Nicht nur in Deutschland, wo der Bundestag mehrheitlich die "Patientenverfügung" beschlossen hat, ist die Debatte über "Sterbehilfe" erneut entbrannt. Auch in etlichen anderen Ländern Europas sind ähnliche Gesetze erlassen und in Kraft getreten (z.B. in Luxemburg) oder stehen kurz vor der Eingabe an das Parlament (in England). Aber es regt sich heftiger Widerstand.
In Luxemburg, wo seit Mitte März "aktive Sterbehilfe" legalisiert ist, mobilisieren Ärzte für eine Umkehr. Auch in der Schweiz zielen zwei Initiativen im Parlament auf die Beseitigung einer seit 1942 bestehenden gesetzlichen Grauzone durch ein völliges oder zumindest teilweises Verbot von "assistiertem Suizid." Eine der Initiativen will sogar ein Verbot von Organisationen wie des berüchtigten Vereins mit dem irreführenden Namen "Dignitas", dessen Sterbehilfepraktiken durch eine ehemalige Mitarbeiterin, die im Januar an die Öffentlichkeit ging, als skrupellose Geschäftemacherei aufgedeckt wurden. Pro Tötungsfall kassierte der Verein 6400 Euro vom Betroffenen oder von Familienangehörigen. Unter anderem in England hat die Enthüllung, daß bereits 114 Briten als Suizid-Touristen in die Schweiz gereist sind und dort von Dignitas getötet wurden, großes Aufsehen erregt, zumal derzeit ein neuer Sterbehilfe-Gesetzentwurf aus dem House of Lords unter Federführung von Lord Falconer lanciert wird.
In den Niederlanden, neben Belgien und Luxemburg das dritte Land Europas, in dem Euthanasie unter dem Etikett "Sterbehilfe" voll legalisiert ist und häufig ohne jegliche Patientenverfügung praktiziert wird, sind die Zustände derart bedrohlich geworden, daß mehr und mehr Bürger eine "Credo Card" unterzeichnen. Diese Karte, die sie ständig mit sich führen, legt eindeutig fest, daß der Unterzeichner auf keinen Fall Opfer ärztlicher oder anderer Euthanasie-Entscheidungen werden will. "Maak mij niet dood, Dokter!" (Bring mich nicht um, Doktor!) steht auf der Karte.
Im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Schweiz, Österreich) richtet sich das Interesse von Euthanasie-Kritikern derzeit auf ein neu erschienenes Buch von Stefan Rehder mit dem Titel "Die Todesengel – Euthanasie auf dem Vormarsch." Darin warnt der Autor, daß sich hinter den "verführerischen Argumenten eines selbst bestimmten und schmerzfreien Todes", die derzeit für Patientenverfügungen und ähnliche Gesetzesänderungen vorgebracht werden, handfeste Interessen verbergen, die ein "sozialverträgliches Frühableben" von alten und kranken Menschen zwecks Kosteneinsparung im Gesundheitswesen anstrebten. Die künftige "Dienstleistung Todesengel" solle drastische Kostensenkungen sicherstellen, warnt Rehder und fordert entschiedenen öffentlichen Widerstand der "bisher schweigenden Mehrheit der Euthanasie-Gegner."