In einem von Project Syndicate weltweit verbreiteten Artikel, der u. a. am 3. März von der französischen Tageszeitung Le Figaro aufgegriffen wurde, wiederholen fünf hochrangige Offiziere ihre Aufforderung für "ein neues strategisches Konzept für die Nato". Die Autoren: der ehemalige Stabschef der Niederlande Gen. Henk van den Breemen; der ehemalige Stabschef Großbritanniens Feldmarschall Lord Peter Inge, heute Vorstandsvorsitzender von Aegis Defense, einer privaten britischen Militärorganisation; der ehemalige französische Stabschef Adm. Jacques Lanxade; der ehemalige US-Stabschef und Oberbefehlshaber der NATO in Europa Gen. John Shalikashvili; und der ehemalige Stabschef der Bundeswehr Gen. Klaus Naumann. Der letztere hat Bundeskanzlerin Angela Merkel immer wieder dafür kritisiert, daß deutsche Truppen nicht in den Süden Afghanistans geschickt werden.
Sie schreiben: "Die NATO braucht eine neue Strategie. Wir – fünf ehemalige Stabschefs – haben vor kurzem eine Broschüre mit Vorschlägen für eine solche neue Strategie sowie einem umfassenden Programm für Veränderungen veröffentlicht."
"… Früher war die NATO ein regionales Bündnis, das sich auf eine reaktive Verteidigung des Vertragsgebietes konzentrierte. Reagieren jedoch reicht nicht mehr aus; die drängendste Aufgabe ist heute die Verhinderung von Krisen, bewaffneten Konflikten und Kriegen, was erfordern kann, dass die primäre Reaktion mittels nicht militärischer Mittel erfolgt."
"Darüber hinaus vereinbarte die NATO auf ihrer Tagung in Prag im Jahre 2002, dass sie dort handeln würde ‚wo nötig‘ – und gab damit die alleinige Beschränkung auf Handlungen zur Verteidigung des Vertragsgebietes auf. Und schließlich sind, obwohl die Lehren aus den Terroranschlägen vom 11. September 2001 nahe legen, dass keiner der heutigen Konflikte allein mit militärischen Mitteln bewältigt werden kann, die Mittel der NATO ausschließlich militärischer Art. Eine effektive zukünftige NATO-Strategie muss daher die Entwicklung und Anwendung anderer Mittel einschließen."
"… Die Strategie setzt in flexibler Weise auf die Eskalation und Deeskalation des Machteinsatzes und nutzt dabei alle Instrumente von Politik und Macht – weiche wie harte. Sie betont jedoch, dass der Einsatz militärischer Macht die Ultima Ratio sein muss, was nicht notwendigerweise bedeutet, dass er als letzter Ausweg erfolgt."
"… Angesichts der Tatsache, dass militärische Mittel nicht länger ausreichen, betonen wir die große Bedeutung einer verbesserten Zusammenarbeit zwischen der NATO, den Vereinten Nationen und der Europäischen Union. Die NATO muss Wege finden, sich der Instrumente und Ressourcen zu bedienen, die andere internationale Organisationen zu ihrer Verfügung haben. Zu diesem Zweck muss insbesondere die Zusammenarbeit zwischen NATO und EU verbessert werden. Auch die UNO wird weiter eine wichtige Rolle spielen, da sie das einzige Gremium ist, das in allen Fällen, wo es nicht allein um Selbstverteidigung geht, Interventionen – ob militärischer oder nicht militärischer Art – legalisieren kann."
"Das zentrale Problem ist es, die Regierungen der NATO-Mitgliedsstaaten – insbesondere die Europäer – zu überzeugen, sich die gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen stärker bewusst zu machen und ihre politische Entschlossenheit zu stärken, einige der Empfehlungen umzusetzen."
[url:“http://www.project-syndicate.org/commentary/naumann2/German]Quelle: Project Syndicate[/url]
Diese Forderungen spiegeln die Bestrebungen wider, die EU zu militarisieren und mit Hilfe des Lissabon-Vertrages auch die bisher neutralen EU-Mitgliedsstaaten einer umgewandelten NATO/EU-Struktur einzuverleiben.