In einer Sonderausgabe des Wochenberichtes von LPAC-TV diskutierte der LPAC-Wirtschaftsredakteur John Hoefle als Moderator am 28. April mit dem Ökonomen Lyndon LaRouche und der Rußland-Redakteurin Rachel Douglas über die Frage: „Was ist Wert?" Die Sendung ist auf englisch archiviert unter http://larouchepac.com/lpactv?nid=14306.
John Hoefle: Ich begrüße Sie heute, am 28. April 2010, zum wöchentlichen LaRouchePAC TV-Bericht. Wir haben heute zwei besondere Gäste: Lyndon LaRouche, der LPAC leitet, und Rachel Douglas, die Rußland-Korrespondentin von EIR.
Wir wollen heute über verschiedene Fragen diskutieren – eine davon lautet: „Was ist Wert?" Ich meine, dieses Thema ist hochaktuell, denn in den letzten Jahren haben wir gesehen, daß sich vieles von dem, was Leute für sehr wertvoll hielten, als völlig wertlos herausgestellt hat. Das hätte eigentlich niemanden überraschen sollen, aber das war der Fall.
Lyndon LaRouche. Das Problem hierbei ist, daß die Vorstellung von Ökonomie, wie sie in den meisten Institutionen heute gelehrt und verstanden wird, vollkommen inkompetent war und ist. Die Idee, daß Geld ein Wertmaßstab sei, ist einer der größten Schwindel, die jemals verzapft worden sind. Die Idee stammt eigentlich aus dem antiken Griechenland, einer Seemacht, zu der Zeit, als das Perserreich kollabierte. Damit begann die lange Zeit der Herrschaft maritimer Kulturmächte in der westlichen Zivilisation. All das stammt aus diesem Prozeß, als Griechenland im Peloponnesischen Krieg unterging und andere Kräfte u.a. aus Makedonien in Griechenland die Macht an sich rissen. Daraus entwickelte sich das Römische Reich usw. Die gesamte damalige Welt, die westliche Zivilisation insbesondere, war eine maritime Kultur, die auf der Idee von Geld basiert. Geld bedeutete internationale Macht, die noch größer war als die Macht irgendeines einzelnen Staates. Auf diese Weise wurde die Welt regiert.
Es gab auch Ausnahmen. Eine sehr bekannte war die Politik Karls des Großen, die noch zu seinen Lebzeiten erfolgreich war. Karl der Große begründete den ersten europäischen Staat, der von den Pyrenäen bis weit in das heutige Deutschland reichte. Er schuf ein System von Binnenwasserstraßen, d.h. er machte Flüsse schiffbar und verband Flüsse durch Kanäle, so daß es erstmals möglich wurde, Lasten oder das, was wir heute als Handelsfrachtgut bezeichnen, innerhalb von Nationen zu transportieren, ohne die Mündungen der großen Ströme passieren zu müssen. Damit wurde der Anfang einer echten Grundlage für einen Nationalstaats gelegt. Nach dem Tod Karls des Großen gelang es jedoch Byzanz, dieses System zu zerstören. Dennoch hatte Karl der Große einen Präzedenzfall geschaffen.
Aberwährend einer langen Entwicklungsphase beruhte die Vorstellung von Wirtschaft in Europa vorwiegend auf einem monetären System – bis zu einem bestimmten Zeitpunkt, der Entdeckung der beiden Amerikas, die in gewissem Sinne durch Kardinal Nikolaus von Kues entdeckt wurden, bzw. einem seiner Anhänger, der seine Arbeiten studierte und seine Berater und Freunde befragte. Christoph Kolumbus beschloß etwa 1480, den Atlantik zu überqueren, nachdem er von einem Freund des Cusaners eine Karte erhalten hatte, die auf die Erkenntnisse des Eratosthenes zurückging. 1492 bekam Kolumbus schließlich die Geldmittel für das Unternehmen und der Atlantik wurde überquert.
Massachusetts: Das Kreditsystem
Zunächst gab es Probleme. Der Atlantik wurde zwar überquert, doch da die Habsburger die Kolonisierung in Mittel- und Südamerika kontrollierten, brachten wir da nichts zuwege. Die erste erfolgreiche Entwicklung nach einer Landnahme auf dem amerikanischen Kontinent fand im heutigen US-Bundesstaat Massachusetts statt, was man damals Commonwealth of Massachusetts nannte. Dort wurde ein Kreditsystem eingeführt; das erste Mal in der Geschichte, daß über einen längeren Zeitraum eine vernünftige Vorstellung wirtschaftlicher Entwicklung in einer Gesellschaft existierte. Sie entstand in Massachusetts im 17. Jahrhundert, wurde dann vorübergehend durch die Zerschlagung der Massachusetts Bay Colony beendet und unter der Führung von Benjamin Franklin und dem Einfluß von Gottfried Wilhelm Leibniz wiederbelebt. Mit Rußland, Spanien und Frankreich kam bis 1783 auch Unterstützung von Ländern, die später im Zuge der napoleonischen Kriege selbst zerstört wurden.
