Anlaß des folgenden Aufsatzes ist das unmittelbare Näherrücken der extrem akuten Phase der internationalen Finanzkrise im Vorfeld der Parteitage zur Aufstellung der Präsidentschaftskandidaten in den USA [Demokraten Ende August, Republikaner Anfang September]. Eine längerfristige Bedeutung des Aufsatzes liegt auch darin, in die wenig bekannten Grundlagen einer kompetenten Wirtschaftswissenschaft einzuführen. Er dient somit der dringend erforderlichen Umerziehung der vermeintlich maßgeblichen Ökonomen, deren Einfluß auf die politischen Entscheidungen von Regierungen sowie internationalen privaten und öffentlichen Institutionen von 1971 bis heute so verheerend gewesen ist.
[pretitle]Nicht nur Sozialisten wurden getäuscht[/pretitle]
Der Betrug des „Freihandels“
von Lyndon LaRouche
10. Juli 2008
Anlaß des folgenden Aufsatzes ist das unmittelbare Näherrücken der extrem akuten Phase der internationalen Finanzkrise im Vorfeld der Parteitage zur Aufstellung der Präsidentschaftskandidaten in den USA [Demokraten Ende August, Republikaner Anfang September]. Eine längerfristige Bedeutung des Aufsatzes liegt auch darin, in die wenig bekannten Grundlagen einer kompetenten Wirtschaftswissenschaft einzuführen. Er dient somit der dringend erforderlichen Umerziehung der vermeintlich maßgeblichen Ökonomen, deren Einfluß auf die politischen Entscheidungen von Regierungen sowie internationalen privaten und öffentlichen Institutionen von 1971 bis heute so verheerend gewesen ist.
Mit Blick auf diese doppelte, d.h. unmittelbare bzw. langfristige Aufgabenstellung, beginnen wir nun wie folgt.
Fannie Mae, ade!
Der seit etwa November 2007 im Gang befindliche steile Absturz der US-Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac, die unter dem früheren Notenbankchef Alan Greenspan massiv geplündert wurden, muß in Verbindung mit den verheerenden Folgen des Maastrichter Vertrages in Europa betrachtet werden. Die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher und ihr Kumpan, der französische Präsident Mitterrand, hatten diesen Vertrag dem nachsowjetischen Europa diktiert, und die Menschen in Kontinentaleuropa und auf den Britischen Inseln, die entweder bewußt mitspielten oder schlicht hintergangen wurden, leiden darunter bis heute.
Wenn man die kombinierte Wirkung dieser Entwicklungen seit Anfang der neunziger Jahre erwägt, ist es von entscheidender Bedeutung für die ganze Welt, daß sich die meisten führenden amerikanischen Kongreßabgeordneten bisher hartnäckig und töricht weigern, das von mir vorgeschlagene Gesetz zum Schutz der Banken und Eigenheimbesitzer (HBPA) in Kraft zu setzen, denn damit hätten die schlimmsten der jüngsten Entwicklungen im Finanzbereich und das heutige Leid vieler Amerikaner verhindert werden können.
Im Oktober 1987 schleppte Alan Greenspan seine Politik herein wie die Katze einen toten Vogel und setzte die Maßnahmen durch, die seither die Währungssysteme auf beiden Seiten des Atlantiks beherrschen. So ist die jetzige Krise des Währungs- und Finanzsystems im Lichte dieser doppelten Wirkung zu sehen: auf der einen Seite des Atlantiks Greenspans Mißbrauch an Fannie Mae und Freddie Mac, und auf der anderen Seite die wirtschaftliche Unterminierung Europas durch den Maastricht-Vertrag. Aus der transatlantischen Wechselwirkung dieser beiden Krisenaspekte entstand die neue, weitaus schlimmere Phase des Finanzkrachs, die im Juli einsetzte. Der Crash hat jetzt ein solches Ausmaß erreicht, daß uns politisch und anderweitig eine verheerende Weltfinanzlage droht, und das vielleicht noch vor dem Ende der Parteitage von Demokraten und Republikanern zur Nominierung ihrer Präsidentschaftskandidaten.
Greenspans beinahe sexueller Mißbrauch von Fannie Mae und Freddie Mac und die systemischen monetären Folgen des Maastricht-Vertrages, wie diese sich seit dessen Inkrafttreten entwickelten, bilden heute einen wesentlichen Bestandteil der Grundlagen der Währungs- und Finanzstrukturen auf beiden Seiten des Atlantiks.
Die beiden Systeme – das Federal-Reserve-System unter Greenspan und Bernanke einerseits und die europäischen Strukturen des Maastricht-Vertrages andererseits – sind keine parallelen, sondern von einander abhängige Prozesse. Zusammen bilden sie weitgehend den weichen Unterleib des transatlantischen Kernstücks des Weltwährungs- und -finanzsystems, das jetzt zusehends zerfällt. Wenn eines von beiden zusammenbricht, könnte das in dem extrem angespannten, hyperinflationären Umfeld ausreichen, um schon in naher Zukunft das gesamte Weltwährungs- und -finanzsystem wie in einer Kettenreaktion auseinanderfliegen zu lassen.
Es ist die Aufgabe aller vernünftigen und verantwortlichen Institutionen, die Zukunft der Nationen und Völker dieser Welt zu schützen, indem man das jetzige Weltwährungs- und -finanzsystem geeigneten radikalen Reformen unterzieht. Diese Reformen müssen mit den Grundmerkmalen des Weltwährungs- und -finanzsystems der Zeit vor 1968, wie es nach den Absichten von US-Präsident Franklin D. Roosevelt entworfen worden war, in Einklang stehen. Uns stehen Maßnahmen zur Verfügung, die diesen Anspruch erfüllen – darunter einige, die dem einen oder anderen höchst originell erscheinen mögen.
Kurz die Aufgabe
Es sei daran erinnert, daß die Absicht, die später in Greenspans Politik mit Fannie Mae und Freddie Mac und im Maastricht-System in Europa zum Ausdruck kam, schon in den siebziger Jahren bestand: Unter den chaotischen Bedingungen der internationalen Finanzwelt und Realwirtschaft nach Nixons Auflösung des Bretton-Woods-Systems wollte man die sogenannte „kontrollierte Desintegration der Weltwirtschaft" herbeiführen, wie sich die Anhänger von David Rockefellers Trilateraler Kommission ausdrückten.
Präsident Nixons Auflösung des Bretton-Woods-Systems fester Wechselkurse hat zusammen mit dem von den Briten und Saudis eingefädelten Ölschwindel der siebziger Jahre das damalige amerikanische Währungs- und Finanzsystem als System ruiniert.[sup]1[/sup]
Der wachsende Einfluß britisch-saudischer Machenschaften seit dem Ölpreisschwindel 1973, die sich später auf das Umfeld des Rüstungskonzerns BAE konzentrierten, entfaltete sich im Zuge einer allgemeinen Richtungsänderung im Gang des Weltgeschehens, die durch die radikalen Maßnahmen der US-Regierungen Nixon, Ford und Carter in Gang gesetzt wurde. So wandelte sich die Nachkriegsordnung, die von den Vereinigten Staaten in ihrer Rolle im Bretton-Woods-System beherrscht wurde, hin zu dem Zustand heute, wo selbst in den internen Finanzangelegenheiten der USA – bis hin zur finanziellen Vereinnahmung von Präsidentschaftskandidaturen für die Wahl im November 2008 – immer mehr eine Tyrannei der Machenschaften des imperialen London herrscht. Ausgeführt wird dies von Leuten wie dem früheren Premier Tony Blair, dessen Lügen uns die sich inzwischen über ganz Südwestasien ausbreitende Krise beschert haben.
Im Verlauf der Amtszeiten der Regierungen Nixon, dann Ford und dann Carter wurde die Realwirtschaft in Amerika und Europa bewußt kaputt gemacht. Dies ist der traurige Zustand der transatlantischen Volkswirtschaften, wenn man die rauhe Wirklichkeit der Realwirtschaft und nicht den üblichen Kauderwelsch der Finanzwelt betrachtet. So nehmen die USA mehr und mehr die Merkmale einer Halbkolonie des britischen Weltreichs in seiner heutigen Form an. Wenn man die langfristigen realwirtschaftlichen Faktoren betrachtet, muß man zu dem Schluß gelangen, daß sich die Volkswirtschaften der transatlantischen Gemeinschaft physisch seit etwa 1967-68 bis heute in einem allgemeinen Abstieg befinden.[sup]2[/sup]
In etwas jüngerer Zeit, 1989-91, unmittelbar nach dem Zusammenbruch der sowjetischen Comecon-Wirtschaft (den ich seit 1983 etwa für diesen Zeitraum vorausgesagt hatte), griff die bereits laufende Zerstörung der amerikanischen Realwirtschaft pro Kopf und Quadratkilometer auf ganz Kontinentaleuropa über.[sup]3[/sup]
Es kam also eine Zeit, in der die meisten Überreste einer sinnvollen, tatsächlich produktiven Realwirtschaft systematisch ruiniert wurden, und das zunehmend nicht nur in den USA, sondern in der transatlantischen Gemeinschaft insgesamt. Während der nachsowjetischen neunziger Jahre wurde jegliche kompetente Nationalbankpolitik der transatlantischen Gemeinschaft zugrunde gerichtet und durch völlig verrückte Regelungen ersetzt. Da die Ausweitung der Geld- und Finanzwerte nicht mehr auf dem Nettowachstum der Realwirtschaft pro Kopf und Quadratkilometer beruhte, vermehrte man den Umlauf von Geldkapital für die Wirtschaft hauptsächlich mit zunehmend betrügerischen, spekulativen Methoden sowie in den neunziger Jahren durch die Ausplünderung des Gebiets der ehemaligen Sowjetunion und des Comecon.
Die wichtigsten Säulen, auf denen diese betrügerische Vermehrung von Schuldentiteln ruhte, waren in den USA Alan Greenspans Ausplünderung der nominell bei Fannie Mae und Freddie Mac liegenden Kredite und in Europa die politische Rolle des bewußt ruinösen Maastricht-Abkommens, mit dem die Realwirtschaft der europäischen Nationalstaaten ausgebeutet und ruiniert wurde. Das hatte globale Folgen, wie heute eindeutig sichtbar ist.
Infolge dieser Politik, besonders seit Oktober 1987 in den USA und seit 1991 in ganz Europa, hat sich um Fannie Mae und Freddie Mac eine gewaltige hyperinflationäre Blase fiktiver Kredite gebildet, und parallel dazu kamen in Europa ähnliche Entwicklungen um das von den Maastrichter Vereinbarungen geprägte Kreditsystem. Beides kracht derzeit zusammen, und beide Prozesse stehen in enger Wechselwirkung miteinander. Die Stützpfeiler des Hauses, das Leute wie Alan Greenspan und Margaret Thatcher ursprünglich errichtet hatten, stürzen jetzt in sich zusammen.
Nun platzt Greenspans fiktive Kreditblase und die entsprechenden Elemente des Maastricht-Systems lösen sich auf: Die Fundamente des heutigen Weltwährungs- und Finanzsystems fallen in sich zusammen, und der Ahnungslose schaut verblüfft zu, erstarrt wie das Kaninchen vor der Schlange.
Was war die Ursache?
So kam es unter dem Irrsinn, der die Geschichtsperiode seit dem Amtsantritt von US-Präsident George Bush senior im Januar 1989 kennzeichnet, nicht nur zu weiteren massiven Abwärtsphasen in dem Teil der Weltwirtschaft, den die transatlantische Gemeinschaft ausmacht, sondern auch zu einem Rückgang der realen Pro-Kopf-Produktion auf der Welt als Ganzer.
Die Globalisierung hat – beispielsweise bei der Erzeugung von Roheisen und Rohstahl – durch die bekannten Methoden wie „Produktionsauslagerung" die reale Produktion auf der Welt pro Kopf und pro Quadratkilometer schrumpfen lassen. Sobald man die Maske der galoppierenden Inflation wegreißt und reale Werte zugrundelegt, wird deutlich, daß diese Produktionsauslagerung, der jüngste Trend in der Weltwirtschaft, weltweit zu einer systematischen Absenkung der realen Produktivität pro Kopf und Quadratkilometer geführt hat. Denn dadurch wurde in Nordamerika und Europa mehr produktives und verwandtes Realkapital zerstört, als in den Ländern mit niedrigem Lebensstandard und verbreiteter arbeitsintensiver Ausbeutung, auf deren billige Arbeitskräfte es die „Heuschrecken" und ähnliche Anlegerinteressen abgesehen haben, neu aufgebaut wurde.
Wie ich in den folgenden Kapiteln dieses Aufsatzes darstellen werde, zeigt sich die Inkompetenz sämtlicher monetaristischer Lehren im Vergleich mit der erfolgreichen Anwendung des Hamiltonischen Amerikanischen Systems der politischen Ökonomie am anschaulichsten daran, wie Franklin Roosevelt die US-Wirtschaft erfolgreich wiederbelebte, nachdem seine beiden Vorgänger Coolidge und Hoover sie ruiniert hatten. Der Unterschied kommt darin zum Ausdruck, daß das Amerikanische System die Wirtschaftsleistung nach realen, technologieorientierten, zunehmend kapitalintensiven Formen der Produktivitätssteigerung von Arbeit und Kapital mißt, wohingegen der Monetarist die Wirtschaft nur als eine Frage von Preisen für Produkte und Dienstleistungen betrachtet – selbst wenn der nominelle Gewinn mit Methoden erzielt wird, die real die Produktivität pro Kopf und Quadratkilometer senken.
Warum sollten sich die herrschenden Geldinteressen von Nationen wie den USA und Europas so etwas Dümmliches antun? Bei der Beantwortung dieser Frage könnte einem das Bild eines hochneurotischen, abergläubischen Burschen in den Sinn kommen, der seine Schritte auf den Betonplatten des Bürgersteigs streng nach dem Altweiberglauben ausrichtet: „Trittst du auf den Spalt, kommt groß Unglück bald!" Nicht der „Bursche" trifft hier also die Entscheidung, sondern sein Herr, die „Burschoisie", die ihm dieses Verhalten beibrachte.
Warum haben wir denn Verantwortliche wie Alan Greenspan oder auch seinen unglückseligen Nachfolger nicht in eine geeignete psychiatrische Klinik gesteckt, anstatt durch deren Anstellung unsere Wirtschaft zu ruinieren? Aha! Dafür gibt es einen Grund:
Die einschlägigen, finanziell sehr mächtigen, gewöhnlich räuberischen Dienstherren solcher Ökonomen, wie Prinz Philip vom World Wildlife Fund und sein faktischer Lakai, der frühere US-Vizepräsident Al Gore, wollen den Lebensstandard der Weltbevölkerung so weit senken, daß, wie Prinz Philip selbst gesagt hat, von den derzeit etwa sechseinhalb Milliarden Menschen nicht mehr als zwei Milliarden weiterleben könnten.
Wen wundert es dann, daß das Britische Empire mit seinem Gefolgsmann George Soros, der für die Nazis unter Eichmann diente, in so vielen Teilen Afrikas Völkermord betreibt!
Die historische Bedeutung
Läßt man den Sonderfall der Zeit 1492-1648, als das neuzeitliche Europa unter ständigen Religionskriegen litt, einmal außer acht, so läßt sich die weltweite hyperinflationäre Spirale, die jetzt einsetzt, ohne weiteres als die erste wirkliche Zusammenbruchskrise der Neuzeit betrachten. (Unter früheren, ausgedehnten Zivilisationsformen der Antike und des Mittelalters gab es bereits, was man treffend „finstere Zeitalter" nannte.) Es wäre ein vielleicht fataler Fehler, zu leugnen, daß diese Finanzkrise eine allgemeine, weltweite Zusammenbruchskrise des heutigen Finanz- und Währungssystems des „Freihandels" ist!
Das jetzige Weltwährungssystem, wie es seit 1971 existierte, wird schlicht verschwinden, daran wird kein Weg vorbeigehen. Die einzige Möglichkeit ist, es beizeiten durch ein neues System zu ersetzen, das die Methoden von Präsident Franklin Roosevelt reflektiert. – Durch die Dummheit unserer politischen Führung wurde bereits ein kostbares Jahr verschwendet, nachdem ich sie bereits 2007 vor den Konsequenzen gewarnt habe. – Sonst wird der ganze Planet wieder in ein dunkles Zeitalter abstürzen. Der Fortbestand der Zivilisation macht es erforderlich, das jetzige Währungssystem mit seinen freien Wechselkursen abzulösen, und dazu müssen die drei Hilfsmittel zur Anwendung kommen, die ich bereits in früheren Veröffentlichungen erläutert habe.[sup]4[/sup]
Diese Maßnahmen für ein Konkursverfahren des Systems sind darauf ausgelegt, daß ein bestimmter Kern der jetzigen Geldmenge erhalten bleibt, um als reguläres Mittel für den Austausch realer Werte zu dienen, die für die Weiterführung eines geordneten Lebens der Menschen in den Städten und Gemeinden wesentlich sind.
Entscheidend ist, statt der nominellen finanziellen Werte die Realwirtschaft zu retten. (Ich erläutere die technische Bedeutung dieser Unterscheidung im weiteren Verlauf des Aufsatzes.) Das heutige weltweite Freihandelssystem mit gleitenden Wechselkursen ist nicht nur als System unrettbar verloren – jeder Versuch, es zu retten, wäre für die Zivilisation fatal. Wir dürfen nicht länger leugnen, daß wir mehr erleben als bloß eine „Rezession" – daß wir uns in einer Zusammenbruchskrise des Systems als System befinden. Wir müssen uns von der trügerischen Illusion verabschieden, man müsse die Existenz dieses jetzt globalen „Freihandels"-Systems weiter rechtfertigen – dieses „Freihandelssystems mit freien Wechselkursen" hat von 1971 bis heute nicht nur die amerikanische Wirtschaft systematisch ruiniert!
Wenn wir nicht sehr bald bestimmte klar definierte Schutzmaßnahmen ergreifen, läuft die Zeit für die Zivilisation schnell ab.
Die akademische Form der Krankheit
Insbesondere zwei ideologische Einflußfaktoren verursachten den allgemeinen Wandel der amerikanischen und europäischen Politik, weg von den relativ vernünftigen wirtschaftlichen Zielvorstellungen der Zeit von 1945-64, hin zu immer mehr Wahnsinn bei der Entscheidung über die gesellschaftlichen Ziele des Wirtschaftslebens seit dem 1. März 1968.
Erstens: Auf eines der bedeutendsten intellektuellen Hindernisse, die überwunden werden muß, stößt man bei den anerkannten staatlichen und akademischen Autoritäten. Es steckt in dem unsinnigen Glauben an die abwegige Annahme, es gäbe, allgemein gesagt, nur die Wahl zwischen den ideologischen Polen des „freien Marktes" oder des „marxistischen" Denkens. Der absurde Glaube an einen „freien Markt" verhindert jede ernsthafte Erwägung der Prinzipien, auf denen unsere Republik gegründet wurde. Nur diese Prinzipien versetzten Präsident Franklin Roosevelt in die Lage, die scheinbar wundersame Erholung der USA aus dem Tal der Hoover-Depression herbeizuführen, um im Zweiten Weltkrieg als die größte Wirtschaftsmacht hervorzutreten, die die Welt bis dahin gesehen hatte.
Heute haben wir die Wahl zwischen den von Präsident Franklin Roosevelt verwendeten Prinzipien und der weiteren Unterwerfung unter jene Politik, die uns gerade in einen generellen physischen Zusammenbruch der gesamten Weltwirtschaft führt.
Der Welt droht mit der kombinierten Krise der US-Wirtschaft und des gescheiterten europäischen Maastricht-Systems nicht nur eine „Depression", sondern das, was man als „allgemeine Zusammenbruchskrise" bezeichnet. Vor 1914 rauften sich deutsche Sozialdemokraten verzweifelt die Haare, wie sich eine „Zusammenbruchskrise" sinnvoll definieren ließe. Ähnliche Konfusion herrscht auch heute, wo die sogenannten „marxistischen" („sozialistischen") und die „Freihandels-" („kapitalistischen") Systeme gleichermaßen zu inkompetenten Maßnahmen neigen. Ein Beispiel dafür sind die Maßnahmen, die Präsidentschaft und Kongreß in den USA seit dem 1. August 2007 ergriffen haben, welche, wie wir in den vergangenen Monaten oft sehen konnten, den auf uns zu rasenden allgemeinen Zusammenbruch nur beschleunigen und verschlimmern.
Deshalb müssen wir in unseren Analysen und Vorschlägen erneut, wie schon in meinem früheren Aufsatz „Die Wirtschaftsdebatte um Rußland",[sup]5[/sup] das Simplifizierende und Mythische an der Legende „Marx contra Kapitalismus" aufdecken und zurückweisen. Denn diese Legende hat die Aufmerksamkeit davon abgelenkt, vor welche tatsächlichen inhaltlichen Fragen die gegenwärtige, seit 1971 laufende Weltkrise uns alle stellt. Diesmal müssen wir uns vornehmen, was ich in den folgenden Kapiteln dieses Berichts tun werde: Wir müssen die Diskussion weiter vorantreiben und vor allem den „Mythos Geld" selbst untersuchen.
Die erste, eher simple Tatsache, die man in dieser Angelegenheit bedenken muß, ist etwas, was ich schon in der eben erwähnten Schrift betont habe: Karl Marx war, wie er selbst wiederholt betonte, ein Anhänger des Plagiators und Betrügers Adam Smith,[sup]6[/sup] und deshalb in Fragen der Wirtschaftslehre ideologisch betrachtet ein „Kapitalist" in der Tradition von Lord Shelburnes imperialer britischer Haileybury-Schule. Das Amerikanische System der politischen Ökonomie, wie es von Alexander Hamilton, Mathew Carey und den amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln und Franklin D. Roosevelt vorbildlich vertreten wurde, ist historisch das einzige wirklich sinnvolle wirtschaftliche Modell moderner Staatskunst, das derzeit existiert.
Dies war der Grund dafür, daß Nikita Chruschtschows Beziehungen zur Gruppe „Weltparlamentarier für eine Weltregierung" des giftigen Bertrand Russell sich im nachhinein als die Richtungsentscheidung erwiesen, die zum selbstverschuldeten wirtschaftlichen und strategischen Untergang der Sowjetunion führte. Russells anhaltender Einfluß auf das wirtschaftsstrategische Denken lockte die Sowjets noch einmal in die Falle – nämlich in das radikal-reduktionistische Nest der Cambridger Systemanalyse in Laxenburg/Österreich -, aus der sich das heutige Rußland intellektuell immer noch nicht ganz befreit hat. Die heutige Welt muß diese Lektion unbedingt lernen, solange noch eine geringe Chance besteht, zur Alternative des Amerikanischen Systems der politischen Ökonomie als Grundlage einer ökumenischen Weltordnung souveräner Nationalstaaten zurückzukehren.
Zweitens: Die Änderung der kulturellen Zielsetzungen der Politik nach 1945 brachte in der zwischen 1945 und 1958 geborenen Nachkriegsgeneration aus der Angestelltenschicht („Babyboomer") einen harten Kern hervor, der im Grunde synarchistisch war. Es wurde ein massives Programm von „Gegenkultur" in Gang gesetzt, das den offen faschistischen, neomalthusianischen Charakter eines großen Teils der auf den Straßen herumtobenden „68er" prägte.
Der heutige Betrug der „globalen Erwärmung" ist Ausdruck davon, wie weit sich inzwischen pseudowissenschaftlicher Aberglauben übelster Art verbreitet hat, und das selbst in den Reihen derer, die sich selbst zweifelhafterweise für anerkannte Wissenschaftler halten, und unter unseren maßgeblichen Politikern.
Die Argumente, die für die Theorie der „globalen Erwärmung" vorgebracht werden, sind nach keinem glaubwürdigen historischen Maßstab wissenschaftlich, sie haben eher den Charakter eines religiösen Dogmas, wenn auch sicherlich keines christlichen oder jüdischen, wenn man den Maßstab der biblischen Schöpfungsgeschichte anlegt. In Fragen des religiösen Glaubens müssen wir tolerant sein, sofern seine Vertreter nicht moralisch kriminell sind, aber einen solchen Wahnsinn wie die „Globalisierung" kann nichts in der Rechtspraxis führender Nationen rechtfertigen. Die Befürworter von radikalem Malthusianismus und/oder Drogenmißbrauch fallen in die gleiche Kategorie: Das Naturrecht verlangt dringend, daß ihr politischer Einfluß eingedämmt werden muß.
Diese Fragen sind jedoch alles andere als theoretisch. Es geht um das Wohl der ganzen Menschheit. Die politische Absicht hinter dem heutigen Massenkult des sogenannten „Umweltschutzes" ist am klarsten aus dem Munde des derzeitigen Prinzgemahls des Britischen Empires, Prinz Philip, formuliert worden. Prinz Philip fordert eine schnelle Verringerung der Weltbevölkerung von jetzt mehr als sechseinhalb Milliarden Menschen auf zwei Milliarden oder weniger. Zu diesem Zweck schlagen er und sein Komplize, der frühere US-Vizepräsident Al Gore, Maßnahmen vor, die, wenn man sie zuließe, tatsächlich zu dieser schnellen Verringerung der menschlichen Gattung führen würde, die der Prinz mit seinem World Wildlife Fund wiederholt als sein Ziel bezeichnet hat. Ein solcher Völkermord würde ähnliche Verbrechen des Nazi-Regimes und seiner Komplizen in der Zeit zwischen 1933 und 1945 noch weit in den Schatten stellen.
Allerdings ist eine Bevölkerungspolitik, wie sie Prinz Philip und das Hitler-Regime verfolgten, in der jahrtausendelangen Praxis der schwarzen Kunst durchaus nichts neues. In der Tradition der europäischen Zivilisation etwa läßt sich eine solche Politik in ihren praktischen Folgen auf die fiktive Figur des olympischen Zeus im Gefesselten Prometheus des klassischen Dramatikers Aischylos zurückverfolgen. Tatsächlich ist das, was wir „Malthusianismus" oder „Neomalthusianismus" nennen, ein Kennzeichen aller bekannten Imperien seit den Großreichen im antiken Südwestasien und den Reichen von Rom und Byzanz, so wie im Mittelalter bei der imperialen Allianz der venezianischen Finanzoligarchie mit dem Haus Anjou und unter dem offenen Malthusianismus der britisch-imperialen Haileybury-Schule Jeremy Benthams.
Es ist ein charakteristischer Aspekt aller Imperien in der Geschichte, einschließlich des Britischen Empire, einen großen Teil der Bevölkerung bewußt zu verdummen und durch eine Kombination von Gesetzen und Gebräuchen daran zu hindern, das „Feuer" wissenschaftlicher Kreativität kennenzulernen. Man will die Masse der Bevölkerung mit verschiedenen Methoden des „Keulens" intellektuell „barfüßig und dumm" halten, wenn die Masse des gewöhnlichen Volks nach Ansicht von Neomalthusianern wie Prinz Philip oder Al Gore unerfreulich groß geworden ist.
