Lawrow: Alle brauchen das Amerika von Franklin D. Roosevelt und John F. Kennedy

16.10.2008
Lawrow: Alle brauchen das Amerika von Franklin D. Roosevelt und John F. Kennedy admin 16.10.2008

In seinem jüngst in der russischen Zeitschrift Profile
veröffentlichtem Artikel "Von Angesicht zu Angesicht mit Amerika: Zwischen Nicht-Konfrontation und Annäherung" schreibt der russische Außenminister Sergei Lawrow:

"Alle brauchen das Amerika Franklin D. Roosevelts und John F. Kennedys, ein Amerika, das sich vor Veränderung nicht scheut, das in der Lage ist, zu verstehen, daß nichts ein für allemal gegeben ist und das der Welt und einer freien
Debatte offen gegenübersteht."

Die Welt nach dem kalten Krieg habe sich als komplexer erwiesen, als noch vor 15 Jahren erwartet. „Allen Anzeichen nach sind wir jetzt an einem entscheidenden Wendepunkt im internationalen System angelangt."

Es sei entscheidend, die reale Welt zu verstehen, um Innen- und Außenpolitik betreiben zu können, denn unter den Bedingungen der Globalisierung würde die internationale Gemeinschaft dringend die Entwicklung einer gemeinsamen Vision für die gegenwärtige Epoche benötigen, wobei der Mangel einer solchen gemeinsamen Vision die Hauptquelle für alle Mißverständnisse der letzten Jahre zwischen Amerika und Rußland gewesen sei. Es müsse dringend direkte Gespräche geben, um diese
Probleme zu lösen. Das sei auch die Absicht des damaligen Präsidenten Wladimir Putin bei seiner Rede im Februar 2007 in München gewesen, aber die Vereinigten Staaten hätten nicht reagiert. Obwohl aus Europa positivere Signale kamen, habe
man primär mit Amerika reden wollen, da niemand von außerhalb in der Lage sei, Harmonie in die Beziehung der beiden Länder zu bringen.

"Isolierung und Selbstisolation sind in einer globalisierten Welt keine rationale Wahl. Wahrer Fortschritt kann nur durch gemeinsame Anstrengungen und enge Zusammenarbeit erreicht werden. Genau das bietet Rußland all seinen internationalen Partnern an, an erster Stelle Amerika."

"Können wir uns, oder genauer gesagt, kann sich die Welt eine weitere Entfremdung unserer beiden Länder, denen Alexis de Tocqueville eine große Zukunft voraussagte, leisten? Sollte es eine Zukunft in Trennung sein oder eher ein gemeinsames Schicksal? Ich glaube fest an das Letztere. […] Amerikaner
werden aufhören müssen, sich in ‚in ihrer Machtposition einsam zu fühlen‘. Ich möchte hinzufügen, daß jeder das Amerika von Franklin D. Roosevelt und John F. Kennedy braucht, ein Amerika, das sich vor Veränderung nicht scheut."

Scroll to Top