Aber die Vereinigten Staaten bestanden weiter und erholten sich, und unter dem Einfluß Lincolns bauten wir ein transkontinentales Eisenbahnnetz, das erste dieser Art überhaupt. Anstatt das Staatsgebiet nur über Flüsse und Kanäle zu entwickeln, war nun eine schnellere Transportmethode durch nationale und internationale Eisenbahnsysteme verfügbar, um das Landesinnere zu erschließen.
Unter dem Eindruck dieses Erfolgs machte von 1878 an das amerikanische Beispiel auch in Europa Schule, vor allem in Deutschland unter Bismarck und auch in Rußland, wo sich die große Idee eines eurasischen Eisenbahnnetzes entwickelte.
Darauf basiert eine moderne Wirtschaft. Aber außer den Vereinigten Staaten hat keine einzige Nation auf der Welt einen so erfolgreichen Plan eines Wirtschaftssystems entwickelt – und auch in den USA kam dieser Plan nur unter den richtigen Präsidenten und den richtigen Bedingungen zur Geltung. Unsere Verfassung ist keine monetäre Verfassung, sondern sie beruht auf einem Kreditsystem, wohingegen in Europa bis heute ein monetäres System vorherrscht.
Ein monetäres System ist im Grunde ein imperiales System, d.h. supranationale Mächte wie das Römische Reich, Byzanz oder die imperiale Macht Venedigs, aus der dann das Britische Empire hervorging, kontrollieren die Wirtschaft durch Geldsysteme – imperiale Geldsysteme. Inzwischen haben wir jedoch den Punkt erreicht, wo das imperiale Geldsystem selbst, auf Kosten der Roosevelt-Tradition, die Vereinigten Staaten und Europa an den Rand einer allgemeinen Zusammenbruchskrise gebracht hat. Das, was wir im Augenblick in Europa erleben, ist eine allgemeine Zusammenbruchskrise des Euro-Systems.
Das, was infolge des wahnwitzigen europäischen Systems Griechenland widerfährt, wird in Kürze ganz Westeuropa treffen. Wie sich das alles im Detail abspielen wird, ist nicht bekannt, aber wir befinden uns im Verlauf einer allgemeinen Zusammenbruchskrise der Weltwirtschaft, einem Zusammenbruch mit Schwerpunkt auf Europa und dem Nord- und südamerikanischen Kontinent.
Wenn das jetzige System weitergeführt werden sollte, wird die Welt in ein tiefes finsteres Zeitalter eintreten, schlimmer als das, welches Europa während des 14. Jahrhunderts erlebte. Wenn wir uns also die derzeitige Lage betrachten, so haben wir es mit einem Kollaps der Weltwirtschaft zu tun, in dessen Verlauf die jetzige Weltbevölkerung von etwa 6,8 Mrd. Menschen auf weniger als 2 Mrd. absinken würde – was auch die erklärte und propagierte Absicht des Britischen Empire für die gesamte Welt ist.
Der Glaube ans Geld
Es stellt sich also die Frage: „Was läuft falsch? Was ist falsch an dem System? Warum begeht die Welt immer wieder den gleichen Fehler? Und warum ist die Wirtschaftslehre, wie sie von den Regierungen praktiziert wird, so inkompetent?" Weil sie an Geld glauben. Sie glauben, Geld sei ein Maßstab für Wert. Dieser Glaube an Geld als Wertmaßstab läßt ein System entstehen, das heute erneut zu einer Zusammenbruchskrise führt wie bereits im 14. Jahrhundert und jetzt wieder!
Heute ist unmittelbar die gesamte transatlantische Region betroffen. Auch Rußland ist betroffen, da das verrottete russische Bankensystem britisch kontrolliert ist. Ansonsten ist Rußland wegen seiner physischen Güter durchaus eine lebenskräftige Nation, doch aufgrund der jetzigen Krise besteht für dieses Land die Gefahr, zu zerfallen. Die Krise kann unterschiedliche Formen annehmen; durch Notmaßnahmen kann sie vorübergehend verlangsamt werden. Doch solange das jetzige Weltsystem bestehen bleibt, besonders das transatlantische System bestehen bleibt, und wir unter diesem System handeln, befindet es sich in einem allgemeinen Zerfall, einem massenmörderischen Zusammenbruch.
