwirtschaftlichen und kulturellen Ruin seit der qualitativen Umkehr zu einer allgemeinen realwirtschaftlichen Schrumpfung der Jahre 1968-71.

Die beinahe völlige Auflösung der amerikanischen Automobilindustrie, unser wesentliches Fallbeispiel, ist eines der schlimmsten Resultate.

Dieser verheerende Trend nicht nur bei der Auswahl der Präsidenten, sondern auch was die Verrottung der nationalen Kultur angeht, offenbart einen Defekt in der grundlegenden Ausrichtung unserer letzten Regierungen, welche inzwischen eher den üblichen parlamentarischen Traditionen eines dekadenten Europa mit Dingen wie „Freihandel" ähnelt. Dieser Trend erdrückt uns. Man kann die gefährlichen Vorboten eines weltweiten neuen dunklen Zeitalters überall in den USA schon fast riechen, so wie man ein gewaltiges Sommergewitter vorausahnt.

Seit Präsident Franklin Roosevelts Tod und beschleunigt seit der Ermordung Präsident Kennedys ­herrscht im politischen Leben unserer Republik ein allgemeiner Abwärtstrend. Selbst ein, zwei oder drei anständige Präsidenten in dieser Zeit haben nicht ausgereicht, um diesen Trend im Gesamtzustand der Wirtschaft umzukehren. Nun aber haben sich die Dinge noch wesentlich verschlechtert. Seit dem Antritt der ersten Regierung George W. Bush wurden die USA wie auch die Regierungen West- und Mitteleuropas bis an den äußersten Rand des Abgrunds gedrängt, dem ein Absturz in ein weltweites neues finsteres Zeitalter zu folgen droht.

Weil Felix Rohatyn und George Soros die Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi fest im Griff haben, verhält sich die Führung im amerikanischen Kongreß seit Anfang Februar 2006 fast genauso schlimm wie die Regierung Bush selbst – und was die Auswirkungen auf aktuelle und künftige Ereignisse angeht, sogar noch schlimmer.

Damit wird ein Muster erkennbar, welches darauf schließen läßt, daß wir vor einem dauerhaften Abstieg stehen und ständig nur noch erbärmliche Regierungen haben könnten – ein qualitativer Phasenwechsel, der an Julian Huxleys Beschreibung der Neotenie erinnert. Mit den sogenannten „Babyboomern" bieten die USA, genauso wie West- und Mitteleuropa mit dem Gegenstück, den „68ern", ein Bild des neotenischen Romans Der Herr der Fliegen im wahren Leben.

Doch so schlimm die Dinge auf beiden Seiten des Atlantiks auch geworden sind: Selbstverschuldete Tragödien führender Kulturen in Vergangenheit und Gegenwart der Menschheit waren und sind nie unvermeidlich. Ich bin höchstwahrscheinlich der erfolgreichste Wirtschaftsanalyst seit mehr als vier Jahrzehnten, aber das liegt daran, daß ich aus wissenschaftlichen Gründen niemals ein Resultat prophezeie, sondern nur prognostiziere, welche Bedrohungen wahrscheinlich auf uns zukommen, und Maßnahmen vorschlage, um die Gefahr einer Katastrophe abzuwenden.

Wir müssen endlich begreifen, daß es, anders als unsere Buchhalter und Statistiker meinen, keine „unumkehrbaren" Entwicklungen sind, die Nationen und ihre Kulturen dem Untergang weihen. Wie die Beschäftigung mit der Geschichte von Tragödien auf der klassischen Theaterbühne wie im wahren Leben offenbart, rührt das Elend, in dem sich unsere Republik gerade befindet, vielmehr aus einer mangelnden öffentlichen Unterstützung für eine gute Staatsführung – falls denn überhaupt eine zur Verfügung steht -, die in der Lage wäre, den Weg aus dem Zusammenbruch und damit in Sicherheit aufzuzeigen. Wo durch die menschliche Kreativität unterdrückt wird, wie in der Dekadenz führender Universitäten und durch die Popkultur der letzten Jahrzehnte, da setzt Entropie ein; das ist ganz besonders seit dem späten Frühjahr des Jahres 1968 der Fall.

Deswegen habe ich nie etwas „vorhergesagt" im Sinne von „prophezeien"; nur erbsenzählende Statistiker und ähnliche Dummköpfe haben mir dergleichen vorgeworfen. Ich mache keine Prophezeiungen; ich schlage grundsätzliche Kursänderungen vor, mit denen man dem, was sonst vielleicht unvermeidlich wäre, entkommen kann. In der Hinsicht habe ich mich in meinen langfristigen Prognosen noch nie geirrt, seit ich 1956 meine erste, relativ kurzfristige Prognose einer großen Rezession etwa ab Februar-März 1957 abgab; ebenso vermochte ich als einziger bekannter Wirtschaftstheoretiker im Zeitraum von 1967-71 abzusehen, was dann 1971 als Auflösung des Bretton-Woods-Systems in die Geschichte einging. Es gibt einen Ausweg aus dem Absturz in die Neotenie, der heute von „68ern" und „Buppies" [afro-amerikanischen Karrieristen] angeführt wird; aber nur, wenn wir uns bewußt für diese Möglichkeit entscheiden, statt in Untätigkeit die Alternative auf uns zukommen zu lassen.

An geeigneter Stelle weiter unten werde ich darlegen, inwiefern Kardinal Nikolaus von Kues – der wie kaum ein anderer die Geschichte der Neuzeit positiv geprägt hat – uns einen Schlüssel dafür liefert, zu definieren, welche Qualität der Staatsführung wir heute brauchen.

1. Unsere atlantische Ära

Die spätere Geburt der modernen europäischen Zivilisation nach dem neuen dunklen Zeitalter des 14. Jahrhunderts verdankt viel der Hingabe der Johanna von Orleans, auch wenn sie von den Händen der englischen Normannen den Märtyrertod starb. Im Gegensatz zu den Fälschungen britischer Schmierliteraten, die sich später mit dem Thema beschäftigten, wahrt Friedrich Schillers Drama treu die eigentlichen Grundzüge ihres Falles. Es ist erwiesen, daß ihre Hingabe führende Kreise der damaligen christlichen Kirche inspirierte und über das große ökumenische Konzil von Florenz zum ersten modernen europäischen Nationalstaat unter Frankreichs bedeutendem König Ludwig XI. führte. Heinrich VII. in England hat diesen König sehr bewundert und ihn nachgeahmt – anders als Heinrich VIII. und als die Herrscher des unter Georg I. errichteten britischen Königshauses bis heute.

Es gibt jedoch Optionen für die Rettung der Zivilisation, wenn wir weise genug sind und uns die Autorität verschaffen, uns auch für diese Optionen zu entscheiden.

Wie ich wiederholt bei passenden Gelegenheiten gesagt habe, hat sich Nikolaus von Kues als die wichtigste historische Figur jenes Jahrhunderts erwiesen. Drei herausragende politische Errungenschaften sind sein Vermächtnis: Erstens der Entwurf für die Errichtung eines modernen, souveränen Nationalstaates in seiner Concordantia Catholica. Zweitens die Begründung aller kompetenten Disziplinen der modernen Naturwissenschaft durch seine De Docta Ignorantia. Drittens, was ich für unsere Zwecke hier besonders betonen möchte, seine posthume Inspiration für Christoph Kolumbus, der sich einen Vorschlag des Nikolaus von Kues aufgreifend der Idee verschrieb, den Atlantischen Ozean zu überqueren, und das zu genau dem Zweck, den Kues in seinen entsprechenden Schriften beschrieben hatte.

Damit ist der Fall, den ich Ihnen vorlege, in den richtigen Bezugsrahmen gestellt.

Die Neue Welt

Bei der Gründung der englischsprachigen Kolonien in Nordamerika folgten die führenden Kolonisten und ihre Unterstützer einem Präzedenzfall, der sich den, wie wir es heute nennen, klassischen Quellen der „alten Griechen" entnehmen läßt. Diese antike Kultur war eine vorrangig maritime Kultur im Mittelmeerraum, die sich auf eine noch weiter zurückliegende, atlantische Seefahrerkultur stützte. Dieser weit ausgedehnten Seefahrertradition lag es sozusagen im Blut, daß immer dann, wenn man erkannte, daß es keinen Zweck hatte, weiter in einer gewohnten Umgebung mit unheilbaren kulturellen Mängeln zu verharren, die weitsichtigsten unter ihnen eine Flotte bauten, um in eine neue Kolonie umzusiedeln, die ihnen einen qualitativen Vorteil verschaffte – in mehr oder weniger sicherer Entfernung von der bisherigen, kulturell heruntergekommenen Heimat.

Diese praktische Lehre des klassischen Griechenlands wurde immer wieder befolgt, und Nikolaus von Kues leitete daraus die Empfehlung ab, der Lage im Mittelmeerraum, die nach dem Fall Konstantinopels desolat war, zu entfliehen. Cusas spezifische Anweisungen sowie wichtige wissenschaftlich-technische Einzelheiten aus dem Umkreis des Cusaners brachten Kolumbus dazu, sich etwa ab 1480 auf die Überfahrt zum Kontinent auf der gegenüberliegenden Seite des Atlantiks im Jahr 1492 vorzubereiten. Die ersten Fahrten benötigten in etwa die Zeit, die Kolumbus vorausberechnet hatte.

Die Überfahrt löste eine transatlantische Kolonisierungswelle aus, weil sich (wie etwa Sir Thomas More in seiner Schrift Utopia zu verstehen gab) plötzlich die Gelegenheit bot, einen neuen Ort zu besiedeln, der in relativ sicherem Abstand zu dem kulturellen Verfall in Europa unter der damaligen venezianischen und vergleichbaren Oligarchie lag. Diese Pest der neo-venezianischen Oligarchie, die der Intention parlamentarischer und entsprechender oligarchischer Relikte des sogenannten „Feudalismus" zugrunde liegt, dominiert Europa noch heute.

Die erfolgreiche Amerikanische Revolution zog sich tatsächlich über die Zeit von 1763 bis 1789 hin, nachdem die Briten im Kontext des Pariser Vertrages vom Februar 1763 entschieden hatten, die englischen Kolonien in Nordamerika zu zerschlagen. Dieser Entschluß veranlaßte die Bewohner dieser Kolonien, die eigentlichen Absichten hinter der Kolonisierung, die durch den Einfluß des Nikolaus von Kues auf die Pläne des Steuermanns Christoph Columbus in Gang gesetzt worden war, mehr denn je zu verwirklichen.

Der Idee, zum Wohl der Menschheit ferne Landstriche zu besiedeln, ist der Ursprung der wesentlichen Funktion der englischsprachigen Kolonien Nordamerikas bis heute. Das gleiche sah auch General Douglas MacArthur in Australien unter John Curtin. Und das gleiche Potential sahen auch führende US-Amerikaner wie John Quincy Adams bei der Abfassung der Monroe-Doktrin in der zukünftigen Herausbildung unabhängiger, nachkolonialistischer souveräner Staaten in Mittel- und Südamerika, sobald diese Länder von der Herrschaft der anglo-holländischen, liberalen Tyrannei Europas befreit wären. Dies ist bis zum heutigen Tag die wesentliche langfristige Rolle der Vereinigten Staaten, wie zerrüttet das Land heutzutage auch erscheinen mag.

Das große Problem Europas, das schon Nikolaus von Kues zu seiner Zeit erkannte, besteht bis heute ununterbrochen fort. Wo der Ausweg liegen kann, zeigt sich für die heutige Menschheit auch in der dringenden Notwendigkeit, große asiatische Nationen wie China und Indien wirtschaftlich zu entwickeln. Hier liegt auch der Grund für die weiterhin große Bedeutung Rußlands – nicht nur wegen seiner unermeßlichen Rohstofflager, sondern wegen seiner historischen Aufgabe als führender eurasischer Kultur. Die Aussicht auf eine glückliche Zukunft für West- und Mitteleuropa hängt heute größtenteils davon ab, diese Kultur nach dem amerikanischen Vorbild wissenschaftsorientierter Industrieentwicklung in der Tradition Franklin Roosevelts wiederzubeleben.

Seit Nikolaus von Kues, Ludwig XI. in Frankreich und Heinrich VII. in England gab es auch in der europäischen Kultur hier und dort relative Blüteperioden. Ein herausragendes Beispiel ist Frankreich nach dem Westfälischen Frieden, unter dem Einfluß von Kardinal Mazarin und Jean-Baptiste Colbert, ein anderes die kurze Herrschaft von Königin Anne in England unter dem Einfluß von Gottfried Leibniz. Dann folgt die Zeit der Klassik Mitte bis Ende des 18. Jahrhunderts unter der Führung u.a. von Abraham Kästner, Gotthold Ephraim Lessing, Moses Mendelssohn, Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Lazare Carnot, Goethe, Friedrich Schiller und den Brüdern Humboldt, später während der 40er und 50er Jahre des 19. Jhs. Carl F. Gauß, Lejeune Dirichlet und Bernhard Riemann. Von den 60er bis 80er Jahren des 19. Jhs, bis zur Entlassung Bismarcks im Jahre 1890, kam es noch einmal zu einer Art Renaissance in Europa, nachdem die USA über das Britische Weltreich und seine Marionette, die Konföderation, gesiegt hatten.[sup]1[/sup]

Die Krankheit

Das Auf und Ab der kulturellen Gezeiten in der europäischen Zivilisation haben wir hier in den Vereinigten Staaten wie auch auf dem gesamten amerikanischen Kontinent im Guten wie im Schlechten immer mit zu spüren bekommen – nicht nur im 18. Jahrhundert, sondern auch zur Zeit des Aufstiegs der USA zur Großmacht während des gesamten 19. Jahrhunderts. Die oligarchischen Schwächen des „alten Europa" waren dabei stets der Ursprung allen Elends, so wie jüngst in Gestalt von Rohatyn und Soros, das zu uns wie auch zu anderen Nationen herüberschwappte.

