Rice & Kissinger: versöhnlichere Töne gegenüber Rußland

23.10.2007
Rice & Kissinger: versöhnlichere Töne gegenüber Rußland admin 23.10.2007

Bei einer Rede auf einer Konferenz über US-sowjetische Beziehungen zur Zeit der Entspannung, 1969 bis 1976, schlug die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice einen eher moderaten Ton bezüglich der heutigen amerikanisch-russischen Beziehungen an. Während sie ausführte, wie der Helsinki-Prozeß den Wunsch nach Freiheit und Demokratie hervorbrachte, deutete sie auch an, daß man das Ende des Kalten Krieges und den Kollaps der Sowjetunion in Rußland nicht so positiv beurteilt wie die Gelehrten im Westen. "Wir können kein Verständnis erreichen, wenn wir nicht unsere Geschichte in gemeinsamen Begriffen erfassen", so Rice.

Sie warnte vor all dem Medienrummel über einen "neuen kalten Krieg" mit Rußland. "Wir haben unsere Meinungsverschiedenheiten mit Rußland, aber Rußland ist nicht die Sowjetunion. All das Gerede über den kalten Krieg verzerrt die Herausforderungen, die noch vor uns liegen. Wir müssen die russische Sicht auf die eigene Vergangenheit verstehen, selbst wenn wir damit nicht übereinstimmen… Rußland und die USA haben viele gemeinsame Interessen. Wir sind durch das Quartett Partner beim Friedensprozess im nahen Osten. Rußland und die USA sind führend im Kampf für die Nicht-Verbreitung [von Atomwaffen]".

Über den Iran sagte sie: "Wir haben viele Unstimmigkeiten über Taktik, aber eine gemeinsame diplomatische Strategie auf zwei Wegen. Einerseits, sollte sich Iran zur Kooperation entschließen, und andererseits, wenn sie die Zusammenarbeit verweigern sollten" – wobei sie den unbestimmten Eindruck vermittelte, daß Rußland die Möglichkeit letzterer Alternative akzeptiert hätte, eine eher fragwürdige Annahme.

Sie bemerkte weiterhin: "Verteidigungsminister Gates und ich haben während unseres Besuches hier einige neue Ideen zur Zusammenarbeit präsentiert." Die Diskussionen in Moskau "lassen uns annehmen, daß Rußland den CFE-Vertrag [den Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa] ratifizieren könnte."

"Wir können uns nicht von unseren Unstimmigkeiten vereinnahmen lassen", fuhr Rice fort. "Rußland und die USA mögen verschiedene Standpunkte haben, aber wir werden die Arbeit die wir leisten, nicht zerstören müssen. Amerikas Verhältnis zu Rußland wird ein großes und komplexes Thema bleiben. Wir haben schon große Ziele erreicht und werden das auch in Zukunft tun können."

Henry Kissinger, der gleich im Anschluß an Rice das Wort übernahm, unterstütze Rices Bemerkungen im Abschluß seiner Rede: "Amerika und Rußland haben gemeinsame Interessen und sollten in der Lage sein, auf vielen Gebieten zusammenzuarbeiten." Er fügte hinzu: "Es ist wichtig, permanent im Dialog zu stehen, und zwar nicht nur wegen unmittelbar wichtiger Themen, sondern mit der Möglichkeit, fünf Jahre in die Zukunft zu blicken." Er schlug vor, daß das von Rices und Gates‘ Besuch in Moskau geschaffene Forum zukünftig für solch einen Dialog genutzt werden sollte.

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