Deswegen müssen wir im Fall der Vereinigten Staaten zu unserer Tradition zurückkehren, zu unserer Verfassungstradition, die ein Kreditsystem und kein monetäres System ist. Und wir müssen einfach verschiedene Dinge tun. Vor allem gibt es für die jetzige Krise keine Lösung, wenn sie nicht von den Vereinigten Staaten ausgeht. Es ist nicht anders möglich, zu verhindern, daß die gesamte Welt in eine Krise eintritt.
Die Krise selbst ist vor allem eine transatlantische Krise. Die Vereinigten Staaten befinden sich in einem allgemeinen Kollapsprozeß ohne Boden. Und unter den augenblicklichen Bedingungen läßt sich dieser Prozeß nicht aufhalten. Solange Obama Präsident der USA bleibt, werden die Vereinigten Staaten in dieser Krise nicht überleben können. Seine Politik macht dies unmöglich.
Aber auch West- und Mitteleuropa sind aufgrund des Euro-Systems zum Untergang verurteilt. Seit letzter Woche bricht das Euro-System vollständig auseinander. Man nennt das die „Griechenland-Krise", aber es ist keine Griechenland-Krise. Griechenland wird jetzt dieser Prozedur unterzogen, um das britische System zu schützen. Das ganze ist eine transatlantische Krise mit Schwerpunkt im Euro-System.
Nichts kann das Euro-System in seiner jetzigen Form retten und der Kollaps des Euro-Systems bedroht unmittelbar auch Rußland. Rußland ist eine eurasische Nation; sie gehört teilweise zu Europa, aber auch zu Asien. Historisch ist Rußland eurasisch. Die atlantische Seite des russischen Systems wird heute von führenden britischen Agenten kontrolliert wie Gorbatschow, Tschubais usw. Das sind notorische britische Agenten, die keinerlei Loyalität gegenüber Rußland empfinden. Sie sind nur ihrem eigenen Ehrgeiz treu und dem, was sie von ihren britischen Freunden bekommen.
Andererseits ist Rußland durchaus realwirtschaftlich orientiert, genauso wie auch China, Indien sowie Südkorea und Japan an der Kernenergie orientiert sind. Sie bauen eine Verkehrsinfrastruktur auf Grundlage von Schnellbahnverbindungen und andere wesentliche Infrastrukturen auf. Und das, obwohl die Bevölkerung Chinas und Indiens in ihrer Mehrheit extrem arm, verzweifelt arm ist. Doch ihre Investitionen in die Kernkraft und den Massentransport zeigen, daß diese Länder ihre Wirtschaftstätigkeit wiederbeleben wollen. Diese Länder haben nur das Problem, daß ein möglicher Kollaps des transatlantischen Systems eine Kettenreaktion in Rußland, China, Indien und anderen Ländern nach sich ziehen würde.
Es droht somit dem gesamten Planeten ein allgemeines finsteres Zeitalter, falls die Vereinigten Staaten nicht ihre Politik ändern. Europa kann nur überleben, wenn die amerikanische Politik sich wieder auf die Roosevelt-Tradition und den von Franklin Roosevelt verkörperten Einfluß besinnt.
Eine Rückkehr zum Amerikanischen System der politischen Ökonomie im Sinne Roosevelts ist entscheidend, um den Planeten insgesamt vor dem kettenreaktionsartigen Kollaps zu bewahren, der von der transatlantischen Region ausgehen und auf den asiatischen Teil der Welt übergreifen würde.
Das Problem besteht darin, daß wir verloren sind, solange wir an Geld glauben, d.h. ein monetäres System und kein Kreditsystem haben. Und das andere Problem ist, daß alle, die insbesondere in der transatlantischen Welt Ökonomie unterrichten, bis auf einige wenige Ausnahmen vollkommen unfähig sind, mit dieser Krise umzugehen. Der Glaube an Geld ist die Wurzel ihrer Inkompetenz.
Rückkehr zu Glass-Steagall
Sie fragen sich, wie das möglich sein konnte. Schauen wir uns doch zum Beispiel die amerikanische Wirtschaft an. Fast die ganze Zeit, seitdem Truman Präsident geworden war, hieß es, die großen Unternehmen seien profitabel und die Wirtschaft am Wachsen, da die nominellen Gewinne und Bilanzen bestimmter Teile der Industrie angestiegen seien. Doch das war alles nur Schein, denn real gesehen ist die amerikanische Wirtschaft seit Ende des Zweiten Weltkriegs geschrumpft. Das ist so, weil wir Wert nach einem Geld- und nicht nach einem Kreditsystem bemessen. Und weil die meisten Ökonomen inkompetent sind.