Hauptsächlich infolge der beiden sogenannten „Weltkriege", die von Londons anglo-holländischen liberalen Interessen ausgelöst wurden, leidet Europa weiter an der moralischen Seuche, an dem Vermächtnis des neumittelalterlichen, oligarchischen Parlamentarismus, dem die führenden Kolonisten Nordamerikas entflohen, von dem Europa aber immer noch nicht geheilt ist. Diese Seuche namens „anglo-holländischer Liberalismus" kommt immer wieder wie Treibgut nach Amerika herüber; so hat sie der Welt unter anderem schon Mussolini and Hitler beschert. Diese finanzoligarchische Krankheit kann tödlich wirken, wenn wir uns nicht sehr bald von ihr befreien. Auch die Vereinigten Staaten werden die Hölle auf Erden erleben, wenn sich die eingeschleppten finanzoligarchischen Tyranneien, für die der beherrschende ausländische Einfluß von Raubtierfinanziers in den USA heute typisch ist, durchsetzen sollten.

Was den moralischen Niedergang des politischen Systems der USA seit Mitte der 60er Jahre in ein heute fortgeschrittenes Stadium übelster politischer und ökonomischer Morbidität möglich gemacht hat, ist eine Art sozialer Pilz. Typisch dafür ist der Aufstieg einer künstlich von außen geprägten, neotenischen Generation, die sich in dieser pathologischen Weise entwickelte: die zwischen 1945 und etwa 1958 geborenen Kinder der Angestellten und Karrieristen in Amerikas Vorstädten.

Diese neotenische „De-Generation" machte sich in den USA in der zweiten Hälfte der 60er Jahre bemerkbar als ein bestimmter Teil einer Generation, der sich allgemein ohne weiteres mit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus der nur scheinbar fiktiven Geschichte Herr der Fliegen vergleichen ließe. Heute hat diese gesellschaftliche Schicht oder Kaste, die man hauptsächlich innerhalb der Altersgruppe zwischen 50 und Ende 60 findet, die folgenden Merkmale: Sie sind gegen Industriearbeiter, Landwirte und Kernenergie, dafür aber neumalthusianisch ausgerichtet; ein Beispiel sind die Sympathisanten des ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore, eine Art abstoßendes Schoßhündchen des Londoner Königshauses.

Derselbe krankhafte Einfluß, der sich in den entsprechenden US-Vorstadtfamilien der Angestelltenschichten breit machte, herrschte auch in Europa mit dem existentialistischen, im Grunde satanischen Kongreß für kulturelle Freiheit und in ähnlicher Weise mit A. Crowley, H.G. Wells, Bertrand Russell und der Cambridger Systemanalyse-Gruppe als bösartige Form intellektueller und moralischer Verkümmerung. Selbst auf die Sowjetunion hatte dieser Einfluß über Russellsche Einrichtungen wie das Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) im österreichischen Laxenburg übergegriffen.

Dieser Aspekt der „68er"-Kultur, wie wir sie innerhalb der USA zurückverfolgen können, ist eine typisch neotenische Form des Verfalls der menschlichen Kultur in der von der europäischen Zivilisation geprägten neuzeitlichen Welt.

Es ist der Grund dafür, warum ein Großteil der amerikanischen Bürger, besonders innerhalb der Kaste der „alten 68er", kulturell und moralisch am Ende ist. Man sollte erkennen, daß es dafür schon früher und selbst im Altertum Vorläufer gegeben hat; solche dionysischen bzw. quasi-dionysischen Phänomene haben schon oft zum Zerfall vieler neuzeitlicher, mittelalterlicher und antiker Kulturen beigetragen. Man erhält die richtige Perspektive, wenn man den Typus des Babyboomers/68ers und seiner kulturell spezifischen Konditionierungsart durch den Kult der „weißen Kragen" und „Macher" der 50er Jahre damit vergleicht, wieviel Genie etwa im Bau der Großen Pyramide von Gizeh oder im verwandten Beispiel der als Sphärik bekannten naturwissenschaftlichen Wahrheitsfindung der Pythagoräer und Platon zum Ausdruck kommt.

Der entscheidende Beweis dafür ist, daß sich oft in der Geschichte oder in hinreichend belegter Vorgeschichte bis weit in die letzte große Eiszeit hinein viele bekannte Kulturen als Reaktion auf den Niedergang früherer Kulturen entwickelt haben – genauso wie sich das von den amerikanischen Siedlern begründete Verfassungssystem in der Gründung der Vereinigten Staaten als Flucht vor der vorherrschenden Dekadenz im „Alten Europa" zum Ausdruck kam.

Es gibt aber auch zuverlässige Hinweise darauf, wie sich ein solcher kultureller Niedergang umkehren läßt. Gewöhnlich setzt sich dabei ein Teil der Gesellschaft bewußt von der allgemein verdorbenen Kultur ab, wobei der Neuanfang meist darauf beruht, eine frühere kulturelle Renaissance wiederaufzugreifen. Ganz ähnlich gründete sich die Wiedergeburt der alten Naturwissenschaft in Form der neuzeitlichen europäischen Wissenschaft u.a. auf das Fundament der Pythagoräer und Platons; hinzu kam die von Kardinal Nikolaus von Kues definierte Kolonisierungsidee, mit der sich Christoph Kolumbus zu seiner Atlantiküberquerung aufmachte und eine Flut europäischer Aussiedler nach sich zog, die das korrupte Europa hinter sich lassen wollten, um neue Siedlungen wie die von Massachusetts vor 1689 zu errichten.

Wir wissen derzeit nicht, wie oft es im Verlauf der Geschichte der Menschheit passiert ist, daß eine Renaissance das Vermächtnis einer früheren, vergleichsweise überlegenen Kulturform aufgriff. Die überzeugendsten entsprechenden Belege finden sich im Rückblick auf die Ursprünge kompetenter Naturwissenschaft in der Entwicklung der Astronomie durch antike, transozeanische Seefahrerkulturen, die es bereits zur Zeit der langen Eiszeit gab, als der Meeresspiegel noch mehr als hundert Meter unter dem heutigen lag.

Wir wissen auch, daß die große wirtschaftliche und staatsrechtliche Wende, die seit dem Sieg der USA über Londons Konföderierten-Marionette den Gang des Weltgeschehens verändert hat, in erster Linie durch den Bau der transkontinentalen Eisenbahn in den USA bewirkt wurde. Dieser entscheidende wirtschaftliche Wandel stellte für das Britische Empire eine große Bedrohung dar, und es reagierte darauf, indem es die Weichen des Weltgeschehens auf Krieg stellte; es schuf die Voraussetzungen für die schrecklichen Ereignisse der beiden „Weltkriege", des sogenannten Kalten Kriegs und den derzeitigen Vorstoß, den souveränen Nationalstaat durch einen neuen Turmbau zu Babel namens „Globalisierung" zu eliminieren.

Wir Amerikaner hätten wissen müssen, daß uns diese schleichende Krankheit überwältigen würde, wenn wir die Besonderheit unserer Vereinigten Staaten als Fluchtstätte vor dem endemisch kranken Europa nicht verteidigten. So finden wir heute die Spuren britischer Unterwanderung in den Seelen und Körpern so vieler Institutionen und Bürger, die heute den Willen und das Schicksal unserer Nation bestimmen. Die „Globalisierung", die sich immer auch als sogenannter „Umweltschutz" darstellt, ist diese potentiell tödliche, schleichende Krankheit.

Dies zeigt sich heute in Form der von den Babyboomern und ihren Nachahmern verbreiteten „Neotenie". Das ist die heutige Krise der „atlantischen Ära", die inzwischen die gesamte Welt erfaßt hat.

2. Der Aufstieg der 68er-Generation

Wie ich an verschiedensten anderen Stellen aufgezeigt habe, sind die „Babyboomer" und deren Abklatsch im Phänomen der „Buppies" keine gesetzmäßig natürliche Erscheinung gesunden menschlichen Denkens, sondern eine moralische Krankheit. Ohne die Krankheit, die diesen Bevölkerungsteil befallen hat, hätte es nicht zu der jetzigen Wirtschaftskrise der Vereinigten Staaten und speziell der Zerstörung der amerikanischen Automobilindustrie kommen können.

Diese Frage erfordert eine kurze Einführung in die entsprechenden tieferen Hintergrundbereiche.

Die „Babyboomer" (die amerikanische Variante der 68er) sind keine Generation, sondern eine „Degeneration". Sie sind keine Altersgruppe, obgleich die Mehrheit Teil einer bestimmten Altersgruppe ist. Sie sind eine soziale und wirtschaftliche Kaste.

Über die Merkmale von „Klassen", „Kasten" und anderes besonderes Verhalten in verschiedenen historisch definierten Gesellschaften wissen wir recht viel, oder zumindest könnten wir es wissen. Die insgesamt besten Erkenntnisse über „natürliches menschliches Verhalten" innerhalb der kulturellen Vielfalt der Menschheit erhält man, wenn man untersucht, wie solche Phänomene in verschiedenen kulturellen Evolutionsphasen entstanden sind. Man kann mit Recht sagen: Was wir über Kulturen wirklich „wissen" – sofern genug Einzelheiten über sie bekannt sind -, ist im wesentlichen, wie in diesen Kulturen die wißbaren Prinzipien des „natürlichen menschlichen Verhaltens" auf unterschiedliche Weise ausgedrückt oder aber unterdrückt werden.

Was wir über die hier betrachtete Frage sozialer „Neotenie" tatsächlich wissen, ist ein klarer Beleg dafür, daß das meiste, was man – gerade unter Akademikern – als Grundsätze der „Soziologie" oder „Kulturanthropologie" oder des „Rechts" betrachtet, Unfug ist. Es ist nur dann ein klar definierter Inhalt, wenn man darin Produkte eines ausgemachten Hokuspokus sieht oder vielleicht nur gewöhnliche Beispiele von Scheinbildung, wo bloße „Information" (d.h. „Fakten") mit menschlicher „Intelligenz" verwechselt wird. Daran, wie die gründlich „gehirngewaschene" Babyboomer-68er-Klasse der heute 50-65jährigen entstand, ist nichts wirklich „natürliches".[sup]2[/sup] Sie ist keine „soziale Schicht", sondern eine „Kaste", die sich in diesem Fall durch kultähnliche Insignien nach Art einer primitiven Religion mit spezifisch dionysischen Eigenschaften auszeichnet – ähnlich wie bei dem berühmten Ton(zer)setzer Richard Wagner.[sup]3[/sup]

Eine Erläuterung, um diese Kaste und ihre Wirkung auf die Gesellschaft richtig zu verstehen: Was wir über die grundlegende Natur der Menschheit im allgemeinen wirklich wissen, ist die Tatsache, daß der offenbar „angeborene" Unterschied zwischen einem menschlichen Individuum und allen niederen Lebensformen die Kreativität ist, in dem Sinne, wie ich diesen Begriff bei naturwissenschaftlichen Fragen und in der klassischen Kunst gebraucht habe. Es gibt wohl keinen Teil der Menschheit, bei dem dies fehlt. Allerdings zeichnen sich die meisten bekannten Gesellschaften dadurch aus, daß sie das schöpferische Potential im größten Teil der Bevölkerung systematisch unterdrücken. Die malthusianischen und ähnlichen Ausrichtungen bei der Kastenbildung der 68er/Babyboomer sind typische Ausdrücke dieser sozialen Schicht als quasi-religiöser Kult, als einer spezifisch dionysischen (d.h. satanistischen) Kaste.

Besonderheiten in der englischsprachigen Welt

Diese typische Entmenschlichung des Geisteslebens von „Boomern" und anderen in der englischsprachigen Welt wurzelt gewöhnlich im Phänomen des sogenannten „Liberalismus". Liberale müssen nicht immer „Babyboomer" sein; vielmehr sind die Babyboomer als Kastenbildung eine fanatische Kultform, die sich von dem spezifisch Ockhamschen – im Unterschied zum aristotelischen – Irrationalismus ableitet. Sarpis neuockhamsches System, aus dem sich der moderne anglo-holländische Liberalismus herausbildete, wurde unter Sarpis Einfluß in den Seeregionen des protestantischen Nordeuropas als soziale Basis aufgebaut. Der Begriff Liberalismus bedeutet streng genommen, wirkliche menschliche Intelligenz durch bestimmte von außen angenommene Gewohnheiten zu ersetzen. Das drückt sich in der spezifisch Sarpischen Illusion aus, die gerade Akademiker dazu bringt, einen Kniefall vor Isaac Newton als vermeintlich großem Wissenschaftler zu machen oder die ähnlich verrückte Vorstellung zu vertreten, Euler hätte ehrliche Einwände gegen Leibniz‘ Konzept des Infinitesimalen vorgetragen.

