Rußland und „Der Schatten von 1914″ auf dem Balkan?

05.08.2008
Rußland und „Der Schatten von 1914″ auf dem Balkan? admin 05.08.2008

Am 30.7. gab ein hochrangiger Beamter des russischen Außenministeriums vor Journalisten eine Erklärung ab, die eine offensichtliche Änderung der bisherigen russischen Haltung gegenüber den USA darstellte.  "Sollten die USA weiter einzige Supermacht sein wollen, werde die Zeit kommen, da wir den Dialog in für US-Interessen wesentlichen Fragen abbrechen werden". Rußland sei auf alles vorbereitet. Obwohl die Karadzic-Festnahme vom 22.7. nicht direkt erwähnt wurde,  kam bei dieser Gelegenheit ein massiver Ärger zum Ausdruck, deren Ursprung  „in der altbekannten Balkanfrage liegt, die nun vor einer breiten Öffentlichkeit in Rußland wieder aufgeworfen wird, wobei es um die Rolle von Richard Holbrooke im Fall Radovan Karadzic geht", so der US-Politiker Lyndon LaRouche.

Am 22.7. war der bosnische Serbenführer in Belgrad verhaftet und dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag ausgeliefert worden. Karadzic, dessen britische Verbindungen bekannt sind, wirft Holbrooke als früherem US-Chefunterhändler beim Dayton-Abkommen 1995 vor, geheime Absprachen gebrochen zu haben. Die Briten und ihre US-Verbündeten, die jetzt Karadzic zur Verurteilung freigegeben haben, wollten damit einen neuen Balkankrieg androhen, so LaRouches Analyse. Eine Fraktion in Rußland reagiere darauf mit Wut.

Der Sprecher des Außenministeriums warnte laut Iswestija vom 31.7., Amerika stehe selbst „vor einer dramatischen  Existenzkrise". Die USA bewegten sich auf einem Weg voller schmerzhafter drastischer Veränderungen, den sie nur überleben könnten, „wenn sie innerhalb ihrer Möglichkeiten leben". Amerika müsse „neu geboren" werden, sagte er und kritisierte das US-Konsumniveau angesichts der akuten Nahrungsmittelkrise der Welt. Es könne eine Flucht aus US-Regierungsanleihen geben; 8% des BSP der USA (1 Bio. $) baiserten auf Schulden. „Das sind 2/3 aller verfügbaren Barreserven, die zur Bekämpfung eklatanter Probleme wie dem Hunger eingesetzt werden könnten. Doch die USA sind nicht einmal willens, etwas zur Lösung des Problems ihrer Energieabhängigkeit auszugeben… Zu unserem Nachteil wird das US-Militär auch im Rahmen des Irakkriegs aufgerüstet." Noch glaube niemand, die USA könnten ihre Staatsschulden nicht mehr bedienen, aber sollte das passieren, werde eine Flucht aus Anleihen mit US-Regierungsgarantien beginnen.

„Die Schatten von 1914" überschrieb LaRouche seinen Kommentar vom 2.8. „Obwohl Zar Nikolaus II. sich bewußt war, daß sein Onkel, der britische König Edward VII., Rußland in ein Bündnis gegen Deutschland hineinziehen wollte, indem man russische Emotionen zu einem neuen Balkankrieg verführt, schickte er Rußland und seine Familie in den Untergang, weil er dem britischen Komplott auf den Leim ging."

London habe "vergleichbare Leidenschaften" in derselben Balkanfrage jüngst angestachelt. "Diese Leidenschaften wichtiger Kreise in Rußland sind immer noch ein strategischer Faktor in der Weltlage." Auch sei die Verbindung der früheren US-Außenministerin Madeleine Albright zur H.G. Wells-Vereinigung in den USA ein wichtiger Indikator für die Rolle, die sie und Holbrooke in dieser Region spielen.

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