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Polnische Wissenschaftler rufen Deutschland zum weiteren Einsatz der Kernenergie auf

Dr folgende Offene Brief polnischer Wissenschaftler wurde am 23.5.2019 auf dem blog fota4climate.org veröffentlicht. Die Initiative stellt zwar nicht den Schwindel des menschengemachten Klimawandels und der fälschlich vorausgesetzten Notwendigkeit einer Dekarbonisierung infrage, fordert jedoch den weiteren Einsatz der Kernenergie in Deutschland. 

 

Offener Brief
zur geplanten Stilllegung leistungsfähiger Kernkraftwerke in der Bundesrepublik Deutschland

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Steinmeier,
sehr geehrte Frau Kanzlerin Merkel,
sehr geehrte Abgeordnete des Bundestags und des Bundesrats,
sehr geehrte Vorstände der Kirchen und Religionsgemeinschaften,
sehr geehrte Vertreter und Aktivisten der Umweltorganisationen, Wissenschaftler und Künstler,
sehr geehrte BürgerInnen und Bürger der Bundesrepublik Deutschland,

als BürgerInnen und Bürger eines Nachbarlandes, Vertreter verschiedener gesellschaftlicher Kreise und Organisationen, darunter viele Vertreter der Wissenschaft und der Kultur, und nicht zuletzt als Bürger der Europäischen Union, die sich der beispiellosen Bedrohung der Biosphäre durch den globalen Klimawandel bewusst sind, bitten wir Sie, die Entscheidung der Bundesregierung vom Jahr 2011, die in der Bundesrepublik Deutschland aktiven und leistungsfähigen Kernkraftwerke spätestens im Jahr 2022 stillzulegen, nochmals zu prüfen.

Befunde des zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) über die möglichen Auswirkungen der globalen Erwärmung auf 1,5° C im Vergleich zu der vorindustriellen Zeit, sowie etwaige Szenarien zur Verhinderung einer solchen Entwicklung deuten darauf hin, dass, falls die globale Erwärmung mit derzeitigem Tempo fortschreitet, schon zwischen den Jahren 2030 und 2052 die Marke von 1,5° C erreichen und überschreiten wird.

Sowohl der IPCC-Bericht als auch Dutzende anderer Berichte und Studien, die von Wissenschaftlern aus aller Welt erstellt wurden, beschreiben die kommenden katastrophalen Auswirkungen der globalen Erwärmung auf unsere Biosphäre. Aus dem IPCC-Bericht geht auch hervor, dass zukünftige Klimabedrohungen von Tempo, Maximalwert und Dauer der Erwärmung abhängen werden. Es wird deshalb die Notwendigkeit betont, den Temperaturanstieg unter der oben genannten 1,5° C Schwelle zu stoppen, was wiederum den Erwärmungsdruck auf terrestrische und aquatische Ökosysteme, die das Leben von Milliarden Menschen und das Überleben Tausender anderer Arten bestimmen, erheblich mindern könnte.

In den Modellszenarien des IPCC-Berichts zum Klimaschutz, in welchen die Schwelle von 1,5°C nicht oder nur geringfügig überschritten wird, sollen die weltweiten anthropogenen CO2-Emissionen netto bis 2030 um rund 45% sinken im Vergleich zu 2010. Diese Szenarien erfordern jedoch rasche und tief greifende Veränderungen in fast allen Bereichen unseres Umgangs mit der Natur – in der Landwirtschaft, im Naturschutz und Naturwiederherstellung aber vor allem in der Energiewirtschaft. In den meisten Szenarien, die die Schwelle von tags 1,5° C voraussetzen, wird davon ausgegangen, dass der Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung noch über Jahre zunehmen muss.

Wir sind uns der anhaltenden Diskussion über die Rolle der Kernenergie im nachhaltigen energiewirtschaftlichem Modell bewusst, sind aber zugleich der Ansicht, dass eine auf vollständigen wissenschaftlichen Daten basierte Korrektur des heutigen Umgangs mit der Kernenergie erforderlich ist. Der vorzeitige Verzicht auf die emissionsarme Kernenergie – vorzeitig, d.h. vor der vollständigen Abkehr von der Verbrennung von Steinkohle und Braunkohle – wird kurzfristig zu sehr schwer zu überwindenden technischen und technologischen Problemen führen und dazu, dass große Mengen anderer fossilen Brennstoffe verwendet werden, wobei Erdgas an vorderster Front steht. Dies verhindert wiederum erwartete Ergebnisse der Energiewende – d. h. effektive und schnelle Dekarbonisierung.