Über die Prinzipien menschlicher Intelligenz kennen wir eigentlich hauptsächlich nur die Art und Weise, wie die Kreativität beispielsweise bei einem typischen Universitätsabsolventen und anderen in unserer heutigen Gesellschaft unterdrückt wird. Dies sieht man in unserem Film The Harvard Yard, der davon handelt, wie die 68er zu der typischen Dekadenz im üblichen wissenschaftlichen Lehrbetrieb von heute beitrugen. Hier und anderswo tritt die unterrichtete Standard-Lehrmeinung an die Stelle echter wissenschaftlicher Beweise, und das Ritual einer rein deskriptiven Geheimsprache mathematischer Formeln tritt – beispielsweise beim Liberalismus (d.h. Empirismus, Positivismus) – an die Stelle wirklichen Wissens über experimentell bestätigte Naturprinzipien.

In den USA heute ist es beispielsweise in fast allen sozialen Schichten üblich, daß man in Gesprächen nur das sagt, was in der entsprechenden sozialen Gruppe akzeptiert ist, weil das Ego Anerkennung und Streicheleinheiten von ihr erwartet. Solche Leute durchschauen ihr eigenes Verhalten nicht; sie sind faktisch vollkommen „gehirngewaschen".

Im Augenblick vollzieht sich insbesondere in den USA eine tiefgreifende kulturelle Trendwende. Seit etwa zwei Jahren verlagert sich die Vormachtstellung langsam aber sicher von den weitgehend diskreditierten „68ern" in der politischen Klasse auf ein potentielles neues soziales Einflußzentrum im politischen Leben, eine Schicht der heute etwa 40-50jährigen. In den USA sitzen wir derzeit quasi zwischen zwei politischen Stühlen: auf der einen Seite die im politischen und übrigen Leben noch vorherrschende kastenähnliche Formation in der Generation der 50 bis über 60jährigen, die völlig die Orientierung verloren hat, und auf der anderen diejenigen, die sich gerade erst anschicken, ihren Einfluß geltend zu machen. Das ist vor allem die Erfahrung aus den jüngsten Vorwahlkämpfen der Demokratischen Partei.

In dieser Übergangsphase sind die Schlimmsten, die sich noch in führenden Positionen befinden, die traditionell unproduktiven extremen „68er", eine Art wahnsinnige Sekte ähnlich den englischen Maschinenstürmern zu Anfang des 19. Jahrhunderts. Es ist der künstlich geschaffene verrückte „Umweltkult", für den in seiner typischen widerlichen Art der Soros-Freund und frühere US-Vizepräsident Al Gore steht, der moralisch längst aus den USA ausgewandert ist.

Um zu verdeutlichen, wie eine Kastenformation (im Unterschied zu einer sozialen Gruppe) in den USA heute agiert, nehme man das klinische Beispiel der völlig willkürlichen Zerstörung der amerikanischen Automobilindustrie durch diesen Kult der „68er".

Die Autoindustrie als Syndrom

Ihr letztes Aufbäumen an Glaubwürdigkeit hatte die Babyboomer-Nachkriegsgeneration – weitgehend auf mein Betreiben hin – unmittelbar nach der Präsidentschaftswahl im November 2004. Ich forderte damals die Babyboomer-Führung in der Demokratischen Partei auf, sich nach der unter zweifelhaften Umständen erklärten Niederlage des Präsidentschaftskandidaten Kerry wieder aufzuraffen und alles daran zu setzen, die staatliche Rentenversicherung in den USA zu schützen, weil die Regierung Bush diese mit allen Mitteln kaputtmachen wollte.

Die treuen Anhänger der Demokratischen Partei und auch einige wichtige Republikaner kamen der patriotischen Sache zu Hilfe – bis Februar 2006.

In der Zwischenzeit hatte ich mich ab Ende 2004 darum bemüht, das Wirtschaftspotential der US-Automobilindustrie mit ihrem lebenswichtigen Maschinen- und Anlagenbau zu schützen, weil eindeutige Absichten bestanden, diese letzte Bastion der einst so mächtigen amerikanischen Volkswirtschaft zu schleifen. Im Frühjahr 2005 griff der rechtsextreme Bankier Felix Rohatyn ein, der mit „Big Mac" [Herunterwirtschaften der Stadt New York in den 70er-80er Jahren] und als Hintermann des Pinochet-Putsches 1973 traurige Berühmtheit erlangte; er behauptete, ich könnte ein „neuer Franklin Roosevelt" werden, und das und mein Einfluß überhaupt müßten gestoppt werden. Im Februar 2006 kapitulierte die demokratische Kongreßführung vor Rohatyn, und seither ist die US-Automobilindustrie praktisch ganz verschwunden – und mit ihr das meiste der einstigen politischen und wirtschaftlichen Macht der USA.

Der US-Kongreß ist seit Februar 2006 unter der Kongreßsprecherin Nancy Pelosi praktisch tot. Doch hätte Pelosi ihr Zerstörungswerk zum Vorteil von Rohatyn und George Soros nicht ausführen können ohne den „68er-Faktor" im Kongreß und in der entsprechenden Altersgruppe der Parteiführung der Demokraten allgemein.

Ich habe seit Ende 2004 immer wieder betont, daß es unmöglich wäre, die Automobilindustrie in ihrer gegenwärtigen Form zu „retten". Die nachindustrielle Ausrichtung, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs gegen das Vermächtnis Franklin Roosevelts lanciert wurde, zielte darauf ab, die Automobilindustrie und verwandte Kapazitäten in der Luftfahrtindustrie dichtzumachen, um die agro-industrielle Entwicklung der Vereinigten Staaten auf der Grundlage des transkontinentalen Eisenbahnnetzes als Bollwerk der großen industriellen Revolution seit Mitte des 19. Jahrhunderts zu treffen.

Tatsächlich gibt es zwei Automobilindustrien. Die eine ist eine Fertigungsindustrie; die andere ist eine Kultstätte für die Anbetung des modernen Goldenen Kalbs der Nachkriegsgeneration, des Autos. In jüngster Zeit ist die Fertigungsindustrie praktisch verschwunden. Es gibt diese Art der Industrie noch, und sie hat hier in den USA Betriebsabteilungen, aber es ist eine ausländische Industrie, die als solche in Amerika nicht mehr existiert. So sind viele andere ehemalige amerikanische Industriezweige entweder praktisch ausgestorben oder sind für Amerikaner, wenn nicht direkt aus fremder Fertigung, so doch größtenteils nur in Form von Produktion ausländischer Interessen verfügbar.

3. Mythos Automobil

Der Bau eines transkontinentalen Eisenbahnnetzes in den USA war eine moderne Fortsetzung der Pionierleistung Karls des Großen, in Europa ein Netz von Binnenwasserstraßen zu schaffen. Diese Eisenbahn war seit der Amtszeit Präsident Lincolns der Motor der enormen agro-industriellen Entwicklung und Machtstellung der Vereinigten Staaten in der Welt. Entscheidend für die industrielle Revolution in der gesamten Periode von Präsident Lincoln bis Präsident Franklin Roosevelt waren die Anhäufung des im Werkzeugmaschinensektor verkörperten wissenschaftlichen Potentials und der enorme Fortschritt von Industrien wie der Schwer- und andere Fertigungsindustrie, in denen die Kenntnisse wissenschaftlicher Prinzipien aus dem hochentwickelten Maschinen- und Anlagenbau praktisch umgesetzt wurden. Früher waren viele dieser amerikanischen Industriebereiche Weltmarktführer. Seit etwa 1967-68 wurde die US-Wirtschaft aber von einem Zerstörungsprozeß erfaßt, weil die Regierung zum Komplizen der herrschenden anglo-amerikanischen Finanzinteressen wurde.

Die Geschichte der amerikanischen Automobilindustrie ist eng mit den alten Ängsten des Britischen Empire verknüpft; dies begann in den Jahren 1863-65, als die Briten davon ausgingen, daß die Vereinigten Staaten unter Präsident Abraham Lincoln Londons Marionette, die Südstaaten-Konföderation, wahrscheinlich besiegen würden, weil Lincoln die Einheit der Nation entschlossen verteidigte. Die Wende im Bürgerkrieg hat Lord Palmerston nicht umgebracht [er starb 1865]; aber sie bedeutete das Aus für die Politik der Eindämmung, Spaltung und anderen systematischen Zerstörung der Vereinigten Staaten, die das britische Außenamt unter Lord Shelburnes Zögling Jeremy Bentham und dessen Nachfolger Palmerston seit der Schlußphase des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs bis zu Lincolns Sieg betrieb.

Der Bau eines transkontinentalen Eisenbahnnetzes mit den unter Präsident Lincoln eingeführten Methoden ließ die Art von Republik entstehen, die der amerikanische Außenminister und Präsident John Quincy Adams angestrebt hatte: eine Republik in Grenzen vom Atlantik bis zum Pazifik und von Kanada bis Mexiko, die ein transkontinentaler Souverän wäre.

In der Zeit zwischen 1861 und 1876 wurde deutlich, daß diese erfolgreiche industrielle, landwirtschaftliche und bahninfrastrukturelle Entwicklung für die britische Seemacht zu einer „geopolitischen" Bedrohung wurde. Diese Entwicklung der USA war einer der Hauptgründe dafür, daß die Briten Lincoln ermorden ließen und auch später in die strategisch hochbedeutsame Ermordung Präsident McKinleys unmittelbar verwickelt waren. Das war das Motiv der Londoner Imperialisten und bleibt es bis auf den heutigen Tag.[sup]5[/sup]

Der Einfluß der Vereinigten Staaten auf die eurasische Entwicklung, die massive Überlegenheit ihrer Wirtschaftsmethoden gegenüber jenen des Britischen Empire und ihre Macht in den beiden Weltkriegen waren für London klare Signale, daß es die USA zerstören müßte, wenn das Empire weiterhin „alle Weltmeere beherrschen" wollte.

Jeder politische oder militärische Stratege, der diese entscheidende Grundtatsache der Weltgeschichte seit 1863-65 nicht erkennt, ist in Hinsicht auf die strategische Weltlage praktisch ein Analphabet, was immer sonst seine Fähigkeiten in den eher untergeordneten Künsten des militärischen und diplomatischen Geschäfts sein mögen.

Die nach dem Zweiten Weltkrieg künstlich geschaffenen „68er" (in Amerika: „die Babyboomer") sind ein zwar von der Regierung Truman gefördertes, aber im wesentlichen von den Briten erzeugtes Phänomen, in dem die strategische Realität dieses Kampfs auf Leben und Tod zwischen amerikanischen Patrioten und der britisch-imperialen Ausrichtung des Währungssystems zum Ausdruck kommt.[sup]6[/sup] Die Art und Weise, wie die amerikanische Automobilindustrie aufgebaut wurde (besonders seit den zwanziger Jahren) und gleichzeitig Amerikas Eisenbahnnetz abgebaut wurde (eigentlich schon seit 1926, aber vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg), ist ein äußerst wichtiger und vielsagender Aspekt dieses existentiellen strategischen „Kulturkampfs": auf der einen Seite die amerikanischen Patrioten, auf der anderen die Erzfeinde unserer Republik während der gesamten Zeit von 1763 bis heute, die britischen Imperialisten und ihre amerikanischen Helfershelfer in unserem Wirtschaftsleben und unseren politischen Parteien.

Warum und wie die amerikanische Automobilindustrie erst aufgebaut wurde, um die Eisenbahn zurückzudrängen, und dann heute selbst wieder demontiert wird, läßt sich nicht angemessen beurteilen, ohne bestimmte wichtige Fragen zu berücksichtigen – wie etwa die strategischen Vorteile der Bahn und vergleichbarer Massenverkehrssysteme gegenüber dem Privatauto als Mittel für den Transport von Personen oder von hochwertigen Gütern bzw. Schwerlasten über mittlere bis lange Entfernungen.

Deshalb war der Übergang von Massentransport auf Individualverkehr – auch wenn das Auto als ergänzendes privates Transportmittel weiter einen bedeutenden Platz im täglichen Leben einnimmt – auf der höheren, strategischen Ebene ein bewußter Teil der Pläne, die Wirtschaft und damit die Macht der Vereinigten Staaten zu schwächen.

