Am 5.8. 2014 machte der ägyptische Präsident Abdel Fattah Al-Sisi den ersten Spatenstich für den Neuen Suezkanal, das Vorhaben zu seiner Erweiterung auf das Doppelte des 1869 eröffneten alten Kanals. Entgegen aller Prognosen für den Zeitplan versprach er, der neue Kanal werde nach einem Jahr eröffnet werden. Am 6.8. 2015 fand nun tatsächlich die feierliche Eröffnungszeremonie statt, in Anwesenheit von Staatsoberhäuptern, Regierungsvertretern und Würdenträgern aus mehr als 70 Ländern, darunter Frankreichs Präsident Hollande, Rußlands Premierminister Dmitrij Medwedjew, Griechenlands Premierminister Tsipras, Minister und andere hochrangige Vertreter aus China, Indien, England, Italien und aus Deutschland Vizekanzler Gabriel. US-Präsident Obama dagegen ließ sich lediglich vom Botschafter vertreten.
Es waren auch Vertreter aller Schichten der ägyptischen Gesellschaft anwesend, u.a. – Seite an Seite – der Großimam von Al-Azhar und der orthodoxe Patriarch, da es vor allem eine Feier der ganzen Nation war. Wie Al-Sisi betonte, lag die Verantwortung für das gesamte Projekt beim ägyptischen Volk. Nicht nur die Ingenieure und Arbeiter waren Ägypter, auch die Finanzierung lief über Anleihen im Inland, die innerhalb kürzester Zeit von den Ägyptern gekauft wurden.
Die Stimmung im Land erfaßte besonders gut ein Ingenieur, der im Sender Nile International TV sagte: „Dieser Kanal ist nicht bloß für uns oder unsere Kinder. Er ist für alle kommenden Generationen. Wir werden sterben, aber er wird Jahrhunderte leben, für unsere Kinder, Enkel und Urenkel.“
Der Präsident sagte in seiner Eröffnungsansprache: „Ägypten ist ein großes Land mit einer 7000 Jahre alten Zivilisation“, die immer „in Harmonie mit den himmlischen Religionen lebte“. Ägyptens neues Geschenk an die Welt heute sei nicht größer als die Leistungen der alten Ägypter, wurde aber innerhalb nur eines Jahres vollendet. Und es sei mehr als eine Ingenieursleistung. Die Ägypter spürten, daß sie “ innerhalb eines Jahres mehr Selbstvertrauen und Sicherheit gewonnen haben.“ Sie hätten sich und der Welt bewiesen, daß sie ein solches Projekt bewältigen können.
Wie Al-Sisi ausführte, ist der Kanal nur die erste Phase eines viel weitergehenden Entwicklungsprojekts, das die Volkswirtschaft völlig verwandeln soll. Dazu gehören ein landesweites Straßennetz, Wiedererschließung von 1 Mio. Feddan Agrarland und die Gründung neuer Städte. Viele der Projekte wird die BRICS-Gruppe unterstützen. Am Tag nach der Eröffnungsfeier begannen die Arbeiten an einem neuen Containerterminal bei Port Said, finanziert von einem Unternehmen aus China und unter Leitung eines US-Unternehmens. Wie der russische Ministerpräsident Medwedjew der Zeitung Al Ahram sagte, wird sich Rußland am Bau eines Industriegebiets am Kanal beteiligten und vielleicht auch das erste Kernkraftwerk in Ägypten errichten.