In dieser Tradition des olympischen Zeus, wie ihn Aischylos in Der Gefesselte Prometheus darstellt, soll die Wissenschaft ausgeschaltet werden, indem man sie entweder unterdrückt oder durch Betrug in ein Prokrustesbett zwängt – so wie noch heute die Entdeckungen des eigentlichen Begründers der modernen Wissenschaft, Johannes Kepler, unterdrückt werden. Man muß erkennen, daß hinter diesem noch heute andauernden britischen Wissenschaftsbetrug – wonach Isaac Newton, dieser Spezialist für Schwarze Magie, etwas entdeckt haben soll, was er und seine Hintermänner in Wirklichkeit in betrügerischer Absicht furchtbar schlecht aus Keplers Werken abgeschrieben haben – nach wie vor diese Absicht des legendären Zeus steckt: die Kenntnis des „Feuers" zu unterdrücken.[sup]7[/sup]
Um die Weltbevölkerung auch nur in ihrer gegenwärtigen Größe zu erhalten, ganz zu schweigen davon, sie zu vergrößern, ist naturwissenschaftlicher Fortschritt unbedingt erforderlich, um die drohende Erschöpfung der verfügbaren Rohstoffe, die zur Erhaltung des gegenwärtigen Lebensstandards gebraucht werden, zu überwinden. Wer solchen wissenschaftlichen Fortschritt verhindert, etwa durch die Unterdrückung der Entwicklung der Kernkraft, begeht praktisch bereits Völkermord.
Religiöse Dogmen, besonders so verrückte wie die „globale Erwärmung", muß man aus der Politik heraushalten. Neben dem Atomkrieg ist der „Umweltschutz", wie ihn Prinz Philips Anhänger vertreten, heute die größte aller faschistischen Gefahren für die Menschheit.
Soviel sei gesagt, um die Bedeutung der physischen Ökonomie selbst einzuordnen. Wenden wir uns nun diesem Gegenstand selbst zu.
I. Was ist physische Ökonomie?
Fortschritte in der Wissenschaft wie auch in der politischen Ökonomie machen es häufig erforderlich, sich auch mit widerwärtigen Dingen zu befassen. Als anschauliches Beispiel solcher Fragen betrachte man den Fall der sogenannten „Schleimpilze". Damit soll nicht etwa gesagt werden, daß die menschliche Gesellschaft tatsächlich mit einem Schleimpilz verwandt wäre. Vielmehr sollte man angehende Ökonomen vor die Aufgabe stellen, die wesentlichen Unterschiede zwischen einer Volkswirtschaft und einem Schleimpilz herauszufinden.[sup]8[/sup] Heute würden nur wenige Wirtschaftsfachleute diesen Eingangstest bestehen. Es ist zu hoffen, daß wir ihr Wissen im weiteren Verlauf dieses Aufsatzes aufbessern können.
Die entscheidende Beobachtung, die in dem Zusammenhang anzustellen ist, stammt nicht von mir, ich habe mich aber seit mehr als zwei Jahrzehnten immer wieder damit befaßt. Es ist die Tatsache – die hier durchaus von Belang und sehr nützlich ist -, daß ein typischer Schleimpilz (tatsächlich gibt es sehr viele Abarten) abwechselnd vor allem zwei Hauptzustände durchläuft: Im einen erscheint er als ein einziger diffuser Schleimfleck, und im anderen wachsen deutlich erkennbar Einzelformen als Teil desselben Schleimpilzes heran. Man könnte diese lebenden Phasenzustände der Form nach als sogenannte „wavicles" (Wellenteilchen) in „Quantenzuständen" bezeichnen.
In Hinsicht auf einen Schleimpilz soll hiermit betont werden, daß das einzelne „Etwas" in diesem Durcheinander kein cartesisches Ding ist; vielmehr bildet das ganze Gemenge, der sabbernde Schleim und die daraus entstehenden scheinbaren Einzelteile, ein Gesamtsystem – genauer ein lebendes System von wirklich dynamischer Qualität in dem Sinne, daß es etwas ganz anderes ist als Teilchen, die in hypothetischer cartesischer oder euklidischer Raumzeit von der Ferne aufeinander einwirken.[sup]9[/sup]
Leser, die Erfahrung mit entsprechenden Arbeitsmethoden haben, werden nicht sehr überrascht sein, wenn wir hier den paradoxen Vergleich der Beziehungen unter menschlichen Individuen mit Lebensformen von Schleimpilzen in einem dynamischen lebenden System anstellen. Der Schleim wirkt dynamisch als einheitlicher Prozeß in dem gesetzmäßigen Gesamtsystem, über das er in Wechselwirkung mit der von ihm bewohnten Umwelt steht. Wenn man eine Gesellschaft als eine aus lebenden Menschen bestehende Volkswirtschaft betrachtet, lassen sich die entsprechenden funktionellen Ähnlichkeiten, aber auch die grundlegenden Unterschiede zwischen den beiden gegenübergestellten Dynamiken unter lebenden „sozialen" Systemen besser erkennen.
Auf den ersten Blick mag das Herausfinden des Unterschieds zwischen einer menschlichen Gesellschaft und einem Schleimpilz nicht mehr erscheinen als eine provokative, amüsante,[sup]10[/sup] pädagogische Aufgabe für den Anfänger. Die Herausforderung für den Lernenden ist klar: Was ist der wesentliche Unterschied zwischen einer menschlichen Gesellschaft und einem Schleimpilz? Die meisten heutigen Ökonomen würden angesichts ihrer jüngsten Leistungen bei diesem Test kläglich scheitern. (Auch bei gewissen Wahlen könnte man manchmal darauf schließen, daß das Verhalten einiger menschlicher Gesellschaften den Test nicht besteht.)
Die angemessene Antwort liefert der richtig verstandene Begriff der Dynamik, etwa bei den Pythagoräern und Platon in der Antike, bei Gottfried Wilhelm Leibniz, Bernhard Riemann und auch bei Albert Einstein und seiner Definition der modernen Naturwissenschaft als dynamischem, Keplerschem Zustand mit Riemannschen Eigenschaften.
Das Thema, um das es hier bei diesem „klinischen" Beispiel des Schleimpilzes geht, ist die Dynamik im Sinne des Konzepts der Sphärik (oder dynamis) bei den Pythagoräern und Platon oder explizit als Dynamik bei Leibniz, Riemann und Einstein. In unserem Fall beziehen wir dieses Konzept von Dynamik speziell auf lebende Prozesse, in dem breiten Bereich von Schleimpilzen bis zu einer Gesellschaft als Gegenstand einer klassischen Tragödie.[sup]11[/sup] Tatsächlich steht der neuzeitliche Dynamikbegriff im Mittelpunkt der Naturwissenschaft, die sich von Kardinal Nikolaus von Kues‘ De Docta Ignorantia und der Arbeitsmethode seiner berühmten erklärten Anhänger wie Luca Pacioli, Leonardo da Vinci und Johannes Kepler ableitet. Deshalb hat auch Albert Einstein Kepler als Begründer der praktischen modernen Naturwissenschaft bezeichnet. Die erste bekannte öffentliche, ausdrückliche Verwendung des Begriffs Dynamik auf dem Feld der Naturwissenschaft in der Neuzeit stammt von Gottfried Wilhelm Leibniz.[sup]12[/sup]
Wie ich im Verlauf dieses Aufsatzes verdeutlichen werde, ist die Untersuchung der Ähnlichkeiten und der qualitativen Unterschiede zwischen Schleimpilzen und menschlichen Gesellschaften eine nützliche Methode, um uns ausgehend von den Prinzipien, die Wirtschaftsprozesse von Gesellschaften gesetzmäßig bestimmen, angemessene Vorstellungen der Natur menschlicher Gesellschaften zu liefern.
Der Irrtum von „Sinneswahrnehmungen"
Das Hauptthema, das in dieser Darstellung insgesamt behandelt wird, ist die Absurdität der akademisch und anderweitig verbreiteten Definition von „Energie" seitens jener wissenschaftlichen Analphabeten, die sich heute „Neomalthusianer" nennen. Ich behandele aber nicht nur die ziemlich leicht aufzuzeigende Absurdität der falschen Definition von „Thermodynamik" in der Tradition von Schwindlern wie Clausius, Grassmann, Kelvin und deren Nachfolger, einschließlich der explizit positivistischen Geistesverwirrung der Anhänger von Ernst Mach und Bertrand Russell, die allesamt schon die Vorstellung von „Energie" an sich als a priori „selbstevidente" Seinsform auffassen.
Es läßt sich schlüssig nachweisen, daß solche Vorstellungen von „Energie", wenn man sie nicht als Symptom, d.h. bloß als beobachtete Wirkung, sondern als Prinzip der Physik auffaßt, im Grunde ein politisches Lügenmärchen sind. Es handelt sich um eine bewußte Verfälschung, die Rudolf Clausius und Robert Grassmann am Werk von Sadi Carnot (dem Jüngeren) von der Ecole Polytechnique vorgenommen haben. Der Hintergrund dieser Lügen der beiden wie auch Lord Kelvins und anderer geht historisch auf die gleichen politischen Streitfragen zurück, um die es schon bei dem Begriff „Feuer" des großen Dramatikers Aischylos in seinem Werk Der gefesselte Prometheus ging.
Wie aus der klinischen Diskussion in den Wissenschaftsgruppen der LaRouche-Jugendbewegung (LYM) über persönliche Erfahrungen im Universitätsbetrieb der USA (sowie auch anderswo in der heutigen europäischen Zivilisation) deutlich wird, ist die Hochschulausbildung immer mehr zu einem reinen Schwindel verkommen. Da die praktische Wissenschaft ihre historische Mission über Bord geworfen hat und lieber im statistischen Morast herumstochert, ist die tatsächlich praktizierte wirkliche Naturwissenschaft auf einen winzigen Bruchteil dessen zusammengeschrumpft, was diese Berufsgruppe in den vermeintlich gebildeten Schichten vor mehr als drei Jahrzehnten einmal dargestellt hatte. Wirkliche Wissenschaft, wo immer sie noch existieren mag, wird allgemein nur noch als bloße Kuriosität, fast als eine Art Zaubertrick behandelt.
Hinter diesem Schwindel steckt eine bestimmte Abart eines heute allgemein verbreiteten Sophismus. Unter den derzeitigen politischen Gegebenheiten verhalten sich bestimmte angeblich „führende" Universitäten wie die Mitglieder einer kollektiven, heidnisch-babylonischen Priesterkaste, die jeweils ihren eigenen ideologischen Unsinn in die Welt setzen, entweder als erlaubte, sophistische Glaubenslehre oder als bloß achtloser Kommentar über naturwissenschaftliche und andere Fragen.
Die Methode hinter Schwindeln wie dem sogenannten „Zweiten Gesetz der Thermodynamik" in der mißbräuchlichen heutigen Wissenschaftspraxis stützt sich auf ein typisches Merkmal der sogenannten empiristischen Methode von Paolo Sarpi, Galileo u.a., die darauf beruhte, daß Sarpi das mittelalterliche System des Wilhelm von Ockham als Ersatz für Aristoteles übernahm. Es ist die charakteristische Besonderheit der empiristischen Methode (der Methode hinter dem modernen philosophischen Liberalismus) aller heutigen Sarpi-Anhänger, ganz besonders der anglo-holländischen Liberalen. Deshalb versuchte Newton, einen Aspekt vom „dritten Keplerschen Gesetz" zu plagiieren, indem er einen Vorgang nur mathematisch zu beschreiben suchte, während sich wirklich wissenschaftliches Vorgehen auf die strengen Maßstäbe zur Definition eines Naturgesetzes hätte konzentrieren müssen.
So irren Liberale wie Clausius und Grassmann verantwortungslos hin und her zwischen der Beschreibung einer Wirkung, die Sadi Carnot als erster feststellte, und der Behauptung, es handele sich dabei angeblich um ein unverrückbares Gesetz des Universums.
Die breiteren Gepflogenheiten der von oben abgesegneten akademischen Lehre, die man in den weniger prestigeträchtigen Bildungseinrichtungen außerhalb der tonangebenden Kerngruppe antrifft, sind davon abhängig, ob und inwieweit diese angeblich „führenden" Universitäten aus dem In- und Ausland ihnen Glaubwürdigkeit bei der Nachahmung dieser Vorbilder bescheinigen.
Deshalb geht bei angewiderten Experten und Beobachtern dieses Spektakels der folgende Standardwitz über den führenden US-Campus Harvard Yard um. Frage: „Was ist ein Harvard Yard?" Antwort: „Zwei Inch" [das Längenmaß „Yard" hat 36 Inch].
In diesem Aufsatz setze ich die anzuführenden klinischen Belege konzentriert für einen Angriff auf eine spezifische Seite des ungeheuerlichen Sophismus ein: den Schwindel von „nachindustrieller Gesellschaft" und „Umweltschutz" oder, besser gesagt, der „nachwissenschaftlichen" Ideologie. Das ist die Art Ideologie, die heute unter dem vorherrschenden Einfluß der arbeiter-, bauern- und wissenschaftsfeindlichen „68er" zusammen mit Marihuana als Hochschulbildung gilt. Ich spreche nicht von der Mehrheit der zwischen 1945 und 1958 Geborenen, sondern von einem bestimmten Segment dieser Altersgruppe. Sie ist das Merkmal dieser kleineren, aber einflußreicheren Gruppe, die sich als soziales Phänomen ausdrückt, welches von seinen Ursprüngen zu seiner Wirkung verfolgt werden muß. Aus den Straßenschlachten in Westeuropa und Amerika ging die krankhafte Ideologie hervor, die sich zwischen 1969 und 1981 unter den US-Präsidenten Nixon, Ford und Carter (und danach) zunehmend unter den Wählern politisch auswirkte.
Dazu gehen wir wie folgt vor.
Um zu einer wirklich kompetenten Naturwissenschaft zu gelangen – im Unterschied zu bloßer Mechanik -, muß der Lernende sich zuerst geistig von dem verderblichen Griff aller mit „Sinnesgewißheit" befallenen Lehrmeinungen befreien, von Lehren wie der verlogenen Vorstellung von „Definitionen, Axiomen und Postulaten" in dem alten sophistischen Schwindel der sogenannten Euklidischen Geometrie. Ebenso muß er sich über die noch schlimmere Dekadenz der Machschen Mechanik und ihren noch schlimmeren Ersatz in den im Grunde schizophrenen Methoden der „Datenanalyse" bei Anhängern Bertrand Russells wie den bekannten Betrügern Prof. Norbert Wiener und John von Neumann erheben.
Formulieren wir das, was ich in den obigen Abschnitten geschrieben habe, wie folgt um.
Wenn man eine kompetente Naturwissenschaft definieren will, ist es unerläßlich, Systeme wie die Euklidische Geometrie oder die verwandten Verfahren auf der Grundlage „selbstverständlicher Prinzipien", die Bernhard Riemann mit seiner Habilitationsschrift von 1854 verbannte, grundsätzlich abzulehnen. Man darf individuelle Fähigkeiten der Sinneswahrnehmung wie das Sehen und Hören nicht als vermeintlich selbstevidente, apriorische Autoritäten ansehen, sondern mehr wie Meßinstrumente, die quasi in der „Originalverpackung" des menschlichen Neugeborenen mitgeliefert wurden. Auch Kardinal Nikolaus von Kues, der Begründer der modernen europäischen Wissenschaft, bestätigte in seinem bahnbrechenden Werk De Docta Ignorantia, daß es im gesetzmäßigen Ablauf des realen Universums keine wirklichen „Apriori- Prinzipien" gibt.
Wie andere nützliche Instrumente auch geben Fähigkeiten wie das Sehen, Hören, Fühlen und Riechen die Wirklichkeit, deren Präsenz man mit Hilfe dieser Sinne erfährt, nicht angemessen wieder. Aber durch die Tätigkeit der Erkenntniskraft des menschlichen Geistes, die versucht, die unterschiedlichen Qualitäten der Wahrnehmung untereinander ins Verhältnis zu setzen und zu einer Einheit zu kombinieren, wird etwas hervorgerufen, was wir „Ideen" nennen. Diese Ideen entsprechen einem Begriff einer gleichzeitigen Erfahrung verschiedener, nicht vermischbarer Arten der Sinneswahrnehmung – etwa bei Johannes Keplers Entdeckung des allgemeinen Gravitationsprinzips hinter der Ordnung des Sonnensystems.[sup]13[/sup]
Diese Verlagerung des gereiften individuellen menschlichen Denkens von der Sinnesgewißheit auf wissenschaftliche und künstlerische Einsichten, auf die uns widersprüchliche Sinneswahrnehmungen hinweisen, ist das, was man unter Naturwissenschaft und Prinzipien der klassischen Kunstkomposition verstehen sollte.
Damit ist die Angelegenheit aber noch nicht zuende.
Sophismus: Aristoteles und Euklid
In allen wichtigen Originalquellen und Darstellungen der Geschichte und Kultur des klassischen Griechenlands wird Athens Niedergang während und nach dem Peloponnesischen Krieg als eine Folge des vergiftenden Einflusses des Sophismus dargestellt. Die bedeutendste Spielart des Sophismus in Hinsicht auf die damalige Geschichte ist die des Aristoteles und seiner Anhänger.[sup]14[/sup] Von diesem waren sowohl der Sophismus der Euklidischen Geometrie als auch die verlogene Astronomie des Claudius Ptolemäus im Römischen Reich abgeleitet.
Der Ursprung des aristotelischen, euklidischen und ähnlichen Sophismus wird in Aischylos‘ Drama Der gefesselte Prometheus indirekt dargestellt, wenn die Figur des Olympiers Zeus[sup]15[/sup] Prometheus zu ewiger Folter verdammt. Zeus‘ Anklage lautete, Prometheus habe sich gegen die olympischen Götter versündigt, indem er den Menschen den Umgang mit dem Feuer beibrachte. Dieser fiktive Zeus verkörperte damals den realen Machteinfluß des Apollo- (und Dionysos-)kults von Delphi, der aus Sicht Platons als politischer Machtfaktor hätte ausgeschaltet werden müssen, um die Zivilisation des klassischen Griechenlands vor den Folgen des Peloponnesischen Kriegs zu retten. Der Wahnsinn dieses Krieges ist vergleichbar mit dem 1964 unter falschen Vorwänden begonnenen Krieg der USA in Indochina und in jüngerer Zeit mit dem schier endlosen Krieg in Südwestasien, der durch die Lügen und den Betrug des britischen Premierminister Tony Blair und seines leichtgläubigen Nachbeters, US-Präsident George W. Bush, vom Zaun gebrochen wurde.
Wichtig für das Verständnis der entsprechenden Geschichtsabschnitte ist, daß der gesamte spätere Imperialismus der antiken bis modernen Zivilisation Europas in der Zeit nach dem Peloponnesischen Krieg und dann der Vereinnahmung der Seemacht von Tyros durch Alexander entstand. Hier kam es zur übergreifenden Definition jenes seegestützten Imperialismus in Europa, der Elemente des orientalischen Imperialismus mit der überlegenen wirtschaftlichen und verwandten Stärke der Seefahrerkulturen vereinigte.[sup]16[/sup] Das asiatische Imperialismusmodell, auf das dieser europäische Imperialismus zurückging, beruhte auf dem traditionellen „oligarchischen Prinzip" und Priestertum Babylons. In der Zeit seit dem Ende von Roms Zweitem Punischen Krieg bis zur Errichtung des Römischen Reichs unter Kaiser Augustus entwickelte sich daraus das imperiale Modell („Weltreich"), dessen nachfolgende Inkarnationen die kontinentaleuropäische Zivilisation bis zum britischen Imperium heutiger Prägung beherrscht haben.
Während dieser ganzen Zeit, von der Herrschaft Philipps von Makedonien bis heute, basierte der gesamte maritime Imperialismus Europas – wie der des Empire heute – auf dem finanziellen Einfluß der internationalen Seefahrt. Dies entspricht dem früheren Einfluß der griechischen Städte, die am Sitz des Apollo-Dionysos-Kults in Delphi mit ihren Schatzhäusern vertreten waren.
Solange man diese eben zusammengefaßten historischen Fakten nicht berücksichtigt, wird man die eigentlichen Ursachen der jetzt heranstürmenden Zusammenbruchskrise des De-facto-Imperialismus des heutigen Weltwährungs- und -finanzsystems nicht angemessen verstehen.
Anders gesagt, schuld an der herandrängenden Zusammenbruchskrise der Weltwirtschaft ist nicht irgendein einzelnes Element, das nicht mehr funktioniert und das sich korrigieren ließe. Die ganze Weltordnung droht in das Schwarze Loch eines baldigen, weltweiten neuen finsteren Zeitalters zu stürzen, wenn nicht das ganze heutige Währungssystem durch ein Kreditsystem mit festen Wechselkursen ersetzt wird, im Sinne von Präsident Franklin D. Roosevelts Bretton-Woods-Plan für ein internationales System fester Wechselkurse von 1944.
Die Beweise, die meine Vorhersage stützen, sind inzwischen überwältigend, und die Folgen werden unmittelbar spürbar sein, nicht erst in einigen Monaten, geschweige denn Jahren. Für jeden, der den Tatsachen ins Auge blicken kann, ist die Sache klar. Das Problem ist nicht, daß wir zuwenig Fakten hätten (obwohl selbst maßgebliche Institutionen oft über wichtige Fakten nicht verfügen). Das Problem ist der obszöne zwanghafte Drang höchster Kreise, um jeden Preis an dem todgeweihten System festzuhalten – als hätten sich die in Europa und Amerika tonangebenden Interessen entschieden, lieber mit dem Schiff unterzugehen, als gegen die Traditionen zu verstoßen, die an dem rasanten Untergang der Gesellschaft schuld sind.
Wenn es um Fragen mit so ungeheuer tödlichen Konsequenzen geht, muß man ganz genau lokalisieren, welche Art von Massenwahn derzeit in den höchsten Institutionen der Gesellschaft herrscht.
Was ist Geld? Die Zeit seit dem Zweiten Weltkrieg
Unter den gegenwärtigen Bedingungen einer weltweiten monetär-finanziellen Zusammenbruchskrise sollte es vernünftigen und patriotischen politischen Wärtern unseres Landes besonders am Herzen liegen, daß sämtliche Spuren der legendären monetaristischen Selbsttäuschung, man könne durch im Grunde inflationäre Diskontsätze das Wirtschaftswachstum „stimulieren", ausgemerzt werden.
Im Augenblick, in dem diese Zeilen geschrieben werden, wäre ein Diskontsatz von 4% im „Fenster" der Federal Reserve in etwa angemessen. Alles darunter grenzt an fahrlässige Mißachtung der grausamen Realitäten der gegenwärtigen Krise; derzeit müssen wir den Diskontsatz niedriger als den hohen vom Britischen Empire gewählten und etwas niedriger als den derzeit von der EZB gewählten ansetzen.[sup]17[/sup] Schaut man noch einige Schritte weiter nach vorn, so brauchen die USA wieder ein protektionistisches System fester Wechselkurse wie das vor 1968, das durch die Kombination des langen Indochinakriegs und der zerstörerischen Phase der „Deregulierung" von 1969-81 kaputtgemacht wurde. Was wir unmittelbar brauchen, ist zwanzig Jahre lang eine weise, zupackende, sehr „dirigistische" Lenkung unserer Angelegenheiten, entsprechend den wirtschaftlichen Erfahrungen während und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg.
Von da an, wenn hoffentlich das entsprechende Rechtssystem im Sinne des „Amerikanischen Systems der politischen Ökonomie" nach den Grundsätzen eines Kreditsystems statt eines Währungssystems restrukturiert wird, werden diese neuen Reformen ausreichen. Man braucht eine ruhigere Hand am Ruder, eine feste, protektionistische Hand im Bundesschatzamt.
In diesem Zusammenhang sollte man sich an eines erinnern: Die Mobilisierung einer Streitmacht von über 16 Millionen US-Soldaten im Zweiten Weltkrieg mit Tonnen an Ausrüstung pro Kopf (gegen die auch die viel besser ausgebildeten deutschen Truppen nicht ankamen) hatte ungeheuer inflationäre Wirkungen, die so nicht aufgetreten wären, wenn die staatlichen Impulse für kapital- und wissenschaftsintensives, realwirtschaftliches Wachstum einem Aufschwung zu Friedenszeiten gegolten hätten. Die heuchlerischen rechten Kritiker von Franklin Roosevelts Finanzpolitik im Kriege tun damals wie heute so, als wüßten sie gar nicht, daß der größte Krieg der Weltgeschichte im Gange war und daß wir diesen Krieg um jeden kurzfristigen Preis gewinnen mußten.
Heute muß das Federal-Reserve-System, das unter Alan Greenspan praktisch in den Bankrott getrieben wurde, in seinem Status herabgestuft werden. Es wird seine Funktion behalten, aber es muß einem Konkursverfahren unterzogen werden, und zwar unter der Leitung eines Finanzministers, dem bei seiner Arbeit das Bild des ersten US-Finanzministers Alexander Hamilton und des Ökonomen Henry C. Carey vor Augen schwebt.
Es wird dann ein zweigleisiges Kreditsystem geben, unter dem bevorzugte Aktivitäten in staatlich genehmigten und geförderten Investitionsprogrammen nur mit einem Zins von 1-2%, weniger bevorzugte Dinge dagegen zur Eindämmung mit einem etwas höheren Zins belastet werden. In diesem zweigleisigen Kreditsystem werden besonders vordringliche und sonst bevorzugte Kategorien bei der Vergabe von Bundeskrediten ausdrücklich vom Schatzamt gefördert, ansonsten werden aber streng deflationäre Zinssätze die Volkswirtschaft vor dem inflationären Druck schützen, der heutzutage aus großen Teilen des Privatsektors mit gewohnheitsmäßig spekulativen und oft sogar völlig verrückten Tendenzen kommt. Die Festlegung der Diskontsätze durch den Staat soll nicht als Instrument eines Systems des „Freihandels" dienen. Welche Verwendung von Krediten bevorzugt, welche weniger bevorzugt und welche unterbunden werden soll, das beurteilt man vielmehr anhand einer Politik, die das nationale Interesse als ganzes im Auge hat.
