Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hielt am 18. April im spanischen Barcelona eine eindringliche 25-minütige Rede, in der er die Großmächte geißelte, die den Globalen Süden als ihren „Hinterhof“ behandeln. Der Süden werde durch „missbräuchliche Zölle und unbezahlbare Schulden erstickt; er wird wieder einmal als bloßer Rohstofflieferant betrachtet“.
Unter den tausenden Zuhörern waren der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez und seine Frau.
Lula forderte die ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats – China, Frankreich, Russland, Großbritannien und die USA – eindringlich auf: „… um Gottes willen, erfüllt eure Mission, den Weltfrieden zu sichern! …Beendet diesen Wahnsinn des Krieges, denn die Welt kann es nicht mehr ertragen!“ Er sagte pointiert: „Eine Handvoll Milliardäre konzentriert den größten Teil des Reichtums der Welt auf sich… Ungleichheit ist nicht gottgegeben, sie ist eine politische Entscheidung… Dieser Kampf muss weltweit geführt werden – es nützt nichts, das eigene Haus in Ordnung zu halten, wenn die Welt im Chaos versinkt…“ Kriegsherren werfen jeden Tag Bomben auf Frauen und Kinder und geben Milliarden für Waffen aus, die man nutzen könnte, um den Hunger in der Welt zu bekämpfen, die Energiekrise zu lösen und die Gesundheitsversorgung zu verbessern, sagte er.
Lula betonte: Der „Globale Süden zahlt den Preis für Kriege, die er nicht begonnen hat“. Die Invasionen im Irak und in Libyen sowie die aktuellen Konflikte im Iran und Israels Völkermord an den Palästinensern beruhten allesamt auf Lügen. „Wo sind Saddam Husseins Chemiewaffen?“, fragte er. Er forderte den UN-Sicherheitsrat auf, ein gerechtes globales System zu schaffen, mit dem im Sicherheitsrat, in der Weltbank, im Weltwährungsfonds und in der Welthandelsorganisation alle Länder gleichberechtigt sind. Der Kampf liege nicht allein bei den Regierungen, sondern müsse auf Universitäten, Kirchen, Gewerkschaften, Bürgerinitiativen und die gesamte Gesellschaft ausgeweitet werden. Lula sagte: „Wir dürfen keine Angst haben, lauter und mit großer Verantwortung zu sprechen … Die Gefahr, die die extreme Rechte für die Demokratie darstellt, ist nicht rhetorisch – sie ist real.“
Zum Schluss lud er Sánchez ein, sich ihm im Bestreben um ein gerechteres Wirtschaftssystem anzuschließen, in dem die Armen ihre grundlegenden Menschenrechte im Sinne der der UN-Menschenrechtscharta wahrnehmen können, darunter das Recht auf eine menschenwürdige Arbeit, auf Wohnraum, Gesundheitsversorgung und Bildung sowie weitere Grundrechte. Er betonte nochmals: „Ich will Frieden, Liebe, Brüderlichkeit und dass die Welt Fortschritte macht, damit die Menschen besser und gottgemäß leben können. Das ist es, was ich will. … Meine Waffe ist die Vernunft.“
Der brasilianische Präsident traf am 17. April in Spanien ein, um zwei Tage lang Gespräche mit dem spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez zu führen und an zwei Treffen in Barcelona teilzunehmen: dem IV. Treffen zur Verteidigung der Demokratie und der Global Progressive Mobilization. AP berichtete, dass Lula zu Beginn der vergangenen Woche ein Video veröffentlicht hatte, in dem er „tiefe Solidarität“ mit Papst Leo XIV. in dessen öffentlicher Auseinandersetzung mit Trump zum Ausdruck brachte.
Zu seinem Besuch in Spanien sagte Lula: „Brasilien und Spanien stehen Seite an Seite im Kampf. Wir sind ein Beispiel dafür, dass es möglich ist, Lösungen für Probleme zu finden, ohne den leeren Versprechungen des Extremismus nachzugeben.“ AP merkt an, dass Sánchez „gerade von einem Treffen mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping zurückgekehrt ist, seiner vierten Reise nach Peking in gut drei Jahren.“
Lula gab der Zeitung El País im Vorfeld seines Besuchs ein Interview, das am 16. April veröffentlicht wurde und in dem er erklärte, dass „[Trump] ein sehr gefährliches Spiel spielt. Er geht davon aus, dass die wirtschaftliche, militärische und technologische Macht der USA die Spielregeln diktiert. Letztendlich schafft das Probleme für die Vereinigten Staaten.… Als er beschloss, den Iran anzugreifen, weiß ich nicht, ob ihm klar war, dass die Kraftstoffpreise steigen würden und dass die Bevölkerung den Preis dafür zahlen müsste.“
An dem IV. Treffen zur Verteidigung der Demokratie werden Berichten zufolge der Präsident des Europäischen Rates, António Costa, die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum, der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa, der kolumbianische Präsident Gustavo Petro sowie die Staats- und Regierungschefs weiterer Länder von Uruguay und Litauen bis hin zu Ghana und Albanien teilnehmen. „Wenn die Präsidenten von Mexiko und Südafrika kommen, bedeutet das, dass unsere Gruppe wächst“, sagte Lula.
Quelle: eirna.de