In seiner Rede auf dem ersten CELAC-Afrika-Forum am 21. März in Bogotá in Kolumbien präsentierte Brasiliens Präsident Lula da Silva eine Perspektive für die Länder Afrikas und Mittel- und Südamerikas, die zusammen fast die Hälfte der Länder der Welt und ein Viertel der Weltbevölkerung ausmachen. Sie sollten ihre Kräfte bündeln, um einen neuen Kolonialismus zu verhindern und um eine gerechte Weltordnung ohne Kriege zu schaffen.
Die Afrikanische Union (AU) habe die Gründung der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (CELAC) inspiriert, so Lula. Die AU zeige, „dass es möglich ist, sich auch angesichts unterschiedlicher nationaler politischer Agenden auf regionale Institutionen zu stützen“. Es gebe „Synergien“ bei den langfristigen Zielen der AU und der CELAC, die als gemeinsame Initiativen aufgegriffen werden könnten, angefangen bei der Überwindung des Hungers, unter dem 340 Millionen Menschen in ihren Teilen der Welt leiden. Als weitere Priorität nannte er die gemeinsame Entwicklung der technologischen Kapazitäten zur Verarbeitung von Seltenen Erden und kritischen Mineralien, damit diese nicht mehr von außen geplündert werden.
Lula ging auch auf die globale strategische Krise ein, „die höchste Konzentration von Konflikten seit dem Zweiten Weltkrieg“. Er sagte: „Während im letzten Jahr 2,7 Billionen Dollar für Waffen und Kriege ausgegeben wurden, hungern immer noch 630 Millionen Menschen. Immer noch sind Millionen von Menschen ohne Strom. Und immer noch gibt es Millionen von Menschen ohne Zugang zu Bildung sowie Millionen und Abermillionen von Frauen und Kindern, die als Folge von Bruderkriegen ohne Papiere, ohne Zuhause, ohne auch nur eine Heimat, in der sie leben können, zurückgelassen werden.“
Er betonte: „Wir sind keine Kolonien mehr. Mit unserer Unabhängigkeit haben wir Souveränität erlangt. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich irgendjemand einmischt und die territoriale Integrität eines Landes verletzt. Wann werden wir Maßnahmen ergreifen, um zu verhindern, dass die mächtigsten Länder so tun, als gehörten die schwächsten ihnen? … Glaubt derjenige, der mehr Kanonen hat, mehr Schiffe, mehr Flugzeuge, mehr Geld, dass ihm die Welt gehört?“
Lula fragte: „Wann werden wir sagen, dass das nicht normal ist? Wann werden wir sagen, dass wir zivilisierte Beziehungen zwischen den Nationen wiederherstellen wollen, dass wir das Ende des Multilateralismus nicht zulassen werden und dass wir dafür sorgen werden, dass nur der Frieden die Entwicklung der armen Welt ermöglichen kann? Was schafft Krieg, außer Tod und Zerstörung? Und wann werden wir reagieren? … Können wir wirklich weiter in einer Welt der Lügen leben, in der Menschen Feinde erfinden und ein negatives Bild von ihnen zeichnen, um Zerstörung zu rechtfertigen?“
Er warnte: „Es wird versucht, uns wieder zu kolonisieren.“ Das sehe man an Kuba und Venezuela. „Wir müssen laut und deutlich unsere Stimme erheben, damit nicht in anderen Ländern das passiert, was jüngst in Gaza passiert ist.“
Quelle: eirna.de