In der Zeit von 1968-81 wurde das System des volkswirtschaftlichen Aufschwungs, das von 1933 bis etwa 1966 in den USA aufgebaut worden war, völlig ruiniert. Diese Zerstörung hielt weiter an und hat sich in den darauffolgenden Jahren bis heute sogar noch beschleunigt. Das sog. „PPP-Programm" (öffentlich-private Partnerschaften), das derzeit von der Rockefeller-Stiftung betrieben wird, ist eines der schlimmsten Vorhaben zur Plünderung der öffentlichen Kassen und der Bürger, das man sich vorstellen kann, und es muß unbedingt verhindert werden. Dagegen müssen viele der früheren protektionistischen Maßnahmen und Programme wieder aufgegriffen werden, wenn die amerikanische Wirtschaft wieder zu alter Stärke zurückfinden soll. Die Kernelemente der Reform müssen sehr schnell in Kraft gesetzt werden; in anderen Fragen muß man die Gesetze und Programme sorgfältiger ausarbeiten und dabei berücksichtigen, daß Gesetzgeber und Gerichte dazu neigen, in solchen Dingen nur schleppend tätig zu werden.
Bei einer solchen Politik besteht der wirksamste Schutz des Staatskredits vor Mißbrauch darin, ein internationales Währungssystem fester Wechselkurse mit einer flexiblen Handhabung von Zöllen und ähnlichen protektionistischen Maßnahmen zur Steuerung von Präferenzen zu verbinden. All dies stammt weitgehend von Alexander Hamilton, von Henry C. Carey und der Regierung von Präsident Franklin Roosevelt.
Das Kreditsystem
Wesentlich für das Verständnis ist in diesem Zusammenhang der deutliche qualitative Unterschied zwischen den ursprünglichen Absichten hinter Präsident Franklin Roosevelts Bretton-Woods-Entwurf für ein wirkliches Kreditsystem 1944 und der üblen Verdrehung dieser Absichten unter Präsident Harry Truman. Trumans Politik auf der Seite des britischen Imperialismus im Einvernehmen mit Winston Churchill u.a. führte dazu, daß das Bretton-Woods-System kein Kreditsystem nach Vorgabe der amerikanischen Verfassung wurde, sondern zu einem proimperialistischen, Keynesianischen Währungssystem verkam.
Zur Überwindung der herannahenden weltweiten Zusammenbruchskrise sollte man im wesentlichen so vorgehen: Der Dollar als die Währung, in der immer noch die Mehrheit der internationalen Schulden und Kredite ausgewiesen sind (auch wenn derzeit nicht die USA, sondern London den US-Dollar kontrolliert), wäre die Abrechnungswährung in einem neuen System fester Wechselkurse, das von einer gegen den britischen Imperialismus eingestellten Gruppe souveräner Nationen um die USA, Rußland, China und Indien und ihre unmittelbaren Kooperationspartner als Ausgangsgruppe errichtet würde. Daß es nicht nur für China, sondern auch für alle mit China Handel treibenden Nationen wie Korea und Japan enorm wichtig ist, den relativen Wert des US-Dollars zu schützen, ist nur ein anschauliches Beispiel von vielen, warum man einen reformierten US-Dollar in dieser Weise betrachten sollte.
Um die Welt die herannahende allgemeine, weltweite Zusammenbruchskrise überwinden soll, muß diese Veränderung sofort beginnen. Seit ich in meinem Internetforum am 25. Juli 2007 warnte, daß die Welt zu diesem Zeitpunkt in die Zusammenbruchsphase des jetzigen Währungs- und Finanzsystems eintrat, ist praktisch nichts Sinnvolles geschehen, um die Lage zu verbessern. Es läßt sich zwar selten ein genauer Zeitplan aufstellen, wann welche Entwicklungen erforderlich sind, aber die allgemeine Natur der akuten Lage sollte klar genug sein, um uns bei dem notwendigen Prozeß der Schaffung eines neuen Weltkreditsystems zu leiten. Wir müssen in dem Bewußtsein vorgehen, daß uns in der jetzigen Weltlage immer schneller die Zeit davonläuft.
Blickt man vom finanziellen Standpunkt aus zurück, so war der Ruin der amerikanischen Volkswirtschaft unter den kriegsähnlichen Bedingungen nach der Zeit 1964-68 hauptsächlich eine Folge der Kosten für den eskalierenden Krieg in Indochina und der Abkehr von der Politik zur Förderung von Landwirtschaft und Industrie, die Präsident Kennedy gegen die Wallstreet-Barone der Stahlindustrie und ihresgleichen erkämpft hatte, die dann nach seinem Tod sofort zu ihren üblen Gepflogenheiten zurückkehrten.
Ähnlich war der Ruin der amerikanischen Wirtschaft seit dem 1. März 1968 ganz eine Folge des nachindustriellen Paradigmenwandels, der sich in einem realen Rückgang von Investitionen in die grundlegende wirtschaftliche Infrastruktur pro Kopf und Quadratkilometer der Gesamtfläche unseres Landes ausdrückte. Dies setzte bereits im US-Haushaltsjahr 1966-67 ein, ganz zu schweigen von dem ungezügelten wirtschaftlichen Wahnsinn, der seit dem zerstörerischen Jahrzehnt 1969-1981 unter den Präsidenten Nixon, Ford und Carter in der praktischen amerikanischen Politik herrschte. Was uns zwischen 1981 und 1988 weiter ruinierte, war weitgehend eine Fortsetzung der Demontage, die die Reagan-Administration von ihren Vorgängern der siebziger Jahre übernommen hatte.
Die schlimmste Wende jener Zeit begann unter Präsident George H.W. Bush im Zusammenspiel mit der britischen Premierministerin Margaret Thatcher und dem französischen Präsidenten Mitterrand, einem Gewährsmann der Briten. Besonders schlimm waren die Folgen der Politik von Bush, Thatcher und Mitterrand nach dem Fall der Berliner Mauer. Statt die Nationen des Comecon und die Sowjetunion in eine kapitalintensive Entwicklung im Einklang mit den gemeinsamen Zielen der Menschheit einzubinden, wie es meine Frau Helga in ihrem Plan für den Aufbau des europäischen Wirtschaftsdreiecks Paris-Berlin-Wien im Detail ausgearbeitet hatte, wurde eine gegensätzliche Politik durchgesetzt, wie sie u.a. der frühere Adolf-Eichmann-Lehrling George Soros vertrat. Damit wurde nicht nur die Wirtschaft des früheren Sowjetblocks unter großen Kosten für Ost- wie für West- und Mitteleuropa zugrunde gerichtet, dies erfolgte in einer Weise, welche die gesamte Weltwirtschaft ruinierte und so die Vorbedingungen für die schreckliche Zusammenbruchskrise schuf, die jetzt unserem Planeten droht.[sup]18[/sup]
Leider ist inmitten all dieser Überlegungen zur transatlantischen Gestaltung der Wirtschafts- und Finanzpolitik der letzten Jahrzehnte die wirtschaftliche Kernfrage, die sich hier stellt, fast immer verlorengegangen. Jeder ernsthafte Versuch der Fortsetzung einer traditionell amerikanisch-patriotischen Sicht von Finanzpolitik, die einmal unsere gängige Praxis beim Aufbau von Landwirtschaft, Industrie und Infrastruktur zur Steigerung der Arbeitsproduktivkraft (und des Lebensstandards) pro Kopf und Quadratkilometer war, wurde aufgegeben – die wirklichen Fragen für eine lebensfähige moderne Volkswirtschaft waren „vom Tisch", wie es Kongreßsprecherin Nancy Pelosi ausgedrückt hätte.
Heute ist es so, daß praktisch niemand mehr in Washington reale (physische) Ökonomie betreibt. Die Generation, die noch als letzte mit dieser jetzt verloren gegangenen Kunst kompetenter moderner Ökonomie vertraut war, ist weitgehend ausgestorben oder längst im Ruhestand. Ich bin eines von immer weniger alternden Mitgliedern einer Generation, die heute Ausnahmen dieser allgemeinen Regel bilden. Der kulturelle Abstieg der öffentlichen und offiziellen Meinung ist der Hauptgrund dafür, daß die weltweite Finanzkrise, die keine Frage von Geschäftszyklen ist, jetzt auch zu einer allgemeinen, physischen Zusammenbruchskrise geworden ist.
Nur wenn alle jüngsten Trends in der Wirtschafts- und Finanzpolitik seit 1969 drastisch und plötzlich rückgängig gemacht werden, entgeht die Welt dem Schicksal einer zum Untergang verurteilten Gesellschaft, die am allzu nahen Rand eines jähen Abgrunds zu einem wahrscheinlichen, weltweiten neuen dunklen Zeitalters steht.
II. Energie und Wirtschaft
Nun kommen wir zu den strikt technischen Fragen unseres Themas, der Frage der „Energie". Spätestens an diesem Punkt unseres Berichtes sollte klarer werden, warum ich dem Unterschied zwischen einem Schleimpilz und einer menschlichen Gesellschaft soviel Bedeutung beimesse.
Konzentrieren wir uns auf eine Debatte, die der im Grunde synarchistische Mob der „68er"-Generation ausgelöst hat. Die Bedrohung für unsere Zivilisation, die von der politischen Einmischung dieses Mobs ausgeht, zwang ihre Hauptgegner, die klügeren Köpfe unter den Kernkraft-Befürwortern in den siebziger und achtziger Jahren, die tiefere wirtschaftliche Bedeutung der kontrollierten Kernspaltung zu überprüfen. Unter diesen Umständen konnte man nämlich bestimmte Tatsachen, die hinsichtlich der Kernkraft von entscheidender Bedeutung waren, nicht länger als „selbstverständlich" verdrängen. So kam es unter den Verteidigern der Kernkraft zu einer recht verbreiteten Diskussion über ein Konzept, das man mit dem Begriff „Energieflußdichte" verbindet.
Die Einführung dieses Begriffes war deshalb so bedeutsam, weil er bloßlegte, daß es wissenschaftlich inkompetent ist, Kraft einfach durch lineares Zählen der anscheinend erzeugten Kalorien zu messen. Die Industrie und die entsprechenden Wissenschaftler betonten deshalb immer mehr, warum es wichtig ist, die Dichte der Kalorien pro Quadratzentimeter Querschnitt des Energieflusses zu messen. Mit anderen Worten, man bediente sich der richtigen konzeptionellen Begriffe, um das spezifische, ontologische Konzept von Bewegungswirkung auszudrücken – im Gegensatz zu einem euklidisch-cartesischen oder ähnlichem Reduktionismus. Diese Korrektur galt aber nicht bloß für die Kernspaltung als Kraftquelle. Dasselbe Argument wurde schon stillschweigend benutzt, als man die Holzkohle dem Holz vorzog, dann die Kohle der Holzkohle und schließlich Erdgas und -öl der Holzkohle und Kohle. Der Punkt, der hier besonders betont wurde, war in der physikalischen Chemie längst erkannt und praktisch als selbstverständlich vorausgesetzt worden.
In anderen Worten, unter geeigneten Voraussetzungen kann dieselbe Anzahl Kalorien mehr Arbeit verrichten, wenn ihre Konzentration pro Einheit des Querschnitts des Energieflusses deutlich höher ist,[sup]19[/sup] als wenn dieselbe Anzahl gezählter Kalorien weniger konzentriert ist. Die übliche Interpretation der Bedeutung dieses Phänomens stützt sich auf den natürlichen Ausdruck dieser wichtigen Werte in einer physikalischen Chemie, die zu Vergleichszwecken ein entsprechend aktualisiertes Mendelejewsches Periodensystem verwendet. Das ist kein Zufall: Die Begriffe einer Reaktion in der physikalischen Chemie und der „Energieflußdichte" hängen eng miteinander zusammen (vorausgesetzt, wir stellen uns auf den Standpunkt von Max Planck und nicht auf den seiner Gegner unter den Anhängern Machs oder noch schlimmer des bösartigen Bertrand Russell mit seiner berüchtigten Cambridger Systemanalyse).
Leider fand eine damit verwandte Frage weit weniger Aufmerksamkeit: daß der Kult von Solar- und Windkraft anstelle von Methoden mit hohen Energieflußdichten eine kriminelle und barbarische Dummheit ist. Nehmen wir das einfachste Beispiel zur Veranschaulichung dieses Punktes – die Rolle der „Sonnenstrahlung" bei der Nutzung des Chlorophylls, im Gegensatz zu ihrer Nutzung als abiotische Wärmequelle.
Nicht gerade eine „Kaulquappe"
Ein Chlorophyll-Molekül sieht aus wie eine Kaulquappe. Es hat eine ziemlich lange Antenne, einen „Schwanz", und mit diesem fängt es die Sonnenstrahlung ein, die mit ihrem auf der Höhe der Erdoberfläche vorhandenen Wärmegehalt auf die platinenartig angeordnete Gruppe von Chlorophyll-Molekülen auftrifft. Der lebende Organismus, zu dem es gehört, wandelt die Kraft, die der Organismus mit seinem Schwanz aufnimmt, mit Hilfe der charakteristischen Eigenschaften eines seiner Atome in die gleiche Energiemenge, jedoch mit größerer Energieflußdichte, in seinem „Kopf" um. Auf diese Weise entsteht eine für das Leben bestimmte Atmosphäre als Teil der gesamten Biosphäre. Das Chlorophyll spielt somit eine zentrale Rolle bei der Schaffung einer Umwelt, die für die menschliche Gattung (unter anderen) besonders vorteilhaft ist.
Dieser Prozeß ist entscheidend für die natürliche Transformation der Sonnenstrahlung in zunehmende Biomasse, während gleichzeitig die Temperatur des jeweiligen Gebiets absinkt. Er drückt ein spezifisches anti-entropisches Verhalten aus, das lebenden Prozessen eigen ist, aber der Sonnenstrahlung an sich fehlt. Es ist töricht (oder sollte man sagen, verrückt?), die Sonnenkraft lediglich als anorganischen Treibstoff zu nutzen und so ihre eigentliche Rolle bei der Erzeugung von Biomasse zu vernachlässigen.[sup]20[/sup] Wir müssen den Lebensprozeß der Erhaltung des anti-entropischen, biotischen Potentials der Biosphäre fördern, gleichzeitig aber eine Politik durchsetzen, welche die Umweltbedingungen gezielt verändert, um Wachstum und Fortschritt menschlichen Lebens zu fördern.
Aus ähnlichen Gründen sind die aus lebenden Prozessen gewonnenen „Biotreibstoffe" ein Verbrechen am Gemeinwohl, ein Verbrechen von Ökofanatikern an der Menschheit, die aus diesen und anderen Gründen zu verurteilen sind.
Die eben beschriebenen Besonderheiten zeichnen im weiteren Sinne auch einen lebenden Prozeß aus, wie man ihn im reproduktiven Verhalten eines Schleimpilzes sieht. Das allein erklärt jedoch noch nicht den Unterschied zwischen dem Menschen und allen niederen Lebensformen.
Akademiemitglied W.I. Wernadskij, der das entsprechende wissenschaftliche Prinzip der physikalischen Chemie der Biosphäre entdeckte, verlangte eine strenge funktionale Abgrenzung zwischen der Biosphäre und dem unbelebten Bereich. Er entdeckte auch die experimentellen Belege für ein weiteres Prinzip: das Prinzip, das die Noosphäre von der Biosphäre abgrenzen kann. Ich zweifle allerdings immer noch daran, daß er mit dem von Clausius, Grassmann und Kelvin übernommenen betrügerischen Argument, auf dem bis heute der reduktionistische Schwindel des sogenannten „Zweiten Gesetzes der Thermodynamik" beruht, jemals wirklich ganz gebrochen hat.
An diesem Punkt meines Berichtes stoßen wir nun auf ein großes Hindernis für die zeitgenössische Wissenschaft, das aus dem Weg geräumt werden muß.
Der Betrug von Clausius und Grassmann
Wie ich bereits weiter oben aufgezeigt habe, ist ein Betrug wie das „Zweite Gesetz der Thermodynamik" die typische Folge des massiven schlechten Einflusses des Empirismus, den der anglo-holländische Liberalismus der Wissenschaft aufgezwungen hat. Durch die systematische Unterwerfung unter den mittelalterlichen Irrationalismus des Wilhelm von Ockham verbietet der Liberalismus dem Menschen, anzuerkennen, daß wißbare universelle Naturprinzipien wie die von Kepler entdeckte universelle Gravitation existieren. An Stellen, wo Grundkonzepte, wie etwa Keplers Entdeckung der Gravitation, zu finden sein sollten, bedient sich der Empirismus verschiedener Formen der Vergegenständlichung von bloßen mathematischen Formeln oder ähnlichem. Was Clausius und die späteren Machschen Positivisten wie z.B. Ludwig Boltzmann taten, war nur noch mehr und immer mehr davon.
Dieser Betrug positivistischer Formen sogenannter „Thermodynamik", wie der von Boltzmann, wurde von Boltzmanns Nachfolgern zum Äußersten getrieben, als sie versuchten, das Leben selbst als ein Prinzip der Machschen Mechanik zu definieren.[sup]21[/sup]
Unabhängig davon, ob Wernadskij es in der Frage der Thermodynamik versäumt hat, sein eigenes Werk zu korrigieren oder nicht, er hat in jedem Fall auf den entscheidenden Beweis verwiesen, der das „Zweite Gesetz" höchst überzeugend widerlegt: Er verwies darauf, daß die Masse der Noosphäre im Verhältnis zur Biosphäre wie auch zum unbelebten Bereich zunimmt.
Die aristiotelisch-euklidische Methode bzw. der Liberalismus Paolo Sarpis und seiner anglo-holländischen liberalen Anhänger gründen nach jeweils eigener Art ihre Gedankensysteme auf aprioristischen Annahmen – Annahmen, die die Anerkennung der Existenz irgendwelcher Annäherungen an tatsächliche Naturprinzipien ausschließen. Das Haar in der Suppe bei Aristoteles und Euklid sind die A-priori-Annahmen, die auf dem blinden Vertrauen in die Sinnesgewißheit beruhen. Der Liberalismus im Gefolge von Sarpis Vereinnahmung Ockhams duldet keine echten Naturprinzipien.
Typisch hierfür ist Newtons falsche Behauptung, er habe ein universelles Prinzip der Gravitation entdeckt. Die eigentliche Entdeckung der universellen Gravitation (d.h. das „Dritte Keplersche Gesetz") stammte von Kepler, fast ein Jahrhundert bevor Isaac Newton sie aus Keplers Schriften abschrieb (in einer kindischen und schlechten Form, die stark auf die Mithilfe von Newtons „Führungsoffizier" Robert Hooke hindeutet). Newton produzierte die Fälschung, mit der er seinen Anspruch auf eine angebliche Entdeckung begründete, fast 80 Jahre nach Keplers Tod, als wesentliche Teile von Keplers Werk in England bereits publiziert waren. Die von Newton behauptete „Entdeckung" war also einfach ein Sophismus ohne wirkliches wissenschaftliches Interesse an sich, höchstens von klinischem Interesse, was den Geisteszustand seiner Anhänger angeht.
Noch bedeutsamer ist die Methode, mit der Kepler diese tatsächliche, ursprüngliche Entdeckung der universellen Gravitation gelang – Kepler selbst hat die wesentlichen Einzelheiten dieses Entdeckungsprozesses in seiner Weltharmonik dargestellt. Bei Keplers vorangehenden Arbeiten, die zu dieser Entdeckung führten, wie der Neuen Astronomie und ähnlichen, früheren und parallelen Schriften, spielte die menschliche Fähigkeit des Sehens als konzeptionelles Modell seiner Überlegungen die Hauptrolle. In der Weltharmonik entdeckte Kepler, wie durch die Gegenüberstellung des Konzepts der visuellen Wahrnehmung und der gehörten Harmonie das entscheidende experimentelle, ontologische Paradox entsteht, das Kepler zur Entdeckung eines Ordnungsprinzips des Sonnensystems führte, das ontologisch jenseits aller oberflächlichen Lehren der „Sinnesgewißheit" wirkt.
Auch wenn die Grundlage hierfür bereits in den Werken von Nikolaus von Kues gelegt wurde – eine Verbindung, die Kepler selbst anerkennt -, ist dieser spezifische Aspekt der Entdeckung Keplers in seiner Weltharmonik insofern einzigartig, daß sie bis zum heutigen Tage jede kompetente moderne Wissenschaftsmethode definiert.
Entscheidend ist, daß wirklich universelle Naturprinzipien nur außerhalb der Grenzen der Sinneswahrnehmung als solcher existieren – daß Albert Einstein diese besondere Qualität von Keplers Entdeckung anerkennt, verdeutlicht diesen Punkt. Universelle Naturprinzipien begrenzen das Universum der Erfahrung quasi von außerhalb des Bereichs wahrgenommener Phänomene als solcher; aber diese Phänomene sind experimentelle Beweise des entsprechenden Prinzips. Wahre universelle Naturprinzipien, die auf diese Art experimentell nachgewiesen werden, begrenzen das Universum in einer Weise, daß die Menge des physikalischen Universums „Eins" ist, eine Menge, die durch das Zusammenspiel aller entdeckbaren wahren universellen Naturprinzipien selbstbegrenzt ist, die zum gegebenen Zeitpunkt auf das Universum einwirken.[sup]22[/sup]
Ein wahres Naturprinzip beweist sich ausschließlich durch die Wirkung seiner Existenz, durch den Beweis, daß es nicht durch irgendein anderes Naturprinzip definiert ist. Weiter muß nachgewiesen werden, daß die Wirkung der Anwendung dieser Entdeckung ausschließlich auf dieses neuentdeckte Prinzips zurückgeht.
Der Beweis für die Existenz eines universellen Naturprinzips läßt sich nur in der Weise führen, wie Kepler vorging, indem er in seinen Werken den antireduktionistischen, klassischen Griechen der Antike, wie den Pythagoräern, Platon und Eratosthenes, folgte, genauso wie ich meine eigenen grundlegenden Entdeckungen von Prinzipien in der physischen Ökonomie aus diesen Werken entwickelte.
Der Sophismus in Form von Sarpis empiristischem Mystizismus bestreitet die Existenz wirklich universeller Naturprinzipien. Deshalb ist das geistige Territorium, das eigentlich der Wissenschaft der Pythagoräer, Platons und ihrer Nachfolger, bis hin zu Nikolaus von Kues, Leonardo da Vinci, Kepler, Pierre de Fermat, Leibniz und Riemann gehört, heute von fremden Invasoren okkupiert, die in den Zelten reduktionistischer Barbaren wie den anglo-holländischen Anhängern Paolo Sarpis hausen – den sogenannten Liberalen. Diese Barbaren behaupten, irgendein mathematisches Konstrukt, das einem Geisteszustand wie dem ihren statistisch angemessen erscheint, sei „das gleiche" wie ein echtes Naturprinzip.
Daher rührt die Torheit der leichtgläubigen Anhänger der Argumentation von Clausius, Grassman und Kelvin. An diesem Punkt der Kontroverse beginnt sich die Frage menschlicher Kreativität zu klären.
III. Kultur, der Staat und Wirtschaft
Die moderne europäische Zivilisation wurde während der Goldenen Renaissance des 15. Jahrhunderts geboren – jener großen Renaissance im Anschluß an die grausamen Zeiten, die Historiker bis auf den heutigen Tag das „neue finstere Zeitalter" des 14. Jahrhunderts nennen. Blickt man im Nachhinein auf das 15. Jahrhundert zurück, so war die einflußreichste Persönlichkeit dieser Renaissance Kardinal Nikolaus von Kues, ein herausragendes Genie. Von ihm stammte sowohl der Entwurf für die Institution des modernen souveränen Nationalstaats (Concordantia Catholica) als auch der Entwurf für die moderne europäische Wissenschaft (z.B. De Docta Ignorantia).
Als die große ökumenische Union der christlichen Kirchen auf dem Florentiner Konzil scheiterte – u.a. weil die venezianische Finanzoligarchie den Fall Konstantinopels und die darauffolgenden Entwicklungen mitbetrieb -, öffnete dies die Tore für ein Wiedererstarken der übriggebliebenen finanzoligarchischen und feudalistischen Fraktionen um die Habsburger und die bestialische Tradition des Hauses Anjou.
Doch durch den Einfluß zweier großer Regenten der damaligen Zeit, Ludwig XI. von Frankreich und seines Bewunderers Heinrich VII. von England, entstanden die Fundamente einer neuen Regierungsform: der wirtschaftlich starke, souveräne Nationalstaat der Neuzeit. Aus dieser neuen Gesellschaftsform entwickelten spätere Generationen alle großen Errungenschaften der Staatskunst, auch die Gründung der Vereinigten Staaten – bis zur gegenwärtig drohenden Zusammenbruchskrise unseres Planeten.
Der Konflikt zwischen den von Venedig geführten Kräften der feudalen Reaktion und den entstehenden modernen Nationalstaaten äußerte sich darin, daß Europa seit der brutalen Vertreibung der Juden aus Spanien 1492 bis zum Westfälischen Frieden 1648 praktisch eineinhalb Jahrhunderte lang ständig mit schrecklichen Religionskriegen überzogen wurde. Inmitten dieser Zeit der Religionskriege kam es unter den Hauptkräften der reaktionären Fraktion zu einer Spaltung, die im Zusammenhang der Debatten auf dem Konzil von Trient aufbrach. Eine der maßgeblichen Fraktionen des Konzils, die von Paolo Sarpi angeführte Neue Venezianische Partei, entwickelte sich zur wichtigsten aufrührerischen Kraft unter den Parteien, die damals den Alptraum der Religionskriege schürten.
Um den Beginn der neuzeitlichen Geschichte noch einmal zusammenzufassen: Der Nationalstaat und die moderne Wissenschaft waren dank der Initiativen des Nikolaus von Kues und seiner Anhänger im 15. und 16. Jahrhundert bereits eine etablierte Kraft in der europäischen Geschichte, bevor Paolo Sarpis Venedig während des letzten Viertels des 16. Jahrhunderts erstarkte. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts nahm dieser aus den vorigen Jahrhunderten übernommene Konflikt eine neue, politisch aufgeladene Form an, dieses Mal in Verbindung mit dem Aufstieg der Seemacht des anglo-holländischen Imperialismus. Daraus entstand zwischen 1714 und 1815 der praktisch weltweite britische Imperialismus, und dieser erlebte seine größten Triumphe mit dem Aufstieg der klassikfeindlichen Romantik, seit Fürst Metternich für die Habsburger ab 1814-15, u.a. auf dem Wiener Kongreß, ein Bündnis mit der britischen Monarchie schloß.
Bevor wir uns weiter unten an den Kern des Gegenstands dieses Kapitels heranwagen, muß ich noch etwas mehr dazu sagen, wie sich die Ereignisse von 1492-1648 auf die Entwicklung der modernen Naturwissenschaft auswirkten. Nennen wir es eine Periode, die in diesen Teil der europäischen Neuzeit „eingepfercht" ist. Die Geschichte dieser Periode verdeutlicht die große Streitfrage der Wirtschaftspolitik, die der europäischen Wirtschaft in der Neuzeit soviel Beschwernisse und Gefahren brachte, seit der venezianische Meisterverbrecher Francesco Zorzi sich in der Venezianischen Partei um den englischen König Heinrich VIII. plazierte, zu der u.a. Kardinal Pole und Thomas Cromwell gehörten. In Verbindung hiermit lancierte der allgegenwärtige Verbrecher Zorzi in seiner Verkleidung als „Eheberater" Heinrichs VIII. auch den Angriff auf die naturwissenschaftlichen Prinzipien, die Nikolaus von Kues in seinem ersten Werk zur Begründung der modernen Wissenschaft, De Docta Ignorantia, aufgestellt hatte.
