Edward Lucas, derzeitiger Redakteur für Russland und Osteuropa beim Magazin The Economist, einem Sprachrohr des Britischen Imperiums, hat ein neues Buch geschrieben: "Der neue Kalte Krieg – Putins Russland und die Bedrohung des Westens". Während einer Signierstunde, die er unmittelbar vor seiner Rede beim Watson Institut der Universität von Providence im US-Bundesstaat Rhode Island abhielt, wurde Lucas von zwei LPAC-Aktivisten in einen zugespitzten Dialog verwickelt, bei dem er sich für den Lissaboner Vertrag aussprach, um damit die Souveränität der Nationalstaaten abzuschaffen und dem Zeitalter des Westfälischen Friedens ein Ende zu bereiten.
Da sich mit diesem britischen Imperialisten ein sehr interessantes Streitgespräch entwickelte, folgen hier einige paraphrasierte Auszüge und direkte Zitate:
LPAC: Was halten Sie von dem von Putin und Bush in Kennebunkport begonnenen politischen Prozeß?
LUCAS: (mit breitem britischen Akzent) Bush sagte, er habe Putin in die Augen geschaut und seine Seele gesehen. Ich hätte die Buchstaben KBG gelesen.
LPAC: Viele vergleichen den Kennebunkport-Prozeß mit Reagans SDI.
LUCAS: Ich glaube, daß das Konzept der strategischen Verteidigung völlig überschätzt wird.
LPAC: Während Putin seine Zeit in Kennebunkport mit Sitzungen zubrachte, haben führende Leute in Moskau wiederholt das Erbe Franklin Roosevelts diskutiert.
LUCAS: Ich denke, Putin hatte seine eigenen Gründe dafür, über Franklin Roosevelt zu reden.
LPAC: Was halten Sie davon, daß die USA im Kontext des Zusammenbruchs des Weltfinanzsystems eine strategische Allianz mit Russland und China eingeht, um den Dollar zu stabilisieren, wie es Franklin Roosevelt mit dem Bretton Woods System getan hat?
LUCAS: Warum sollte Russland an einer solchen Konferenz teilnehmen? Wirtschaftlich ist Rußland eine drittklassige Macht. Die sind auf dem Niveau von Holland oder Belgien. Warum sollten die Holländer oder die Belgier einen Platz am Verhandlungstisch für ein neues Weltsystem bekommen?
LPAC: Brüssel will übrigens ein neues Weltsystem diktieren! Der Lissaboner Vertrag würde dem Präsidenten der Europäischen Union einen Sitz in Brüssel geben.
LUCAS: (Zitat) "Ich bin ein starker Befürworter des Lissaboner Vertrages. Ich empfehle ihn 100%. Wir sollten das ganze Gerede und die Debatte über die EU-Verfassung beenden, und es einfach tun! Setzt sie einfach um!"
LPAC: Sie befürworten die Beendigung der Souveränität der europäischen Nationen?
LUCAS: Die Nationen Europas brauchen keine Souveränität! Sie müssen nicht länger souveräne Staaten sein; Europa sollte seinen eigenen inneren Markt schaffen.
LPAC: Das erinnert an die Idee eines Pan-Europa, des Vereinten Europa des Edward Mosely, dem britischen Faschisten der 1940er Jahre…
LUCAS: Oh, Sie meinen Oswald Mosely.
LPAC: Was Sie empfehlen, würde das Ende des Westfälischen Systems bedeuten.
LUCAS: (Zitat) "ICH HASSE DAS WESTFÄLISCHE SYSTEM! Die Welt muss das Westfälische Zeitalter hinter sich lassen."
LPAC: Sie meinen nicht, daß es Regierungen geben muss, die das Gemeinwohl der Bevölkerung verteidigen?
LUCAS: "Ich glaube an internationale Sicherheitsorganisationen, wie die NATO…an internationale Regierungsinstitutionen."
LPAC: Die letzte Frage: würden Sie den Bau eines Tunnels unter der Beringstraße unterstützen, um Rußland und die USA miteinander zu verbinden, nach dem Vorschlag von Lyndon LaRouche?
LUCAS: LaRouche! Ich würde keinen einzigen Vorschlag von diesem Spinner LaRouche unterstützen!
LPAC: Er war der intellektuelle Urheber des SDI, wissen Sie…
LUCAS: Mitglieder Ihrer Gruppe haben vor kurzem bei einer meiner Veranstaltungen in Washington D.C. interveniert! Ihr habt die Veranstaltung praktisch gesprengt! Ich musste die Sicherheitsbeamten rufen, um euch hinauszuwerfen!