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Österreich macht Tempo bei Kooperation mit China

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz wird nicht nur persönlich am Belt-and-Road-Forum, das übernächstes Wochenende in Beijing stattfindet, teilnehmen, sondern insgesamt fünf Tage lang in China sein. Begleitet von einer 26-köpfigen Delegation der heimischen Wirtschaft, wird er am kommenden Donnerstag an einer österreichisch-chinesischen Wirtschaftskonferenz in Shanghai teilnehmen und außerdem Hangzhou besuchen, ehe es nach Chinas Hauptstadt zum Forum geht. 

In Wien ist die Stimmung vor der Abreise gut, es hat sich einiges getan seit dem spektakulären Besuch der österreichischen Regierung in China vor fast genau einem Jahr: unter anderem hat Rail Cargo, die Frachtbranche der Österreichischen Bahn, in einem Jahr seitdem 400 Züge mit Containerfracht zwischen China und Europa fahren können, und vor ein paar Tagen erst ist eine direkte Verbindung zwischen Xian und Budapest eröffnet worden. Rail Cargo, das ein besonderes Interesse am Balkan hat, will den Bahnfrachtverkehr entlang der eurasischen Route weiter steigern und hat dafür ein südosteuropäisches Logistikzentrum in Budapest im Aufbau. 

Auch bei der Österreichischen Nationalbank setzt man sich für die Neue Seidenstraße ein: Stephan Barisitz, führender Ökonom bei der Bank, der schon des öfteren als Redner und Interviewpartner zum Thema Österreich-China aufgetreten ist, erläutert in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift Diplomacy & Commerce in einem fünfseitigen Interview, was das Potential der Neuen Seidenstraße für Europa und Österreich ist. Europa könne sehr viel dazu beitragen, den russischen Teil der transeurasischen Verbindungen zu entwickeln, beispielsweise durch Investitionen in die geplante Hochgeschwindigkeitsbahntrasse Moskau-Kazan als Teilstück der Bahnroute von Beijing nach Duisburg, sagt Barisitz. Außerdem biete sich an, daß europäischen Investitionen in das gigantische Flüssigerdgasprojekt Jamal in Sibirien fließen, wo bereits 12 Milliarden Dollar von den Chinesen investiert werden. 

Für Österreich selbst sei es ein großer wirtschaftsgeographischer Vorteil, an drei wichtigen Routen des transeurasischen Bahnverkehrs zu liegen, sagt Barisitz: erstens an der Land-Seeverbindung von Piräus nach Wien, zweitens an der Verlängerung des italienischen Hafens Triest (in dessen Ausbau China investieren will) nach Kärnten und weiter ins restliche Europas, drittens an der geplanten Verlängerung der russischen Breitspur von der transsibirischen Route über Ukraine und Slowakei bis nach Wien. Dort, in enger Kooperation mit der slowakischen Hauptstadt Bratislava, soll das “Twin City Project” entstehen, als zentraler Verladepunkt für Bahnfracht zwischen Asien und Europa.