Niemand kann ernsthaft abstreiten, daß die zunehmende Abhängigkeit vom Straßenverkehr mit Lastwagen und Privatautos für die Lebensqualität all der Pendler, die immer mehr Zeit auf verstopften Straßen zubringen müssen, eine Katastrophe ist. Kein vernünftiger Mensch und kein kompetenter Bilanzbuchhalter könnte leugnen, wie wichtig es wäre, diese kostspieligen Staus auf den Straßen mit Hilfe effizienter Nahverkehrssysteme aufzulösen. Kein kompetenter Ökonom könnte abstreiten, daß der zwangsläufige Ersatz aufgegebener Bahnstrecken durch Kurzstreckenflüge in vieler Hinsicht ruinös war, auch für die Fluggesellschaften und den Flughafenbetrieb.[sup]7[/sup]

Es sollte auf der Hand liegen, daß ein Politiker, der diese Überlegungen nicht versteht und ihnen nicht zustimmt, keinesfalls geeignet wäre, Präsident der Vereinigten Staaten zu sein.

Wenn man solche Tatsachen erkannt und verstanden hat, ist es eigentlich kein Geheimnis mehr, warum und wie nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA und Westeuropa diese anomale Kaste der „68er-Babyboomer" künstlich geschaffen wurde. Betrachtet man diese Fragen im Licht der absonderlichen Rolle dieser Kaste aus der Nachkriegsgeneration, so ist es ein großer Unterschied, ob man im Auto ein nützliches Verkehrsmittel für bestimmte Transportzwecke sieht oder einen fast schon sexuellen Ausdruck einer Sektenbildung.[sup]8[/sup]

Typischer Ausdruck davon sind nicht nur die obszönen Laute, die zu früheren Zeiten manchmal von den Rücksitzen ertönten, sondern auch das Verhalten vieler aus derselben Generation heute, die sich hinter dem Steuer wie die Wahnsinnigen aufführen.

Der Boomer als dein Feind

Die künstliche Prägung dieses Teils der Nachkriegsgeneration[sup]9[/sup] – von ihrem Ei- und frühen Larvenstadium hin zu ihrer neotenischen Quasi-Erwachsenenphase als „die 68er"[sup]10[/sup] – ging auf Arbeiten der Kreise um Aleister Crowley, H.G. Wells und Bertrand Russell in den zwanziger und dreißiger Jahren zurück. Als Russell in den Nachkriegsjahrzehnten das Wells-Russell-Projekt weiterführte, erklärte er selbst öffentlich, sein Ziel sei es, über einen Atomkrieg eine Weltregierung zu schaffen; schon in der September-Ausgabe 1946 des Bulletin of the Atomic Scientist äußerte er sich entsprechend.

Dieser Bertrand Russell der späten vierziger Jahre und danach war genauso widerwärtig wie H.G. Wells, wenn auch ohne dessen derbe Sitten; er knüpfte im wesentlichen an Wells‘ The Open Conspiracy (Die offene Verschwörung) und The Shape of Things to Come (dt. Von kommenden Tagen) an.[sup]11[/sup] Nach Kriegsende, als Wells bereits tot war, setzte Russell über Kanäle wie die „Weltparlamentarier für eine Weltregierung" und das dem Club von Rom nahestehende Internationale Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) im österreichischen Laxenburg seine Arbeit fort, um mit den Mitteln des Cambridger Systemanalysekults Einfluß auf die Sowjetunion zu nehmen.[sup]12[/sup] Die gleichen Kreise spielten zusammen mit dem britischen Prinzen Philip und dessen Busenfreund, dem früheren SS-Mitglied Prinz Bernhard der Niederlande, und damit auch mit Lady Margaret Mead eine ausschlaggebende Rolle bei der Schaffung und weiteren Unterstützung des Clubs von Rom und verwandter Vereinigungen wie dem World Wildlife Fund.[sup]13[/sup]

Wenn man wissen will, was Russells Motive waren, lese man die entsprechenden Stellen[sup]14[/sup] in Russells Prospects of Industrial Civilization (Aussichten der Industriegesellschaft)[sup]15[/sup] und seinem späteren The Impact of Science on Society (dt. Wissenschaft wandelt das Leben).[sup]16[/sup]

Aus ersterem Buch sei zitiert: „Nachlassende Leidenschaften des einzelnen bringen vor allem eine Minderung der Individualität mit sich. In einem durchindustrialisierten Gemeinwesen wie den Vereinigten Staaten gibt es kaum noch merkliche Unterschiede von einer Person zur anderen;… ein Verrückter, der seine Frau unter den schrecklichsten Umständen umbringt, ist ein öffentlicher Wohltäter, weil er etwas Leben in die Bude bringt." [Hier und im folgenden verwenden wir eigene Übersetzungen, Red.]

Aus Russells The Impact of Science on Society beachte man die folgende aufschlußreiche Stelle:

„Schlechte Zeiten, sagt man, seien außergewöhnlich und lassen sich mit außergewöhnlichen Methoden bewältigen. Auf die Zeit der Flitterwochen der Industrialisierung traf das mehr oder weniger zu, aber das wird nicht so bleiben, wenn nicht der Bevölkerungszuwachs enorm gesenkt wird. Gegenwärtig [1953] vermehrt sich die Weltbevölkerung um 58.000 Menschen pro Tag. Die Kriege haben bisher keinen wesentlichen Einfluß auf diese Zunahme gehabt, sie hielt während beider Weltkriege unvermindert an… Der Krieg war in der Hinsicht… bisher enttäuschend, aber vielleicht ist der bakteriologische Krieg wirkungsvoller. Wenn sich in jeder Generation einmal der Schwarze Tod über die Welt ausbreiten könnte, dürften die Überlebenden fröhlich weiterzeugen, ohne die Welt allzu voll werden zu lassen… Die Zustände wären etwas unangenehm, aber was macht das schon? Wirklich hochgesinnten Menschen ist das Glück gleichgültig, besonders das anderer Leute." Russell sehnt sich nach einer von mittelalterlichem Adel beherrschten Welt, wo „die heutigen städtischen und industriellen Ballungszentren verfallen sind und ihre Bewohner, falls sie noch leben, zum harten bäuerlichen Leben ihrer mittelalterlichen Vorfahren zurückgekehrt sind".

In dem gleichen Buch nennt er auch seine persönliche Motivation, den Haß eines britischen Oligarchen auf die Vereinigten Staaten:

„Was das öffentliche Leben betrifft: Als ich das erste politische Bewußtsein entwickelte, stritten sich Gladstone und Disraeli noch inmitten der viktorianischen Grundfesten, das Britische Empire schien ewig, das Land war reich, aristokratisch und wurde reicher… Einem alten Mann mit einer solchen Vergangenheit fällt es schwer, sich in einer Welt… amerikanischer Überlegenheit zuhause zu fühlen."

Wenn man diese Zitate liest, sollte man sich bewußt machen, daß die von Russell geäußerte Haltung nicht die eines isolierten britischen Exzentrikers ist; Russell ist, wie ich eingangs betont habe, eine Schlüsselfigur unter jenen, die besonders in der englischsprachigen Welt die heutige Politik des Liberalismus maßgeblich geprägt haben.

Das gesamte liberale Establishment der Vereinigten Staaten ist, wenn man den Begriff „liberal" richtig auffaßt, ein Produkt eben dieses britischen Liberalismus, den der Aristokrat Russell verkörperte und in dem er zusammen mit der Fabian Society und seinem ungehobelteren, plebejischen politischen Bruder H.G. Wells eine sehr wichtige Rolle spielte. Die Stellen, die ich hier aus seinen Schriften zitiert habe, sind typisch für die Denkweise, auf die man heute in den öffentlichen Äußerungen des britischen Prinzgemahls Philip, dem SS-Veteranen Prinz Bernhard oder bei Prinz Charles‘ Lakaien, dem früheren US-Vizepräsidenten Al Gore, stößt.

Die einfältige Variante des typischen Amerikaners mit seiner vermeintlich „praktischen" Lebenseinstellung ist „wie Wachs in den Händen" so bösartiger Menschen wie diesen Briten und ihren amerikanischen Nachläufern. Ein solcher armer Zeitgenosse glaubt fast jeder sophistischen „Erklärung", mit der er seine Freiheit, vielleicht sogar sein Leben und das seiner Familie aufgibt. Ein derartiger amerikanischer Hohlkopf ist sich selbst sein schlimmster Feind – er sieht gar nicht das Teuflische dieser britischen imperialen Kreise, das Russell mit so brutaler Offenheit beschreibt.

Um die eigentliche Bedeutung der Krise der amerikanischen Automobilindustrie zu verstehen, muß man erst den Schleier der weitverbreiteten Illusionen zerreißen, hinter dem sich die wahren Absichten von Prinz Philip und seinem Komplizen Prinz Bernhard bei dessen Projekt des World Wildlife Fund verbergen. Ihr Ziel ist es, die Weltbevölkerung von heute etwa sechseinhalb Milliarden auf etwa zwei Milliarden Menschen zu senken; das ist die Fortsetzung einer Politik, wie Hitlers Regime sie verfolgte.[sup]17[/sup]

Ignoranten in hohen Positionen in Europa und Amerika glauben, bloßer finanzieller Profit und dergleichen sei der Leim, der imperiale Leidenschaften, wie die des Britischen Empire, zusammenhält. In Wirklichkeit ist es aber gerade dieses von Russell herausgestellte aristokratische Prinzip – die Sicherung eines Gesellschaftssystems aristokratischer Weltherrschaft -, was das tiefere Motiv hinter der imperialistischen Feudalmacht ausmacht, nicht der bloße finanzielle Gewinn als solcher, den die anglo-holländischen liberalen Finanzinteressen als das wirtschaftliche Hauptinteresse imperialer Macht so schätzen. Finanzielle Raubritter anglo-holländisch-liberaler Prägung oder ähnlich korrumpierte Amerikaner wünschen sich nichts sehnlicher, als als „Euroaristokrat" wiedergeboren zu werden.[sup]18[/sup] Vertreter des Imperialismus wie Prinz Philip wollen alle Gesellschaftssysteme, welche die Machtstellung des internationalen monetaristischen Wuchers z.B. durch realwirtschaftlichen Fortschritt untergraben, unbedingt zerstören, wenn sie diese nicht von vornherein verhindern konnten.

Der törichte Amerikaner merkt nicht, daß es keinen einzigen wirklich ernstzunehmenden Feind gab, von dem die Vereinigten Staaten bedroht wurden, der nicht letztlich ein Werkzeug jenes Britischen Empire war, das zwischen 1895 und 1945 Japan und andere auf uns hetzte und sich heute wieder anschickt, Stellvertreterangriffe gegen uns zu lancieren.

Warum wohl hat Premierminister Tony Blair die Vereinigten Staaten durch Lügen und möglicherweise den Mord an einem Mann, der seinen Betrug aufdeckte, dazu gebracht, sich unter Dick Cheneys Marionette, dem dümmlichen Präsidenten George W. Bush, auf einen langen, verzehrenden Krieg im Irak einzulassen – einen Krieg, der Amerika fast alle Bodentruppen gekostet und außerdem noch die letzten Reste seiner Wirtschaft ruiniert hat?[sup]19[/sup]

Es gibt etliche schlechte Amerikaner, aber diese schlechten Amerikaner hätten uns nicht dermaßen ruinieren können, wenn nicht viel zu viele Amerikaner einfach nur dumm wären – besonders der Babyboomer-Klasse -, einige davon sogar Harvard-Absolventen.

Wenn Sie über das, was ich gerade gesagt habe, gründlich nachdenken, stehen Sie kurz davor, die aktuelle Krise um den Kult der „Auto-Erotik" in Amerika zu verstehen.

Mythos Auto

Seit der Zeit nach den Napoleonischen Kriegen gab es für das Britische Empire, mit den Habsburger-Anhängseln in seinem Schlepptau, nur noch die Vereinigten Staaten von Amerika als ernsthafte Bedrohung, weil die USA das Bollwerk der politischen Alternative waren, als die unsere Verfassung und insbesondere deren Präambel ganz bewußt entworfen sind. Dieser andauernde Konflikt ist genau die Frage, von der jedes kompetente Verständnis der Ursachen für Aufstieg und Fall der amerikanischen Automobilindustrie abhängt. Ein kompetentes psychologisches Verständnis der jüngsten Krise der Autoindustrie sowie einer Heilung dieser Krankheit ist von keinem anderen Standpunkt möglich.

Dieser Konflikt hat gegenwärtig zwei Hauptaspekte. Vor allem ist das Britische Empire davon überzeugt, daß seine gründliche kulturelle Unterwanderung die USA in den bedauernswerten Zustand gebracht hat, in dem Londons Gewährsleute – wie der Ideologe Felix Rohatyn und Londons größter Drogenpropagandist und Auslandsagent George Soros – die USA ein für allemal in die Knie zwingen könnten; dadurch wäre der Weg frei für die Beseitigung weiterer „Hindernisse" wie China, Rußland und Indien. Zweitens steuert London soziale, politische und kulturelle Prozesse in Amerika, die darauf abzielen, die USA zum Vorteil der Briten wirtschaftlich zu ruinieren. Das Beispiel Autoindustrie ist hierfür beispielhaft.

