Während viel über Engpässe auf den weltweiten Schifffahrtswegen gesprochen wird, leidet Deutschland unter einem solchen direkt vor der eigenen Haustür. Wenn die schon vor Jahren von der BüSo gefordete Infrastrukturpolitik umgesetzt worden wäre, wäre die Krise heute sehr viel leichter handhabbar. Der Engpass befindet sich am Mittelrhein zwischen Bingen und Koblenz.
Die derzeitige Trockenperiode droht den Schiffsverkehr auf dem Rhein lahmzulegen. Der Wasserstand auf diesem hundert Kilometer langen Rheinabschnitt ist gefährlich abgesunken, was die Schiffe dazu zwingt, ihre Ladungen um bis zu 80 Prozent zu reduzieren. Die Wasserstände drohen soweit abzusinken, dass der Schiffsverkehr komplett eingestellt werden könnte. Inzwischen wird versucht, den potenziell enormen wirtschaftlichen Schaden zu mildern, indem Fracht auf die Schiene verlagert wird, was jedoch wegen des maroden Zustands des Bahnnetzes nur sehr begrenzt möglich ist. Vor allem die Bahnstrecke am rechten Rheinufer ist derzeit wegen dringender Sanierungsarbeiten vollständig gesperrt.
Die Krise hätte gänzlich vermieden werden können, wenn die Bundesregierung den Bau des Westerwald-Taunus-Eisenbahntunnels umgesetzt hätte, der diesen Rheinabschnitt vollständig umgehen würde. Der Tunnel, der für Hochgeschwindigkeits-Güterzüge geeignet wäre, sollte über 118 Kilometer von Sankt Augustin bei Bonn am östlichen Rheinufer bis nach Hochheim bei Wiesbaden an der Mündung des Mains in den Rhein führen – etwa 50 km kürzer als die bestehende 170 km lange Strecke durch das Rheintal. Geplante Bauzeit war 12 Jahre. Der Vorschlag wurde zwar geprüft, jedoch unter Verweis auf die Kosten abgelehnt. Nun droht die aktuelle Krise Verluste in einer Größenordnung zu verursachen, die über den geschätzten Baukosten des Tunnels in Höhe von 10 Milliarden liegen.
Der Rhein ist Teil des Rhein-Alpen-Korridors der Europäischen Union, der in Rotterdam beginnt, das Rheintal hinauf bis in die Schweiz führt und in Genua endet. Er durchquert einige der wichtigsten Industriestandorte Europas. Die Rheinschifffahrt ist von entscheidender Bedeutung für den Transport von Rohstoffen wie Eisenerz, Kohle, Sand sowie Chemie- und Erdölprodukten zu diesen Industriestandorten, insbesondere zur chemischen und pharmazeutischen Industrie, die flussaufwärts vom derzeitigen Engpass liegen.
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Quelle: eirna.de