Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz nach dem Treffen mit dem türkischen Ministerpäsidenten Erdogan in Ankara am 3.12. sagte Rußlands Präsident Putin, Russland und die Türkei würden weiterhin gemeinsam daran arbeiten, eine Lösung für die syrische Krise zu finden. Man teile die Einschätzung der Lage und sei sich auch darüber einig, welche Situation man anstrebe, aber man habe noch keine gemeinsame Herangehensweise finden können. Auf eine Frage hin sagte Putin, Russland verstehe die türkischen Besorgnisse, aber der Einsatz von Patriot-Raketen sei „nicht der richtige Weg und könnte die Situation verschlechtern.“ Als Nachbarn würden beide Länder eng zusammenarbeiten, um die Situation zu lösen und man habe „neue Ideen“ entwickelt. Putin sagte, Russland schütze das syrische Regime nicht und sei auch kein Anwalt der Regierung. „Was uns besorgt, ist die Zukunft Syriens.“ Und mit klarem Bezug auf das Vorgehen des Westens in Libyen: „Wir wollen nicht, daß die kürzlich gemachten Fehler wiederholt werden.“
Offizieller Anlaß des Besuches war die dritte Sitzung des bilateralen Kooperationsrates beider Länder. Der russische Präsident unterstrich die Bedeutung wirtschaftlicher Kooperation, u.a. im Baubereich, der Metallindustrie, Landwirtschaft und „wissenschaftsintensiven Sektoren wie Telekommunikation, Weltraumforschung und der Entwicklung von Satellitensystemen.“ Die Energiekooperation sei neben dem South Stream Erdgaspipeline nicht auf „fossile Quellen“ beschränkt. Beide Länger wollen ihr Handelsvolumen in den nächsten Jahren auf 100 Mrd. $ erhöhen.
Elf Kooperationsabkommen wurden geschlosssen, sowie eine gemeinsame Erklärung der russischen Nuklearfirma Rosatom und dem türkischen Energie- und Rohstoffministerium über den Bau des ersten türkischen Kernkraftwerkes Akkkuyu unterzeichnet. Putin sagte dazu, dies sei „ein großes und vielversprechendes Projekt mit einer substantiellen Investitionssumme – 20 Mrd. $. Russland ist vollständig für die Projektfinanzierung verantwortlich. Mindestens ein Viertel des Gesamtbetrages wird darauf entfallen, neue Arbeitsplätze in der Türkei selbst zu schaffen.“
Neben der Zusammenarbeit zwischen der russischen staatlichen Einlagenbank Sberbank und türkischen Finanzinstituten ging es auch um die Kooperation der diplomatischen Akademien beider Länder und ein Memorandum für gemeinsames Vorgehen gegen Rauschgiftgeldwäsche, vor allem im Zusammenhang mit Terrorismus.
Der Kontrast zwischen der wachsenden Gefahr eines Dritten Weltkrieges durch die geopolitische Regimewechselpolitik des Westens und dem Potential der langfristigen Wirtschaftsaufbaustrategie für den Vorderen und Mittleren Orient im Rahmen der Eurasischen Landbrücke könnte nicht größer sein. Deutschland hat jedes Interesse, sich auf die Seite friedlicher Entwicklung zu stellen und nicht an imperialen Machtspielen mitzuwirken, die sich immer klarer direkt gegen Russland und China richten.
Um einen Eindruck zu bekommen, wie wir den wirklichen Krieg, nämlich den „Krieg gegen Unterentwicklung“ gewinnen können, sehen Sie sich die Videos und Berichte über die jüngste Konferenz des Schiller-Instituts „Ein neues Paradigma für das Überleben der Zivilisation“ an.
http://www.schiller-institut.de/konferenz-november-2012/konf.html