Heute wird lautstark um Hilfe gerufen, um unsere Automobilindustrie zu retten, aber das ist ein Kinderwunsch, weit weg von der Realität. Ich verfüge über beste Voraussetzungen, hierüber zu sprechen, denn ich stand persönlich an vorderster Front in dem jüngsten Wirtschaftskrieg um eine Beendigung des Wahnsinns, den Robert McNamara von Ford und die Wallstreet-Kontrolle über General Motors angerichtet haben, und bemühte mich, die nützlichen Bereiche der Autoindustrie zu retten. Ich verdiente meine Sporen im Februar 2006, als die Kongreßführung und die meisten in der Führung der großen Parteien auf Geheiß von Schwindlern wie Felix Rohatyn diese gesamte Industriebranche auf den Schrotthaufen werfen wollten. Was habe ich zu dieser Frage von Anfang an, seit Ende 2004, Anfang 2005 gesagt? Jeder kann es nachlesen: Wer hatte recht, und wer tat und tut noch immer das Falsche?

Begleichen wir auch die Rechnung mit all den Narren, die vorschlagen, die Autoindustrie so wie sie ist, zu retten, und nicht in erster Linie ihre Kapazitäten an Maschinen- und Anlagenbau, für die Autos nur ein Aspekt sind.

Ich habe es wieder und wieder gesagt:

Die Automobilindustrie in ihrem derzeitigen Umfang läßt sich nicht retten. Wer es versucht, wird nicht nur diese Industrie verlieren, sondern auch sämtliche Chancen auf eine Erholung der amerikanischen Volkswirtschaft, die schon auf dem schnellsten Weg in die Bankrotthölle ist, zunichte machen. Einige Idioten (oder schlimmere) sind dem Pinochet-Unterstützer Felix Rohatyn gefolgt. Das kann man ihnen sicher zum Vorwurf machen, wenn man will – aber jeder sollte sich an der eigenen Nase fassen, ob er so dumm, feige oder korrupt war, ihm in der Sache zu glauben. Ich habe immer wieder gesagt, daß wir die Autoindustrie retten müssen, indem wir sie wieder auf ihre Wurzeln zurückführen: auf die Entwicklung des Werkzeugmaschinenbaus, aus dem die Autoindustrie als nur eine von vielen Produktlinien hervorgegangen ist.

Das alberne Wort „Autoindustrie", das die meistens ziemlich dümmlichen sogenannten Unternehmensberater benutzen, sollte man am besten gar nicht mehr verwenden. Sagen wir statt dessen: „der Maschinenbau, der Amerika befähigte, den Zweiten Weltkrieg zu gewinnen und gleichzeitig seine Wirtschaft aus der Großen Depression von Coolidge und Hoover wieder herauszuholen".

Ich sagte weiter, wir bräuchten andere Beschäftigungsmöglichkeiten für zwei Bereiche innerhalb der sogenannten „Automobilindustrie": Vor allem den Maschinen- und Anlagenbau an sich. Zweitens, und wirklich nur zweitens, den Teil der Beschäftigten aus der Fertigung, der mit wichtigen Sektoren des Werkzeugmaschinenbaus verbunden ist. Dieser Teil muß auf vielfältige andere Aufgaben umgestellt werden, wie sie dieser Bereich zur Zeit der beiden Weltkriege erfüllte. Wir haben auch im einzelnen bestimmte Werke der sogenannten Autoindustrie vorgeschlagen, die in dieser Weise umgerüstet werden sollten.

Im Zusammenhang mit diesem Thema muß ich auch darauf hinweisen, wie die US-Autoindustrie ungefähr seit den Tagen jenes geistesgestörten Buchhalters Robert McNamara (der „Aalglatte") von innen kaputt gemacht wurde, verglichen mit den Automobilherstellern in Asien, besonders in Japan und Korea, sowie auch sehr deutlich gegenüber Deutschland vor 1989. Dadurch, daß in den USA die entscheidende Bedeutung eines hochmodernen Maschinen- und Anlagenbaus heruntergespielt wurde, hat sich die amerikanische Industrie selbst das Wasser abgegraben. Praktisch hat General Motors erst die Eisenbahn zugrunde gerichtet und sich dann mit den gleichen Methoden selbst ruiniert.

Der erste Schritt zur Rettung dieses Sektors der US-Wirtschaft besteht darin, sich der Finanzinteressen zu entledigen, die von Anfang an für die Zerstörung und Ausschlachtung dieser Industrie verantwortlich gewesen sind. Für Felix Rohatyn und seinesgleichen muß es heißen: Finger weg von allen strategisch wichtigen Bereichen der US-Wirtschaft!

2004-05 forderte ich, daß die amerikanische Regierung die grundlegende wirtschaftliche Infrastruktur, die seit 1967-68 von den törichten Regierungen links liegen gelassen wurde, aus dem langen Schlaf erweckt wie den legendären Rip Van Winkle [der in der Kurzgeschichte von Washington Irvin 20 Jahre lang schläft und so die Amerikanische Revolution verschläft]. Die ganze Infrastruktur, die in den letzten fast 40 Jahren staatlichen Wahnsinns und der Herrschaft der 68er-Sekte mit dem früheren Vizepräsidenten Al Gore u.a. bewußt dem Verfall preisgegeben wurde, müßte wieder aufgebaut werden.

Wir brauchen umfangreiche wasserwirtschaftliche Projekte, z.B. im gesamten Mississippi-Becken, über das Wasser aus der gesamten Fläche zwischen den beiden großen Nord-Süd-Flußsystemen der USA abgeführt wird. Ein Großteil der Lastwagen und Privatfahrzeuge sollte von den Autobahnen verschwinden, während wir moderne transkontinentale Bahn- und Magnetbahnnetze für den Personen- und Güterverkehr bauen. Bauen wir die Industrie wieder auf mit einem landesweiten Kernkraftnetz, das ist für heute und für die Zukunft das einzige wirtschaftlich Sinnvolle. Statt sich vom weniger effizienten und viel teureren Importöl abhängig zu machen, brauchen wir Kernreaktoren mit hoher Energieflußdichte zur Deckung des lokalen und regionalen Bedarfs an wasserstoffbasierten synthetischen Treibstoffen für Flugzeuge und Kraftfahrzeuge ebenso wie für Brennstoffe für die Wohnraumbeheizung und -kühlung in den großen Wohngebieten. Im Zuge dieser großen, von Bund, Ländern und Kommunen getragenen Infrastrukturprojekten können Landwirtschaft und Industrie wieder expandieren, während das völlig unsinnige und verschwenderische Übermaß an „Bürokräften" abgebaut wird, indem wir das Schwergewicht wieder auf wirklich produktive Beschäftigung besonders im Maschinen- und Anlagenbau legen.

Mit solchen Programmen sänke die notwendige Anzahl an Automobilen pro Kopf, pro Quadratkilometer und pro Stunde des Werktags gegenüber heute auf einen deutlich kleineren Anteil. Die tägliche Fahrtzeit zum Arbeitsplatz könnte um Stunden verringert werden oder entfiele ganz, so daß die Kinder wieder mehr bei ihren Eltern wären und wir nicht mehr die Lage haben, daß Erwachsene sich kaum noch erinnern können, wie eigentlich ihr Ehepartner aussieht.

Wir müssen es wieder schaffen, ganz Mensch zu sein.

Machen wir uns also daran, den Werkzeugmaschinenbau und verwandte Bereiche neu aufzuteilen: eine verkleinerte Autoindustrie und eine wachsende Vielzahl von Alternativen. Retten wir alle die Bundesstaaten, Städte, Kommunen und Familien, die derzeit durch die Politik von Leuten wie Felix Rohatyn und dem antiamerikanischem britischen Agenten und Drogenmann George Soros ruiniert werden. Bringen wir das, worin einige nur eine Autoindustrie sehen, wieder in volle Auslastung, indem wir das Prinzip von wissenschaftsgetriebenem Maschinen- und Anlagenbau in den Mittelpunkt stellen, statt uns gegenseitig die Wäsche zu waschen, wenn es überhaupt noch Wäsche zu waschen gibt.

4. Rußland als eurasische Nation

Wenn wir uns jetzt Eurasien und besonders der Rolle der eurasischen Nation Rußland in Asien zuwenden, darf man dabei nicht aus den Augen verlieren, daß es in diesem Kapitel um eine Situation geht, in der die „68er-Generation" mit ihrem strategischen Neotenie-Faktor ein entscheidender Faktor der Weltkrise von 1968-2008 ist und in mehreren Regierungen eine bestimmende Rolle einnimmt. Dieser 68er- oder Neotenie-Faktor ist entscheidend, um zu verstehen, warum gegenwärtig weithin der blanke Wahnsinn herrscht: in der amerikanischen Regierung und den großen Parteien der USA (dabei spielen der britische Rüstungskonzern British Aerospace (BAE) und Saudi-Arabiens im Hintergrund eine wichtige Rolle) wie auch auf den internationalen Finanzmärkten.

In den siebziger Jahren habe ich mich einmal in New York mit einem Israeli getroffen, der seit Jahrzehnten ein hochgeehrter Staatsmann seines Landes war. An einer Stelle des Gesprächs mahnte er zur Vorsicht: Man dürfe nicht vergessen, daß einige Staatsführer der Region (um die sich unsere Unterhaltung drehte) „klinisch verrückt sind" – ich konnte nur zustimmen.

Die Rolle Rußlands in Eurasien ist als Phasenraum ein Unteraspekt einer Weltlage, die durch den „68er"-Faktor geprägt ist, besonders in Nord- und Südamerika sowie West- und Mitteleuropa. Schlimmer als ein einzelner verrückter Staats- oder Regierungschef ist eine gesamte verrückte Schicht mit beherrschendem Einfluß in mehreren Regierungen, so wie das neotenische 68er-Element in maßgeblichen Institutionen wichtiger Regierungen heute. Der jüngste Zwischenfall in Georgien sollte uns in Erinnerung bringen, daß Rußland sich heute diesem Wahnsinn entgegenstellt, und das nicht nur in Georgien.

Als US-Bürger sorge ich mich um die Sicherheit Rußlands, einer Nation, die ein wichtiger Partner der Vereinigten Staaten sein sollte. Insofern ist Rußlands wirtschaftliche Sicherheit ein wichtiger Teil des strategischen Eigeninteresses der USA. Meine Sorge gilt dabei nicht Rußland allein. Rußland muß in der gegenwärtigen und zukünftigen Wirtschaft der ganzen Welt eine wichtige realwirtschaftliche Rolle spielen, und ein Mangel an Fortschritt in dem Bereich ist auch für die Vereinigten Staaten von Bedeutung. Mich beunruhigt der Mangel an wirklichen Erfolgen des modernen Rußlands im Bereich seiner nichtmilitärischen Produktion und, daraus folgend, die übermäßige Abhängigkeit der russischen Volkswirtschaft von ihren Rohstoffen, auch wenn diese zugegebenermaßen große Schätze sind.

Das ist ein russisches Problem; besonders beunruhigend ist aber, daß die Folgen im wesentlichen global sind. Das ist so, weil Rußland im gesamten System wirtschaftlicher Entwicklung des eurasischen Kontinents das entscheidende Element bildet, und seine Kapazitäten in der Landwirtschaft und in der Industrie mit ihrem hochwertigen Maschinen- und Anlagenbau sind als dringend benötigte, maßgebliche Faktoren für das Überleben der ganzen Weltwirtschaft zu betrachten.

Das entscheidende konzeptionelle Problem, das ich an dieser Stelle des Aufsatzes behandle, fällt in der Volkswirtschaftstheorie meistens unter den Tisch, und das ist typisch für die maßgebenden Buchführungs- und Wirtschaftssysteme fast überall auf der Welt heute. Beispielsweise scheint bis heute keine Nation verstanden zu haben, was „Profit" wirklich bedeutet. Wegen des Einflusses monetaristischer Kreise der Finanzbuchführung auf das heutige Denken hinter Wirtschaftstheorien und der Wirtschaftspolitik von Regierungen ist die heutige Volkswirtschaftslehre von vornherein unfähig zur Lösung der Aufgaben, die sich aus den physischen Erfordernissen pro Kopf und Quadratkilometer Landfläche ergeben.

Eine andere Beschreibung dieses Problems ist: Mangel an wirklicher, individueller, menschlicher Kreativität.

Die Welt, in der wir seit den Finanzkrisen von 1997-98 leben, ist eine andere Welt als zuvor. Der Kurs der Weltwirtschaft war zwar schon seit 1968-73 ziemlich abwegig, doch der weitere Verfall führender Institutionen und die Machtverlagerung in Staat und Wirtschaft auf die Nachkriegs-68er-Generation ließ im Weltwirtschaftssystem einen Faktor reinen Wahnsinns aufsteigen. Im Zuge der internationalen Veränderungen durch den höchst zerstörerischen Einfluß der Trilateralen Kommission auf die monetär-finanziellen und wirtschaftlich-sozialen Systeme der Welt breitete sich in den bereits schlechten Systemen von Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre der Wahnsinn aus. Es begann mit einem Krebsgeschwür im Körper des Patienten, heute besteht der ganze Patient nur noch aus Krebs.

