[i]Von Lyndon LaRouche[/i]
[i] Frage: Ich vertrete die größte Gewerkschaft des Landes, die CTM. Sie hat etwa 5 Mio. Arbeiter als Mitglieder. Ich selbst komme vom Gewerkschaftsverband des Bundesstaats Sonora mit etwa 200.000 Mitgliedern.[/i]
[i]Meine größte Sorge ist,
Arbeitsplätze zu schaffen, und ich habe interessante Notizen gemacht. Wir
stimmen offensichtlich darin überein, daß der PLHINO sehr viele Arbeitsplätze
schaffen würde. Deshalb ist unsere Organisation auch Teil des
pro-PLHINO-Komitees und unterstützt sehr, daß dieses Projekt auch wirklich
realisiert wird. Wir waren am 24.-25. Februar bei der Nationalversammlung des
CTM in Mexico City, und einer der Punkte, die wir vereinbarten, war die
Unterstützung des CTM für dieses Projekt. Das wurde einstimmig von allen
Verbänden aus allen Bundesstaaten Mexikos beschlossen.[/i]
[i]Aber konkret möchte ich
Sie fragen - welche Möglichkeiten gibt es sonst noch, Beschäftigung zu
schaffen? Denn das ist die Frage, die uns am meisten beschäftigt.[/i]
[i]LaRouche: [/i]Mit der Organisation, die Sie haben, haben Sie
offensichtlich in allen Landesteilen eine gute Einschätzung der Qualifikationen
der verfügbaren Arbeitskräfte. Und Sie arbeiten offensichtlich in dieser
Organisation mit vielen kleinen Unternehmen zusammen. Sie haben einen Einblick
in deren Fähigkeiten, wenn wir eine Liste der Beschäftigungsformen
zusammenstellten, sowohl der jetzigen Mitglieder, die Arbeit suchen, als auch
der Menschen, die aus den Vereinigten Staaten zurückkehren. Viele von ihnen
waren im Bau beschäftigt, einige in der Landwirtschaft. In den meisten Fällen
sind sie nicht sehr qualifiziert, aber sie sind mit dieser Form der Arbeit
vertraut. Unter der Leitung von Kadern können sie entwickelt werden.
Es wäre also nicht schwierig,
eine solche Liste für den Bau dieser Wasserprojekte, für den PLHINO,
zusammenzustellen, und die Regierung von Mexiko hat bereits langfristige Pläne
für diese Projekte erstellt. Man geht also von den Plänen aus, die bei der
Regierung existieren. Mexiko hat immer Pläne gemacht. Sehen Sie sich die
jüngsten an, aber auch einige der älteren.
Nehmen Sie diese Projekte,
das Wasser-Projekt: Zunächst einmal Wasserregulierung. Alles hängt von der
Wasserregulierung ab. Dann braucht man Strom. Gehen Sie die Liste der Dinge
durch, die man braucht, dann findet man die zu erweiternden Industrien, die in
den Markt passen, den Sie schaffen, und auch den Qualifikationen der Menschen
entsprechen, die zur Verfügung stehen. Was bedeutet, daß man - und das tun Sie
ja wahrscheinlich schon - Programme zur Ausbildung der Leute schafft. Man nimmt
die Liste der Leute, die Arbeit oder bessere Arbeit brauchen. Stellen Sie
sicher, daß Sie Programme haben, um sie auszuwählen und zu qualifizieren.
So kann man um das
Wasserprojekt herum ein langfristiges Element der Stabilität im Bausektor
schaffen.
Dann kann man zu den
sekundären Dingen übergehen. Das sind langfristige Kapitalprojekte.
Wasser-Projekte sind langfristige Kapitalprojekte. Verstärken Sie diese Dinge.
Dann kommen Unterstützungsprogramme für die Landwirtschaft, entsprechende
Zentren. Sie brauchen an jedem Ort Unterstützung für die Landwirtschaft -
Saatgut, Beratung, all diese Dinge. Das gehört zu den sekundären Dingen.
Dann gibt es all die
anderen Einrichtungen, die man braucht - Bildung, usw. Wir sprechen hier
darüber, das über 25, 50, 100 Jahre zu erhalten.