Zorzis Angriff auf Cusanus bildete die Keimzelle des modernen Empirismus bei Paolo Sarpi und seinen Anhängern.
Das große Schisma des 16. Jahrhunderts, bei dem die Fraktion Zorzis und Sarpis unter den führenden venezianischen Dissidenten in der katholischen Hierarchie im Mittelpunkt stand, führte dann zum Aufbau der Hauptinstitutionen des protestantischen Glaubens. Implizit entstanden diese Institutionen um eine Streitfrage zwischen den beiden Hauptfraktionen der Gegner des großen ökumenischen Konzils von Florenz. Für diese venezianischen Gegner des Cusanus ging es um die Entscheidung, unter welchem Banner sie gegen das Erbe der großen Renaissance des 15. Jahrhunderts – d.h. Cusanus‘ Staatskunst und Wissenschaft und das Konzil von Florenz – auftreten sollten: entweder Aristoteles oder den von Sarpi bevorzugten Wilhelm von Ockham.
Zusammen mit seinem pikaresken Lakaien Galileo Galilei war Sarpi sich mit seinen Rivalen von der aristotelischen Seite im Grundsatz darin einig, daß die Entdeckung echter naturwissenschaftlicher Prinzipien unterdrückt und durch „Spielereien" ersetzt werden müßte – ganz im Sinne der alten Tradition des Olympiers Zeus aus Aischylos‘ Gefesseltem Prometheus. Der Streit unter den beiden Fraktionen ging darum, wie Sarpi gegen die Aristoteliker argumentierte: Bliebe die aristotelische Lehre weiter vorherrschend, wäre es unmöglich, die von Cusanus und anderen in Gang gesetzte wissenschaftliche und politische Revolution zu besiegen, weil diese sich in ihren europäischen Zentren zu einer praktisch unzerstörbaren Kraft für wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt entwickelt hatte. Sarpi war sich im wesentlichen mit den führenden Leuten in Trient einig – genauso wie auch Francesco Zorzi, der venezianische Strippenzieher hinter Heinrich VIII., dachte -, daß das cusanische Erbe nach wie vor der Hauptfeind sei. Sarpis Polemik gegen die Aristoteliker lautete im Grunde: „Ihr verliert unseren gemeinsamen Krieg gegen Cusanus."
Sarpi plädierte deshalb dafür, einige sekundäre Aspekte des damaligen technischen Fortschritts zu übernehmen, aber nur als praktische Neuerungen, mit denen man herumbastelt, gleichzeitig aber den Gedanken, daß man wirkliche universelle Naturprinzipien entdecken kann, nicht zu tolerieren. Dagegen waren die aristotelischen Kreise, die an den Überresten der stagnierenden Feudalordnung festhielten, den im 16. und 17. Jahrhunderts erstarkenden protestantischen Kräften Nordeuropas technologisch strategisch unterlegen.[sup]23[/sup]
Zwischen den beiden venezianischen Fraktionen drängte eine dritte Fraktion nach vorne, die Cusas Einfluß weitertrug, Kues-Anhänger wie Leonardo da Vinci und Johannes Kepler, die sich für die moderne Wissenschaft einsetzten und sie mit Hilfe einzigartiger Experimente weiterentwickelten, wodurch die physische Macht der Menschheit pro Kopf und pro Quadratkilometer Landfläche wuchs. Diesen Standpunkt vertreten auch der Verfasser und seine Mitarbeiter, so wie er auch in der von Leibniz geprägten Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und der deckungsgleichen Kernaussage der amerikanischen Verfassung ausgedrückt wird.
Damit wenden wir uns dem Entstehen der Amerikanischen Revolution und ihrer Republik im 18. Jahrhundert zu.
Die USA und ihre Bestimmung
Die klassische Renaissance des späten 18. Jahrhunderts um wegweisende Persönlichkeiten wie die Leibniz- und Bach-Anhänger Abraham Kästner, Gotthold Lessing, Moses Mendelssohn und die Freunde Friedrich Schillers wie die berühmten Gebrüder Humboldt blieb trotz des britischen Triumphs auf dem Wiener Kongreß auch später eine wichtige Kraft in der Kunst und für den naturwissenschaftlichen Fortschritt. Der Einfluß auf die Wissenschaft hielt bis in das Erwachsenenleben von Carl F. Gauß und bis zur Zeit von Bernhard Riemanns Tod an, und wie das Beispiel Albert Einstein zeigt, bemühte sich selbst nach Riemanns Tod eine umkämpfte Minderheit weiter um Führung in den Naturwissenschaften. Dieser Einfluß war im Schwinden begriffen, aber dennoch unübersehbar bis etwa zu der gefährlichen Zeit, als Fürst Otto von Bismarck als Reichskanzler gestürzt wurde – wenn man Einfluß in relativen Zahlen von Vertretern im europäischen Kunst- und Wissenschaftsleben messen will.
Seit der entscheidenden Periode von der Entlassung Bismarcks bis der Ermordung von US-Präsident William McKinley wurden die Naturwissenschaft, die Literatur, die klassische Kunst generell und sogar die Fähigkeit, klar zu denken, von einer allgemeinen Tendenz zu moralischem und formal-intellektuellem Verfall erfaßt.[sup]24[/sup]
Ich habe nicht nur die letzten fast 86 Jahre jener 107 Jahre seit der Ermordung Präsident McKinleys erlebt – alles, was ich hier aufschreibe, enthält auch bewußte Reflexionen über die wichtigsten Aspekte dieser ein Jahrhundert langen Welle allgemeinen kulturellen Niedergangs der europäischen Zivilisation. Während des größten Teils dieser Zeit, die ich miterlebt habe, schon in meiner Jugend und dann im Erwachsenenleben, war ich mir der grundlegenden Natur dieses Konflikts bewußt. Dieses Bewußtsein geht etwa auf die Zeit meines 14. Lebensjahres zurück, als ich erstmals mit dem Streit um wissenschaftliche Prinzipien, der sich aus dem Einfluß des aristotelischen Sophisten Euklid ergibt, konfrontiert war. Aufgrund der ungewöhnlichen Art und Weise, wie ich mein Leben führe, ist mein Denken außerdem viel offener und deutlicher als das der meisten, die zeitlich ähnliche Erfahrungen erlebt haben; deswegen bin es auch ich, und nicht sie, der so über die Dinge schreibt, wie ich es hier tue.
Daraus ergibt sich, ziemlich offensichtlich, die nächste Frage: „Warum wissen die meisten Menschen, darunter sogar viele führende Wissenschaftler, so verdammt wenig über diese Dinge?" Diese Ignoranz ist durchaus die gleiche wie bei bestimmten wichtigen theologischen Fragen, über die der gewöhnliche Geistliche nur selten von der Kanzel predigt.
Die Entdeckungen wahrer universeller Naturprinzipien durch den Menschen haben eine Wirkung, die sich bei keiner anderen Lebensform als dem Menschen findet. Dieser Umstand ist für die heutige Bevölkerung der USA oder Europas am deutlichsten in realwirtschaftlicher Hinsicht spürbar. Es geht um das, was ihnen der mythische olympische Zeus aus Aischylos‘ Der gefesselte Prometheus oder die Anhänger des Aristoteles oder des modernen Empirismus oder der Schwindler Al Gore bewußt verbieten wollen: die potentielle relative Bevölkerungsdichte der menschlichen Gattung auf die einzige Weise zu erhöhen, mit der dies möglich ist, nämlich durch die Umsetzung gültiger Entdeckungen universeller physikalischer und vergleichbarer Prinzipien.
Die entscheidende Frage, die sich hiermit stellt, ist nicht der bloße Umstand, daß eine Entdeckung gemacht wurde; die entscheidende Frage ist die Methode, mit der erfolgreiche Entdeckungen dieser Qualität hervorgebracht werden.[sup]25[/sup]
Der erste wesentliche Punkt in diesem Zusammenhang ist, daß keine bekannte Entdeckung eines universellen Naturprinzips jemals auf eine andere Weise gemacht wurde als durch einen experimentell belegbaren „Durchbruch" in den souveränen geistigen Fähigkeiten eines einzelnen. Ein anderer Mensch, auch mehrere Menschen als Individuen können eine solche beweisbare Entdeckung geistig nachvollziehen, doch die eigentliche Entdeckung eines universellen Prinzips ist immer nur der überprüfbare Akt eines souveränen, wirklich schöpferischen individuellen menschlichen Geistes.
Man betrachte dazu erneut den Betrug hinter der beharrlichen Behauptung von verschiedenen Seiten, Isaac Newton hätte das Gravitationsprinzip entdeckt. Für einen kompetenten Wissenschaftler ist klar, daß die meisten Leute, die so etwas über Newton behaupten, entweder keine Ahnung haben, wovon sie reden, oder Angst davor haben, daß man sie dabei erwischen könnte, daß sie wirklich kompetent wissenschaftlich denken.[sup]26[/sup] Zum Beweis genügt es, sich Keplers genaue Beschreibung der vielfältigen Tücken und Erfolge im Verlaufe seiner ureigensten Entdeckung zu betrachten. Es ist schlicht eine Tatsache, daß niemand, der Newtons Ansprüche geltend macht, sich jemals die Mühe gemacht hat, nachzuvollziehen, wie Kepler seine einzigartig gültige Entdeckung tatsächlich hervorgebracht hat. Hat der Betreffende die ironische Gegenüberstellung der Sinneserfahrung von Sehen und Hören, mit der die einzige als original bekannte Entdeckung eines Gravitationsprinzips des Sonnensystems erzeugt wurde, tatsächlich durchgearbeitet oder nicht? Fast alle wichtigen Wissenschaftler würden heute bei diesem wichtigen Test einfacher wissenschaftlicher Kompetenz durchfallen. (Nicht notwendigerweise, weil sie nicht anderweitig kompetent wären, sondern weil sie vielleicht feige sind oder, wie ich Friedrich Schiller verstehe, weil sie gelernt haben, um ihr Brot zu betteln.)[sup]27[/sup]
Viele, insbesondere Akademiker – auch solche, die sonst viele Grundsätze wissenschaftlicher Arbeit akzeptieren und manchmal sogar brillante berufliche Kompetenz zeigen – verteidigen heute dennoch Newtons Ansprüche offenbar aus dem einzigen Grund, daß die unmoralischen Maßstäbe korrupter Berufsverbände, Universitätsleitungen etc. eine solche sklavische Unterwerfung aller „Rechtgläubigen" unter den Newton-Schwindel verlangen. Einfacher ausgedrückt: Sie wurden wie von einer Art babylonischer Priesterkaste „gehirngewaschen" – ein Effekt, der sich mit dem vergleichen läßt, den Jonathan Swift als allgemeinen Geisteszustand unter den Akademikern der schwebenden Insel Laputa bezeichnet.
Ich habe diese Betrachtungen aus folgendem Grund an dieser Stelle des Aufsatzes eingeschoben.
Wie Menschen entstehen
Um die entsprechende Aussage so kurz wie möglich zu halten, sei folgendes bedacht.
Die Entdeckung oder Entwicklung eines Naturprinzips durch die Menschheit hat eine Wirkung, die man unter ähnlichen Bedingungen mit einem Sprung zu einer höheren Art in der Tierwelt vergleichen kann. Ebenso wichtig ist, daß eine solche Leistung beim Menschen nur durch einen entsprechenden Willensakt möglich ist.
Sobald die Entwicklung der menschlichen Gattung bzw. eines Teils davon eine solche qualitative Verbesserung erreicht, indem sie ihre Kultur entsprechend verändert, setzen als neuartige Herausforderung für die Menschheit gegenläufige Entwicklungen ein, die man zutreffend als „Erschöpfung lebenswichtiger Ressourcen" bezeichnen kann. Dies wiederum erfordert in der Entwicklung einer Gesellschaft als Vertreter ihrer Gattung neuerliche qualitative Fortschritte, wie heutzutage die Entwicklung von Techniken zur kontrollierten Kernspaltung.
Wenn man diese Umstände etwas genauer untersucht, wird die Aufmerksamkeit früher oder später auf die Tatsache gelenkt, daß ein Großteil dessen, was wir als Rohstoffe betrachten, sich unserer Gesellschaft in Form von Konzentrationen chemischer Elemente, Isotopen und deren Verbindungen darbietet. In wirtschaftlich nutzbarer Form sind uns diese Produkte oft als Ablagerungen bestimmter abgestorbener Lebewesen verfügbar. Ozeane und Atmosphäre sind typische Produkte dieses vom Leben angetriebenen Prozesses physikalischer Chemie.
Da die so auf uns gekommenen und von uns verbrauchten Ressourcen schwinden, muß die menschliche Gesellschaft entweder irgendwann zusammenbrechen, oder sie muß sich als Alternative dazu auf qualitativ neue Weise weiterentwickeln.
Diese und verwandte Überlegungen definieren zusammen die Aufforderung an uns, menschlich und nicht wie die Tiere zu sein. Wir müssen ein Menschenbild annehmen und praktisch leben, das eine höhere Lebensform ist als das jedes anderen bekannten Lebewesens. Das Gesetz der Wirtschaft lautet also: Fortschritt oder Untergang!
Die bloße Idee jeder Volkswirtschaft beruht auf der Bedeutung dieser Definition unserer menschlichen Gattung. Geld als solches hat mit der eigentlichen Natur einer Volkswirtschaft nichts zu tun. Geld ist kein Gegenstand der Wissenschaft, sondern – wie es Charles Dickens‘ Artful Dodger (der Taschendieb in Oliver Twist) verstand und wie Alan Greenspan es praktizierte -, eine höchst zweifelhafte selbstgebackene ,Kunst‘. (Für derlei Amüsements mußte die Gesellschaft oft sehr, sehr teuer bezahlen.)
Aus der eben gemachten Aussage läßt sich schließen, daß hier Naturwissenschaft und klassische Kunstformen deckungsgleich sind.
Berücksichtigen wir dabei noch einen verwandten Punkt, den ich mit einigen Mitarbeitern besprochen habe, die gerade einen Videofilm über beispielhafte historische Entwicklungen und deren Bedeutung für heute produzieren. Es betrifft das Prinzip der klassischen Tragödie, über das wir die eigentlichen, grausam-tragischen Geheimnisse des Geldes lüften können.
Eine Lehre von Bismarck
Um diese Diskussion richtig einzuordnen, möchte ich offen und als vorsätzliche Provokation folgendes äußern: Es gibt keine tragischen Figuren in der klassisch-dramatischen Tragödie. Es gibt nur tragische Gesellschaften. Und Geld gehört dazu.
Das Geheimnis einer guten Aufführung einer klassischen Tragödie, etwa von Shakespeare, liegt darin, daß nicht bloß ein einzelner, sondern die ganze oder zumindest fast die ganze Bevölkerung tragisch ist. Das gilt nicht nur für jedes gut geschriebene Drama, sondern auch für die Gesellschaft im wirklichen Leben. Vom Kindergarten bis zu Verabschiedung in den Ruhestand, Trauerfeier und Testamentseröffnung besteht die Gesellschaft, wie wir sie in unserer Zeit und den letzten Generationen kennen, überwiegend aus ständiger Einschüchterung. „Der gegenwärtige Präsident der Vereinigten Staaten mag brutal und verrückt sein, aber das sagt man besser nicht." Der frühere britische Premierminister Tony Blair, der die Welt in einen langen, mehr als nutzlosen Krieg im Irak geführt hat, ist vielleicht nicht der Vater der Lüge, aber er hat es versucht – mit Hilfe von Leuten wie der derzeitigen Sprecherin des US-Repräsentantenhauses. Die Mehrheit der führenden US-Politiker konnte sich nicht dazu aufraffen, den Präsidenten und Vizepräsidenten, die Blair bei dieser Schandtat (die u.a. die amerikanische Volkswirtschaft weitgehend ruiniert hat) geholfen haben, des Amtes zu entheben. Man kann sich in unserer gegenwärtigen Gesellschaft nicht um Wahrhaftigkeit bemühen, ohne praktisch von allen Seiten bedroht zu werden. Man wird ständig gedrängt, ein umsichtiger Lügner zu werden, gefangen in einem emotionalen Umfeld rätselhafter und schauerlicher, aber doch konkreter persönlicher Ängste.
Die Erfahrung zeigt uns, daß heutzutage der leider allzu typische Regierungschef anfällig für Lügen und die damit verbundene Schande ist, daß aber die feigen Kritiker unter seinen Untergebenen gewöhnlich erklären, so falsch sein Verhalten auch sei, mit Rücksicht auf sein vermeintlich „bestes Interesse" müsse man es respektieren. So werden alle Mitläufer zu Kriechern, um voranzukommen, und gewöhnlich bekommt eine Gesellschaft auf diese Weise genau die korrupte Politik, nach der die Mehrheit ihrer Bürger indirekt verlangt. (Versuchen Sie nicht, mir etwas anderes zu erzählen; ich, Lyndon LaRouche, war dabei oft genug selbst Zeuge!)
Leute, die lieber von außen zuschauen, wenn die Schlacht begonnen hat, machen gerne die politische Führung für die Nöte des Landes verantwortlich. Dieselbe Gesellschaft, die ein so schändliches Verhalten ihrer Führung zuläßt, will es gewöhnlich nicht wahrhaben, daß sie Persönlichkeiten, die dem öffentlichen Druck nicht nachgeben, gar nicht als Führung akzeptieren würde, und die Folge sind so abstoßende, aber beabsichtigte Dinge wie der gegenwärtige Krieg und der heruntergekommene Zustand der Volkswirtschaft. Die Öffentlichkeit macht ihre Führung verantwortlich für das Verbrechen, zu dem nur der Druck der Öffentlichkeit selbst – etwa durch Meinungsumfragen oder die Massenmedien – sie veranlaßt hat. Normalerweise war der oder die Betreffende gar kein schlechter Mensch, sondern eigentlich nur feige. Solche weniger bewußt verlogenen Irre-Führer sind inzwischen typisch für die Justiz und die höchsten politischen Ämter.
Die vorherrschende Kultur in einer Gesellschaft – die sogenannte „öffentliche Meinung" oder der „gängige Geschmack" insbesondere der führenden Schichten dieser Gesellschaft – bestimmt meistens das Verhalten der meisten führenden Leute in der Gesellschaft, aber auch das der meisten anderen Bürger, denen man lange genug eingeredet hat, wo angeblich ihre Vorteile lägen.
„Du mußt das verstehen. Ich brauchte das Geld wirklich!" „Tut mir leid, Hans, aber ich mußte dir das antun, weil man es von mir verlangt hat, sonst hätte meine Familie darunter leiden müssen. Hans, du mußt das einfach realistisch sehen."
„Sicher, ich hätte für das Gesetz stimmen sollen; aber es geschah nicht zu meinem persönlichen Vorteil, daß ich es nicht tat. Ich mußte für meine Wähler Dinge tun, von denen ich wußte, daß sie falsch waren, einfach, um im Amt zu bleiben, wo ich am meisten Gutes für sie tun kann."
Oft neigt derjenige, der sich so unmoralisch verhalten hat, dann noch dazu, seine Predigt gegenüber dem Bürger, der sich beschwert hat, mit einem drohenden Zähnefletschen zu beenden.
Die Gemeinplätze, die ich soeben angeführt habe, verdeutlichen die typischen sozialen Prozesse, die den einzelnen in seiner ach so liebenswerten Gesellschaft bedrohen. Durch solche oder ähnliche Bande der Furcht wird das Individuum in der Gesellschaft im Zaum gehalten. Machen Sie dem Hamlet in Shakespeares Drama keine Vorwürfe, bevor Sie nicht ernsthaft darüber nachgedacht haben, welche furchterregenden sozialen Kräfte (und sei es nur Aberglaube) sein Umfeld – und Ihres! – bestimmen.
So ist beispielsweise eine Aufführung von Hamlet oder Richard III. schlecht, wenn nur das Ego der vom Schauspieler dargestellten Figur als abstraktes Individuum präsentiert wird, ohne den subtilen Terror aufzudecken, der das Verhalten der von Shakespeare beabsichtigten Figur eigentlich prägt. Bei allen wirklich klassischen Tragödien geht es darum, wie die einzelne Persönlichkeit von den sozialen Prozessen der Kultur geprägt ist, in denen sie und die Handlung angesiedelt sind – auch Homers Ilias stellt dies mit einer sehr tiefgehenden Entwicklungsdynamik der sozialen Strukturen dar. In einer guten Aufführung eines großen klassischen Dramas wird diese subtile Struktur, welche die Gesamtlage bestimmt – wie beispielsweise die herrschenden Götter in Homers Ilias -, unausgesprochen für das Publikum deutlich. Alle klassischen Tragödien sind nicht Tragödien der Einzelperson, sondern der Gesellschaft oder der gesellschaftlichen Schicht, in der die Einzelfigur gefangen ist.
Der Held in einem Stück, in dem ein tragisches Ende abgewendet wird, ist einer, der dem Druck der Gesellschaft standhält; so verhindert er die Tragödie, die diese Gesellschaft wild entschlossen über sich bringen will. Der Held denkt: „Das ist der Kelch, den ich trinken muß. Zu diesem Handeln habe ich mich entschieden, und ich tue es. Welche Schläge ich auch dafür erdulde, ich kann mein Handeln niemals bedauern: Ich habe mich geweigert und weigere mich immer noch, wie andere die tragische Rolle im Leben zu spielen."
So definierte Friedrich Schiller die Aufgabe der klassischen Bühne darin, den einfachen Bürger, der das Theater betritt, durch die Aufführung in einen besseren Menschen zu verwandeln. Wenn der Bürger das Theater verläßt, hat er etwas von dem Grundsatz verstanden, daß die bisher bekannten Gesellschaften meistens tragisch sind, weil sie anfällig für kollektive Torheit waren, die in der Tragödie endete. Das bezeugen auch die Taten der meisten amerikanischen Präsidenten nach 1944. Anders waren nur die Staatsführer, die wider den Stachel löckten, wie Franklin Roosevelt und jeweils auf ihre Weise Eisenhower, Kennedy und – in einem Moment der Größe hinsichtlich der SDI – Reagan; sie zeigten ihrer Gesellschaft, wie man der Anfälligkeit zur selbstverschuldeten tragischen Torheit widersteht.
Betrachten wir nun zur Verdeutlichung den Fall eines klassischen Dramas der wahren Geschichte, Otto von Bismarck.
Bismarck wußte, daß der britische Prinz von Wales, Edward Albert, der Onkel des deutschen Kaisers wie auch des russischen Zaren Nikolaus II., Rußland unbedingt in ein Bündnis gegen Deutschland ziehen wollte, um so die spätere Allianz der anglo-französischen Entente Cordiale mit Rußland einzufädeln. Rußland und Deutschland sollten sich in einem Krieg gegenseitig zerstören. Das Vorbild für diesen Krieg sollte der von Großbritannien inszenierte sog. Siebenjährige Krieg sein, durch den die Nationen Kontinentaleuropas sich gegenseitig so weit ruinierten, daß London wie beabsichtigt sein Weltreich errichten konnte. Bismarck selbst warnte völlig zu Recht vor dieser britischen Absicht, einen neuen Weltkrieg nach dem Vorbild des Siebenjährigen Krieges mit ähnlicher strategischer Wirkung herbeizuführen.
Bismarck reagierte auf die Kriegsdrohung des imperialen Britannien mit einem Geheimabkommen mit Zar Nikolaus II., worin er Nikolaus versprach, den Kaiser davon abzuhalten, Österreich-Ungarn in einem neuen Abenteuer auf dem Balkan zu unterstützen. Solange Bismarck Reichskanzler blieb, konnte es nicht zum Ersten Weltkrieg kommen. Sobald Bismarck als Kanzler entlassen wurde, waren der Erste und der Zweite Weltkrieg, und noch manches andere, praktisch unausweichlich. So sind Balkankriege – damals wie heute. So ist die Natur der Tragödie. Die Schuld trifft die Gesellschaft in ihrem verkommenen kulturellen Zustand – auch die Vereinigten Staaten in den letzten Jahrzehnten -, nicht den einzelnen Helden.
Wenn sich der Held durchsetzt, wie Präsident Franklin Roosevelt bis zum Augenblick seines Todes, haben wir es nicht mehr mit einer Tragödie zu tun. Wenn der Held verliert oder wenn es einfach keinen Helden in entsprechend hoher Position gibt, wie dies im Moment der Fall ist, dann kann sich die Tragödie entfalten, so wie dies jetzt den Vereinigten Staaten und der ganzen Welt droht.
Wenn die Minderheit, manchmal auch nur eine einzige wichtige Person, den Widerstand gegen die Torheit der Vielen aufgibt, folgt mit Sicherheit eine neue Tragödie. Für diesen Faktor im größten Teil der Menschheitsgeschichte ist bis zum heutigen Tage ein Prinzip verantwortlich. Ich werde noch vor dem Ende dieses Berichtes verdeutlichen, warum ich hier „bis zum heutigen Tage" sage.
Das ist der Schlüssel zum Verständnis der gewöhnlich tragischen Rolle des Geldes in der Gesellschaft.
Was ist Recht?
Es ist nicht wirklich übertrieben, wenn man einen Großteil der heutigen Gebräuche im amerikanischen Rechtswesen damit vergleicht, daß Betrunkene sich auf der Straße direkt vor ihrer Kneipe erleichtern. Häufig geht von unseren heutigen Gerichten moralisch ein genau solcher Geruch aus.
Recht, wie es in den Vereinigten Staaten und vielen anderen Ländern heute praktiziert wird, ist immer weniger eine Frage wirklicher Rechtsprinzipien, sondern immer mehr ein Zustand, wie ihn François Rabelais beschreibt, wenn sich Richter Leckars und sein Juristenkollege Saugefist ins Hinterzimmer zurückziehen, um ihre Entscheidung auszuwürfeln. Unser Recht im Staat ist zunehmend zu etwas verkommen, was Anwälte und ähnliche Leute meinen, für Geld kaufen zu können, oder bereits gekauft haben – für Unsummen, die ein armer Mann niemals aufbringen kann -, und das oft für Fälle, der überhaupt nicht vor Gericht gehören. Dieses weithin verbreitete Unrecht hat einen Markt für Diebe und Mörder geschaffen, wie etwa in Guantanamo, auf dem beinahe jede arglose, unschuldige Seele gekauft und verkauft werden kann, ohne daß man ihr dabei auch nur den geringsten Einspruch gestattet. Deshalb kommt es den einfachen Leuten oft so vor, daß unsere Republik „mehr Anwälte als Einwohner" hat – Rechtsverdreher, die wie Geier über den zu erwartenden Einnahmen ihrer Opfer kreisen.
