Am 11. April gab Vitalij Lopota, Vorsitzender des russischen Raumfahrtkonzerns RKK Energija, der Presse gegenüber bekannt, daß der Bau der nächsten von Rußland zur Internationalen Raumstation (ISS) beigesteuerten Segmente aus Finanzierungsgründen um fünf Jahre auf das Jahr 2015 verschoben worden sei. Rußland bitte seine internationalen Partner, die Nutzung der Station bis auf das Jahr 2020 zu verlängern, so daß die russischen Teile noch zum Einsatz kommen könnten.
Am gleichen Tag legte Präsident Putin bei einem Treffen mit dem russischen Sicherheitsrat die leitenden Prinzipien für die nächsten 20 Jahre russischer Raumfahrt dar. „Wir haben jetzt die Chance, von der Nutzung und dem Aufbrauchen früheren ‚Raumfahrtkapitals’ zu neuen, anspruchsvollen Projekten überzugehen“, sagte Putin. Für die nahe Zukunft beinhalte der Plan ein drittes, auf den Namen Wostotschnij getauftes Raumfahrt-Startzentrum, das in der fernöstlichen Region Amur unweit der früheren Militärbasis Swobodnij gebaut werden soll und zu dem eine Wissenschaftsstadt gehören wird. [url:“http://www.solidaritaet.com/buecher/index.php?rubrik=politik](Dieses Projekt erläuterte Juri Krupnow bereits im September 2007 auf der Kiedricher Konferenz des Schiller-Instituts). [/url]
Der Beschluß zum Bau des Zentrums war Ende 2007 gefallen und jetzt drängt Putin auf die schnelle Bereitstellung der Gelder, damit noch in diesem Jahr mit den Bauarbeiten begonnen werden könne. Rußland werde demnächst auch die Entwicklungsarbeiten an der „Angara“, der schweren Nutzlastrakete der nächsten Generation, abschließen, die eine größere Ladekapazität als das gegenwärtige russische „Arbeitspferd“, die Proton-Rakete, haben werde. Außerdem sollen zwei kleinere Forschungsmodule, ein wissenschaftliches Vielzweck-Laboratorium und zusätzliche Sonnenkollektoren fertiggestellt und zur Raumstation gebracht werden.
Wie der Chef der russischen Weltraumbehörde, Anatolij Perminow, bekanntgab, machte seine Behörde im letzten Jahr Vorschläge für Weltraumaktivitäten bis zum Jahr 2040. „Dazu gehören alle Aspekte, einschließlich Flüge zu Mond und Mars. Die finanziellen und sonstigen Voraussetzungen dafür müssen jetzt geschaffen werden.“
Der Sicherheitsrat billigte den von Präsident Putin unterbreiteten vorläufigen Plan und Perminow ließ verlauten, daß der Präsident „[uns] zehn Tage gegeben hat, um Vorschläge zur Modernisierung der Raketen- und Raumfahrtindustrie zu unterbreiten.“