Der auf Betreiben von SPD
und Grünen im Bundesrat am vergangenen Freitag durchgeboxte Beschluß, die
Bundesregierung zur Einstellung der Förderung von Fusionsenergieforschung unter
dem Vorwand "keine Fortsetzung der Forschung an neuen Reaktortypen"
aufzufordern, wurde von einem sozialdemokratischen Bundesland nicht
mitgetragen: die mecklenburg-vorpommersche Große Koalition von Ministerpräsident Erwin Sellering stimmte
dagegen. CDU und SPD arbeiten sogar an einem gemeinsamen Mehrheitsbeschluß des
MVP-Landesparlaments, mit dem ausdrücklich die weitere Förderung der
Fusionsforschung in Greifswald gefordert wird. Dort arbeiten 400 hochqualifizierte Forscher und Techniker
am Projekt Wendelstein 7-X.
Landeswissenschaftsminister
Henry Tesch (CDU) fand am vergangenen Wochenende deutliche Worte zu den merkwürdigen Vorgängen im Bundesrat:
"Ich kann die aktuelle Sorge im Zusammenhang mit den japanischen
Ereignissen gut verstehen. Nicht verstehen kann ich, dass gute
Forschungsansätze, die uns von der Geißel der Kernspaltung und den mit ihr
verbundenen ungelösten Problemen befreien sollen – und darum geht es in
Greifswald – gefährdet werden. Das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in
Greifswald, mit dem Projekt Wendelstein 7-X, betreibt wichtige und
unerlässliche Grundlagenforschung. Dieses muss fortgeführt werden.
Mecklenburg-Vorpommern kann es sich nicht leisten leichtfertig Spitzenforschung
zu gefährden. Der Bundesrat hat hier ohne Not und Sinn entschieden." Er sei im übrigen zuversichtlich, sagte
Tesch, "dass sich europaweit keine forschungsfeindliche Politik
durchsetzen wird."
Das Thema
"Fusion" wird, das zeichnet sich ab, auch eine wichtige Rolle im bald anlaufenden Wahlkampf zur
Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 4. September spielen.