Seit der Wahl Präsident Richard Nixons, die erst durch die Ausschreitungen der synarchistischen „68er" in den Straßen Europas und Amerikas möglich wurde, hat der moralische Verfall in der Rechtspraxis unserer Nation gewaltig zugenommen. So wurde der Freihandel zu einem hoch bezahlten Handel mit Diebstahl und Unrecht, sogar massenmörderischem Unrecht.
Trotz des erbärmlichen Präsidenten Harry Truman herrschte zu der Zeit, als er Präsident Franklin Roosevelts Nachfolge antrat, und auch noch in den beiden Jahrzehnten danach, auf den Märkten noch die gängige Politik des sog. „fairen Handels". Es wurde nicht immer durchgesetzt, aber die Absicht wurde immer wieder verkündet. Praktiziert oder auch nur gepredigt, es bedeutete ein geschütztes Preisniveau, welches gerechte Löhne für die Beschäftigten, anständige Altersbezüge für die Rentner, Qualitätsprodukte und langfristig stabile Investitionen in das Realkapital und die Produktverbesserung sichern sollte. Solcher Fortschritt sollte das Produkt selbst, die Firma, die Verbraucher und die Kommunen, die solche produktiven Aktivitäten unterstützten, in eine bessere Zukunft führen.
Kurz: der physische, in absolutem Unterschied zum numerischen Wert, von allem, was ge- und verkauft wird, liegt darin, wie die Produktion und Nutzung dieser Güter auf den Fortschritt der Gesellschaft als Ganzer wirkt. Die Geld- und sonstige Wirtschaftspolitik einer souveränen Nation hat richtigerweise die Funktion, implizite Ober- und Untergrenzen festzulegen, innerhalb derer sich die zur Abwicklung des Handels gebotenen Preise bewegen sollen. Das Ziel ist dabei, dem einzelnen möglichst große Willensfreiheit zu lassen, aber nur innerhalb festgelegter Grenzen zum Schutz vor Verbrechen, unentschuldbaren Schädigungen oder Massenwahn der Art, wie er von Leuten wie dem früheren Notenbankchef Alan Greenspan ausging.
So sollten die Nationen darauf abzielen, das System der Beziehungen zwischen den verschiedenen Preismargen zu regulieren, gleichzeitig aber die Tür offen zu lassen für Investitionen in Innovationen, deren Nutzen kein „Markt" vorhersehen kann. Gleichzeitig investieren kluge Nationen durch die souveränen Institutionen ihrer Regierung in langfristige Verbesserungen des Realkapitals, vor allem in der öffentlichen Infrastruktur, aber auch, wenn nötig, in unterstützende staatliche Maßnahmen für die private Güterproduktion. So sieht ein „protektionistisches" System aus, das dazu bestimmt ist, das Gemeinwohl und vernünftiges Verhalten in der Volkswirtschaft insgesamt zu fördern.
In dem Rahmen darf man nicht zulassen, daß Geld von irgendeiner anderen Institution als dem souveränen Nationalstaat geschöpft oder reguliert wird. Diese weise Absicht wird in der Verfassung der Vereinigten Staaten ausgedrückt, die in der Hinsicht gegenüber der entgegengesetzten Stoßrichtung der traditionellen europäischen Währungssysteme einzigartig ist.
Es wäre eine Übertreibung, zu behaupten, Geld sei „die Wurzel allen Übels", aber wenn der Kredit nicht durch die souveränen Regierungen der Nationalstaaten geschöpft und reguliert wird, hat man oft den Eindruck, daß durch diese Vernachlässigung der Befugnisse und Pflichten der Regierung die Uneinsichtigen dazu animiert werden, diese unmoralische Lizenz zum „Freihandel" ungehemmt auszuleben. Der eigentliche Hintergrund ist noch elementarer und weniger offensichtlich. Tatsächlich lassen sich nämlich seit der Antike alle imperialen Zivilisationen, deren gesellschaftliche Abläufe im Detail einigermaßen bekannt sind – auch das Britische Empire in seiner jetzigen Form – als Gesellschaftsform auf die monetären und verwandten Praktiken von Babylon und Tyros zurückführen.[sup]28[/sup] Jedenfalls haben Geldpreise, anders als die relative Nützlichkeit bestimmter Kategorien von Waren und Dienstleistungen, keinen Eigenwert.
Hier liegt die Notwendigkeit einer intelligenten, vorausschauenden Regulierung der Preisspannen begründet, wie das Beispiel der Rücklagen für Gesundheitsversorgung und Renten zeigen. Tatsache ist: Die sogenannten „Freihandelssysteme" gehören zu den schlimmsten Katastrophen und häufigsten Ursachen großen Unrechts an Völkern und Nationen in der Geschichte der modernen europäischen Volkswirtschaften. Wer nicht sieht, wie die Freihandelspolitik von 1968 bis 2008 in Amerika und Europa das reale Nettoprodukt und -einkommen der Gesellschaft pro Kopf und pro Quadratkilometer verringert hat, der hat sich durch den Riesenschwindel, der im Namen der Regierungen begangen wurde, wirklich völlig für dumm verkaufen lassen.
Diesen Aspekt der Geschichte zu betrachten, ist unverzichtbar, wenn man verstehen will, wo die Wurzeln der großen, allgemeinen Zusammenbruchskrise liegen, welche derzeit die ganze Welt in aufeinanderfolgenden Phasen auf den Abgrund zutreibt.
Unser gegenwärtig einigermaßen gesichertes Wissen über die gesellschaftlichen Prozesse in den antiken Kulturen im Umkreis des Mittelmeers ist im wesentlichen eine Geschichte der großen Reiche, sich von den orientalischen Kulturen Westasiens und der nordafrikanischen Mittelmeerküste bis zum Mittelmeerraum und Europa im allgemeinen erstreckten. Eine gründliche Untersuchung dieser Phänomene konzentriert sich am besten darauf, wie seit dem Tode Alexanders des Großen der Schwerpunkt von den östlichen Reichen Westasiens auf den modernen Imperialismus überging.
Da der Wert des Geldes keine Frage wissenschaftlicher Tatsachen ist, sondern nur eine Frage der rechtlichen Handhabung, gehen korrupte Gesetzgebung und unehrliches Geld Hand in Hand.
Ich erkläre nun den wichtigsten Aspekt der Geldfrage, nämlich ihren Ursprung, werde aber im folgenden Kapitel auf das Thema der richtigen rechtlichen Regelung des Geldes zurückkehren.
Was ist Imperialismus?
Nach der Bundesverfassung der USA ist das amerikanische Wirtschaftssystem kein Geldsystem, sondern ein Kreditsystem. Unsere gesetzliche Landeswährung hat die Form von Geld, aber der Wert, der solchem Geld zuzuschreiben ist, ist keine Frage von Mathematik, sondern davon, wie die Stelle, der die Befugnis zur Ausgabe und Regulierung des Geldes obliegt, die Gesetze schreibt und verwaltet.
Ein anschauliches Beispiel für diesen Unterschied ist die unterschiedliche Rechtsauffassung zwischen Präsident Franklin Roosevelts ursprünglicher Absicht bei der Bretton-Woods-Konferenz 1944 und der monetaristischen Haltung, die sein Nachfolger, Präsident Harry Truman, einnahm. Während Präsident Roosevelt, kurz gesagt, für die Nachkriegszeit ein ausdrücklich antikolonialistisches Bretton-Woods-System anstrebte, vertrat sein Nachfolger, der faktische Verräter Harry S Truman, eine Keynesianische Perspektive, die dazu dienen sollte, diesen britischen Imperialismus, den Roosevelt vernichten wollte, zu stützen und erhalten.
Das ist derselbe britische Imperialismus – mit seiner Tradition des größten Rauschgifthandels der Welt -, der im Moment, wo dieser Bericht verfaßt wird, die amerikanische Republik zu vernichten trachtet. Noch heute kämpfen wir gegen ein imperialistisches Konzept monetaristischer Systeme. Wenn solche Systeme nicht abgeschafft werden, wird unsere Zivilisation die derzeit über uns hereinbrechende globale Zusammenbruchskrise nicht überleben.
Die Begründung, wenigstens ihr erster Teil, lautet folgendermaßen.
Eine Kultur zu „kennen", im Sinne von gesichertem Wissen, wie ich es hier beschrieben habe, bedeutet, daß wir genügend Belege für die innere Dynamik dieser Kultur haben. Das Wissen muß von der Qualität sein, wie es die in der europäischen Kultur verwurzelten Völker vom historischen Standpunkt aus dem Studium der sogenannten „klassischen griechischen Quellen" und deren unmittelbaren Vorläufern kennen. Entscheidend sind dabei nicht wörtliche Übertragungen, sondern eine tiefgehende Untersuchung von Poesie und Dramen vom Standpunkt der modernen Naturwissenschaft, die auf Quellen aus ungefähr der Zeit der pythagoräischen Sphärik zurückgeht.
Wie ich bereits in früheren Publikationen gezeigt habe, sollte man sich dabei auf den Standpunkt stellen, daß man die alberne Vorstellung, die Zivilisation sei entlang von Flußläufen entstanden, zurückweist. Man sollte lieber bei der Wahrheit bleiben, denn unverrückbare wissenschaftliche Belege zeigen uns, daß der Ursprung wissenschaftlicher Kenntnisse in der angewandten Astronomie bei der Navigation auf den Ozeanen liegt.
Dabei ist die Grundidee universeller Naturprinzipien (so wie Albert Einstein Kepler aufgreift), daß solche Prinzipien das Universum als Ganzes begrenzen, als solche jedoch durch nichts begrenzt sind außer durch das Wirken eines universellen Schöpfers.
Irgendwelche großen, aber heute ziemlich unbekannten hochseetüchtigen Seefahrerkulturen beobachteten den Sternenhimmel und entdeckten so in den unregelmäßigen Bewegungen der Himmelskörper über uns eine gewisse Ordnung, aus der sie sich verläßliche Fahrtrouten ableiteten. Dann entdeckten sie in den von ihnen erhofften stetigen, regelmäßigen Veränderungen wichtige Abweichungen. Das Wissen um solche neuen Abweichungen war nicht nur wesentlich für sichere Fahrten durch Raum und Zeit. Man brauchte auch das Empfinden für einen Schöpfer dieser schon bekannten oder noch unvorhergesehenen Änderungen. Man bezeichnete das irgendwann mit einem Namen, der an den heutigen Gebrauch des Wortes „Universum" erinnert: „das Universelle". Daher wurde auch Johannes Keplers ureigenste Entdeckung der modernen Astronomie zum Grundkonzept hinter jeder kompetenten modernen Naturwissenschaft.
So kamen die antiken Vorläufer der heutigen Zivilisation, darunter auch die ägyptischen Traditionen, auf das antike Konzept der Sphärik, von dem sich alle kompetenten Entwicklungen in der modernen Wissenschaft ableiten. Aus der Gesetzmäßigkeit des Universums entwickelte sich eine Vorstellung der wirksamen Existenz eines Schöpfers mit einem bewußten Willen, der der Menschheit den Schlüssel dazu gibt, unser Universum unaufhörlich zum Besseren zu verrändern. So erhielten wir einen Begriff von den in Genesis 1 dargestellten, uns verliehenen schöpferischen Fähigkeiten – die uns der Olympier Zeus und andere verbieten wollten -, die keine andere niedere Lebensform hat. Diese Fähigkeiten zu akzeptieren, und damit auch das Gebot zur Veränderung, das diese Fähigkeiten uns als einer Gattung sterblicher Männer und Frauen in unsterblicher Abfolge auferlegt, ist die Essenz jeder Moral und aller moralisch tolerierbaren Konzepte von Naturwissenschaft im allgemeinen und praktischer Realwirtschaft im besonderen.
Die eigentliche Unmoral der führenden politischen Kräfte in der transatlantischen Gesellschaft seit dem Tode Präsident Franklin Roosevelts zeigt sich darin, daß es selbst unter angeblich religiösen Menschen und ihrem Umfeld einen wachsenden Anteil gibt, die zwar an die Unsterblichkeit glauben, aber die Idee einer „Gleichzeitigkeit in der Ewigkeit", wie Raphael Sanzio sie in seiner berühmten Schule von Athen verdeutlicht, nicht akzeptieren wollen. Diese törichten Menschen – und sie sind heute weltweit in der Mehrheit – verhalten sich in der Wirtschaft und in der Politik wie seelenlose Tiere: Ihnen fehlt ein Gefühl dafür, daß das sterbliche Individuum für die Folgen seines Handelns, d.h. für die „Zukunft", verantwortlich ist, und daß den Lebenden eine Mission, wie z.B. Gerechtigkeit, auferlegt ist, die gegenüber der Vergangenheit eingelöst werden muß.
Diese Moral, die in unserer Zeit fast verloren zu sein scheint, ist der Schlüssel für kompetentes Wissen in einer Wissenschaft der physischen Ökonomie.
IV. Physische Ökonomie
Außer im Falle radikaler Klimaveränderungen bleibt die potentielle Populationsdichte von Tiergattungen und ihren Unterarten innerhalb einer vorausberechenbaren Bandbreite, solange sie die von ihnen bewohnte Umwelt nicht aus dem Gleichgewicht bringen oder sie sich der relativen, temporären Erschöpfung der von ihnen beanspruchten Umgebung entziehen können, indem sie zumindest zeitweise in eine andere geeignete Umwelt ausweichen.
Bei einer zivilisierten oder halbwegs zivilisierten menschlichen Bevölkerung ist das allgemein ganz anders. Einmal abgesehen von Nomadenkulturen, die ihrer Natur nach weitgehend stagnieren, verwandelt eine zivilisierte Gesellschaft im Idealfall das von ihr bewohnte Stück Land so, daß die Bewohnbarkeit dieses Landes steigt – vor allem bezogen auf das, was einige Dummköpfe[sup]29[/sup] heute die „Tragfähigkeit" nennen. Das geschieht gewöhnlich durch den Aufbau dessen, was wir „Infrastruktur" nennen, oder andere qualitative Verbesserungen in der Reproduktion der potentiellen, relativen Bevölkerungsdichte auf dem genutzten Stück Land.
Nachdem man alle wesentlichen Faktoren erwogen hat, ergibt sich am Ende in erster Annäherung folgendes: Die menschliche Erfindungsgabe, die den niederen Lebensarten vollkommen fehlt, erhöht die potentielle relative Bevölkerungsdichte einer Gesellschaft – und das wahrscheinlich bei besserem Lebensstandard und höherer Lebenserwartung -, und sie gleicht hoffentlich auch die relative Erschöpfung an Rohstoffen aus, die ihre Aktivitäten auf dem bewohnten Gebiet hervorrufen.
Diese eben angesprochenen Vorzüge sind Ausdruck einer Fähigkeit des menschlichen Individuums, die bei den Einzelwesen aller niederen Lebensformen völlig fehlt. Der qualitative Unterschied entspricht einem Faktor der Veränderung zu höheren Zuständen und ist damit Ausdruck dessen, was W.I. Wernadskij als Noosphäre bezeichnet. Dieser variable Faktor zeichnet das menschliche Individuum aus; er ist praktisch ein genetischer Faktor von großer sozialer Bedeutung, der jedoch nur in den Grenzen des jeweiligen Entwicklungsstands des geistigen Apparats des souveränen menschlichen Individuums existiert.
Die eben angeführten Bedingungen bestimmen den Faktor menschlicher Kreativität, der den Menschen vom Affen unterscheidet. Dieser Faktor ist sozusagen auch der Wirkstoff, der die eigentliche wissenschaftliche Bedeutung des Begriffs physische Ökonomie definiert.
Die Tatsache, daß das schöpferische Verhalten, das den qualitativen Unterschied zwischen Mensch und Affe ausmacht, weder bei Menschenaffen noch bei anderen Säugetierarten existiert, stellt uns vor einige Schwierigkeiten. Zur Veranschaulichung sei betont, daß die Erforschung tierischer Hirnfunktionen uns keinen Schlüssel dazu liefern kann, an welchem „Ort" im menschlichen Organismus die spezifisch kreativen Fähigkeiten des menschlichen Individuums liegen.
Daraus ergibt sich die folgende Frage: Gibt es Hinweise darauf, daß sich der Faktor evolutionärer Selbstveränderung, der zweifellos dem menschlichen Individuum eigen ist, irgendwo in den einzigartigen biologischen Funktionen des menschlichen Gehirns lokalisieren läßt? Wie ließen sich entsprechende Experimente strukturieren, um dieses Geheimnis zu lüften? Bisher fehlen uns die Belege, die man sich wünschen würde; doch es gibt einige nützliche Hinweise darauf, wo und wie man die Antwort finden könnte. Diese Hinweise genügen für eine Definition, was man unter einer Wissenschaft der physischen Ökonomie verstehen sollte, und damit für die Erkenntnis einer heilbaren Ursache der erschreckenden Inkompetenz der heutigen Volkswirtschaftslehre an Universitäten und anderen Einrichtungen.[sup]30[/sup]
Zweierlei Arten von Indikatoren geben die Richtung an, in die unsere Untersuchungen gehen sollten.
Erstens werden die zuletzt angestellten Überlegungen etwas deutlicher, wenn man sie nicht bezogen auf den einzelnen, sondern hinsichtlich menschlicher Gesellschaften als ganzes betrachtet – man muß das relative Verhalten von Wernadskijs Noosphäre im Verhältnis zur Biosphäre untersuchen. Die menschliche Zivilisation als ganze steigert den (etwa gewichtmäßigen) Anteil der durch die Noosphäre verkörperten Gesamtmasse des Planeten gegenüber der Gesamtmasse des spezifischen Produkts aller anderen lebenden Prozesse. Es gibt somit keinen vernünftigen Grund für die Behauptung, die menschliche schöpferische Kreativität sei kein wirksamer realer Wachstumsfaktor für die relative Masse des spezifischen Produkts der Menschheit im Universum. Die Kreativität des menschlichen Individuums ist also ein spezifischer Ausdruck eines universellen Naturprinzips, so wie Lebensprozesse Rückstände hinterlassen, die z.B. als Kalkablagerungen in Erscheinung treten.
Zweitens lenken bestimmte gründliche Untersuchungen einzelner Entdeckungen universeller Prinzipien unsere Aufmerksamkeit auf Phänomene, die einer wissenschaftlichen oder vergleichbaren schöpferischen Handlung eines Menschen entsprechen. Die besten Beispiele findet man dort, wo sich die Entdeckung eines wirklich universellen Naturprinzips als Vorgang praktisch isolieren läßt. So verstand auch Albert Einstein die Bedeutung von Johannes Keplers ureigenster Entdeckung des universellen Gravitationsprinzips, einer Entdeckung, die Kepler gelang, indem er die Ironien zweier ganz unterschiedlicher Sinneswahrnehmungen – visuell und harmonisch – des gleichen astrophysikalischen Phänomens untersuchte.[sup]31[/sup] Alles fundierte menschliche Wissen über die Entdeckung universeller Naturprinzipien drückt sich so aus, wie Einstein Keplers Entdeckung der Gravitation verstand und würdigte.
Wenden wir uns nun einigen Nebenfragen zu, die sich daraus ergeben, um dann zu der eigentlichen Untersuchung einer solchen Entdeckung zurückzukehren.
Das Konzept von „Begrenzung"
Der Begriff eines universellen Naturprinzips als ontologischer und nicht als rein formaler Begriff wurde von Nikolaus von Kues in seiner Schrift De Docta Ignorantia und anderen naturwissenschaftlichen Schriften in die europäische Kultur der Neuzeit eingeführt. Diese Schriften des Cusaners waren der erste systematische Ansatz zur Begründung einer universellen Naturwissenschaft im modernen Europa.
Entscheidend für die Entdeckung des entsprechenden Prinzips war bereits Cusas Hinweis, daß Archimedes einen grundsätzlichen methodischen Fehler beging, als er versuchte, einen Kreis oder eine Parabel durch Quadratur zu erzeugen.
Das gleiche Argument taucht an zentraler Stelle bei Keplers vorläufiger Abhandlung der Gravitation in seiner Neuen Astronomie auf. Die Entdeckung, daß die elliptische Erdbahn dem Prinzip „gleiche Zeit – gleiche Fläche" entspricht (was allein schon eine außerordentliche Errungenschaft der experimentellen Methode war), genügt für den Beweis, daß die Wirkrate entlang der Umlaufbahn sich nicht durch Quadratur annähern läßt. Vielmehr muß man beim Messen der Veränderungsrate davon ausgehen, daß die entsprechende Wirkung nicht in angedeuteter Form räumlich, sondern ontologisch infinitesimal ist.[sup]32[/sup] Keplers experimentelle Entdeckung zeigt, daß die Gravitation keine cartesische Beziehung ist, wie de Moivre, D’Alembert, Euler, Lagrange u.a. mit ihrem Unsinn vom „Imaginären" nahelegten. Vielmehr ist die Gravitation nach der These von Kepler und Einstein ein dynamisches Prinzip – im klassischen pythagoräisch-platonisch-Leibniz-Riemannschen Sinne von „Dynamik" -, welches die physikalische Raumzeit, in der es wirkt, (funktional) begrenzt. (Dieses Phänomen beweist in erster Annäherung ein Konzept, das in den Methoden von Aristoteles-Euklid und von Paolo Sarpis empiristischen Anhängern gar nicht existiert.) Aufgrund dieses entscheidenden experimentellen Umstands besteht implizit eine Übereinstimmung zwischen Keplers Werk und Einsteins Vorstellung, als er Keplers Genie verteidigte, wonach das Universum als Ganzes selbstbegrenzt und deshalb in diesem spezifischen Sinne endlich sei.[sup]33[/sup]
Die Argumentation von Kepler, Leibniz, Riemann und Einstein in diesem Zusammenhang stellt uns vor die praktische Schwierigkeit, daß diese im Experiment fußenden Vorstellungen die gesamte Lehre von Aristoteles, Euklid und des modernen Empirismus vollkommen umstürzen. Es geht hier nicht um formal-mathematische Fragen einer deduktiven Methode, sondern um das genaue Gegenteil.
Nämlich: Bei Aristoteles und seinem Anhänger Euklid werden Erfahrungen wegen der herrschenden Apriori-Annahmen bloß als Sammlung von Prädikaten der Sinneswahrnehmung behandelt. Bei Irrationalisten wie den modernen Anhängern Sarpis ist es noch schlimmer: Dort ist es nicht erlaubt, universelle Prinzipien als etwas zu behandeln, das wirklich existiert. Für die Empiristen gibt es nur den schemenhaften Ausdruck eines Prinzips, etwa in Form seines formal-mathematischen Schattens.[sup]34[/sup]
Entgegen den aristotelischen und empiristischen Sophisten ist der Bereich unserer empirischen, naturwissenschaftlichen Wahrnehmung des bekannten Sonnensystems in Wirklichkeit in drei unterschiedlich definierte, physikalische Phasenräume unterteilt: 1. Das Unbelebte; 2. lebende Prozesse außer den praktischen Wirkungen menschlicher Kreativität, die Biosphäre; und 3. die spezifischen Wirkungen, die allein mit der schöpferischen Tätigkeit des Menschen verbunden sind (im Sinne der „vorbildlichen" menschlichen Kreativität von Keplers Entdeckung der universellen Gravitation), die Noosphäre. Um jeweils einen Bereich von den beiden anderen zu unterscheiden, ist für jeden ein funktionaler physikalischer Phasenraum zu definieren – im Sinne der Kepler-Einsteinschen Definition von Keplers Entdeckung der universellen Gravitation.
Das entspricht der Idee eines wahren Transzendentalen, d.h. eines ontologisch aktualen Transzendentalen, dessen Existenz aus dem Vokabular der modernen empiristischen und verwandten Lehrpraxis systematisch verbannt wurde, genauso wie es für Angehörige der früheren „mechanistischen Schule" wie de Moivre, D’Alembert, Euler, Lagrange, Cauchy, Clausius, Grassmann u.a. nicht existent war.[sup]35[/sup]
Der Vorgang der Entdeckung eines physikalischen Naturprinzips, wie das von mir genannte Beispiel von Keplers Entdeckung und Beweis der universellen Gravitation, ist das Paradigma für die Definition des Begriffs echter Kreativität in der Naturwissenschaft wie auch in der klassischen Kunst (aber nur wirklich klassische Kunst in der platonischen Tradition). Bei allen diesen Beispielen ist der Begriff von Kreativität und von universellen Prinzipien empirisch mit der gleichen Vorstellung von ontologischer Diskontinuität verbunden, die auch bei Keplers grundlegenden Entdeckungen in der Astrophysik und bei Nikolaus von Kues‘ Ablehnung der Kreisquadratur zuvor zum Tragen kam.
Nach dem Gesagten wollen wir uns nun unmittelbar der Frage zuwenden, wo die so definierte menschliche Kreativität in Hinsicht auf die Existenz und Weiterentwicklung menschlicher Ökologien funktional ihren Platz hat. Der Ursprung dieses Problems ist – wie ich weiter unten in diesem Kapitel zeigen werde – „elementar" im Sinne von Edgar Allan Poes Der entwendete Brief [sup]36[/sup].
Die Perversitäten moderner Eliteuniversitäten
Viele von uns, die sich aus diesem literarischen Anlaß zusammengefunden haben, werden sich an Ausrufe wie diesen erinnern: „Das läuft allem zuwider, was mir beigebracht wurde!" Zum Beispiel: „Ich vertraue meinem Ehemann, und deshalb könnte ich nie glauben, daß…" Oder: „Wenn Sie recht hätten, müßte alles, was ich an meiner Universität über Wissenschaftsmethode gelernt habe, falsch sein!" (was wahrscheinlich stimmt.)
Statt sich von vornherein zu weigern, über Keplers ausführlich beschriebene, experimentell wiederholbare Entdeckungen zu reden, sollte der Leser tun, was viele meiner jungen Mitarbeiter in Gruppen eifrig getan haben: nämlich jeden einzelnen der entscheidenden Schritte, die Kepler zu seiner einzigartigen Entdeckung der Gravitation führten, gründlich nachzuvollziehen. Die Kreise um Isaac Newton haben die Entdeckung dann Newton zugeschrieben, indem sie aus den damals in England veröffentlichten Schriften Keplers einfach abschrieben, doch es ist nicht bekannt, daß jemals ein Verfechter dieses Schwindels im einzelnen auf die experimentelle Methode verwiesen hätte, mit der Kepler seine Entdeckungen tatsächlich erreicht hat. Wer Newtons Schwindel gegen Keplers eigentliche Entdeckungen verteidigt, ist angesichts der unwiderlegbaren Beweise entweder einfach dumm oder ein kolossaler Schwindler. Dabei gehören zu diesen Übeltätern, wie ich schon betont habe, sogar Wissenschaftsprofessoren an vielen führenden Universitäten auf der ganzen Welt!
