Rocard fordert neues Bretton Woods, Balladur ein transatlantisches Empire

06.05.2008
Rocard fordert neues Bretton Woods, Balladur ein transatlantisches Empire admin 06.05.2008

Die französische Tageszeitung Le Figaro hat am 5. Mai anläßlich des Jahrestags der Wahl von Präsident Nicolas Sarkozy vor dem Hintergrund der weltweiten Finanzkrise ein ganzseitiges Doppel-Interview mit den beiden früheren Premierministern Michel Rocard (Sozialist) und Edouard Balladur (UMP) veröffentlicht. In seiner Antwort auf die Behauptung des Journalisten, Sarkozy habe den Absturz des Dollars, die Krise der Subprime-Hypotheken und anderen Schwierigkeiten nicht vorhersehen können, erklärte Rocard, mit Ausnahme der Inflation „war alles übrige völlig vorhersehbar, und ich gehöre zu denen, die seit drei Jahren unermüdlich auf diese Lage hingewiesen haben." Rocard und Balladur stimmten darin überein, daß man nicht wissen könne, ob die Subprime-Krise (wie behauptet) vorüber sei oder nicht. Rocard: „Die Dinge sind schlimmer, als sie scheinen, denn hinter den Exzessen der Kredit-Pyramide und einer Reihe von Schwierigkeiten steht die sogenannte Milton-Friedman-Doktrin, nämlich die des Supremats des Marktes", nach der „jeder Versuch, das Gleichgewicht des Marktes zu korrigieren, wenn es sozial und ökologisch unbefriedigend ist, nur zu Störungen führen würde, bei der es mehr Verlierer als Gewinner gibt."

Angesichts der Lage mußte auch Balladur einräumen: „Freiheit braucht Ordnung und muß Prinzipien und Regeln unterworfen sein, die verhindern, daß sie anarchistisch wird." Rocard griff dieses Argument auf und ging noch weiter: „Wir haben das Weltwährungssystem schon vor etwa 40 Jahren zerstört. Da wir nicht in der Lage sind, es wieder aufzubauen, ziehen wir vor, die durch die freischwebenden Wechselkurse und die Explosion der Kreditschöpfung erzeugte Unordnung zu entschuldigen. Diese ist eine der großen Ursachen der Spekulation und damit auch der wirtschaftlichen Ungleichgewichte."

Aber hier scheiden sich die Geister. Balladur empfiehlt, die nationale wirtschaftliche Souveränität ganz aufzugeben und eine „Union des Westens" zu gründen. Rocard hingegen betonte: „Mir ist, wie Ihnen, klar, daß die innereuropäischen Regulierungen nicht mehr ausreichen, um mit dem globalisierten Finanzwesen umzugehen. Ich denke auch, daß man in den Vereinigten Staaten darüber nachdenkt, daß die Abwesenheit von Regulierungen zu weit geführt hat. Ich habe daher den Wunsch, daß Frankreich eine große Weltfinanzkonferenz vorbereiten und einberufen sollte, die wir ein zweites Bretton Woods nennen könnten."

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