Aber das bedeutet, daß man
auch über die Ausbildung der Bevölkerung nachdenken muß, und man arbeitet in
25-Jahres-Zyklen, um jede Generation besser zu qualifizieren als die Generation
vor ihr. Und dazu sind die Bildungseinrichtungen extrem wichtig: die
Verbesserung der Qualität des Bildungssystems. Denn es gibt da zwei Dinge. Wir
haben die Bildung für Kinder, und wir haben die Erwachsenenbildung. Jemand will
eine Arbeit, aber er hat keine wirklichen Fertigkeiten. Es gibt also Schulen,
die ihnen dabei helfen, sie zu bekommen...
[list]
[i]Technische Schulen?[/i]
[/list]
[i]LaRouche: [/i]Ja...
[list]
[i]Man plant also den Arbeitsmarkt für 25 Jahre im voraus.[/i]
[/list]
[i]LaRouche: [/i]Genau. Denn wir sprechen hier über eine Investition.
Es geht darum, was man erzeugt. Was für ein Monster erzeugen wir in 25 Jahren?
Industrieentwicklung für das eigene Land
[list]
[i]In Sonora gab es einen
Plan, der den Auslandsinvestitionen Priorität gibt - der Autoindustrie,
Luftfahrtindustrie, Landwirtschaft, Viehwirtschaft, Bergbau und solche Dinge,
einige der grundlegenden Zentren. Aber die Priorität liegt nicht auf
einheimischen, nationalen Investitionen, sondern auf ausländischen Investitionen.[/i]
[/list]
[i]LaRouche:[/i] Nehmen Sie eine Stadt wie Monterrey. Damals, 1982,
was war da Monterrey? Was waren die Industrien? Was sind die Industrien, wenn
man heute nach Monterrey kommt? Es sind ausländische Industrien! Es gab da eine
Stahlindustrie, die vom Staat aufgebaut worden war. Was ist mit ihr geschehen?
Man begann mit Getreide, dann ging man zum Bier über, dann zu Bierdosen, dann
zu Stahlfabriken. Ich meine: bei der wirtschaftlichen Entwicklung geht es nicht
um die Entwicklung der Industrien, sondern um die Entwicklung der Menschen. Und
gerade, als diese Industrien hier entwickelt worden waren, sind sie wieder
verschwunden, und sie wurden durch ausländische Industrien von der anderen
Seite der Grenze ersetzt.
Deshalb ist es äußerst
wichtig, daß man in Mexiko tief verwurzelte Produktionskapazitäten hat, nicht
importierte Industrien. Importierte Industrien sollten generell nur
Schlüsselindustrien sein.
Diese Industrie sollte man
nutzen, um eine Fähigkeit zu entwickeln, die für die Binnenwirtschaft des
Landes nützlich ist. Exporte ins Ausland sind schön und gut, aber wenn man die
Binnenwirtschaft nicht entwickelt, funktioniert das nicht. Denn es ist die
Entwicklung der Produktivität der Arbeitskraft, die im langfristigen Interesse
des Landes liegt. Und was wir in Mexiko wie in anderen Ländern brauchen, ist
ein [i]Technologieprogramm auf der Basis wissenschaftlicher Innovationen[/i].
Denn man will den Lebensstandard anheben. Um das zu tun, muß man die
Produktivität vergrößern. Nicht die einiger Firmen, sondern die der Bevölkerung
insgesamt.
In gesunden Zeiten ist es
normal, daß es der gesamten Gesellschaft immer besser geht! Nicht nur einigen
Leuten. Es geht nicht darum, daß sie aus einem anderen Land hierherkommen, um
billige Arbeitskräfte zu bekommen. Es geht darum, das Land aufzubauen. Das ist
der eigentliche Zweck des Nationalstaats: die Menschen zu entwickeln, die in
ihm leben. Ihre Kultur dazu zu benutzen, ihre Kultur zu verbessern. Um ihr
Selbstbewußtsein innerhalb der Nation zu entwickeln. Und das war die Wende, die
man nach 1982 in die falsche Richtung vollzog. Alles wurde zerstört. Und nun
haben Sie nur noch ein paar ausländische Interessen.