Das absurde Argument dieser Professoren lautet praktisch: „Wenn Sie recht hätten, wäre alles, was ich selbst einmal gelernt habe, falsch! Keiner meiner Kollegen (d.h. genauso Irregeführte) ist Ihrer Meinung!"
Warum nehmen diese Professoren und ihresgleichen diesen Isaac Newton, dessen nachgelassene Papiere aus seiner später geöffneten Truhe ihn als abergläubischen Spinner entlarvten, so hysterisch in Schutz?[sup]37[/sup] Was terrorisiert sie und treibt sie praktisch in einen psychotischen Zustand, in dem sie Newton verteidigen?
Im Bereich der Naturwissenschaften wie auch auf anderen Feldern gibt es gewisse Überzeugungen, bei denen eine wohlbegründete Tatsache bei der betreffenden Person oder Personengruppen zu einer ungeheuren persönlichen Bedrohung werden kann. Sie würden sogar ihre eigene Mutter verleugnen, wenn man ihnen einredet, das wäre notwendig, um ihr persönliches Identitätsgefühl zu bewahren oder um ein tatsächliches oder auch nur eingebildetes Verbrechen zu vertuschen oder um die Untreue ihrer Ehefrau zu leugnen.
Den Musterfall einer solchen Hysterie beschreibt der Dichter Aischylos im erhalten gebliebenen Mittelteil seiner Prometheus-Trilogie, Der gefesselte Prometheus. Für Hysteriker solcher Kategorien ist jede Äußerung schöpferischer Vernunft unter Angehörigen niederer gesellschaftlicher Klassen eine existentielle Bedrohung ihres Glaubens an die soziale Weltordnung, mit der sie sich identifizieren und als deren Teil sie sich fühlen. In der hochanschaulichen Prometheus-Trilogie werden die Gründe für den typischen Schwindel der „Newtonianer" gegenüber Keplers gründlich dokumentierter, ureigenster, in der Geschichte der neuzeitlichen Naturwissenschaft einzigartiger Entdeckung der universellen Gravitation sehr genau beschrieben. Würden sie die überwältigenden Beweise für Keplers Entdeckung akzeptieren, würde für sie ihre ganze Welt einstürzen: „Mein ganzes Lebenswerk wäre ruiniert!" (Oder schlimmer: „Dächte einer von meinen Kollegen, daß ich so etwas glaube, wäre meine Karriere quasi durch Lynchmord sofort beendet!")
Bei jenem typischen Professor oder anderen in dieser eben beschriebenen Kategorie von Schwindlern kann dieses Phänomen durchaus psychopathologisch in dem eben geschilderten Sinn sein. Aber während ein solches erbärmliches Verhalten individuell ist, ist es in diesem Fall auch institutionell, systemisch.
Mächtige Institutionen, wie insbesondere das Britische Empire, würden aus Verlust an Selbstachtung zerfallen, wenn die Wahrheit über Keplers Entdeckungen unter Akademikern und anderen Fachleuten allgemein anerkannt wäre. Oder anders gesagt: Der religiöse Glauben an den olympischen Zeus, sozusagen den Vater des gesamten europäischen Imperialismus, würde sich in Luft auflösen; die Hohenpriester von Babylon würden fallen, und das gesamte mit dem britischen System und seinen Vorgängern verbundene Glaubenssystem würde quasi vor unseren Augen für immer zusammenstürzen.
Man denke sich Newton als Cäsars Frau: „Entledige dich dieses Kerls (Kepler oder Leibniz), dessen bloße Gegenwart unseren angenommenen Glauben untergräbt." Oder man denke an das „Feuer" des Prometheus. Der olympische Zeus erkennt, daß das Prinzip des „Feuers" eine Realität ist, die seine imperiale Macht über leichtgläubige Untertanen bedroht. Deshalb will Zeus Prometheus bestrafen, weil der das Wissen über etwas weitergegeben hat, von dem Zeus weiß, daß es ein reales, wirksames Naturprinzip ist (so wie die Kernkraft heute).
Auf das gleiche Syndrom stößt man derzeit in der Beziehung von Prinz Philip zu seinem willigen Lakaien, dem früheren US-Vizepräsidenten Al Gore, der sich praktisch dem ultramalthusianischen Kult von Prinz Philips World Wildlife Fund verschrieben hat. Philip, Charles und ihr Lakai Gore lehnen wirkliche naturwissenschaftliche Praxis hysterisch ab und begehen sogar offenen Betrug an einfachsten wissenschaftlichen Tatsachen. Gore greift bei seinem Bemühen, echte Wissenschaft auszumerzen, sogar zu reinen Lügen.
Anders als seine leichtgläubigen Anhänger hat Gore selbst keine wirklichen Gründe für seinen Haß auf die Wissenschaft vorzuweisen; er gibt, wenn auch nur indirekt, zu, daß die von ihm verhaßte Wissenschaft eigentlich funktioniert. Wenn er das nicht glaubte, machte er sich in seinem hysterischen Versuch, deren Realität zu leugnen, zum größten Narren. Er leugnet im Grunde nicht, daß Wissenschaft existiert; er stellt eine Reihe angeblicher Fakten auf, um in betrügerischer Absicht zu behaupten, es sollte keine Wissenschaft geben und deren Ausübung deshalb verboten werden.
Solche plumpe Sophisterei bringt Gore als seine angeblichen Beweise für seine behauptete „wissenschaftliche Autorität" vor. Einige Leute glauben Gore nur, weil sie selbst korrumpiert oder einfach soweit verdummt sind, daß sie solchen Unsinn glauben wollen, nur weil sie unter ihren Freunden (praktisch Kannibalen) respektiert werden möchten. Gore hat niemals etwas wirklich Kompetentes vorgelegt, er ähnelt in wissenschaftspolitischen Fragen eher einem Opossum oder anderen Beuteltier, das unter die höheren Säugetiere gefallen ist und nun seine angenommenen beuteltieranalogen Gattungsinteressen gegen die bedrohliche Gegenwart von Säugetieren wie du und ich verteidigt.
An Gores „grüner" Pose ist nichts wesentlich Neues, was nicht schon Hermann Göring und andere Nazis in der Hinsicht ausgedrückt hätten, wie dies seit Ende der zwanziger Jahre im Film festgehalten wurde. Görings Nazisympathisanten unter führenden britischen Kreisen und auch reichen US-Finanzkreisen, die in den zwanziger und dreißiger Jahren die Hitler-Bewegung unterstützten, verkörperten die gleiche malthusianische Tradition wie Gore heute.
Oder man betrachte das höchst relevante Beispiel der Universität Harvard, wo immer wieder solche Angriffe auf die Wissenschaft geführt werden, schon seit den Tagen von Cotton Mathers Kampf gegen solche Korruption, oder später die Angriffe auf Alexander Dallas Baches positiven Einfluß auf die amerikanische Wissenschaft. Die heutige Variante der alten Amerikanischen Tories von Harvard zeigt sich allgemein im Einfluß einer starken anglophilen Korruption bezüglich wissenschaftlicher und anderer Ideen, ganz besonders seit der Zeit nach dem Mord an Präsident John F. Kennedy.
Der moralische Verfall an den heutigen führenden Universitäten und ihren Ablegern ist besonders spürbar, seit 1967-68 die nachindustrielle Wende der amerikanischen Volkswirtschaft begann.[sup]38[/sup] Die heutigen USA stehen in der Wirtschaftspolitik wie auch in der allgemeinen politischen und wissenschaftlichen Ideologie praktisch völlig unter der Kontrolle eines nachindustriellen, malthusianischen Wahnsinns, der an die Flagellanten in Europa im 14. Jahrhundert oder an Jonathan Swifts Karikaturen in seiner Reise nach Laputa erinnert.
Unsere Zivilisation steht heute vor einer inneren Bedrohung durch moralische und intellektuelle Korruption, die sich in der gesamten Ausrichtung der Universitäten ausdrückt und sogar das soziale akademische Leben übernommen hat. Dies hat auf die gesamte Lehre an den naturwissenschaftlichen Fakultäten der tonangebenden amerikanischen Hochschulen übergegriffen. In dem Maße, wie immer exotischere Auswüchse eines solchen Sammelsuriums überhand nehmen, ist die eigentliche Wissenschaft zunehmend nur noch als Kuriosität vertreten, nicht mehr als nationale Aufgabe.
Wissenschaft an diesen Universitäten ist zu einer Frage der Religion geworden, vor allem zu immer seltsameren Varianten des Heidentums. Solche Religionen, nicht die Wahrheit, bleiben zurück wie der biblische Ikabod als Überrest verstorbener Gelehrtenseelen.
Kurz, die führenden Kulturen der ganzen Welt, besonders die transatlantische Zivilisation, haben in der Hinsicht völlig den Verstand verloren und sind an dem Punkt, wo sie den gesamten Planeten in ein wahrscheinlich jahrhundertelanges oder noch längeres neues finsteres Zeitalter der Menschheit stürzen. Unsere Universitäten in Nordamerika und Europa sind lediglich in besonderer Weise typisch für diese tödliche Seuche des Verfalls, die jetzt noch den letzten Anschein von Zivilisation weltweit auszulöschen droht.
Die Sicht der Wissenschaft
Aber wir wollen unsere Aufmerksamkeit nun wieder dem Ausgangspunkt dieser gegenwärtigen Welle moralischen und intellektuellen Verfalls zuwenden: der Fälschung der Geschichte der neuzeitlichen Naturwissenschaft, auf die man heute an den führenden Universitäten und ähnlichen relevanten Stellen stößt. Diese heute vorherrschenden Dogmen beruhen nicht auf wirklicher Wissenschaft. Alles, was dafür spricht, daß man die Grundprinzipien wirklich fruchtbarer wissenschaftlicher Arbeit nicht einfach aus dem Geist der Menschen verbannen darf, wird vehement abgeleugnet. Statt dessen herrscht eine Art imperiale Kastengesellschaft, etwas ähnliches wie eine babylonische Priesterschaft. Die Tradition einer solchen Kastengesellschaft ist die des bösartigen Olympiers Zeus in Aischylos‘ Drama, welcher der breiten Bevölkerung das Wissen über den Umgang mit dem „Feuer" verbieten will.
Die Angriffe der Newtonianer und ihrer Gesinnungsgenossen auf Kepler sind schlicht und einfach Lügen. Mit diesen Lügen will man das verteidigen, was die herrschende Klasse der Wucherer der modernen imperialen Finanzwelt als „unseren (oligarchischen) Lebensstil" betrachtet. Es ist nicht der Mangel an Beweisen, der die Opfer der heutigen Bildung von der Kenntnis der Wahrheit fernhält, sondern eher die terroristische Drohung: „Es ist ganz schlecht für deine Karriere und überhaupt für deine Chancen im Leben", wenn jemand erwischt wird, der verbotene Inhalte verbreitet.
Um die Angelegenheit zusammenzufassen: Es ist nicht der Mangel an verfügbaren wissenschaftlichen Belegen, der verhindert, daß Albert Einsteins Sicht von Johannes Keplers Genie anerkannt wird. Das gegenwärtige Problem liegt ausschließlich im Einfluß des Britischen Empire auf seine Opfer in aller Welt, das in der Wissenschaft eine Diktatur im Geist von Aischylos‘ Zeus betreibt. Der Brite James Maxwell räumte das stillschweigend ein, als er seinen politisch motivierten wissenschaftlichen Betrug – nämlich die im Werk von Gauß, Weber, Dirichlet und Riemann gelieferten Tatsachen zu mißachten – mit diesen Worten begründete: „Wir" (wen immer er damit gemeint haben mag) werden nicht tolerieren, daß es irgendwelche anderen Geometrien außer „unserer" gibt.
Diese Obszönität Maxwells und anderer ist in der Geschichte nichts neues. Die Ordnung unseres Sonnensystems, mit Planeten und ihren Monden, die eine ralativ fixe Position der Sonne umlaufen, hat nach unserem bisher besten empirischen Wissen schon Aristarch von Samos herausgefunden. Aber dieses Wissen wurde später von Aristotelikern und anderen Ideologen beinahe ganz ausgerottet, indem z.B. der Aristoteles-Anhänger Claudius Ptolemäus das von Aristarch übermittelte Wissen für seinen berühmten Betrug mißbrauchte. Unter dem Einfluß des Römischen Reichs (und seines byzantinischen Nachfolgers) wurde dieser aristotelische Betrug des Claudius Ptolemäus zeitweise praktisch sogar eine Grunddoktrin des Christentums. Dieser politisch motivierte Mißbrauch des Christentums im Rahmen der berüchtigten Inquisition wurde im Interesse der führenden imperialen Traditionen sogar bis in die Neuzeit aufrechterhalten.
Diese Lüge des Claudius Ptolemäus gegen die bekannte wissenschaftliche Wahrheit, wie sie etwa Aristarch von Samos schon vor 250 v.Chr. dargestellt hatte, herrschte in Europa insbesondere unter dem Römischen und dem Oströmischen Reich und hielt sich bis ins 17. Jahrhundert und danach. Der Betrug lebt selbst heute noch weiter in Form der Lüge – auf die sogar führende Kreise der professionellen Wissenschaft hereinfallen -, der schlechte Plagiator Isaac Newton habe ein Prinzip der Gravitation entdeckt.
Die entsprechenden Beweise gegen Newton waren da, aber weil die herrschenden imperialen Kreise darin eine unbequeme Wahrheit sahen, wurden sie verboten; so unterdrücken maßgebliche Universitäten in Amerika und anderswo die von Kepler vorgelegten entscheidenden Beweise noch heute. Das Problem ist nicht, daß es keine Beweise gäbe, sondern daß diese Belege hinterhältig unterdrückt werden, obwohl sie experimentell bestätigt und über die von Kepler selbst veröffentlichten Werke leicht zugänglich sind.
Akzeptieren wir dagegen die längst bekannte Wahrheit in Form der verfügbaren wissenschaftlichen Beweise, dann sind wir gerüstet, uns der Frage der menschlichen Kreativität zuzuwenden, die hier unser Gegenstand war und bleibt.
Was ist dann Kreativität?
Albert Einsteins entscheidende Intervention zu dem hier behandelten Thema liegt vor allem in den drei Punkten, die er zur Bedeutung von Keplers ureigenster Entdeckung der universellen Gravitation für die heutige Wissenschaft hervorhob: Als erstes, daß Keplers Methode, wenn man die Natur und Bedeutung seiner Entdeckung dieses Prinzips vollständig versteht, die der Riemannschen Dynamik vorwegnimmt. Dann, daß Keplers Entdeckung, etwa in der Weltharmonik, den Begriff des universellen Naturprinzips vorausahnt. Drittens, daß erkannt wird, daß die Rolle des „wissenden Menschen" ihren Ursprung in solchem Wissen hat.
Für unsere Zwecke reicht es aus, auf Riemanns Habilitationsschrift von 1854 hinzuweisen, insbesondere auf die mutigen beiden ersten Absätze[sup]39[/sup] und ihren Schlußsatz,[sup]40[/sup] in dem in eleganter ironischer Form die Schlußstrophe von Goethes Gedicht Epiphanias[sup]41[/sup] anklingt. Hier, in diesen beiden Punkten am Anfang und Ende von Riemanns Dissertation, finden wir einen mutigen großen Bogen, wie er sonst nie auch nur annähernd mit solchem Mut und Klarheit von Geist und Seele öffentlich geschlagen wurde – nicht einmal von jenem Carl Gauß, dem Riemann ansonsten anerkanntermaßen so vieles schuldete.
Denn Gauß liefert seinem Leser so gut wie nie eine ausdrückliche Darstellung seiner eigentlichen Entdeckungsmethode; ich habe das auch kürzlich gegenüber meinen jungen Mitarbeitern betont, als ich vor einigen Monaten ihre Untersuchungen über Gauß und verwandte Arbeiten in Gang setzte. Gauß‘ Entdeckungen waren großartig, und seine Erklärungen dieser Entdeckungen waren plausibel, aber sie trafen nicht den eigentlichen Kern der Methode, mit der er dieses Resultat tatsächlich erreicht hatte. Gauß ist dafür zu entschuldigen, wenn man an die schrecklichen politischen Umstände denkt, unter denen er arbeiten mußte, etwa seit Lagrange im Auftrage Napoleon Bonapartes seine Vorlesungen hielt, und wenn man berücksichtigt, wie übel Wellingtons Laufburschen Laplace und Cauchy der Ecole Polytechnique in Frankreich mitspielten. Das war praktisch die gesamte Periode vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zu der berüchtigten Hexenjagd im von London beherrschten Göttingen, als er dort Professor war, und auch noch später, fast bis zum Ende seines Lebens.[sup]42[/sup]
Verglichen damit stürmt Gauß‘ Nachfolger Riemann als wissenschaftlicher Vollblutrevolutionär voran, mit einem klaren Bewußtsein der historischen Fragen, deren Bedeutung er offen und mutig darstellt.
Die Schöpfung und Genesis 1
Von der Konstruktion der Verdoppelung des Würfels durch Platons Freund, den Pythagoräer und Strategen von Syrakus Archytas, bis hin zu Nikolaus von Kues, Kepler und ihren Nachfolgern in der Neuzeit liegt der Kern der Sache immer darin, die Existenz des Ontologisch-Infinitesimalen experimentell nachzuweisen, so daß es der Entdeckung eines universellen Naturprinzips entspricht. Dieser Nachweis ist der Schlüssel zur richtigen Definition der Bedeutung des Schöpferischen (Kreativität) in der Wissenschaft und auch in der Kunst.
Es ist diese Vorstellung des Schöpferischen, die Zeus mit dem Wort „Feuer" bezeichnet und aus dem praktischen Wissen der Menschen verbannen will. Es ist dieses Ontologisch-Infinitesimale, das Betrüger wie de Moivre, D’Alembert, Euler, Lagrange, Cauchy und andere als etwas angeblich „Imaginäres" aus der Naturwissenschaft verbannen wollten. Dieses Leugnen der Existenz wahrer Kreativität in Wissenschaft und Kunst ist die typische Praxis von Materialisten, die sich an die Doktrin der Sinnesgewißheit klammern. Darum geht es Prometheus im Streit mit den bösartigen Göttern des römischen oder babylonischen Pantheons.[sup]43[/sup]
Mit dieser Beobachtung beginnt nun gleich die Behandlung des eigentlichen Themas, der Wissenschaft der physischen Ökonomie, vorher müssen wir nur eine kurze, aber wichtige Bemerkung einschieben.
Wie ich schon bei früheren Gelegenheiten betont habe, wird im ersten Kapitel des Buchs der Genesis etwas ausgedrückt, das für die Naturwissenschaft von außerordentlichem Interesse und dabei zutiefst ironisch ist: der Begriff der Schöpfung als Prinzip der Existenz. Wenn man einen Vortrag des Textes dieses Kapitels richtig hört und versteht, findet man in diesen Beschreibungen nichts, was mit der Sicht einer kompetenten modernen Naturwissenschaft nicht übereinstimmte.
Dabei muß allerdings eine wichtige Einschränkung gemacht werden, denn man darf diese Autorität, die dem 1. Buch Mose hier zuzuschreiben ist, in einer Hinsicht nicht mißverstehen; schon der Freund des Apostels Paulus, Philo von Alexandria, warnte die Juden davor, in dieser Frage die Lehre des Sophisten Aristoteles anzuwenden. Wenn wir die richtige Bedeutung des Begriffs „Schöpfung", wie man ihn auch in der naturwissenschaftlichen Praxis verwenden sollte, auf Genesis 1 anwenden, dann bedeutet er eine anhaltende Wirkung, keine bereits abgeschlossene. Die Schöpfung ist ein fortlaufender Prozeß – ein Gesetz des Universums -, der durch ein ständig wirkendes, aktives höchstes Prinzip vorangetrieben wird.[sup]44[/sup]
Die Gravitation, so wie Kepler ihre Eigenschaften nachwies, hat nicht den Charakter einer vollendeten Existenz, sondern den einer ständig weiterlaufenden universellen Schöpfung. Wie entsprechende Theologen sagen: Der Schöpfer wird dann bewußt eingreifen, wenn er sich dazu entscheidet.
Universelle Naturprinzipien existieren insofern als etwas mehr oder weniger Unsterbliches. Wenn die Menschheit diese Existenz des Universums erfolgreich erforscht und für sich nutzt, beruht das darauf, daß der Mensch verstanden hat, daß er in diesem Sinne unsterblich ist. Das schließt den Aspekt ein, daß die Schöpfung des Universums niemals abgeschlossen ist, weder ihrem Umfang nach, noch was ihre Prinzipien betrifft. Der Prozeß der Schöpfung läuft quasi von sich aus weiter, aber eben auch nach unserem – möglichst ehrfürchtigen – menschlichen Willen. Wenn der Mensch nicht handelt, wie er müßte, dann wird es so sein, als sprächen die Steine selbst.
Daß die Menschheit die einzige bekannte Lebensform ist, die durch ihr Handeln intelligent auf das Universum einwirken kann, ist in diesem Universum die wichtigste Tatsache, die einen kompetenten menschlichen Geist in die Lage versetzt, die Naturwissenschaft als Bereich sich entfaltenden und wirksamen Wissens zu definieren.
Eine Botschaft von Heraklit
Vom Werk des großen Heraklit kennen wir heute kaum mehr als einige Bemerkungen und Zitate bei späteren Autoritäten, wie etwa Platon. Aber wie sich aus Platons Dialog Parmenides herauslesen läßt, entbehrt es jeglicher Grundlage, diese Heraklit-Fragmente fälschlich nur als dunkle, obskure Anspielungen zu behandeln. Objekte existieren nur in Form der Bewegung, und die wesentliche wißbare Form dieser Bewegung besteht in den Änderungen der Existenzeigenschaften des Bewegten. Das ist sozusagen elementare Dynamik, wie sie die Arbeiten der Pythagoräer in der Sphärik und Platons definierten und wie sie von Gottfried Leibniz wieder auf eine zivilisierte Grundlage gestellt wurde, als er den Schwindel hinter dem wissenschaftlichen Anspruch des Rene Descartes aufdeckte.
Leibniz ist daher der einzige Gründer einer modernen Wissenschaft der physischen Ökonomie, weil er in den neunziger Jahren des 17. Jahrhunderts in seinen Abhandlungen über die Dynamik das wesentliche Prinzip dahinter darstellte.
Der Begriff spezifisch dynamischer Veränderung ist unter den Grundvorstellungen einer kompetenten physischen Wirtschaftswissenschaft die wesentliche. Der Leibnizsche Kalkulus ist ein elementarer Ausdruck des Grundprinzips einer angewandten Wissenschaft der physischen Ökonomie. Sonst findet sich dieser Begriff in seinem Werk auch in seinem Nachweis eines universellen Prinzips der geringsten Wirkung, wenn er den Schwerpunkt weg von der Zykloide in seiner früheren Korrespondenz mit Christiaan Huygens auf die Entdeckung einer tieferen Bedeutung der Kettenlinie verlagert, wie sie von Filippo Brunelleschi und Leonardo da Vinci behandelt wurde. Dieses Prinzip der geringsten Wirkung, wie es Pierre de Fermat gegen den Betrüger Descartes entwickelte, ist heute noch genauso wesentlich wie damals für Huygens und Leibniz bei ihrer Zusammenarbeit in Paris.
Daher ist die wichtigste Kontroverse in neuzeitlichen Arbeiten zur Wirtschaftswissenschaft, die heute noch andauert, die zwischen den Begriffen, die sich von Descartes‘ reduktionistischen Sophismen ableiten, und Leibniz‘ Wissenschaft der physischen Ökonomie. Die zentrale Frage liegt dabei in der Definition der Dynamik. Alle heute gängigen Wirtschaftslehren, die marxistische eingeschlossen, leiten sich von kartesischen Vorläufern ab, u.a. gegen Leibniz gerichtete Schwindel wie die von de Moivre, D’Alembert, Euler, Lagrange, Laplace, Cauchy, Clausius, Grassmann etc., während das Amerikanische System der politischen Ökonomie, wie es mit dem Werk des US-Finanzministers Alexander Hamilton verbunden ist, ein Nachhall von Leibniz ist.
Die entscheidende Frage in diesem Bereich ist die der Dynamik, in dem Sinne, wie die Dynamik das berühmte Zitat des Heraklit umspannt. Die ontologische Aktualität dynamischer geordneter Veränderungen innerhalb von Abläufen, die man in ihrer Gesamtheit betrachtetet – in dem Sinne, wie Leibniz hier Descartes‘ Betrug aufdeckte -, das ist der dringend benötigte Schlüssel zur Reform der ansonsten derzeit unrettbaren Weltwirtschaft.
Wie Albert Einsteins Charakterisierung des Werks von Kepler impliziert, ist die Entdeckung einer selbstevidenten Existenz eines universellen Naturprinzips der Gravitation – so wie deren wesentlicher Aspekt im Hauptthema von Keplers Weltharmonik zum Ausdruck kommt – typisch für das Wesen wahrer menschlicher Kreativität. Man findet die gleiche Qualität geistiger Aktivität (wiederum hinsichtlich der Harmonik) aber auch in den Werken von Johann Sebastian Bach und seinen wichtigsten Nachfolgern wie Wolfgang Mozart und Ludwig van Beethoven.[sup]45[/sup]
V. Politische Ökonomie
Nachdem jetzt diese einleitenden Fragen in den vorigen Kapiteln geklärt wurden, sind wir gerüstet, um die politischen Grundelemente einer modernen Realwirtschaft zu behandeln. Wir sehen darin die Anwendung der in den vorigen Kapiteln untersuchten Konzepte auf eine reale Gesellschaft der Gegenwart oder die moderne Welt als Ganze.
Das wesentlichste physikalische Prinzip, unter dem andere Elemente des vor uns liegenden Gegenstands eingeordnet werden sollten, ist das Verhältnis zwischen der Rate der Erschöpfung der bisher erreichten physischen und verwandten Lebensumstände in einer Gesellschaft und dem Wert der komplexen Funktion steigender Produktivität pro Kopf und Quadratkilometer Gesamtfläche, der erforderlich ist, um diese Rate auszugleichen. Damit wird zunächst einmal lediglich verhindert, daß die kombinierten Ressourcen, auf denen die bisher erreichte reale Produktivitätsrate beruhte, tatsächlich erschöpft werden. Diese sicher breit gefaßte, aber unbedingt erforderliche erste Vorstellung bietet dann eine Ausgangsbasis für die Bestimmung einer Rate echten Wachstums der Noosphäre im Verhältnis der Biosphäre, bei der jedoch der reale Pro-Kopf-Wert der Biosphäre relativ zur wachsenden Gesamtbevölkerung nicht sinkt.
Im wesentlichen geht es um die Wirkung jeder individuellen Handlung auf einen Wert pro Kopf und pro Quadratkilometer, der sich nur aus dem Prozeß als ganzen bestimmen läßt. Letztlich gibt es keinen anderen kompetenten Begriff von „Wert" als dieses Verhältnis der einzelnen Handlung zu dem Gesamtprozeß, innerhalb dessen sie stattfindet und den sie beeinflußt.
