Präsident Putin zur russischen Syrien-Politik

21.12.2012
Präsident Putin zur russischen Syrien-Politik elke 21.12.2012

Nachdem die deutsche Presse in der Regel gar nicht oder verfälscht über die Haltung der russischen Regierung zu Syrien berichtet, hier der Wortlaut der Antwort von Präsident Vladimir Putin bei seiner Jahresend-Pressekonferenz am 20.12. auf eine Frage zur russischen Syrienpolitik:

Associated Press, Vladimir Isachenkov:


Nachdem die deutsche Presse in der Regel gar nicht oder verfälscht über die Haltung der russischen Regierung zu Syrien berichtet, hier der Wortlaut der Antwort von Präsident Vladimir Putin bei seiner Jahresend-Pressekonferenz am 20.12. auf eine Frage zur russischen Syrienpolitik:

Associated Press, Vladimir Isachenkov:

Meine Frage betrifft die Lage in Syrien. Wie Sie wissen, sind die westlichen Länder, die Arabische Liga und die Türkei alle dafür, daß Bashaar al-Assad zurücktritt und sie sagen, sonst sei kein Frieden in Syrien möglich. Glauben Sie nicht, daß der russische Dissens mit dieser Position letztlich zur Isolation Rußlands führen wird und daß es seinen Einfluß, nicht nur in Syrien, sondern in der ganzen Nahostregion verlieren wird, wenn das Regime von Bashaar al-Assad fällt?

Vladimir Putin:

Also gut. Hören Sie, guter Mann, hat Russland nicht seine Positionen in Libyen verloren, als Folge dessen, was die Interventionisten dort losgetreten haben? Egal, wie sie ihre Haltung erklärt haben, der Staat dort fällt auseinander. Ethnische, Klan- und Stammeskonflikte gehenw weiter. Außerdem gab es sogar eine Tragödie wie die Ermordung des US-Botschafters. Ist das das Ergebnis ihrer Arbeit? Ich wurde zu Fehlern gefragt; war das kein Fehler? Wollen Sie, daß wir solche Fehler in immer mehr Ländern wiederholen?

Unsere Sorge gilt nicht dem Schicksal des Assad-Regimes. Wir verstehen, was los ist und daß diese Familie 40 Jahre an der Macht war. Natürlich gibt es Rufe nach Veränderung. Aber wir sind wegen etwas anderem besorgt, nämlich dem, was als nächstes passiert. Wir wollen nicht, daß die gegenwärtige Opposition, wenn sie die Regierung stellt, einfach die gegenwärtigen Machthaber bekämpft, die dann die Opposition sind und so weiter bis in alle Ewigkeit.

Natürlich haben wir ein Interesse an der Position der Russischen Föderation in dieser Weltregion: sie ist in unserer Nähe. Aber unsere eigenen Interessen sind wirklich nicht so groß, sondern praktisch nicht vorhanden. Haben wir besondere Wirtschaftsbeziehungen? Nein. War Herr Assad während seiner Präsidentschaft laufend in Moskau? In der Tat war er öfter in Paris und anderen europäischen Hauptstädten als hier. Wir treten dafür ein, eine Lösung für das Problem zu finden, die die Region und das Land vor Desintegration und endlosem Bürgerkrieg bewahrt.

Das ist unser Vorschlag und wir vertreten nicht die Position, daß Assad und sein Regime um jeden Preis an der Macht bleiben soll. Zuerst sollten die Menschen [im Land] Einigkeit darüber erzielen, wie sie leben wollen, wie ihre Sicherheit und Teilnahme an der Regierung gesichert werden kann, um dann anzufangen, die jetzt existierende Ordnung der Dinge in Übereinstimmung mit diesen Vereinbarungen zu verändern, statt daß man umgekehrt vorgeht: erst alle hinausjagen und alles zerstören, und dann zu versuchen, zu verhandeln. Ich glaube, daß Vereinbarungen, die auf einem militärischen Sieg basieren, in diesem Fall fehl am Platz sind und nicht effektiv sein können. Und was dort passiert, hängt vor allem von der syrischen Bevölkerung selbst ab.

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