In deutschen Medien wird kaum über die Debatte in Rußland berichtet – die aber besonders für Deutschland extrem wichtig ist. Vor allem die wirtschaftliche Zusammenarbeit bei der Erschließung und Entwicklung der einzigartigen, rohstoffreichen Gebiete im Nordosten Rußlands sind im Rahmen der von der BüSo seit langem vertretenen "Eurasischen Landbrücke" entscheidend.
Der russische Präsident Medwedew interveniert jetzt entschieden, um den russischen Fernen Osten vor dem wirtschaftlichen Ruin zu bewahren, und zwar besonders angesichts des gegenwärtigen weltweiten Finanzzusammenbruchs. Medwedew betonte nun anläßlich einer ausgiebigen Reise durch Rußlands Fernen Osten, daß diese Gegend "nicht nur großen wirtschaftlichen und sozialen Wert besitze, sondern grenzübergreifendes politisches Gewicht." Die Bemerkung spielt auf Tschukotkas Grenze zu Alaska an. Dabei ist besonders das Tunnelprojekt für die Beringstraße, das implizit im 20-Jahres-Plan zur Entwicklung des russischen Eisenbahnnetzes enthalten ist und im letzten Jahr viel Aufmerksamkeit in Rußland auf sich zog, interessant. Medwedew ging darauf jedoch nicht näher ein.
Die einzigen Investitionen in der Region Tschukotka kamen früher direkt von ihrem ehemaligen Gouverneur, dem Ölmilliardär Roman Abramowitsch. Der neue Amtsinhaber konfrontierte Medwedew jetzt mit drei Szenarien: Investition in Transport- und Energieinfrastruktur, etwas Infrastruktur ohne neue Kapitalinvestitionen oder das Ende aller derartiger Projekte und damit verbunden die Evakuierung eines Großteils der Bevölkerung.
Medwedew entschied mit Nachdruck für die erste Option und forderte eine Regierungsstrategie für die Entwicklung Tschukotkas und des Fernen Ostens. "Die anderen beiden Vorschläge sind keine Option, sondern nur Konservierung und Degradierung", sagte Medwedew gegenüber RosBusinessConsulting (www.rbc.ru). Die Region ist derart arm, daß 70% des Haushaltes aus bundesstaatlichen Geldern kommt.
Nach Plänen des früheren Gouverneurs Abramowitsch vom April 2007 für die wirtschaftliche Entwicklung Tschukotkas mit Schwerpunkt auf die Entwicklung der Mineralvorkommen war die damalige Regierung nicht in Aktion getreten. Medwedew sagte jetzt, die Entwicklung dieser Region habe Priorität für die russische Politik zur Entwicklung der Arktis. Entscheidend für die Entwicklung der Rohstoffquellen sei eine gute Transport- und Energieinfrastruktur. Nach seinen Besuchen in Tschukotka, Magadan und Kamtschatka "werden wir ein komplettes Paket mit Instruktionen betreffs des Fernen Ostens haben", sagte Medwedew.
Medwedew rief seine Kabinettsminister und Regierungsoffizielle dazu auf, selbst die russischen Regionen zu besuchen, allen voran Sibirien, Transbaikal und den russischen Fernen Osten. "Die Probleme hier brauchen eine langfristige Lösung", hieß es weiter. "Die Führung in Moskau, die Regierung, Minister und Leiter der Departements, all diejenigen, die für die Entscheidungsfindung zuständig sind, sollten den fernen Osten regelmäßig besuchen. Um diese Probleme anzugehen, muß man mitten hineintauchen; um das zu können, muß man in Form bleiben, das heißt reisen, allen notwendigen Verpflichtungen nachkommen und in Kontakt mit den lokalen Behörden bleiben. Das Resultat wird nicht auf sich warten lassen."