Genau aus diesen Gründen gibt es kein realwirtschaftliches „Modell", das auf Grundlage eines „realen Nullwachstums" existieren könnte.
Welche Wachstumsrate eine Gesellschaft braucht, um weiterzubestehen, ergibt sich aus der Erschöpfung der bisher genutzten Ressourcen, zu der es bei jeder Bevölkerungsdichte der menschlichen Gattung, die deutlich über jener der Menschenaffen liegt, kommen muß. Die menschliche Fähigkeit, zu produzieren, muß pro Kopf und pro Quadratkilometer zunehmen, und zwar durch eine kulturelle Evolution, die auf einem Faktor der Kreativität beruht, der bei keiner anderen Art außer dem Menschen vorhanden ist. Jede kompetent definierte Funktion für eine kulturell überlebensfähige menschliche Bevölkerung bezieht sich auf eine Politik, die in der Praxis zu einer Zunahme der potentiellen relativen Bevölkerungsdichte pro Quadratkilometer durch Erfindungen für wissenschaftlichen und technischen Fortschritt führt.
Zum Beispiel: Die reale Wachstumsrate der potentiellen relativen Bevölkerungsdichte pro Kopf und pro Quadratkilometer ist das grobe physikalische Maß, um relativen wirtschaftlichen Wert zu definieren. Die Zusammensetzung der daran beteiligten Elemente, die unter dieser Vorstellung zusammengefaßt sind, bildet die wesentliche, ziemlich revolutionäre Besonderheit des Prinzips der physischen Ökonomie, das ich in den fünfziger Jahren mit der von mir gesuchten Orientierungshilfe durch Bernhard Riemann gefunden habe.[sup]46[/sup]
Die Verhältnisse, die in der Praxis diesem angeführten Leistungsstandard entsprechen, sind dynamisch im Sinne eines Riemannschen Dynamikbegriffs, der in Leibniz‘ spezifisch anticartesischem Verständnis von Dynamik wurzelt. Der Entwurf eines praktisch verwendbaren Begriffs, welche Eigenschaften des menschlichen Individuums dieser Aufgabe gerecht werden, während keine Tierart dies kann, ist entscheidend für die Definition des funktionellen Begriffs einer erfolgreichen Gesellschaftsform.
Um irgendeine Gesellschaft als physische Volkswirtschaft praktisch zu untersuchen, muß man alles zusammenbringen, was dazu beiträgt, daß diese grob definierten Parameter an Anforderungen erfüllt werden. Bei der kompetenten Anwendung in der täglichen Realität müssen wir uns stets auf Konzepte stützen, die halbwegs vernünftige Annäherungen an diese allgemeine Vorstellung sind: einer Zunahme der potentiellen relativen Bevölkerungsdichte pro Kopf und pro Quadratkilometer der Erdoberfläche oder eines entsprechend großen Teils davon, etwa eines Staatsgebiets.
Um die einzelnen Elemente dieses eben kurz dargestellten allgemeinen Prinzips und auch das damit verbundene Prinzip willentlichen menschlichen Handelns, durch das diese allgemeinen Randbedingungen erfüllt werden, tatsächlich zusammenzubringen, muß man von einem entsprechenden allgemeinen Prinzip menschlicher kognitiver Verständigung ausgehen; dieses gibt es nur außerhalb der Grenzen der sogenannten „Informationstheorie" von Russellschen Nachläufern wie Professor Norbert Wiener und John von Neumann. Mit anderen Worten, wir beginnen mit dem Konzept klassischer Ironie, wie es in jeder Dichtung (jenseits aller anderen Modalitäten), der klassischen Musik und dem klassischen Drama einerseits und der heutigen Riemannschen Physik andererseits enthalten ist. Deswegen müssen wir hier zu dem scheinbaren Paradox menschlicher wissenschaftlicher Kreativität zurückkommen.
Dichtung als Wissenschaft
An dieser Stelle muß ich etwas äußern, was die meisten meiner Leser als Schock empfinden werden. Es kann aber nur eine kompetente Wirtschaftswissenschaft geben, wenn diese schockierende Korrektur vorgenommen wird.
Abgesehen von Popularisierungen, die im Grunde nicht besser sind als Altweibergeschwätz, sollte es eigentlich jedem, der sich in den Naturwissenschaften auskennt, zu Bewußtsein gekommen sein, daß man wirkliche wissenschaftliche Ideen niemals explizit in mathematischen Begriffen ausdrücken kann. Bestenfalls lassen mathematische Formulierungen die Schatten wirklicher Ideen erahnen. Zugang zu diesen Ideen findet man oft nur durch etwas, was dem Neuling wie eine „poetische" Interpretation solcher Schatten erscheinen mag. Am besten läßt sich diese Frage für unsere Zwecke hier verdeutlichen, indem man die Aufmerksamkeit des Lesers auf die Frage lenkt, wie Johannes Kepler Wahrnehmungen zweier gegensätzlicher Sinne, in dem Fall Sehen und Hören (Harmonie), ironisch nebeneinander stellte, um daraus die Gravitationswirkung unter den Körpern des Sonnensystems abzuleiten.
Wendet man die Mathematik in der Naturwissenschaft kompetent an, so erhält man nicht mehr als einen Nachweis der Realität, wie diese in Form des mathematisch Dargestellten ihren Schatten wirft. Und wenn man wirklich kompetent ist, verabscheut man es, wenn die statistische Interpretation des Reduktionisten als Realität hingestellt wird, während der vermeintlich reale Gegenstand tatsächlich nur eine Projektion und ein Schatten der Wirklichkeit ist.
Aus diesem Grund bilden die klassische Musik – in der Tradition von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven, besonders seine späten Quartette – und die klassische Dichtung auf der Grundlage ähnlicher Prinzipien den Geisteszustand, den wir heute für die Naturwissenschaft am dringendsten benötigen. Das ist der Geisteszustand Keplers, als er die naturwissenschaftlichen Grundlagen für jede kompetente, antireduktionistische Wissenschaft der Neuzeit schuf. Und tatsächlich ist umgekehrt auch eine gehörige Achtung vor der wissenschaftlichen Bedeutung, die Leonardo da Vinci, Bach, Mozart und Beethoven der Musik beimaßen, ganz unerläßlich, um die größten musikalischen Kompositionen zu verstehen.[sup]47[/sup]
Aus dem, was ich eben geschrieben habe, sollte auch hervorgehen, daß wir ein genaueres Verständnis des Begriffs „menschliche Kreativität" entwickeln müssen, besser als die üblichen Varianten salopper, sentimentaler Rhetorik, die gewöhnlich zu dem Thema geäußert werden.
Man kann sich dem richtigen Begriff zum Zwecke der weiteren Diskussion annähern, indem man die Tatsache herausstellt, daß kein geschriebener Text und keine Rede in der Art von Sprachcomputern oder „ohne Punkt und Komma reden" irgendeine bedeutende menschliche Idee angemessen wiedergeben kann. Eine solche Sprache ist bestenfalls ein Mittel, um auf ein Sinnesobjekt aufmerksam zu machen, aber nicht, um sinnvolle Vorstellungen irgendwelcher Abläufe zu vermitteln.
Das wesentliche Kennzeichen jeder gebildeten Kommunikation über etwas, was den hohen Anspruch einer „Idee" erfüllt, ist die Ironie, wie sie mit der klassischen Dichtung und Musik verbunden ist. Diese Ironie schwebt nur wie eine Art Schatten über dem geschriebenen Text als solchem; um sie beim Sprechen auszudrücken, bedarf es dann sinnvoller Pausen und ähnlichem. Dies unterliegt auch den allgemeinen Grundsätzen der klassischen Prosodie, die damit zusammenhängen, wie eine belcanto-geübte Singstimme beim Sprechen benutzt wird.[sup]48[/sup]
Nur diese klassischen Medien, und nicht die Fußabdrücke, die wir mathematische Formeln nennen, vermitteln einen menschlichen Geist, der in Bewegung ist. Es ist eine nichtmathematische Sprache des menschlichen Geistes, durch die die Kreativität spricht; durch sie faßt sie ihre Absichten und schafft ein Ergebnis, das sich mit Hilfe physikalisch-mathematischer Veranschaulichungen mitteilen läßt.
Das eben dargelegte Argument ist für uns hier von wesentlicher Bedeutung, weil die aktive Rolle der Kreativität in der Volkswirtschaft immer nur mit Ideen zusammenhängt, die in der eben dargestellten Weise gefaßt und ausgedrückt werden. Das Noetische ist poetisch. So und nicht anders arbeiten die schöpferischen Kräfte des menschlichen Geistes, wenn sie arbeiten.
Betrachten wir die erste Phase von Johannes Keplers Entdeckung der universellen Gravitation in Die neue Astronomie. Wie Nikolaus von Kues gewarnt hatte, ist die archimedische Vorstellung, der Kreis werde durch die Quadratur erzeugt, naturwissenschaftlich absurd. Der Umstand, daß die Rate der Bahnbewegung „gleiche Fläche = gleiche Zeit" ist, verbietet jeden Quadraturbegriff bzw. jede lineare Vorstellung überhaupt. Es herrscht ständige Veränderung, aber eine Form der Veränderung, die – wie Kepler betont und Albert Einstein später hervorhob – einem bestimmten universellen Naturprinzip entspricht: einem Prinzip des Universums, einer Vorstellung, die es im Denken des Empirismus, Positivismus usw. gar nicht gibt. Die Wirkung eines universellen physikalischen Prinzips können wir darstellen, aber das Prinzip selbst läßt sich nicht mathematisch definieren; beschreiben läßt sich nur seine gesetzmäßige Wirkung auf den entsprechenden Gegenstand.
Hier, in dem höheren Bereich jenseits jeder formalen mathematischen Deduktion oder Induktion, stoßen wir auf die geistige Aktivität des Menschen, welche die Idee eines experimentell bestätigten universellen Naturprinzips erzeugt, eine Erkenntnis, die dann auf den mathematischen Bereich angewandt werden kann. In einem mathematischen System ist keine Kreativität, vielmehr wirkt diese auf ein mathematisches System ein, um es zu verändern. Hier und nicht in der Mathematik als solcher liegt eigentlich die spezifisch menschliche Kreativität. Dies gilt auch für alle Äußerungen wirklicher menschlicher Kreativität in Poesie, Musik und Drama sowie der richtig ausgeübten Naturwissenschaft. Keine Maschine – und auch kein Mathematiker – entdeckt Prinzipien; das geschieht nur über die einzigartigen schöpferischen Geisteskräfte des Menschen, wie wir sie – wie es Leonardo da Vinci tat – mit klassischer Ironie in Poesie, Musik und Drama verbinden.
Zur Verdeutlichung: Kepler
Um bei Keplers Entdeckungen über den Aufbau unseres Sonnensystems fortzufahren: Wir betonen noch einmal, daß Keplers Entdeckung der elliptischen Erdbahn wie auch des harmonischen Prinzips der Gravitation in der Anordnung des Sonnensystems das moderne Paradigma für naturwissenschaftliche Kreativität ist. In beiden Fällen ist die Ironie klar dargestellt, auch wenn einfältige Studenten und die dazu passenden Professoren das nicht begreifen – wahrscheinlich weil ihnen die Fähigkeit fehlt, „tiefe und leidenschaftliche Konzepte über Mensch und Natur zu empfangen und weiterzugeben", wie es der Dichter Shelley formulierte.[sup]49[/sup]
Was diese bedauernswerten Studenten und ihre Professoren nicht begreifen, ist die harmonische Funktion klassischer Ironie. Sie neigen dazu, eine bloße mathematische Formel oder ein erläuterndes Schaubild mit der eigentlichen Vorstellung des entsprechenden Prinzips zu verwechseln. Anstatt den mathematischen Ausdruck als versuchte Annäherung, als Schatten der eigentlichen Realität zu behandeln, wird die Realität der Idee zum schlechten Annäherungsversuch an die mathematische oder vergleichbare Illustration.
Diese Überlegung ist nicht neu, beispielsweise im Hinblick auf die kompetente Wissenschaft der Antike. Wenn das, was ich eben zu dieser Frage geschrieben habe, im heutigen akademischen und verwandten Leben nicht leicht akzeptiert wird, ist das fast ausschließlich eine Folge der hirnrissigen Gewohnheiten des gängigen Gymnasial- und Universitätsunterrichts, dessen Lehrbuchmethode schon an sich ein getreues Abbild der Ockhamschen Lehre von Paolo Sarpis reduktionistischem Empirismus ist.
Es sollte bereits aus Keplers erfolgreicher Definition der grundsätzlich „nichtlinearen" Merkmale der Planetenbahnen und dann auf einer höheren Ebene des Gravitationsprinzips in der Weltenharmonie deutlich werden: Erkennen und ausdrücken lassen sich wirksame physikalische Prinzipien nur in dem Bereich, den man „Erkenntnis" oder „Einsicht" nennt, der außerhalb der Grenzen jeglicher formal-mathematischer Darstellung liegt. Am relativ zugänglichsten ist er in Form klassischer poetischer Ironie im allgemeinen und der Metapher im besonderen.[sup]50[/sup] Die klassische Dichtkunst ist die eigentliche „Heimat" mitteilbarer schöpferischer Produkte des menschlichen Geistes.
Jeder fortgeschrittene Student (insbesondere), der Arbeiten in der mathematischen Physik wirklich gemeistert hat, wird verstehen, daß schöpferische Erkenntnisse gleichsam ontologisch „außerhalb" der Grenzen einer Symbolik mathematischer Darstellungen liegen. Er bringt solche nicht-mathematischen Erkenntnisse ins Spiel, um die tiefere Bedeutung hinter der mathematischen Form zu erfassen – das, was sie eigentlich sagen will. Dies gilt ganz besonders bei allen wissenschaftlichen Überlegungen zu schöpferischen Erkenntnissen in der Naturwissenschaft oder ernsthaften Werken der klassischen Kunst. Ein Beispiel von vielen dabei ist der Unterschied zwischen einem überlegten und einem bloß formalen Einsatz des Rubato bei musikalischen Aufführungen. Der überlegte Einsatz „sagt" dem menschlichen Geist etwas wesentliches, während der willkürliche Gebrauch eigentlich nichts besseres als Graffiti ist.
Der Feind der Menschheit
Um weiter zu gehen, als wir in den Anfangsseiten dieses Kapitels gekommen sind, müssen wir uns damit befassen, welches miserable Element heute noch die Gesellschaften auf der Welt beherrscht. Praktisch sind nämlich bisher alle bekannten Kulturen der Menschheit in der Geschichte, und soweit wir sie kennen, auch der Vorgeschichte, geprägt von einer systematischen „Verdummung" der Bevölkerungsmehrheit und von einer Verderbnis der herrschenden Schichten, wie sie mit den Folgen einer solchen Unterwerfung der Mehrheit durch eine als herrschend geltende kulturelle Minderheit einhergeht.
Ein Beispiel. Die Astronomie und die damit zusammenhängenden Sternen- und Sonnenkalender wurden auf eine Art und Weise entwickelt, wie dies für Seefahrerkulturen und nicht für reine Landkulturen typisch ist, was zeigt, daß die antiken Seekulturen zu diesem Grad kulturell höher standen und die Hauptquelle der zivilisatorischen Entwicklung bildeten. (Schließlich stammen alle kompetenten Entwicklungen dessen, was wir als „Wissenschaft" bezeichnen können, aus dem astronomischen Begriff des „Universellen".) Aber immer wieder haben bestimmte soziale Schichten diese aus der Seefahrt stammende überlegene Technik dazu mißbraucht, die Mehrheit der Bevölkerung ihrer Herrschaft zu unterwerfen, so wie es das maritime Weltreich der Briten und seine Vorläufer taten. Das demonstriert schon ein Maß an moralischer Verderbnis der Kulturen, die auf diese Weise herrschen. Die anglo-holländisch-liberale Form der Seefahrtkultur würdigte sich moralisch und auf andere Weise selbst herab, indem sie ihren kulturellen Vorteil als Hebel mißbrauchte, um die unterworfene Bevölkerung und auch ihre eigene sogenannte Unterschicht zu entmenschlichen. Das waren dann praktisch die „Yahoos", wie sie Jonathan Swift wahrnahm, das Zeichen eines Verfalls der britischen Gesellschaft, die durch ihre „Ritter" („Houyhnhnms") in die intellektuelle und moralische Dekadenz des Liberalismus gestürzt wurde.[sup]51[/sup]
Der entscheidende Punkt bei all dem liegt nahe, wenn man an die Bedeutung der individuellen Kreativität für das Funktionieren der Gesellschaft als ganzes denkt. Ein besonders anschauliches Beispiel ist hier der Verfall der physischen Volkswirtschaften in Nordamerika, West- und Mitteleuropa in den letzten 40 Jahren von 1968 bis 2008.
In den Vereinigten Staaten im besonderen sind dabei folgende Faktoren besonders bemerkenswert. Erstens ist über diesen gesamten Zeitraum die Masse der Grundinfrastruktur der Wirtschaft immer weiter netto geschrumpft, ohne daß Ersatz geschaffen wurde. Hinzu kommt seit Anfang der siebziger Jahre ein katastrophaler Rückgang der realen Arbeitsproduktivität pro Kopf und pro Quadratkilometer. Ein ähnlicher Verfall ist charakteristisch für West- und Mitteleuropa, ganz besonders seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion, auf den in den neunziger Jahren mit der Politik, die Großbritannien und François Mitterrands Frankreich anfingen und die USA unter George Bush senior aufgriffen, ein systematischer Ausverkauf folgte.
Die wichtigsten, noch heute wirkenden Faktoren bei diesem Niedergang waren 1. der Wechsel zum „nachindustriellen" Trend bei Investitionen und Beschäftigung seit dem katastrophalen Ruin der US-Binnenwirtschaft unter der von David Rockefellers Trilateraler Kommission gesteuerten Regierung Carter 1977-81; und 2. der Wechsel zur „Globalisierung", den die britische Regierung unter Premierministerin Margaret Thatcher mit dem französischen Präsidenten François Mitterrand als Komplizen durch den Maastricht-Vertrag in Gang setzte.
Um es kurz zu machen, die transatlantische Bevölkerung wurde zu einem schon jetzt wirtschaftlich katastrophalen Grade „verdummt". In den Vereinigten Staaten breitet sich ein immer schlimmeres funktionales Analphabetentum aus, und die massiv verdummte und computergeschädigte Bevölkerung im Alter zwischen 18 und 25 Jahren läßt an der Hoffnung auf die Zukunft der Nation zweifeln. Der Anteil an ehemaligen Arbeitskräften, die noch eine Kompetenz in produktiven Berufen besaßen, schwindet durch Tod und anderen natürlichen Abgang. Unsere Universitäten haben sich in dieser Hinsicht in wahre Katastrophengebiete verwandelt, während in den Grund- und weiterführenden Schulen eine Politik unter [G.W. Bushs Motto] „kein Kind darf zurückbleiben" die Bildung an sich so primitiv gemacht wurde, daß immer mehr Schüler einfach geistig völlig versagen.
Die schlimmsten Folgen stehen hier auf einer Ebene mit dem praktisch gehirnwäscheartigen Einfluß der gegenwärtigen „Umweltschutz"-Sekten.
Sämtliche Faktoren gesellschaftlicher Dynamik, die Einfluß auf die Wachstumsrate der realen Nettoproduktion pro Kopf und pro Quadratkilometer haben, wurden so verändert, daß sie nach unten weisen. Die Folge ist, daß die reale, physische Produktion auf der Welt, von der das Überleben der Weltbevölkerung abhängt, unter das Niveau gefallen ist, das erforderlich wäre, um eine Bevölkerung von annähernd dieser Größe für die gegenwärtige Generation, also etwa die nächsten 20 Jahre, zu erhalten. Die Welt als ganze erlebte einen langfristigen Übergang von einem physischen Nettowachstum in der Zeit vor 1967-71 hin zu einem Zusammenbruch an Umfang und Qualität der Infrastruktur pro Kopf und pro Quadratkilometer, so daß heute nicht einmal eine Weltbevölkerung der derzeitigen Größe erhalten werden kann.
Der wichtigste Faktor, auf den man seine Aufmerksamkeit richten muß, ist die potentielle Produktivität des einzelnen Mitglieds der erwachsenen aktiven Erwerbsbevölkerung. Eine gut ausgebildete und insgesamt angemessen beschäftigte Bevölkerung kann trotz aller Mängel Wachstumsschübe der potentiellen relativen Bevölkerungsdichte erzeugen, so wie es z.B. in Amerika unter Präsident Franklin Roosevelt der Fall war. Dies gilt auch, wenn große Teile der Bevölkerung keine auffallende wissenschaftliche oder künstlerische Kreativität an den Tag legen, aber doch die Fähigkeit besitzen, die von relativ wenigen kreativen Köpfen vollbrachten Entdeckungen aufzunehmen und anzuwenden.
Nicht das Lernen bestimmt den Fortschritt, sondern die Kreativität. Dabei wird der Nutzen der Kreativität für die Bevölkerung nicht nur durch die verhältnismäßig wenigen Menschen umgesetzt, die wirklich schöpferisch im Sinne der Wissenschaft oder der klassischen Kunst sind, sondern auch durch die Mitwirkung des größeren Teils der Bevölkerung, der fähig ist und in die Lage versetzt wird, sich an der Ausbreitung und Nutzung dieser schöpferischen Beiträge zu beteiligen.
Dieser Fortschritt erfordert allerdings Kapitalverbesserungen des produktiven Potentials pro Kopf und Quadratkilometer sowie Verbesserungen der grundlegenden wirtschaftlichen Infrastruktur, welche die reale Arbeitsproduktivkraft pro Kopf und pro Quadratkilometer erhöhen. Die große Überlegenheit moderner Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnen und Magnetschwebe-Verkehrssysteme gegenüber dem Straßenverkehr und die gewaltige Überlegenheit der Kernkraft (pro Kopf und pro Quadratkilometer) gegenüber primitiveren Energiequellen bei gleicher Anzahl erzeugter Kalorien sind wichtige Illustrationen dieses Punktes.
Aber selbst wenn man diese allgemeinen Wahrheiten berücksichtigt, bleibt immer noch die Notwendigkeit, klarer verständlich zu machen, wie die individuelle Kreativität an sich funktioniert.
Der kreative Geisteszustand
Der kreative Geisteszustand eines individuellen Menschen kommt, wenn er vorhanden ist, vor allem auf zwei Ebenen zum Ausdruck. Der eine, höchste, für den Keplers Werk und Albert Einsteins Verständnis dieses Werks typisch sind, ist derjenige, der mit dem Vorgang der ersten Entdeckung (oder der Neuentdeckung) eines universellen Naturprinzips verbunden ist. Solche Fälle waren bisher relativ selten. Für den zweiten, häufigeren Fall steht der einsichtsvolle Mensch, dessen Handeln darauf beruht, daß er sein Verständnis des geistigen Nachvollziehens früherer Entdeckungen von Prinzipien ständig weiterentwickelt und daß er weiß, daß die praktischen Verhältnisse im Universum durch die bisher vorhandenen Entdeckungen solcher Prinzipien begrenzt werden.
In beiden Fällen hat der Betreffende für angeblich „selbstevidente" Folgerungen aus menschlichen Sinneswahrnehmungen, wie etwa die der Elemente des Euklid, nur Verachtung übrig.
Im ersten Fall fühlen sich die herausragenden Wissenschaftler als Ergänzung zu ihrem geistigen Leben als kreative Forscher auch fast immer stark von der klassischen Kunst in verschiedener Form angezogen, insbesondere von der klassischen Musik. So war es etwa bei dem Wissenschaftler und sehr fähigen Amateurgeiger Albert Einstein, der vor Adolf Hitlers Machtübernahme einen Gottesdienst in der großen Synagoge von Berlin begleitete. Nach meiner persönlichen Erfahrung zeigt jemand, der ein Wissenschaftler sein will oder ernsthaft werden möchte, der aber keine enge Bindung an die klassische Kunst und besonders die klassische Musik spürt, meist schon bald schwere Mängel in seinem wissenschaftlichen Denken. Für den großen oder beinahe großen wissenschaftlichen Geist sind die Loyalitäten zur Wissenschaft und zur klassischen Kunst untrennbar miteinander verbunden. Man kann die Regel, die hier zum Ausdruck kommt, vielleicht so zusammenfassen: Wahre menschliche Kreativität ist niemals feindselig gegen sich selbst.
Wenn man das als Ausgangspunkt nimmt, sollte es im Prinzip nicht schwer sein, auszumachen, wo die Ursachen des moralischen Verfalls der Maßstäbe in Wissenschaft und Kunst in Amerika und Westeuropa in der Zeit seit Präsident Franklin Roosevelt liegen. Eindeutig bösartige Figuren wie Aleister Crowley, H.G. Wells und Bertrand Russell stehen beispielhaft für die Einflüsse, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Mussolinis und Hitlers hervorbrachten. Russell, seine Klone Norbert Wiener und John von Neumann und pro-satanische Existentialisten wie Theodor Adorno und Hannah Arendt, die anglo-amerikanischen Operationen um den Kongreß für kulturelle Freiheit in Frankreich und anderen europäischen Ländern waren die wichtigsten Einflüsse in dem allgemeinen kulturellen Niedergang. Der zunehmende geistig-moralische Verfall in unseren Institutionen und in der sogenannten populären Kultur ist dann eng verbunden mit dem Verfall in Naturwissenschaften, Kunst und Moral bei den sogenannten „68ern", deren Einfluß seit damals in den wichtigsten Institutionen Europas und Nordamerikas immer mehr vorherrschend wurde.
Typische warnende Anzeichen für diesen moralischen und intellektuellen Abwärtstrend nach dem Zweiten Weltkrieg waren der radikale Reduktionismus des „Kybernetik"-Projektes der Josiah Macy Foundation und der damit verbundene schädliche Einfluß der Opfer der Professoren Norbert Wiener und John von Neumann. Die Informationstheorie verdrängte die Wissenschaft, und statt Musik gab es die Auswüchse der Experimente mit Nichtmusik in den vierziger Jahren, wie beispielsweise Kompositionen für sog. „präpariertes Klavier".
Der reale Niedergang unserer transatlantischen Kultur, unter dem die Bevölkerung auf beiden Seiten des Atlantiks und anderswo heute so schrecklich leiden muß, ist die Frucht eines Baumes von existentiellem Irrationalismus. Wahre Wissenschaft, wahre Kunst und die Tradition des Amerikanischen Systems von Präsident Franklin Roosevelt und seinen Vorläufern in der Politik wurde Schritt für Schritt verdrängt. Der Irrationalismus setzte sich in den politischen Entscheidungen der amerikanischen Bundesregierungen durch, und so wurde die anscheinend herrschende Mehrheit der Superreichen und ihrer Speichellecker dazu verleitet, den derzeitigen transatlantischen Marsch in die Hölle eines neuen finsteren Zeitalters anzutreten.