Das Problem besteht heute darin, daß wirkliche wissenschaftliche und andere Kreativität in der Sprache der von Regierungen oder Ökonomen praktizierten Volkswirtschaftslehre nicht einmal mehr ansatzweise vorkommt. Bei näherem Hinsehen bedeutet „Wirtschaftswissenschaft" in den führenden Wirtschaftskreisen der meisten Nationen gewöhnlich bloß eine Tradition trockener Finanzbuchhaltung oder die Verkaufsmasche eines Scharlatans, der sich zur Erbauung der Leichtgläubigen zurechtgemacht hat – vielleicht in ein schlecht sitzendes, mit ein paar affigen Rüschen verziertes Clownkostüm. Unter den sich nun weiter verschlechternden Bedingungen grenzt inzwischen sogar die traditionelle Buchhaltung an Wahnsinn.

Das Zauberwort, das am besten ausdrückt, was den Fachleuten der meisten Nationen fehlt und selbst schon vor den Entwicklungen Ende der sechziger und in den siebziger Jahren fehlte, heißt „Kreativität". Schöpferisches Denken, die zentrale Frage dieses Berichts über notwendige Wirtschaftsmaßnahmen, läßt sich am besten als der absolute Unterschied zwischen Mensch und Tier definieren und beschreiben. Das hier von mir angesprochene Problem hat seinen Ursprung im Mangel an dieser Art von Kreativität. Selbst unter Staatsführern sowie auch vielen Wissenschaftlern mangelt es an dem Wissen, das der olympische Zeus den Menschen vorenthielt, wie es der große klassische Dramatiker Aischylos in seinem Stück Der gefesselte Prometheus dargestellt hat.

Solange es in der sich bereits zuspitzenden Krisensituation Ende der sechziger Jahre noch reale Produktivitätszuwächse gab, solange die bemannte Mondlandung in der Volksmeinung noch ein Thema war, gab es in der Politik ein Element der Vernunft, aber das ist im Laufe der Regierungszeit von Präsident Carter immer mehr verschwunden. Je mehr sich „Umweltschutz" und „Globalisierung" verbreiteten, desto schneller ging der Faktor traditioneller Urteilskraft den Bach hinunter. Der verderbliche Faktor war allerdings im Prinzip ein sehr alter, wie uns die klassische griechische Tragödie vor Augen führen sollte.

In Der gefesselte Prometheus hatte Aischylos den olympischen Tyrannen Zeus dargestellt, der Prometheus folterte, weil der das „Verbrechen" begangen hatte, den sterblichen Menschen das Wissen über den Gebrauch des „Feuers" weiterzugeben. Tatsächlich regierten in der wirklichen Geschichte in den meisten Gesellschaften Einrichtungen, die wie der olympische Zeus des Dramas der Masse der Bevölkerung untersagten, die Naturgesetze, die der Kategorie des „Feuers" in dem Drama entsprechen, für sich zu entdecken.

Was sich „Globalisierung" nennt, ist ein Schwindel, der auf eine ähnliche menschenverachtende Wirkung abzielt. Die erklärte Absicht britischer und anderer Ideologen hierbei ist, jede Nation von der Produktion anderer Nationen abhängig zu machen, selbst was die Nahrungsmittelversorgung und sonstigen Lebensunterhalt angeht. Es ist der Plan für einen weltweiten „Turmbau zu Babel", worin sich Finanzspekulanten breit machen und Jagd auf die Warenströme zwischen Landwirt und Verbraucher machen: Dem Erzeuger wird der geringste Betrag bezahlt, aber dem Verbraucher am Ende der Warenkette werden die höchsten Preise abverlangt.

In den meisten Gesellschaften und ihren Kulturen, die uns einigermaßen bekannt sind, eingeschlossen die meisten europäischen Nationen und die USA heute, wird das schöpferische Potential der Menschen aber nicht nur in den sogenannten unteren Gesellschaftsschichten unterdrückt; selbst die mächtigsten herrschenden Kreise sind zwar in mancher Hinsicht besser informiert, kennen aber nicht wirklich die Prinzipien der Kreativität, die der olympische Zeus unterdrückte.

Da Kreativität im wesentlichen eine Frage sozialer Beziehungen und des gesellschaftlichen Fortschritts ist, findet man die beste Einsicht in dieses Problem gewöhnlich nicht unter heutigen Naturwissenschaftlern, sondern in den großen klassischen Tragödien des antiken Griechenlands und in den Dramen Shakespeares und Friedrich Schillers in der Neuzeit. Es ist wie in Homers Ilias oder den großen klassischen Tragödien der Griechen: Die sterblichen Mitglieder der Gesellschaft, und zwar gewöhnlich von den höchsten politischen Rängen bis zu den untersten sozialen Gruppen, sind Opfer von für sie „unsichtbaren Kräften". In der Ilias entsprechen diese Kräfte den eingebildeten bösen Göttern, welche die Sterblichen beherrschen, und ein vergleichbares Verständnis von Tragödie kommt bei den klassischen griechischen Dramatikern oder in den Personen sämtlicher Tragödien Shakespeares zum Ausdruck.

Das wahre Prinzip der klassischen Tragödie – im Gegensatz zur Romantik – liegt darin, daß sich praktisch die gesamte Gesellschaft selbst dem Untergang weiht, indem sie an falschen Denkgewohnheiten und übernommenen Ansichten festhält. Dies hindert praktisch alle Mitglieder der Gesellschaft daran, den offensichtlichen Weg einzuschlagen, sich selbst und die Gesellschaft aus dem Griff der Gewohnheiten und Ansichten zu befreien, die diese Gesellschaft in die Selbstzerstörung führen anstatt – ein Beispiel ist Don Carlos bei Schiller und Verdi.[sup]20[/sup]

So verurteilte die Tragödie der europäischen Zivilisation in der Zeit seit der Entlassung des Reichskanzlers Otto von Bismarck 1890 – eine Entlassung im Interesse des Onkels des Kaisers, des Prinzen von Wales Edward Albert – Europa zu zwei Weltkriegen, dem Aufstieg Mussolinis und Hitlers, dem sogenannten „Kalten Krieg" von 1945-1989 und der Gefahr eines neuen „Weltkriegs" heute. Der typische tragische Dummkopf hat heute darauf die Reaktion: „Welches Britische Empire? Ich sehe kein Britisches Empire."

Es ist nicht Unwissenheit als solche, die zu solchen Tragödien im wahren Leben oder auf der klassischen Bühne führt, sondern der Sophismus vertrauter Ansichten oder sogenannter „altehrwürdiger Traditionen" – so wie die Sterblichen in der Ilias oder den späteren griechischen Tragödien an die Existenz und den Willen der „Götter" glaubten.

Diese Art „traditionalistische" Unterdrückung des schöpferischen geistigen Potentials fast der gesamten Bevölkerung war kennzeichnend für alle bekannten imperialen Systeme Westasiens und ihrer europäischen Nachfolger seit dem bösartigen Delphi-Kult von Gaia-Python oder Apollo-Dionysus. Sie war das Hauptmerkmal des Römisches Reichs, von Byzanz, der venezianisch-normannischen Ordnung der Kreuzfahrer und ihrer venezianischen Kredithaie im Mittelalter und der Bestrebungen zur Wiederauflage solcher Imperialsysteme wie dem anglo-holländischen liberalen Finanzimperium in der Neuzeit.

So knebelte und zerstörte sich die Gesellschaft immer wieder selbst, nur um die heidnischen Hausgötter, wie sie im Pantheon jeder Kultur vorkamen, bei Laune zu halten.

In Imperialismus liberaler Prägung, wie ihn Paolo Sarpi in der nordeuropäischen Kultur des anglo-holländischen imperialen Liberalismus entwarf, tauchte die gleiche Unterdrückung echter schöpferischer Fähigkeiten des einzelnen in einer etwas neuen Gestalt auf. Das Wort von der „Magie des Marktes" ist typisch für die heutige sophistische Unterdrückung des Wissens über die Rolle menschlicher Kreativität bei der Erzeugung der physischen und kulturellen Neuerungen, auf denen die Zunahme der Arbeitsproduktivkraft pro Kopf und pro Quadratkilometer Landfläche beruht.

Für die Freiheit der Menschheit

Um diese heute vordringlichen Ziele zu erreichen, müssen wir alle Überreste der inhärent tragischen Politik der „Globalisierung" beseitigen und statt dessen den vollkommen souveränen Nationalstaat und seine Kultur wieder in den Mittelpunkt stellen, jedoch ausgehend von dem Prinzip des Westfälischen Friedens von 1648. Anders gesagt, ein System jeweils souveräner Nationalstaaten, die durch das gemeinsame Prinzip des „Vorteils des anderen" zusammengebunden sind.

Das stellt uns gemeinsam vor vier große Aufgaben für den ganzen Planeten:

1. Anhebung der Lohnkosten auf ein für die nationale Produktivität notwendiges Niveau, wo die Preise nicht mehr im „Wettbewerb" soweit nach unten getrieben werden, daß einige Nationen – praktisch die große Mehrheit der Menschheit – es sich nicht leisten können, für die ärmeren achtzig Prozent ihrer Bevölkerung durch angemessene Beschäftigung einen zeitgemäßen Lebens- und Beschäftigungsstandard aufzubauen. Das bedeutet für die Produktion einen hohen Zuwachs an wissenschaftlich-technischem Fortschritt pro Kopf und pro Quadratkilometer. Das wird erreicht, indem man die geringfügige Erhöhung der garantierten Preise in die Steigerung der Produktivität aller Bevölkerungsteile, besonders auch der derzeit Ärmsten, investiert.

2. Nutzung der Rohstoffe auf eine Weise, daß allen Nationen ein angemessener Zugang garantiert wird, so daß sie Rohstoffe zur Verfügung haben, die sie zur Anhebung des Lebensstandards des Großteils ihrer Gesamtbevölkerung brauchen.

3. Die Erschließung von Rohstoffen auf dem gesamten Planeten muß zum Nutzen der Bevölkerung sämtlicher Nationen vorangetrieben werden.

4. Der wissenschaftliche Fortschritt, der erforderlich ist, um diese Ziele zu erreichen, muß entsprechend gefördert werden.

Das Territorium Rußlands und der angrenzenden eurasischen Nationen samt der umliegenden Gewässer spielt eine entscheidende Rolle für die Erschließung neuer Rohstoffe und die wissenschaftlichen Fortschritte, die asiatische Nachbarländer brauchen. Entscheidend ist hier nicht der Zugang zu der Landfläche, wo diese Ressourcen liegen, sondern der qualitative wissenschaftliche Fortschritt, der erforderlich ist, um diese Ressourcen zu fördern und so weiterzuverarbeiten, daß sie Rußland und seinen Nachbarn förderlich sind.

In Rußland selbst sehen wir heute eine Unterentwicklung des früher ziemlich einzigartigen Potentials in vielen Bereichen von Wissenschaft und Technik, und das lenkt unser Augenmerk auf die verheerenden Zerstörungen und schlimmen Folgen der Ausplünderung des Territoriums und der Wissenschaftseinrichtungen der früheren Sowjetunion während eines Großteils der neunziger Jahre.

Letztlich ist es ein abenteuerliches Unterfangen, wirtschaftliche Ziele auf eine übermäßige Ausbeutung sogenannter „Bodenschätze" zu beschränken. Ich führe hier weiter aus, was ich in meinem jüngst erschienenen Aufsatz „Die Wirtschaftsdebatte über Rußland"[sup]21[/sup] erläutert habe. Es ist für Rußland und seine Nachbarn von entscheidender Bedeutung, daß Rußland mit seinen Rohstoffen von einem fortgeschrittenen wissenschaftlichen Standpunkt umgeht. Die Gefahr besteht darin, daß die Abhängigkeit von Einkünften aus dem reinen Rohstoffexport bereits mittelfristig ein extrem problematischer Weg ist. Es muß wieder ein Gleichgewicht hergestellt werden; ehrgeizige Zielsetzungen für den wissenschaftlichen Fortschritt für die Produktion und die Ausweitung der produktiven Basis müssen wieder einen höheren Stellenwert erhalten – nicht bloß aus wirtschaftlichen Gründen, sondern für die weitere gesamtkulturelle Überlebensfähigkeit Rußlands überhaupt.

Wie ich bei früheren öffentlichen Gelegenheiten wie meiner berühmten Rede im Berliner Hotel Kempinski am 12. Oktober 1988 geäußert habe, war mir all dies schon damals klar, als ich an wichtigen politischen Gesprächen über die zukünftige Zusammenarbeit der Sowjetunion mit den USA und Europa teilnahm (siehe auch S. 11 dieser Ausgabe – d. Red.). Diese Option existierte durchaus, doch die USA, England und Frankreich unter Präsident Mitterrand wählten den Weg rücksichtsloser Plünderung der ehemaligen Sowjetunion und auch Deutschlands und der früheren Comecon-Staaten – was vor allem durch das Maastricht-Abkommen und weitere gegen Kontinentaleuropa und auch gegen Rußland gerichtete Regelungen erreicht wurde. Bei dieser Plünderung kam den Briten ihr Agent George Soros sehr zu Hilfe, der das Europäische Währungssystem ruinierte. Ohne das hätten sich die Lebensbedingungen in wichtigen Teilen des europäischen Kontinents verbessert – im Gegensatz zu der mörderischen wirtschaftlichen Vergewaltigung Deutschlands und der ehemaligen Comecon-Staaten während dieses Jahrzehnts und länger, hinter der Soros‘ Komplizen standen.