Wir sind deshalb überzeugt, dass eine erneute Prüfung der Entscheidung, die Kernkraftwerke in Deutschland abzuschalten, vonnöten ist. Es könnte wahrscheinlich erheblich hilfreich sein, die Abschaltung der Kernkraftwerke zu verzögern – solange die vollständige Abkehr von der Verbrennung fossiler Brennstoffe nicht möglich ist und solange effiziente Technologien der Speicherung der Energie aus erneuerbaren Quellen noch nicht erreicht sind. Dies würde einerseits die Beschleunigung der Dekarbonisierungsprozesse ermöglichen und andererseits den anderen Ländern, die in naher Zukunft über ihre Energiesysteme und über ihre Rolle im Kampf gegen den Klimawandel und die Degradierung der Biosphäre entscheiden müssen, ein Beispiel und ein Zeichen der Zuversicht geben.

Sehr viel hängt also von Ihren heutigen Entscheidungen ab. Deutschland ist ein weltpolitisch und weltwirtschaftlich führendes Land, es ist ein Land, welches im Kampf gegen die globale Erwärmung schon lange die Richtung bestimmt.

Dies ist der Grund, warum wir Sie als unsere Nachbarn mit diesem offenen Brief in großer Zuversicht ansprechen.

Mit freundlichen Grüßen

  1. Prof. Tomasz Polak – Werkstatt der Grenzfragen, Adam Mickiewicz Universität Posen
  2. Prof. Szymon Malinowski – Fakultät für Physik Universität Warschau und das Komitee für Geophysik der Polnischen Akademie der Wissenschaften
  3. Prof. Malgorzata Kowalska, Lehrstuhl für Philosophie und Ethik, Universität Białystok.
  4. Prof. Jaromir Jeszke – Werkstatt der Grenzfragen, Adam Mickiewicz Universität Posen
  5. Prof. Ludwik Turko – Universität Breslau
  6. Prof. Michał Dadlez – Institut für Biochemie und Biophysik der Polnischen Akademie der Wissenschaften
  7. Prof. Piotr Dawidowicz – Abteilung für Hydrobiologie, Universität Warschau
  8. Prof. Ryszard Laskowski – Institut für Umweltwissenschaften, Jagellonen Universität Krakau
  9. Prof. Wiktor Kotowski – Abteilung für Pflanzenökologie und Umweltschutz, Universität Warschau
  10. Prof. Joanna Pijanowska – Abteilung für Hydrobiologie, Universität Warschau
  11. Prof. Piotr Migoń – Institut für Geographie und Regionalentwicklung, Universität Breslau 
  12. Prof. Piotr Rybka – Fakultät für Biologie Universität Warschau.
  13. Prof. Kazimierz Przyszczypkowski – Adam Mickiewicz Universität Posen
  14. Prof. Piotr Stępień – Universität Warschau
  15. Prof. Paweł Golik – Institut für Genetik und Biotechnologie, Universität Warschau
  16. Prof. Dariusz Tarnawski – Fakultät für Biowissenschaften, Universität Breslau
  17. Prof. Krzysztof Świerkosz – Fakultät für Biowissenschaften, Universität Breslau
  18. Dr Łukasz Dębowski – Institut für Grundlagen der Informatik der Polnischen Akademie der Wissenschaften
  19. Dr Iwona Jasser – Abteilung für Pflanzenökologie und Umweltschutz, Universität Warschau
  20. Dr Marcin Kadej – Fakultät für Biowissenschaften, Universität Breslau
  21. Dr Paweł Koperski – Abteilung für Hydrobiologie, Universität Warschau
  22. Dr Michał Kuziak – Fakultät für Polonistik Universität Warschau
  23. Dr Adam Stebel – Lehrstuhl und Abteilung für Pharmazeutische Botanik und Pflanzenkunde, Schlesische
  24. Medizinische Universität Katowitz