Indem man Dinge wie das Urinieren auf einem belebten Bürgersteig als „Kunst" verkaufte und Travestien vergleichbaren Ursprungs als geistigen Ausdruck des Zeitgeschmacks bezeichnete, ging unsere Gesellschaft, jedenfalls ein sehr bedeutender und einflußreicher Teil von ihr, einen Weg der Rückentwicklung zur Nicht-Kreativität. Das hat heute den ganzen Planeten an den Beginn einer Reise in ein planetares neues finsteres Zeitalter über mehrere Generationen geführt.
Die Kreativität selbst – wahre, menschliche Schöpferkraft, wie ich sie hier definiert habe -, zeigt den wahren Unterschied zwischen Mensch und Tier und zwischen einem moralischen Bürger und einem typisch verkommenen Existentialisten.
Eine große Nation zeichnet sich nicht durch ihre gerade populären Meinungen aus, sondern durch die Entschlossenheit, durch schöpferische Neuerungen über diese Ebene hinauszukommen. In dieser Hinsicht ist Kreativität kein Mittel zu einem Zweck, sondern sie ist ihrem Wesen nach schon an sich ein unsterblicher Zweck. Man schöpft große Kunstwerke, weil sie große Kunstwerke sind. Das Motiv dafür, die Wohltaten des wissenschaftlichen Fortschritts zu fördern, ist eine Leidenschaft für wissenschaftliche Entdeckung und den Fortschritt an sich. Wenn wir wirklich menschlich in unserer Hingabe für die Menschheit sind, tun wir sterblichen Wesen diese Dinge, weil sie gut sind – weil das Gute schöpferisches Handeln wachruft und immer zum Fortschritt führt.
Jawohl, wir stellen uns große Aufgaben, als wäre eine solche große Mission eine Form der Kunst, die jede Generation als Ausdruck ihres Bedürfnisses, Gutes für künftige Generationen zu tun, für sich selbst neu entwickeln sollte. Aber wie Cotton Mather sagte, tun wahre Bürger „Gutes" nicht, „weil ich dies oder jenes erreichen will", sondern wir finden im wesentlichen das Gute in uns selbst, um in unserer Zeit etwas zu leisten, was der Nachwelt zum Vorteil gereicht.
Es sind nicht mathematisch gesetzte Ziele, die den Fortschritt bewirken – es ist die Liebe zur Menschheit und zu ihren natürlichen schöpferischen Fähigkeiten, wie sie in dem gemeinsamen Prinzip, das Komposition in der klassischen Kunst und im naturwissenschaftlichen Fortschritt zu einer einzigen Leidenschaft verbindet, zum Ausdruck kommen. Wenn man nicht wie ein klassischer Künstler denkt, ist man kein wirklicher Wissenschaftler; und wenn ein Künstler sich nicht dem Nutzen der Menschheit durch wissenschaftlichen Fortschritt verpflichtet fühlt, dann ist auch seine Kunst oberfaul.
Soweit wir heute die Geschichte der europäischen Zivilisation seit Beginn des ersten vorchristlichen Jahrtausends kennen, war das große Problem in dieser gesamten Zeit immer, daß die Entwürfe der Gesellschaftsordnung und das für die Menschen vorgesehene Schicksal anti-prometheisch waren, wie es Aischylos anhand des olympischen Zeus beschreibt und wie es heute der korrupte frühere US-Vizepräsident Al Gore will. Die breite Masse der Bevölkerung wird auf den Status menschlichen Viehs herabgewürdigt, und die Wissenschaft ist nur ein bißchen Routine, wie bei Galeerensklaven, die gelernt haben, die Kunst und Aufgabe zu praktizieren, die ihnen der Mann mit der Trommel und der Peitsche in der Hand zugewiesen hat.
Die Mission der Wissenschaft ist nicht, irgendeine zugewiesene, stumpfsinnige Plackerei erfolgreich zu absolvieren, sondern die Freude, als Männer und Frauen, die nach dem Ebenbilde Gottes geschaffen sind, an der Schöpfung teilzuhaben. Deshalb müssen wir Menschen die schöpferische Kraft in uns pflegen; wir müssen erkennen, daß die Kreativität selbst unsere wesentliche, unsterbliche Mission in der Spanne unseres individuellen, sterblichen Lebens ist. Die Liebe zur Wissenschaft und zu den klassischen Künsten muß die Leidenschaft und treibende Kraft sein, die uns motiviert, unserer Liebe für unsere Nation und für die ganze Menschheit Ausdruck zu verleihen.
Es ist Zeit, daß Sie zuallererst wieder wahrhaft Mensch werden. Darin liegt das Geheimnis wahrer Kreativität und damit auch aller wahren Wissenschaft.
Anmerkungen
1. D.h. die britisch-saudischen Verflechtungen in British Aerospace (BAE).
2. Seit der Krise des britischen Pfund Sterling unter Premierminister Harold Wilson im Herbst 1967 und der anschließenden Dollarkrise im Vorfeld der katastrophalen „Tet-Offensive" im Februar/März 1968. Dies zeigen Animations-Studien realwirtschaftlicher Trends pro Kopf und Quadratkilometer während des letzten halben Jahrhunderts – in ausgewählten Fällen auch länger -, die ich und meine Mitarbeiter 2005 angestellt haben. Wesentlich ist dabei, in sich unschlüssige finanzielle und verwandte Statistiken mit realwirtschaftlichen „Lebenszyklen" abzugleichen, um die falschen Projektionen auszuschließen, die sonst aufgrund von Wunschvorstellungen und irreführenden Finanzprojektionen in staatlichen und betrieblichen Bilanzen häufig zustande kommen.
3. Der Zusammenbruch der britischen Wirtschaft war das Werk der ersten Labour-Regierung von Premier Harold Wilson. In gewisser Weise setzten die Briten unter Wilson ihr eigenes wirtschaftliches Haus in Brand, um die ruinöse Feuersbrunst in die USA zu tragen.
4. Die drei Punkte: 1. Das Gesetz zum Schutz der Hauseigentümer und Banken (HBPA), 2. ein zweigleisiges Kreditsystem, 3. der Vorschlag, daß die USA, Rußland, China und Indien die Initiative ergreifen, um ein neues internationales Kreditsystem mit festen Wechselkursen zu schaffen, um das jetzt bankrotte Weltwährungssystem abzulösen.
5. Siehe EIR, 4. Juli 2008.
6. Nach dem imperialistischen Sieg von Lord Shelburnes privater Britischer Ostindiengesellschaft im Pariser Frieden vom Februar 1763 traf sich Shelburne persönlich mit Adam Smith, um diesen für ein Spionageprojekt anzuheuern, das sich gegen zwei Ziele richtete: die Fraktion Benjamin Franklins in Nordamerika und Frankreich, das durch wirtschaftliche und ähnliche Sabotage sabotiert werden sollte. Smith verbrachte den größten Teil seiner Zeit in Frankreich, bis 1776 sein antiamerikanisches Traktat erschien, das heute unter der Bezeichnung Der Reichtum der Nationen bekannt ist. Inhaltlich ist es weitgehend ein Plagiat des damals noch unveröffentlichten Werks des liberalen französischen Ökonomen A.R.J. Turgot, Betrachtungen über die Bildung und Verteilung des Reichtums. Turgot trug in seiner doppelten Eigenschaft als liberaler Ideologe und als mehrmaliger französischer Minister zusammen mit Lord Shelburnes Laufburschen Jacques Necker entscheidend dazu bei, die Voraussetzungen für den Sturz König Ludwigs XVI. zu schaffen. Der Prozeß, der zum Sturz der Monarchie führte, begann schon 1782, als derselbe Lord Shelburne die Friedensverhandlungen leitete, die das damalige faktische Britische Empire nach der Devise „Teile und Herrsche" separat mit den Vereinigten Staaten, Frankreich und Spanien führte. Der Liberalismus von Turgot und Smith war das Produkt eines Dogmas, das der Anführer der Neuen Venezianischen Partei, Paolo Sarpi, zwei Jahrhunderte zuvor geschaffen hatte; Sarpis bekanntester Lakai war der Betrüger Galileo Galilei. Siehe Smiths Theorie der moralischen Gefühle von 1759, worin Smith sich ausdrücklich auf Sarpis Theorien beruft.
7. Mehr als 200 Jahre lang folgte man der Behauptung Newtons, er habe den Kalkulus heimlich schon entdeckt, bevor diese Entdeckung durch Gottfried Leibniz 1676 in Paris veröffentlicht wurde. Der angebliche Beweis für diese Behauptung, so wurde lange Zeit behauptet, befinde sich in einer Truhe mit Newtons Geheimpapieren. Als diese Truhe schließlich geöffnet wurden, wurde ihr Inhalt – vor allem Rezepte für Schwarze Magie – von einem Ausschuß unter der Leitung von John Maynard Keynes untersucht, und dieser erklärte anschließend, man habe lediglich ein Haufen Unfug gefunden, und die Truhe sollte künftig lieber verschlossen bleiben. Ähnlich verhält es sich mit dem 1687 veröffentlichten dürftigen Plagiat des sogenannten „Dritten Keplerschen Gesetzes", das Anfang des 17. Jahrhunderts aufgestellt worden war.
8. Mit dem Thema „Schleimpilz" hat sich die Wissenschaftsvereinigung Fusion Energy Foundation in den achtziger Jahren beschäftigt; in jüngerer Zeit erschien ein Artikel darüber („The Swamp Whence Al Gore Came", von Dennis Mason, auf der LaRouchePAC-Webseite und abgedruckt in EIR, 18. Juli 2008).
9. „Dynamisch" wird von mir hier im spezifischen Sinn der pythagoräisch-platonischen dynamis verwendet, wie sie auch in dem modernen Begriff der Dynamik vor allem bei Leibniz, Riemann und Einstein zum Ausdruck kommt.
10. Deswegen scheint das Thema „Schleimpilz" als geeignete pädagogische Wendung in akademischen Vorlesungen so beliebt zu sein.
11. Schleimpilze gehören offensichtlich der Biosphäre an, wohingegen die Dynamik einer Wirtschaft in den Bereich der Noosphäre gehört. Sämtliche menschliche Tätigkeiten von realwirtschaftlicher Bedeutung gehören in den Bereich der Noosphäre.
12. Gottfried Wilhelm Leibniz, „Kritische Gedanken zu dem Allgemeinen Teil der Prinzipien Descartes" (1692) und „Specimen Dynamicum" (1695). Die Arbeiten von Leibniz und seines Freundes Jean Bernouilli, die die Zykloide von Christian Huygens (in Anlehnung an Pierre de Fermat) durch das Konzept der universellen geringsten Wirkung (d.h. die Kettenlinie) ersetzten, ist für die gesamte Riemannsche Wissenschaft der physischen Ökonomie von zentraler Bedeutung. So wie Albert Einstein die Wurzeln der modernen Naturwissenschaft auf das Werk Johannes Keplers zurückverfolgte, läßt sich der moderne Dynamikbegriff nicht nur explizit auf die Pythagoräer und Platon, sondern auch auf Cusas erklärte Anhänger bei der Schaffung der modernen Naturwissenschaft wie Pacioli, Leonardo und Kepler zurückführen. Kepler legte besonders in seiner Weltharmonik das Fundament der kompetenten modernen Naturwissenschaft als Ausdruck des Dynamikprinzips.
13. Man vergleiche Keplers Verständnis des „fehlenden früheren Planeten", dessen Überrest der Asteroidengürtel ist, mit Gauß‘ Berechnung der Bahn des Asteroiden Ceres. Siehe das Gauß-Projekt der LYM hierzu.
14. Wie sich aus der Athener Rhetorikschule und Aristoteles selbst ergibt. Die spätere christliche Opposition dagegen rührt von einem Freund des christlichen Apostels Petrus her, Philo von Alexandria, der vor allem im Interesse des Judaismus argumentierte. Er wandte sich gegen die absurde Behauptung der aristotelischen Theologen seiner Zeit, Gott hätte ein „vollkommenes" Universum geschaffen und deshalb sei Ihm die Fähigkeit verlorengegangen, es später noch zu verändern. Ein hochgeschätzter, leider schon verstorbener Rabbiner unserer Tage sagte es so: Der Messias wird nicht nach einem festgelegten Fahrplan erscheinen, sondern dann, wenn sich der Schöpfer zu dessen Entsendung entscheidet.
15. Anstelle von US-Präsident George W. Bush jr.
16. D.h. die Überlegenheit der ägyptischen Wissenschaft im Vergleich zu der rohen mesopotamischen Tradition vor der besten Periode des Kalifats von Bagdad, das sämtliches Wissen aus allen Teilen der Welt sammelte.
17. Wenn die USA eine solche Reform als Schritt zur „Reindustrialisierung" unserer Wirtschaft durchführen, würden die eigentliche Stärke im Erbe Franklin Roosevelts uns in die Lage versetzen, den Wert des US-Dollars auf der vorgeschlagenen Höhe von 4% zum Nachteil des Britischen Empire und der derzeitigen kontinentaleuropäischen Praxis zu halten. Eine Volkswirtschaft, die in reales Wachstum durch wissenschaftlich-technischen Fortschritt pro Kopf investiert, ist nach Maßgabe aller Vernunft in der Welt immer die erstrebenswerte Investition.
18. Schaut man auf diese Zeiten zurück, muß man sich oft fragen: Was geschah wirklich in Tschernobyl? War das, und auch der 11. September, eines jener zufälligen Ereignisse in der Geschichte?
19. D.h. „höherer Frequenz".
20. Wer die dummen, bösartigen Behauptungen des früheren US-Vizepräsidenten Al Gore in Zusammenhang mit dem Wort „Kohlendioxid" unterstützt, den sollte man als geistig und moralisch gestört betrachten. In Hinsicht auf die politische Wirkung auf die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten und anderer Staaten der Welt sind solche Einflüsse gleichbedeutend mit kriminellem Wahnsinn.
21. Erwin Schrödinger, Was ist Leben? (1944). Das darin vorgebrachte Argument beruht auf der Machschen Ideologie Schrödingers.
22. Einstein definierte dies als ein endliches, aber unbegrenztes Universum. Aus dem Kontext dieser Formulierung Einsteins zu schließen, hätte er bei deutlicherer Formulierung von einem „endlichen und selbstbegrenzten Universum" sprechen müssen.
23. Zum Beispiel begann Christian Huygens‘ berühmte Entdeckung, die später seinen Freund Gottfried Leibniz ein Grundprinzip der modernen Wissenschaft – das universelle physikalische Prinzip der geringsten Wirkung – erkennen ließ, eher mit einem Herumbasteln an Entwürfen für eine bessere Pendeluhr für die Navigation auf See. Doch Huygens machte hier nicht halt, sondern dehnte seine Arbeit auf ein Konzept über eine zykloidische physikalische Vorstellung der geringsten Zeit aus, die in gewisser Weise Pierre de Fermats Entdeckung des Prinzips der geringsten Wirkung ergänzte. Huygens‘ Freund Gottfried Leibniz ging über Huygens‘ Zykloide hinaus und entwickelte das physikalische Prinzip der Kettenlinie – ein Konzept, das bereits in Brunelleschis Entwurf für den Bau der Kuppel von Santa Maria del Fiore in Florenz in der Zeit vor dem großen ökumenischen Konzil von Florenz enthalten war und das schon Leonardo da Vinci als Ergänzung zur Traktrix erkannt hatte. Durch Leibniz u.a. wurde bekannt, daß es das universelle physikalische Prinzip der geringsten Wirkung verkörperte. Huygens‘ und Leibniz‘ Arbeiten gründeten in wichtigen Bereichen auf ihrem gemeinsamen Wissen über die entsprechenden Erkenntnisse Leonardo da Vincis (Wissen, das ihnen über Christians Vater Konstantin, Botschafter in London, zugänglich war, der ihnen Zugang zu wichtigen, damals in England aufbewahrten Schriften Leonardos verschaffte). Hier liegen die Unterschiede und Beziehungen zwischen einem bloß patentierbaren Entwurf und einem physikalischen Naturprinzip. Die bloße Nachahmung eines vermeintlichen Gravitationsprinzips durch die Kreise um Isaac Newton verdeutlicht den Versuch, die Wissenschaft von universellen Prinzipien zu entkleiden, die sich nur durch Methoden des entscheidenden (einzigartigen) Experiments definieren lassen.
24. Zum Übergang von bloßer Verfälschung zum moralischen Verfall in Fragen wissenschaftlicher und klassischer Kunstprinzipien kam es zunehmend, als mit Ernst Mach Wissenschaft zu bloßer Mechanik wurde, und die volle Degenerierung setzte mit Bertrand Russells Principia Mathematica ein.
25. So wie Kepler der Vorgabe in Cusas De Docta Ignorantia folgte, als er in Die neue Astronomie die ontologisch infinitesimale Eigenschaft entdeckte, daß die Planetenbahnen in elliptischer Form erzeugt werden, und so wie Albert Einstein das einzigartige Genie für die gesamte kompetente Naturwissenschaft in Keplers ursprünglicher Entdeckung der universellen Gravitation betonte; Entdeckungen dieser Art definieren etwas, was alle bisher bekannten Aspekte des Universums einschließt – daher ist dieses Universum endlich und selbstbegrenzt (keiner äußeren Begrenzung unterworfen).
26. Als der alte Pastor, ein fundamentalistischer Polterer, gestorben war, meinten die Gemeindemitglieder, nun sei die Zeit gekommen, die Geheimnisse zu lüften, die sich hinter den merkwürdigen handgeschriebenen Bemerkungen in seiner alten Bibel verbargen. Dort lasen sie häufig die Eintragung des Pfarrers: „Text unverständlich – brüll wie der Teufel!" Die größten Wutausbrüche, die ich von ansonsten sehr angesehenen Wissenschaftlern kenne, waren von gleicher Natur und Herkunft.
27. Besonders die Tatsache, daß mindestens zwei natürliche oder künstliche (instrumentelle) Sinne erforderlich sind, um experimentell ein wahres universelles Naturprinzip zu definieren, macht ein Universum der Sinnesgewißheit zugunsten eines selbstbegrenzten physischen Universums hinfällig. Die Sinne sind der Schirm, auf den die unsichtbare Realität ihre Schatten wirft.
28. Die Schuld trifft hier insbesondere die britischen Theologen des 18. Jahrhunderts und später, die so besessen darauf aus waren, die Adresse von Abrahams Wohnung im chaldäischen Ur zu finden, daß große Massen bedeutender Keilschrifttafeln unverantwortlich in heilloser Unordnung zusammengeworfen wurden. Der vorsemitische Ursprung Sumers und seine Wirkung auf die Entwicklung Chaldäas wurden mit wenig Rücksicht auf Wahrhaftigkeit behandelt.
29. Die üblichen Statistiker zum Beispiel.
30. Wichtig zu betonen ist hier, daß es falsch wäre, auf eine bestimmte Funktion des menschlichen Gehirns zu verweisen und zu behaupten, die Funktion müsse genau dort liegen. Man muß von einem definierbaren Entdeckungsakt eines universellen Naturprinzips – wie Keplers Entdeckung der Gravitation – ausgehen und das Organ (die Stelle) ausfindig machen, welches fähig ist, diese Funktion auszuführen.
31. Leonardo da Vincis Revolution in der Vorstellung des visuellen Raumes ist hierbei von offensichtlicher Bedeutung.
32. Dem entspricht, wie Gottfried Leibniz später die methodische Inkompetenz von René Descartes bloßstellte. Das entspricht ganz allgemein Leibniz‘ Angriff auf die reduktionistische Methode, beispielsweise von Descartes, die bei einem Körper in Bewegung auf reduktionistische, Euklidische Art zwischen einem Körper und der Bewegung trennt – entgegen dem antiken und modernen Prinzip der Leibniz-Riemannschen Dynamik, der bereits Leibniz gefolgt war.
33. Einstein sprach von einem Universum, das endlich und unbegrenzt sei. Für mich bedeutet das endlich und selbstbegrenzt.
34. Siehe die verrückte Vorstellung des „Imaginären". Dieses Problem betrifft auch die Anhänger des Positivisten Ernst Mach. Physikalische Prinzipien dürfte es nach Bertrand Russells Principia Mathematica und Russells Anhängern wie Prof. Norbert Wiener, John von Neumann und der Cambridge-Schule für Systemanalyse im Grunde gar nicht geben.
35. Im Unterschied zu der späteren mechanistischen Schule des Positivisten Ernst Mach, Ludwig Boltzmann u.a. und zeitweilig den Schriften Bertrand Russells vor seiner Principia Mathematica.
36. Poes Pariser Detektivgeschichten sind das Ergebnis von Poes Verbindung mit jenem Frankreich, das er in unmittelbarer Zusammenarbeit mit James Fenimore Cooper und dem Marquis de Lafayette besuchte. Poe war wie Cooper praktisch ein „geborenes" Mitglied der Society of Cincinnati. Poes wiederholte epileptische Anfälle hatten sein Ausscheiden aus der Militärakademie West Point unumgänglich gemacht, doch sein brillanter krimineller Spürsinn, den er als Journalist in New York entfaltete, ließ ihn zu einem Spionageabwehragenten der Society gegen subversive britische Operationen in den Vereinigten Staaten werden. Cooper, ein maßgeblicher Mann bei den geheimdienstlichen Aktivitäten der Society of Cincinnati, spielt dabei eine wichtige Rolle. Poes epistemologische Vorstöße sind entscheidend zum Verständnis seines wahren schöpferischen Genies.
37. John Maynard Keynes leitete damals das Komitee, dem die Öffnung und Durchsicht von Isaac Newtons Truhe mit „wissenschaftlichen" Papieren anvertraut worden war.
38. Siehe auch Zbigniew Brzezinskis „Technotronic"-These.
39. „Bekanntlich…" bis „…als nach der Seite des Unmeßbarkleinen urteilen."
40. „Es führt dies hinüber in das Gebiet einer anderen Wissenschaft, in das Gebiet der Physik, welches wohl die Natur der heutigen Veranlassung nicht zu betreten erlaubt."
41. „Da wir nun hier schöne Herrn und Frau’n
Aber keine Ochsen und Esel schau’n,
So sind wir nicht am rechten Ort
Und zieh’n unseres Weges weiter fort."
42. Der Fall der brieflichen Korrespondenz von Gauß mit Farkas und Johann Bolyai und anderen über seine eigenen frühen Werke über antieuklidische Geometrien in den Fußstapfen seines Lehrers Abraham Kästner bietet einen Blick in diesen Aspekt des geistigen Lebens von Gauß unter den empörenden Umständen in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts in Göttingen und anderswo.
43. So war beispielsweise der entscheidende Streitpunkt für das Konzil von Nicäa, daß der heidnische Imperator Konstantin das Recht für sich beanspruchte, die Bischöfe einer legalisierten christlichen Kirche zu ernennen – ein Vorschlag, der die Kirche faktisch zu einer weiteren Religion innerhalb des römisch-heidnischen Pantheons gemacht hätte. Das Problem stellte sich ähnlich in der Neuzeit etwa bei Ludwig XIV. in Frankreich, der sich selbst zum „Sonnenkönig" aufschwang, und Napoleon Bonaparte, der seine eigene Staatskirche schuf, womit er die „himmlischen" Ansprüche Ludwigs XIV. imitierte. Solche Obszönitäten waren früher typisch für die orientalischen Religionen nach dem Vorbild Babylons. Die neuzeitlichen, westeuropäischen Nachahmungen solcher verkommener Praktiken werden oft auf die Verhandlungen des späteren Kaisers Augustus mit den Priestern des Mithra-Kultes auf Capri zurückgeführt, mit denen sich dieser die Position des Imperators (Cäsars) sichern wollte. Die Insel Capri blieb bis ungefähr 500 n. Chr. ein heiliger Besitz des jeweils amtierenden römischen Imperators. Die Figur des olympischen Zeus in Aischylos‘ Drama Der gefesselte Prometheus ist typisch dafür, wie solche Imperatoren sich bei ihrer Herrschaft auf eine übernatürliche religiöse Autorität berufen – von den bösartigen babylonischen Priestern bis hin zu der Rom-ähnlichen, hierarchischen Struktur des Empires der anglo-holländischen, liberalen (britischen) Monarchie heute. Normalerweise wird das „Imperium" genannte System der religiösen Herrschaft durch eine Art Pantheon beherrscht, in der eine Variante religiöser Überzeugung „gleicher ist" als die anderen. Daher zog sich auch der skandalöse, unmoralische und ehrfurchtslose frühere britische Premierminister Tony Blair das Sarpische Ornat imperial-theologischer Verbindungen genau zu dem Zeitpunkt an, als über den Lissaboner Vertrag ein Empire geschaffen werden sollte, das die Souveränität Kontinentaleuropas schluckt und beseitigt.
44. Siehe Raffael Sanzios Gemälde „Die Schule von Athen", das ein Gefühl der „Gleichzeitigkeit in der Ewigkeit" zum Ausdruck bringt.
45. Mozart war schon vor seiner Begegnung mit Gottfried van Swietens Salon Anfang der 1780er Jahre eine vollkommen kreative Persönlichkeit. Die wöchentlichen Treffen in van Swietens Salon waren ein wesentlicher Faktor in seinem revolutionären Übergang zu einer wahrhaft Bachschen Methode der Komposition von Streichquartetten und Mozarts eigner Meisterung der Kunst, Fugen zu komponieren, in dieser Zeit. Ohne dies wäre Beethovens Genie, insbesondere in seinen „späten" Streichquartetten, nicht möglich gewesen. Mozarts Fantasie KV 475 spielte seit dieser Zeit eine zentrale Rolle in der Komposition nach Bachs wissenschaftlichen Prinzipien.
46. Insbesondere in seiner Habilitationsschrift von 1854.
47. Aus dem gleichen Grund ist ein striktes Festhalten an der Belcanto-Höhe der Singstimme (bei dem natürlichen Wert von c’=256 Hz) ausschlaggebend, um bei der Komposition und Aufführung von Musik klare Ideen zu vermitteln. Alles, was grundlegend menschlich ist, liegt in der Absicht des Geistes, für den der physische Ausdruck lediglich das Schattenreich ist.
48. Zum Beispiel können wirklich wichtige, bezweckte musikalische Ideen großer klassischer Komponisten ohne diese von der menschlichen Singstimme auf andere Musikinstrumente wie das Klavier oder die Geige übertragenen Randbedingungen bei der Aufführung nicht übermittelt werden. Das gleiche gilt auch für die Bühne des klassischen Theaters.
49. In Defense of Poetry.
50. William Empson benutzte in seinem Buch Seven Types of Ambuguity den Ausdruck „Ambiguität", der den gesamten Bereich qualitativer Ausdrücke von Ironie umfaßt.
51. D.h., „das Unglaubliche bei der Verfolgung des Unverdaulichen".