Meine Prognose der Haupttrends bis 1989 lag den Nationen seit 1983 vor,[sup]22[/sup] als ich voraussagte, es bestehe die Gefahr eines sowjetischen Wirtschaftszusammenbruchs „in etwa fünf Jahren", wenn bis dahin nicht bestimmte Gegenmaßnahmen ergriffen würden. Der Zusammenbruch, vor dem ich gewarnt hatte, kam nach sechs, nicht fünf Jahren, doch kein anderer, der in der Öffentlichkeit bekannt gewesen wäre, äußerte auch nur eine Ahnung, daß es zu einer solchen Entwicklung kommen würde. Selbst als ich im Oktober 1988 prognostizierte, es werde Anfang 1989 zu einer Krise in Polen kommen, die zum Zusammenbruch des Comecon und dann Rußlands führen könne, war in der amerikanischen Regierung unter meinem persönlichen Feind Präsident George Bush senior nicht die leistete Ahnung sichtbar, daß solche Entwicklungen unmittelbar bevorstanden.

Infolge der Ignoranz und gröbsten Fehler der USA und West- und Mitteleuropa seit 1989 sind diese osteuropäischen Nationen im Vergleich zu ihrem vormaligen Zustand jetzt ausgeraubte, ruinierte Hungerleider.

Aus der Sicht informierter und kompetenter amerikanischer Kreise ist heute eine wirtschaftliche Partnerschaft zwischen den USA und Rußland auf gleichberechtigter Grundlage eine unverzichtbare Voraussetzung nicht nur für das Wohlergehen dieser beiden Nationen, sondern für die ganze Welt.

Die Verrücktheiten, die heute in bestimmten Kreisen in den USA zugegebenermaßen verbreitet sind, muß man dabei sicherlich berücksichtigen, aber man muß sich auch darauf vorbereiten, sie abzuschütteln. Zwischen Rußland und den USA sowie mit anderen Teilen dieser Erde muß es zu einer Zusammenarbeit auf Grundlage eines erneuerten Prinzips des Westfälischen Friedens kommen. Was der große Benjamin Franklin einmal über die Beziehungen unter den vom bösartigen Britischen Empire bedrohten nordamerikanischen Kolonien äußerte, sollten auch die Vertreter der USA und Rußlands heute sagen: „Wir müssen uns zusammenhängen, sonst hängen wir zusammen."

Das verdeutlicht ein übergreifendes Prinzip: Das gemeinsame Interesse der USA, Rußlands, Chinas und Indiens steht beispielhaft für das Prinzip, das wir einvernehmlich aufbieten müssen, um die souveränen Nationalstaaten dieser Erde zusammenzubringen.

Das als Erläuterung vorausgeschickt, sei festgestellt, daß die meisten Kreise in den USA, die als gut informiert gelten können, übereinstimmend der Ansicht sind, daß das notwendige Gleichgewicht zwischen Rohstofferschließung, Landwirtschaft, Industrie, Wissenschaft und grundlegender wirtschaftlicher Infrastruktur in der Ausrichtung der russischen Politik derzeit nicht vorhanden ist. Das ist keine Frage einer amerikanischen Forderung gegenüber Rußland, sondern eine wohlbegründete Sorge um das Wohlergehen Rußlands als wichtigem Partner. Wir haben ein gegenseitiges Interesse an Rußlands Erfolg in diesen Bereichen und sollten diese Fragen entsprechend erörtern. Vergessen wir im Moment die Briten und ihre ideologischen Partner; wir als zivilisierte Menschen müssen die moralische und intellektuelle Führung übernehmen, um in Angriff zu nehmen, was kommende Generationen als „die gemeinsamen Ziele der Menschheit" betrachten sollten.

Die jetzige Krise der Wirtschaftswissenschaft

Im Schlußsatz seiner berühmten Habilitationsschrift warnt Professor Bernhard Riemann, man müsse die mathematischen Probleme, die er im vorangegangenen Teil der Dissertation identifiziert hatte, aus dem Bereich der Mathematik in den der Physik hinüberführen. Seither hat unter den Wissenschaftlern nur eine Minderheit – Gegner des modernen Positivismus und von Bertrand Russells Zahlenbegeisterung, wie z.B. Max Planck und Albert Einstein – die umfassendere Bedeutung dieses Schlußsatzes der Habilitationsschrift verstanden. Wer Aischylos‘ Gefesselten Prometheus studiert hat, sollte verstehen, worauf ich hinaus will.

Statt dessen belagert man uns in den Hörsälen der Universitäten und anderswo mit dem dummen und willkürlichen Begriff des sogenannten „Imaginären" – dem Dogma von Paolo Sarpi und seinen ideologischen Nachkommen von der empiristischen Schule, wie Abraham de Moivre, D’Alembert, Leonhard Euler, Lagrange, Laplace, Cauchy etc. Durch den Einfluß von Reduktionisten wie den modernen Empiristen, Positivisten oder der radikalen Schule der Anhänger Bertrand Russells oder ähnlicher Nachfolger der antiken Sophisten ging die Idee des universellen Prinzips und seines formalen Ausdrucks in mathematischer Form in den meisten Hörsälen verloren. Obwohl Albert Einstein in der Hinsicht ausdrücklich warnte, ging dieses Verständnis sogar unter den anerkannten Wissenschaftlern verloren.

Bei der praktischen Frage der Wirtschaftswissenschaft dreht es sich darum, was der Begriff eines universellen Naturprinzips in der Realität ontologisch bedeutet – Einstein betonte in der Hinsicht, das physische Universum sei begrenzt, aber ohne äußere Grenzen. Den Dreh- und Angelpunkt dieser von den alten Griechen herkommenden Ideen, denen Nikolaus von Kues und seine Nachfolger zur Wiedergeburt verhalfen, bildet für Klassenzimmer und Hörsaal der Neuzeit – wie Einstein betonte – das Thema der ursprünglichen Entdeckung des Prinzips der universellen Gravitation durch Kepler. Dort ist die Beziehung zwischen den universellen Prinzipien, die das Universum experimentell als begrenzt definieren, mit dem ontologisch infinitesimalen Ausdruck dieses Prinzips in der experimentellen Praxis gekoppelt. Wie Einstein in der Bedeutung von Keplers Entdeckung für heute erkannte, spiegelt sich diese Beziehung in der individuellen menschlichen Erfahrung als Begriff der Kreativität wider. Die Entdeckung eines solchen Prinzips, das die Erfahrung aus dem begrenzteren Bereich des früheren experimentellen Wissens heraushebt, steht beispielhaft für die Eigenschaft des menschlichen Geistes, die ontologisch dem Begriff der menschlichen Kreativität entspricht, welche das geistige Potential jedes Menschen vom begrenzten Verhalten niederer Lebensformen unterscheidet.

Das Problem, das sogar naturwissenschaftlich Gebildete oft daran hindert, den Begriff der experimentell nachgewiesenen Existenz einer antientropischen Kreativität zu begreifen, besteht in der Indoktrinierung in den reduktionistischen Methoden in der Geschichte der Mathematik, seit dem aprioristischen, aristotelischen Betrug der Elemente des Euklid oder vergleichbaren intellektuellen Hindernissen.

Ontologisch ist Kreativität der experimentelle Nachweis der Existenz eines wirkenden, „beherrschbaren" Prinzips jenseits des Bereiches, der bis dahin als Selbstbegrenzung der Realität galt. Leider sind die Leute heutzutage im Klassenzimmer und auch im Hörsaal in dieser Frage oft so dumm wie Bohnenstroh.

Zur Veranschaulichung, inwiefern die hier behandelten Fragen für Wirtschaft und Gesellschaft relevant sind, erlaube ich mir das folgende, zugegebenermaßen niedliche Bild.

Kapitän Nudnik beamt sich herab

Wären Sie beispielsweise ein Kapitän Nudnik von der Wega, der zum ersten Mal auf die menschliche Gattung auf der Erde stößt – woran würden Sie den Unterschied zwischen Männern und Frauen einerseits und den Tieren andererseits erkennen? Nehmen wir an, Sie spielten die Rolle dieses Kapitän Nudnik, und Ihnen wäre die Aufgabe zugeteilt, eine intelligente Gattung heranzuzüchten, die sie aus der Fauna der Erde auswählen sollen. Nudnik kann die Erdsprachen nicht sprechen – wie würde er erkennen, wer was ist?

Er könnte sich auf einen Begriff stützen, der typisch ist für die Kreise, mit denen Julian Huxley beruflich verbunden war: die potentielle relative Bevölkerungsdichte. Betrachten Sie nun die drei offensichtlichen Freiheitsgrade, in denen der absolute Wesensunterschied zwischen Mensch und Tier zum Ausdruck kommt.

In der Ökologie der Tiere herrscht ein Gleichgewicht zwischen den Gattungen, die auf einem bestimmten Territorium leben: Für jede Gattung gibt es (gegenüber den anderen) einen klar definierbaren Phasenraum, der eine variable, relative Randbedingung darstellt, innerhalb derer das Bevölkerungspotential fix ist (z.B. zwischen den Füchsen und ihrer Beute, genannt Hasen). Für die Menschheit existiert keine begrenzende Funktion dieser Art – für sie gilt eine andere Art der Grenzfunktion.

Für den Menschen gibt es zunächst die Variabilität der Funktion der einfachen Pro-Kopf-Werte gegenüber der Umwelt. Indem sich die Fähigkeit des Menschen zu technischen Neuerungen äußert, ändert sich diese Funktion in einer Weise, wie dies bei keiner der niederen Lebensformen der Fall ist. Auf einer zweiten Ebene kann der Mensch durch Entdeckungen von Prinzipien für seine Technik das Aufbrauchen eines zuvor notwendigen Elements seiner Umwelt ausgleichen. Auf einer dritten Ebene schafft der Mensch gänzlich künstliche Umgebungen, sogar soweit, daß er neue Elemente erzeugt, die zu bestimmenden Aspekten der neuen Umgebung dieser Gesellschaft werden.

Der menschliche Geist kann durch eine in niederen Lebensformen nicht vorhandene schöpferische Fähigkeit sein Verhalten auf eine Weise ändern, die mit der Entdeckung fundamentaler Naturprinzipien verbunden ist. Diese Prinzipien verändern die Mentalität der Menschen so, wie man es sonst nur bei der Evolution zu einer qualitativ höheren, neuen Gattung erwarten würde.

Diese Kraft des menschlichen Geistes ist unter allen lebenden Gattungen einzigartig. Diese kognitive Aufwärts-Evolution des menschlichen Geistes, wie sie sich in der Wissenschaft und der klassischen Kunst äußert, bildet den Ursprung der qualitativen Steigerung der potentiellen, relativen Bevölkerungsdichte der menschlichen Gattung.

Diese evolutionäre Entwicklung durch die menschliche Kreativität nimmt zwei generelle, kategorische Formen an, die Naturwissenschaften und klassischen Formen der Komposition in der Kunst. In beiden Fällen ist es die gleiche Fähigkeit des menschlichen Geistes; der Unterschied liegt in der Anwendung. Im einen Fall verändert der menschliche Geist das Einwirken der menschlichen Gesellschaft auf die Natur, im anderen bildet der soziale Prozeß der Übermittlung von Ideen das Medium und den Modus der Kreativität.

Hinsichtlich der realwirtschaftlich-produktiven Seite dieser Angelegenheit wird leichter erkannt, wie Innovationen am Produktionsort die Produktivität steigern. Aber die bedeutendsten Wirkungen vollziehen sich im Bereich der generellen, grundlegenden Infrastruktur der Wirtschaft – so wie etwa die Wirkung des Übergangs von der Solarkraft zur höheren Ebene der chemischen Verbrennung und zum (pro Tonne verbrauchten Brennstoffs) weit effizienteren Einsatz der Kernkraft oder die Nutzung physisch effizienterer Verkehrsmittel wie Eisenbahn oder Magnetbahn gegenüber den Automobilen. Der größte Teil des Produktivitätszugewinns ergibt sich aus den Auswirkungen der Verbesserung der grundlegenden Infrastruktur der Wirtschaft auf die reale Produktion und aus der Förderung der Entwicklung der Erkenntniskraft des menschlichen Geistes, die fast ausschließlich durch wissenschaftliche oder klassisch-künstlerische Aktivität erreicht wird.

Es liegt beim Ökonomen, in dieser Frage der Wirkung der menschlichen Kreativität auf die Erhöhung der potentiellen relativen Bevölkerungsdichte ebenso intelligent zu werden wie jener legendäre aufmerksame Beobachter Kapitän Nudnik.

