Papst Leo XIV. hat am Montag am Ende seiner Ansprache vor dem spanischen Parlament anhaltenden Beifall bekommen. Der Saal war voll besetzt mit allen Mitgliedern des Abgeordnetenhauses und des Senats sowie führenden Vertretern der Justiz und der Regierung. Er sei gekommen, um Überlegungen beizutragen, „die aus dem Wunsch hervorgehen, dem Gemeinwohl zu dienen und an das zu erinnern, was das Zusammenleben wahrhaft menschlich macht.“
Der Papst sagte, die Entscheidungen der Gesetzgeber stünden letztlich „vor einer entscheidenden Frage: Welches Menschenbild steht hinter den Gesetzen, und welche Art von Gesellschaft entsteht durch diese Gesetze?“ Während seiner gesamten Ansprache betonte er, „dass Würde, Gerechtigkeit und das Gemeinwohl der Maßstab der sozialen Beziehungen sein sollen, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene.“ Er forderte die Gesetzgeber auf, „den Blick zu heben: nicht, um der Realität zu entfliehen, sondern um sich daran zu erinnern, dass jede Entscheidung der öffentlichen Autoritäten Menschen aus Fleisch und Blut betrifft, insbesondere jene, die weniger Kraft haben, sich Gehör zu verschaffen.“
Der Papst betonte, dass die Bewältigung der „tiefen geistigen und kulturellen Krise“, mit der die Welt heute konfrontiert sei, „eine moralische Erneuerung“ erfordere, nicht nur fachliche Änderungen. Die Überwindung der „Gewalt, Polarisierung und des gegenseitigen Misstrauens“ in den internationalen Beziehungen wie auch innerhalb verschiedener Gesellschaften erfordere Dialog und die Lösung von Konflikten durch Zuhören und das Anerkennen der Bedürfnisse, Bestrebungen und Fähigkeiten aller.
Der Frieden sei zu einer „echten moralischen Notwendigkeit“ geworden, betonte er. „Jeder Krieg ist letztlich eine schmerzhafte Niederlage für die Fähigkeit zu verhandeln und auch für jenes allgemeine Bewusstsein der Menschheit, das zwischen den Nationen Bande der Gerechtigkeit erkennt. Waffen mögen vorübergehend für Ruhe sorgen, doch sie werden niemals einen echten und dauerhaften Frieden schaffen können.“
In diesem Zusammenhang sprach er explizit Europas Aufrüstungsbestrebungen an:
„Darum ist es besorgniserregend, dass sich an verschiedenen Orten der Welt, auch in Europa, die Aufrüstung erneut als fast unvermeidliche Antwort auf die Instabilität der internationalen Lage darstellt. Wahre Sicherheit hingegen entspringt der Gerechtigkeit, dem geduldigen Dialog, der Achtung des Völkerrechts und einer Politik, die in der Lage ist, das Leben der Völker über die Interessen zu stellen, die vom Krieg profitieren.“