Russische Reaktion auf US-Nuklearpolitik

31.08.2026
Russische Reaktion auf US-Nuklearpolitik klaus 31.08.2026

Russlands Sonderbotschafter im Außenministerium, Andrej Iwanowitsch Belussow, hat am 29. August in einem Interview dargelegt, warum Moskau den Abzug der US-Atomwaffen aus Europa nun als Angelegenheit von dringender strategischer Bedeutung betrachtet. Russland habe Anfang der 1990er Jahre sein nichtstrategisches Atomwaffenarsenal drastisch reduziert, aber die USA hätten niemals vergleichbare Schritte getan, sondern ihre nukleare Präsenz in Europa durch die NATO-Vereinbarungen über nukleare Teilhabe aufrechterhalten und ihre strategischen Fähigkeiten modernisiert. Belussow ist seit 2025 Sonderbotschafter des Außenministeriums und leitete die Vorbereitung der russischen Teilnahme an der Überprüfungskonferenz 2026 zum Atomwaffensperrvertrag.

Er betont, eine lange Reihe von Maßnahmen der USA hätte die Welt an den Rand einer nuklearen Katastrophe gebracht: „Die Vereinigten Staaten haben mit Unterstützung ihrer engsten Partner und Verbündeten das System der Rüstungskontrollabkommen zur nuklearen Abrüstung zerschlagen. Der für die strategische Stabilität so wichtige Vertrag über die Raketenabwehr wurde verworfen. Die Aufhebung politischer und völkerrechtlicher Beschränkungen für den ungehinderten Ausbau von Nukleararsenalen hat zusammen mit Washingtons Maßnahmen zum Aufbau eines Raketenabwehrsystems … sowie der umfassenden Modernisierung des US-Nuklearpotenzials, Aufrüstung von Nuklearsprengköpfen und Schaffung neuer Trägersysteme für Mittel- und Kurzstreckenraketen zu einer radikalen Verschlechterung der militärisch-politischen Lage geführt, sowohl regional als auch global.“

Russland betrachte das Nuklearpotenzial der USA, Frankreichs und Großbritanniens nun als eine einzige, integrierte Bedrohung. Moderne NATO-Flugzeuge und schnelle Einsatzfähigkeiten ermöglichten es, Sprengköpfe verdeckt zu transportieren und in der Nähe des russischen Hoheitsgebiets zu positionieren, was das Risiko eines Überraschungsangriffs erhöhe. Die NATO-Osterweiterung und der Aufbau erweiterter, moderner nuklearer Abschreckung müssten zusammen betrachtet werden.

Westliche Regierungen hätten Moskaus Entspannungsinitiativen, wie Moratorien für Raketenstationierungen, neue Sicherheitsgarantien und ein Gipfeltreffen der ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats abgelehnt oder ignoriert. Das westliche Beharren auf militärischer Dominanz und „Frieden durch Stärke“ in einer zunehmend multipolaren Welt sei mit globaler Stabilität unvereinbar.

Das Interesse der NATO an einer Ausweitung der nuklearen Teilhabe auf Länder wie Polen und die baltischen Staaten würde die Region weiter destabilisieren und ein Wettrüsten beschleunigen. Russland würde darauf mit einer Kombination von diplomatischen Initiativen und militärisch-technischen Maßnahmen reagieren, um das strategische Gleichgewicht wiederherzustellen.

Quelle: eirna.de

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