Schließlich ist für einen armen Nudnik, der hier auf der Erde gestrandet ist und sonst nicht viel zu tun hat, keine Beschäftigung seinen Umständen so angemessen wie das Studium und die Förderung des schöpferischen Verhaltens der Menschen.

5. Das Prinzip des Maschinenbaus

Die wichtigste wirtschaftliche Aktivität in der Produktion ist die Herstellung der Produktionsmittel selbst. Letztere einzuschränken, beispielsweise als „Sparmaßnahme", um statt dessen Automobile zu bauen, ist daher realwirtschaftlich betrachtet völlig inkompetent. Deshalb haben umgekehrt die Nebenprodukte von Kennedys Mondlandungsprogramm das meiste zur realen Rendite der Investitionen praktisch in der gesamten realwirtschaftlichen Produktion in den USA in der betreffenden Zeit beigetragen.

Daher war es auch wirtschaftspolitisch eine große Idiotie, den vor allem mit der Autoindustrie verbundenen Maschinenbausektor in Amerika nicht über die Autoindustrie selbst zu stellen. Man sah fälschlich den größten wirtschaftlichen Nutzen im Bau von Automobilen statt im technologisch höherwertigen Maschinen- und Anlagenbau und der Schaffung nötiger grundlegender Infrastruktur der Wirtschaft. Dabei ist es nicht die Infrastruktur an sich, die den Nutzen schafft; aber eine gebührenfreie öffentliche Infrastruktur steigert die Arbeitproduktivkraft pro Kopf und pro Quadratkilometer für die Gesellschaft als ganze netto mehr als irgendeine Investition am eigentlichen Ort der Produktion. Ähnliches gilt für die Beschäftigung klassischer Künstler und Naturwissenschaftler und eine immer bessere universelle Krankenversorgung und Rentensysteme – alle humanen Aspekte der wirtschaftlichen Infrastruktur insgesamt müssen zusammen mit den Wissenschaften und dem Maschinenbau die höchste Priorität bei den Ausgaben und Investitionen in allen Sektoren der Gesellschaft genießen.

Der Weg zu einer höheren Produktivität besteht nicht im unmittelbar höheren Produktionsausstoß einiger, sondern im Aufbau des allgemeinen Umfelds in der Gesellschaft als ganzer. In der Entwicklung einer solchen Gesellschaft konzentriert sich der große Katalysator steigender Produktivität.


Anmerkungen

1. Hier muß ein Fehler der deutschen Politik aufgezeigt werden, der Deutschland bis heute verfolgt. Preußens Vorgehen gegen den Angriff Frankreichs unter der britischen Marionette Napoleon III. waren berechtigt; aber daß Preußen den Krieg auch nach der Abdankung Napoleons III. unbedingt fortführen wollte, hatte tragische Folgen, was einigen bereits zu jener Zeit bewußt war. Indem sie Frankreich nach der Abdankung Napoleons einen ehrenvollen Frieden verweigerte, ebnete die Monarchie Wilhelms I. Frankreichs Weg in die Rolle eines verhärteten Erfüllungsgehilfen der Briten, die es dann nach dem Attentat auf Präsident Sadi Carnot und der Dreyfus-Affäre einnahm. Der von den Briten eingefädelte „Erste Weltkrieg" wurde durch diese Torheit erst möglich gemacht, und auf ähnliche Weise auch der „Zweite Weltkrieg". Dies setzte sich fort, bis Präsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer ihr europäisches Bündnis „vom Atlantik bis zum Ural" schlossen. London reagierte auf diese anti-britische Politik de Gaulles, indem es einerseits immer wieder versuchte, de Gaulle durch dessen London-treue Feinde beseitigen zu lassen, und andererseits Adenauer zu einem frühzeitigen Rücktritt drang, um die liberale Fraktion in Adenauers eigener Partei zu stärken. Die Vergewaltigung Deutschlands durch London (und den britischen Handlanger Mitterrand) nach 1989 muß deshalb als Fortsetzung der Rolle angesehen werden, die England für Frankreich vorgesehen hat – eine Neuauflage des von London inszenierten Siebenjährigen Krieges, der der Britischen Ostindiengesellschaft zu imperialer Macht verhalf.

2. Wie bei den „Buppies" und „Boomern".

3. Der Dirigent Wilhelm Furtwängler war zweifellos ein Genie, obwohl er Wagners Werke hochhielt. Furtwänglers Fehler hierbei war sein Hang zu der Vorstellung einer „deutschen Musiktradition" im Unterschied zu der gegenteiligen Auffassung von „Deutschtum", das Hermann Görings Lieblings-Kapellmeister Herbert von Karajan vertrat. Das sind die Fallstricke manchmal von außen kommender Mutmaßungen, zu denen sich große Denker versteigen.

5. Die tatsächliche Urheberschaft des sogenannten „11. September" läßt sich nicht mehr länger verbergen.

6. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg waren die amerikanischen Geheimdienste praktisch in zwei Fraktionen geteilt, wie sich insbesondere am Office of Strategic Services (OSS) zeigte. Die eine war mit OSS-Chef General Donovan (Donovans „Boys") verbunden, die gegnerische „Bande mit den weißen Schuhen" bildete sich im Umkreis der Dulles-Brüder heraus und bestand aus Wallstreet- und London-hörigen Elitetypen. Ich selbst stand damals damit in keiner Verbindung, identifizierte mich aber in meinem späteren Leben durchaus mit dem patriotischen Erbe der Donovan Gruppe – eine Art Seelenverwandtschaft unter Patrioten mit konvergierenden Interessen. Es entwickelte sich praktisch ein „Krieg im Krieg" zwischen den „Patrioten" und den „Weißschuhen", dazu kam eine dritte Gruppe, die noch heute eine Art Mittelstellung einnimmt. Die Präsidentschaft Trumans bedeutete einen vorübergehenden Sieg der „anderen Seite", die Churchills London instinktiv näher stand als der patriotischen Tradition der USA.

7. Die Entwicklung von Magnetschwebebahnen als Nachfolge des Rad-Schiene-Systems ermöglicht nicht nur Reisegeschwindigkeiten von 400 km/h pro Stunde und mehr, sondern auch Methoden des Frachtumschlags ohne die üblichen Engpässe der herkömmlichen Güterbahn. Unter diesen Bedingungen wäre die Zustellung von der Ausgangs- zur Zieladresse über mittlere Entfernungen ähnlich schnell wie beim Lufttransport, aber in real berechneten Kosten erheblich billiger. Genauso sind gut gebaute und genutzte Kernreaktoren weit kostengünstiger als jedes andere fossile Kraftwerk heute.

8. Es gab einmal Zeiten, da hätte man sagen können: „Man braucht nicht mehr in den Wald zu fahren oder sich auf den Rücksitz zu quetschen, um Babys zu machen."

9. Im wesentlichen handelt es sich bei dieser Teilgeneration um die Kinder, die in der Nachkriegszeit von 1945-58, also zwischen dem Sieg über Europa und dann über Japan bis zur relativ schweren Rezession 1957-58, in die Angestelltenschicht geboren wurden. Insofern paßt diese Generation als „Kaste" grob in die Kategorien zweier berühmter Bücher der fünfziger Jahre, White Collar und The Organization Man. Sie war stark von bösartigen Wells- und Russell-Anhängern wie Norbert Wiener und John von Neumann beeinflußt. Der anglo-amerikanische Kult (im Kongreß für Kulturelle Freiheit) als tiefer irrationalistischer Ausdruck des Existentialismus der Frankfurter Schule von Heidegger, Theodor Adorno und Hannah Arendt mit Kultschriften wie Die antiautoritäre Persönlichkeit sind die unverkennbaren Merkmale dieser transatlantischen Sektenbildung.

10. Die Senkung des Wahlalters in Verbindung mit innenpolitischen Auseinandersetzungen um den Vietnamkrieg steht in Wechselwirkung mit dem Neotenie-Faktor (siehe Der Herr der Fliegen) beim Entstehen der amerikanischen 68er-Kaste.

11. Der eigentliche Ursprung der Einflüsse der Fabian Society auf die Planung des Ersten und Zweiten Weltkriegs lag in der Person von H.G. Wells, der unter Julian Huxleys Großvater ausgebildet wurde. Wells‘ Offene Verschwörung von 1928 und Russells Unterstützung seiner dortigen Thesen sind bekannt; aber erst in Wells‘ Entwurf eines Kriegsszenarios in Von kommenden Tagen von 1933 wurde die Kriegsfrage klar. Diese Pläne der Fabianer Wells und Russell bilden den Kontext, in dem ihre Absicht zur Schaffung eines synthetischen Kults wie der Babyboomer/68er deutlich wird. Angefangen mit seiner Einladung an den sowjetischen Generalsekretär Nikita Chruschtschow, an dem Treffen der Weltparlamentarier für eine Weltregierung teilzunehmen, entwickelte sich Russell zum Hauptarchitekten des Plans einer thermonuklearen Konfrontation mit der Sowjetunion wie auch des späteren Zerfalls der Sowjetunion unter Gorbatschow.

12. Die sowjetischen und euro-oligarchischen Kreise, die für die britische Unterwanderung des Sowjetsystems durch IIASA verantwortlich waren, überlappen sich mit dem führenden sowjetischen Kreis, der auch die Unterwanderung Rußlands durch den britischen Agenten George Soros ermöglichte.

13. Eine meiner erbittertsten Feindinnen aus den Tagen der New Yorker Columbia Universität war die wirklich bösartige Lady Margaret Mead, die Prof. Norbert Wieners Arbeiten am Elektroniklabor (RLE) des Massachusetts Institute of Technology und ähnliche Operationen unterstützte. Sie verfolgte auf der Weltbevölkerungskonferenz 1974 in Bukarest meine damals zukünftige, immer noch sportliche Frau, Helga Zepp, durch den Saal, buchstäblich mit ihrer Hexenkrücke fuchtelnd. Angesichts des Spektakels von Meads angestrengten Versuchen, wie ein Ungeheuer zu erscheinen, ohne doch ihr Opfer erwischen zu können, hielt sich Helga belustigt stets in sicherer Entfernung vor dem schwankenden Koloß der Lady Mead. Als damalige Journalistin hatte Helga dem Konferenzvorsitzenden John D. Rockefeller III. vorgehalten, daß seine Pläne faschistisch seien. Mead war darüber gar nicht erfreut.

14. Die Auszüge aus Russells Schriften stammen aus einem Buch aus dem Jahr 1980, das ich bei mehreren Autoren in Auftrag gegeben hatte. Die namentlich genannte Autorin Carol White übernahm die Gesamtbearbeitung des Buchs The New Dark Ages Conspiracy, New Benjamin Franklin Publishing Company, New York, 1980.

15. George Allen & Unwin, London, 1923.

16. The Impact of Science on Society. George Allen & Unwin, London (dt. Wissenschaft wandelt das Leben, Paul List Verlag, München 1953).

17. Anläßlich seiner Hochzeit mit Prinzessin Juliana der Niederlande (im Januar 1937) unterschrieb Bernhard sein an Hitler persönlich gerichtetes Entlassungsgesuch aus der SS mit einem herzlichen „Heil Hitler". Zu der Zeit waren Nazis in führenden anglo-holländischen Kreisen sehr beliebt – zeitweise sogar bei Winston Churchill. Warum auch nicht? Schließlich hatte Hjalmar Schachts Freund Montagu Norman, Chef der Bank of England und Teilhaber von Brown Brothers, Harriman, Hitlers Machtaufstieg eingefädelt, und man hatte nichts gegen ihn, bis er in Frankreich und den Niederlanden einmarschierte.

18. Man stelle sich vor, ein Typ wie Jake „Greasy Thumb" Guznik (Al Capones Buchhalter) würde als „Lord Chicago" wiedergeboren. Max Fisher hätte entweder gesagt „Warum nicht?" oder „Bringt ihn um, er wird lästig!"

19. Man betrachte den Skandal um gekaufte Adelstitel zu Blairs Amtszeit. Stellen wir uns den derzeit unwahrscheinlichen Fall vor, der derzeitige Premier würde als „Lord George" wiedererschaffen. Ach, wo ist unser lieber Jonathan Swift, wenn man ihn braucht? Schließlich wurde George Bush senior geadelt. Ist es möglich, daß der Rancher George Bush junior in den Rang eines Junkers erhoben wird?

20. Schiller und Verdi: „Hüte dich vor dem Großinquisitor!"

21. Siehe Neue-Solidarität-Sonderausgabe, 23. Juli 2008.

22. Ich habe diese Prognose zuerst Ende Februar 1983 in vertraulichen Gesprächen mit sowjetischen Vertretern abgegeben, die an diesen amerikanisch-sowjetischen Sondierungsgesprächen beteiligt waren. Als diese Gespräche im späten Frühjahr unangenehm wurden, wiederholte ich die Prognose öffentlich, aber ohne mich dabei auf die Februar-Gespräche selbst zu beziehen. In dieser Phase des Spiels war ich noch gehalten, möglicherweise klassifizierte Unterlagen nicht offenzulegen.

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