Das gleiche geschieht in den
Vereinigten Staaten. Sie haben die einheimische Automobilindustrie der USA
stillgelegt. Wir werden auch weiterhin eine Autoindustrie haben, aber es ist
eine importierte aus Japan. Das gleiche sieht man in Mexiko.
Das ist unser Problem. Wir
müssen die Dinge von einem nationalen, patriotischen Standpunkt aus durchdenken...
Die Rolle der Gewerkschaften
[list]
[i]Bei dieser Restrukturierung, die wir im Aufbau des Verbandes
gemacht haben, kamen junge Leute in die Führung der Gewerkschaften,
gebildete mit Universitätsabschlüssen.
Man hat sie unterstützt, damit sie in der Lage sind, die Gewerkschaften
zu
führen, und wir haben uns im vergangenen Jahr dazu verpflichtet, ihnen
eine
Ausbildung zu geben, insbesondere die Jugend auszubilden. Das sind
junge Leute,
die in die Führung der Gewerkschaften kamen und sich genau in der
Richtung
bewegen, über die Sie gerade gesprochen haben. Und das bringt gute
Ergebnisse,
denn wir waren in der Lage, bestimmte Sozialprogramme, bestimmte
Wirtschaftsprogramme zu erneuern, bei denen wir nicht nur die Arbeiter
selbst
betrachten, sondern auch die Familien dieser Arbeiter. Und ich spreche
das an,
weil ich es für wichtig halte, darauf hinzuweisen.[/i]
[i]In dem Zusammenhang habe
ich eine Frage. Was sollte Ihrer Meinung nach die Rolle der Gewerkschaften in
diesem weltweiten Phänomen sein? Ich verstehe einige der Ideen - beispielsweise
die Rolle der staatlichen Infrastrukturpolitik, all das, worüber wir gesprochen
haben, diese Arbeiter, die sich ausbilden, qualifizierte Arbeiter, die in der
Lage sind, Neues zu entwickeln. Das bedeutet, daß die Gewerkschaften sich stark[/i] [i]mit der Frage der Bildung, der Ausbildung
beschäftigen müssen. Aber wenn wir, sagen wir, diese globale Strategie
analysieren sollten, die Sie vorschlagen, um die bestehenden Probleme zu lösen,
welche Rolle sollten dann die Gewerkschaften spielen - nicht nur im Großen,
sondern auch in den einzelnen Regionen, etwa in Sonora oder Ciudad Obregon?[/i]
[/list]
[i]LaRouche[/i]: In der Geschichte der Gewerkschaften gibt es gute
und schlechte Beispiele für den Versuch, mit dem Problem der lokalen
Orientierung der Gewerkschaften umzugehen. Das eine ist der exklusive Ansatz,
der nicht so gut ist. Dann gibt es den mehr auf die Gesellschaft orientierten
Ansatz. Und dann kommt man zu der Idee, wie man diese beiden Aufgaben in der richtigen
Art und Weise miteinander verbindet. Denn die Gewerkschaft muß im Allgemeinen
als eines ihrer Ziele mit der Gesellschaft verbunden sein, andererseits muß die
Arbeits-Orientierung im Mittelpunkt stehen. Oft scheitert der Versuch, diese
beiden Herausforderungen zu verbinden. Es wird zu viel Konzentration auf die
Sozialarbeit und nicht genug auf den Fortschritt gelegt - oder sie ist zu sehr
auf den Arbeitsplatz beschränkt.
Wie geht man beispielsweise
mit der Familie um? Sie haben ein Gewerkschaftsmitglied. Sie haben die Frage
der Familie dieses Gewerkschaftsmitglieds. Die Gewerkschaft ist also
natürlicherweise ebensosehr mit den Bedingungen der Familien wie mit den
Bedingungen am Arbeitsplatz befaßt. Deshalb ist die kulturelle Orientierung,
die man fördert, entscheidend. Und das wichtigste ist die Verbesserung der
intellektuellen Entwicklung der Mitglieder und der Familien, was uns zur
Gesellschaft führt. Und wenn es eine Zusammenarbeit der Gewerkschaftsmitglieder
in der Gesellschaft gibt, dann wird das tendenziell einem gemeinsamen Anliegen
nützen, weil die Menschen oft von einer Arbeit zur anderen wechseln.