  25. Dr Grzegorz Grzywaczewski – Fakultät für Biologie, Tierwissenschaften und Bioökonomie der Universität für Lebenswissenschaften Lublin
  26. Dr Joanna Zalewska-Gałosz – Institut für Botanik, Jagiellonen-Universität Krakau
  27. Dr Jacek Dobrowolski – Institut für Philosophie und Soziologie und Fakultät für Philosophie, Universität Warschau
  28. Dr Rafał Nakonieczny – Werkstatt der Grenzfragen, Adam Mickiewicz Universität Posen
  29. Dr Dominik Domański – Institut für Biochemie und Biophysik der Polnischen Akademie der Wissenschaften, MS LAB
  30. Dr Paweł Gajda – Fakultät für Energie und Kraftstoffe, Universität für Wissenschaft und Technologie Krakau
  31. Dr Mikołaj Golachowski
  32. Dr Maria Gołąb – Institut für Naturschutz der Polnischen Akademie der Wissenschaften
  33. Dr Łukasz Kozub – Abteilung für Pflanzenökologie und Umweltschutz, Universität Warschau
  34. Dr Tomasz Kozak – Institut für Bildende Künste der Maria-Curie-Skłodowska Universität Lublin
  35. Dr Andrzej Mikulski – Fakultät für Biologie, Universität Warschau
  36. Dr Eugeniusz Pronin – Fakultät für Biologie, Universität Warschau
  37. Dr Beata Anna Polak – Werkstatt der Grenzfragen, Adam Mickiewicz Universität Posen
  38. Dr Grzegorz Piątek – Fakultät für Forstwirtschaft, Universität für Landwirtschaft Krakau, Botaniker
  39. Dr Piotr Tyszko-Chmielowiec – Institut für Bäumenkunde
  40. Dr Marzena Suchocka – Warschauer Universität der Biowissenschaften
  41. Dr Mateusz Strzelecki – Fakultät für Geo- und Umweltwissenschaften, Universität Breslau
  42. Dr Konrad Ambroziak – Supervisor CBT
  43. Dr Paweł Pawlikowski – Abteilung für Pflanzenökologie und Umweltschutz, Universität Warschau
  44. Dr Magdalena Budziszewska – Universität Warschau
  45. Dr Michał Szpak – Umweltberater
  46. Dr Paweł Nejfeld – Botaniker
  47. Dr Katarzyna Tymińska – Nationales Zentrum für Kernforschung
  48. Dr Karolina Ziembowicz – Maria Grzegorzewskia Akademie für Sonderpädagogik
  49. Dr Tomasz Sobierajski – Institut für Angewandte Sozialwissenschaften, Universität Warschau
  50. Adam Rajewski – Institut für Thermotechnik, Fakultät für Energie- und Luftfahrttechnik, Technische Universität Warschau
  51. Jacek Olender – Courtauld Institute of Art
  52. Paweł Sierociński, Research Fellow, University of Exeter
  53. Paweł Pech – Lehrstuhl für Ökologie, Biogeochemie und Umweltschutz, Universität Breslau
  54. Robert Sobolewski – Fakultät Umweltingenieurwesen und Geodäsie, Universität für Lebenswissenschaften Breslau
  55. Beata Orłowska – Ornithologische Station, Universität Breslau
  56. Aleksandra Kolanek – Herpetologische Gesellschaft NATRIX, Fakultät für Geo- und Umweltwissenschaften, Universität Breslau
  57. Krzysztof Drozdowski – Technische Universität Breslau
  58. Jarosław Lipszyc – Stiftung Nowoczesna Polska
  59. Jan Śpiewak
  60. Tomasz Stawiszyński – Philosoph, Publizist, Kwartalnik Przekrój und Radio TOK FM
  61. Agata Brzezińska – Stiftung Aquila
  62. Jan Zygmuntowski – Stiftung Instrat
  63. Adam Bohdan – Stiftung Dzika Polska
  64. Paweł Kisiel – Niederschlesische Naturschutzbewegung      (weitere Unterzeichner hier