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Maronitischer Patriarch des Libanon verurteilt Angriff gegen Syrien

Die höchste geistliche Autorität der maronitischen Christen im Libanon, Patriarch Beshara al-Rai, der über eine Million Christen im Libanon und viele Christen in Syrien vertritt, verurteilte in einem Interview mit dem Nahostchef der Nachrichtenagentur Reuters, Michael Stott, am 5. März die Angriffe auf Syrien.

Al Rai wandte sich gegen die Wendung, die der "Arabische Frühling" genommen hat. "Wir unterstützen den Arabischen Frühling, aber nicht diesen Frühling voller Gewalt, Krieg, Zerstörung und Mord. Das verwandelt sich in einen Winter... Wir sagen, daß man Reformen nicht mit Gewalt und Waffen einführen kann. Keiner kann sich das Ausmaß der großen Verluste und der Zerstörung, die daraus entstehen kann, vorstellen. ..."

Alle Glaubensrichtungen im Nahen Osten seien durch "Krieg und Gewalt, die wirtschaftliche und Sicherheitskrise" bedroht, sagte der Patriarch, aber die Christen seien aufgrund unserer relativ kleinen Anzahl besonders verwundbar.

"Syrien braucht wie alle andren Länder Reformen, die die Menschen verlangen," sagte er, "Es ist wahr, daß die syrische Baath-Regierung ein extremes und diktatorisches Regime ist, aber davon gibt es viele in der arabischen Welt. Alle Regierungen der arabischen Welt haben den Islam als Staatsreligion, außer Syrien. Syrien sticht hervor, weil es sich nicht als islamischen Staat bezeichnet... Das, was [in der Arabischen Welt] der Demokratie am nächsten kommt, ist Syrien. Wir verteidigen [die Regierung] nicht. Aber wir bedauern, daß Syrien, daß einen Schritt nach vorne machen will ... diese Gewalt und Zerstörung ... miterleben muß."

Rai fürchtet, daß autokratische Führer in der arabischen Welt mit radikalen islamischen Gruppen ersetzt werden, die ausländische Unterstützung erhalten. "Nicht die Bevölkerung will diese Leute. Hinter ihnen stehen Länder, die sie finanziell, militärisch und politisch unterstützen. Moderate Leute wollen sie nicht haben. Wir wenden uns nicht gegen irgendeine Sekte und wir fürchten auch nicht den moderaten Islam. Wir fürchten die extemistischen Gruppen, die die Sprache der Gewalt sprechen."

Die Libanesen seien durch die Ereignisse jenseits der Grenze gespalten. Die Schockwellen aus Syrien könnten einen großen Effekt im Libanon haben, in dem schiitische und sunnitische Moslems, maronitische und orthodoxe Christen, Drusen und Alawiten leben. "Gott behüte, daß der Konflikt sich in einen sektiererischen Konflikt zwischen Sunnis und Alawiten entwickelt," sagte Rai. "In Tripoli gebe es Alawiten und die Situation dort ist schon mit einem glimmendem Feuer unter der Asche vergleichbar." [Der syrische Präsident Assad gehört dem alawitischen Glauben an.]