Hoffentlich behalten sie dabei ihre Familie, und haben nicht, wie manche
Machos, mehr Mätressen als Kinder.
Die intellektuelle und
kulturelle Entwicklung der Gesellschaft als Anliegen der Gewerkschaften hilft,
ihr eigenes Selbstwertgefühl anzuheben. Man will, daß die Gewerkschaften eine
einflußreiche Kraft in der Gesellschaft werden - eine einflußreiche kulturelle
Kraft und eine politische Kraft, und das fördert man. Man versucht, Dinge zu
fördern, die das unterstützen. Sie sollten nicht zuhause bleiben und ihre
Kinder prügeln. Sie sollten sich selbst entwickeln. Sie sollten spüren, daß [i]sie[/i]
bessere Menschen werden, bessere Bürger. Das hat die Wirkung, daß sie, in dem
Maße, wie sie sich entwickeln, politisch wirksamere Individuen werden. Sie
verstehen Dinge, sie sind nicht engstirnig, sie sind nicht auf einige wenige
Dinge beschränkt. Und typischerweise wird es, je qualifizierter sie werden,
leichter, das zu tun, weil sie dann nicht nur Einblick in ihre eigene Arbeit
haben, sondern auch in andere Dinge - wie man einen Damm baut, wie man
Infrastruktur aufbaut, wie man Dinge tun kann, die Fähigkeit zu Innovationen.
Je mehr Innovationen am Arbeitsplatz, desto besser.
Wissen Sie, früher hatten wir
in den Vereinigten Staaten die Vorschlag-Kästen. Diese Vorschlag-Kästen
enthielten viel Unsinn, aber es gab auch qualifizierte Arbeiter, und sie
setzten sich zusammen, sprachen miteinander. Und einige von ihnen entwickelten
Ideen, aber die steckten sie nicht gleich in den Vorschlag-Kasten. An den
Abenden und Wochenenden kamen sie zusammen und arbeiteten daran, und wenn sie
ihren Vorschlag dann im Vorschlag-Kasten präsentierten, dann war er auch
tatsächlich ausgearbeitet. Er war so weit, daß man ihn umsetzen konnte, und das
war ein Faktor, der entscheidend war für die Rüstung im Zweiten Weltkrieg. Man
förderte den Einfallsreichtum für technologische Innovationen und ähnliche
Dinge, und das war äußerst wichtig. Wir bauten Flugzeuge, und entwickelten die
Flugzeuge - das war im Zweiten Weltkrieg und danach - schneller, als wir sie
bauten. Und das Problem war, daß die Ingenieursabteilungen mit diesen
Änderungen mithalten mußten. Die Folge war eine sehr hohe Rate an Produktivitätssteigerung
und technologischer Kompetenz. Das ist eine der Besonderheiten der Arbeitskraft
der Vereinigten Staaten.
Das gab es auch in der
deutschen Arbeitskraft, einen hohen Grad an Fähigkeit zur Innovation. In
Norditalien gibt es qualifizierte Arbeitskräfte mit einer hohen
Produktivitätsrate. Es gab früher Leute in Mexiko mit dem gleichen Antrieb -
vor 1982. Bestimmte Zentren, und sie hatten ihre Zentren auch in den
Gewerkschaften, in den Verbänden. Das wurde zerschlagen durch die
Entnationalisierung der mexikanischen Industrie, nicht wahr? Das nahm einen
großen Teil der Kreativität weg, und wenn man an jene Jahre zurückdenkt, als es
mexikanische Produkte gab, die spezifisch mexikanisch waren und die
technologische Entwicklung des Landes reflektierten: das ist es meiner Meinung
nach, wozu man zurückkehren will. Dafür sind die nationalen Industrien, die
nationale Entwicklung, die regionale Entwicklung entscheidend.