Ich stelle seit 1956 Wirtschaftsprognosen an, und ich habe dabei noch keinen einzigen Fehler gemacht, während bisher noch kein einziger meiner Konkurrenten eine korrekte Prognose erstellt hat! Sie lagen alle falsch, und das ist erwiesen. Denn sie benutzten die statistischen Methoden eines Geldsystems, und Geldsysteme sind grundsätzlich fehlerhaft.
Ich habe an anderer Stelle erläutert, wie ich meine Vorhersagen erarbeitet habe und warum meine sogenannten Konkurrenten und auch die Regierungen immer unrecht hatten: Sie gingen von einem statistisch-monetären Wirtschaftsverständnis aus und zogen nicht in Betracht, daß sie es mit einer physischen Ökonomie zu tun hatten.
Das ist der Grund, warum wir zu einem Kreditsystem zurückkehren müssen, und vor allem müssen diese Leute von mir Ökonomie lernen. Einige führende Leute unter den Ökonomen – und das sind Fachleute – beginnen bereits genauer zu verstehen, was ich meine. Das kann noch ganz erfolgreich werden!
Zuallererst müssen wir das gesamte System einer Konkurssanierung unterziehen. Wir müssen einen Glass-Steagall-Prozeß einleiten, in dessen Verlauf das meiste von diesem Dreck aus den Büchern gestrichen wird. Die meisten finanziellen Forderungen der heutigen Geldinstitute werden einfach getilgt. Das gleiche muß in Europa und anderen Bereichen geschehen, ansonsten besteht keine Möglichkeit für eine Erholung. Die Leute müssen verstehen, was ich unter „physischer Ökonomie" verstehe, denn wenn sie das nicht begreifen, werden wir nicht aus dem finsteren Zeitalter herauskommen.
All die Dummköpfe sollten lieber aufwachen! Denn die Zeit ist gekommen, zu einem Kreditsystem überzugehen, wenn wir überleben wollen. Es muß in der transatlantischen Region eine Reorganisation des weltweiten Bank- und Finanzsystems nach Art des Glass-Steagall-Gesetzes geben, um den ganzen Müll aus dem System herauszubekommen.
Über unsere Verfassung haben wir die Möglichkeit, einen Kreditfluß in Gang zu bekommen, um die amerikanische Wirtschaft durch großangelegte Infrastrukturprojekte wiederzubeleben. Wenn die US-Wirtschaft wieder auflebt, wird auch Europa wieder aufleben, und die Welt kann gerettet werden. Doch ohne eine solche Wende gibt es für die Welt insgesamt keine Chance. Hier und jetzt ist der Tag des Jüngsten Gerichts, genauso wie damals für die Menschen im 14. Jahrhundert. Es geht nicht darum, daß dieser Tag irgendwann einmal kommen wird: In Europa ist er in dieser Woche angebrochen.
LaRouche bringt FDR nach Rußland
Rachel Douglas: Lyn, man kennt dich wegen deiner genauen Wirtschaftsprognosen und auch wegen deiner Lösungen in Rußland sehr gut. Als du eben über die Notwendigkeit eines Rooseveltschen Konzepts für das Amerikanische System gesprochen hast, kam mir das Jahr 1996 in den Sinn, als du der Hauptredner eines Seminars in Moskau warst. Damals war das Akademiemitglied Abalkin zugegen, einer der führenden Ökonomen Rußlands, außerdem der inzwischen verstorbene Walentin Pawlow, der letzte Ministerpräsident der Sowjetunion, der dafür bekannt war, Spekulanten für „bankrott" zu erklären, wofür er sich deren Zorn zuzog, als er 1990 eine Währungsneubewertung vornahm, um einiges von dem schmutzigen Geld zu beseitigen.
Die Leute aus den Wissenschaftskreisen, die dich 1996 einluden, waren damals nicht an der Macht. Die damals Mächtigen war die von dir erwähnte Gruppe um Jegor Gaidar, Anatoli Tschubais, Wladimir Mau, Pjotr Awen – jene Leute, die die größten Förderer des Geldkults im heutigen Rußland sind.
Die führenden Kreise, die ihre Macht eingebüßt hatten, waren für deinen Vorschlag, zu den Rooseveltschen Plänen für die Nachkriegszeit zurückzukehren, extrem empfänglich. Heute sind sie nicht mehr so aktiv; einige harren noch in den Nischen ihrer Institute aus. Auch vor etwa zweieinhalb Jahren wurde sichtbar, daß das Potential für eine Art Rooseveltsches Denken noch vorhanden ist. Du erinnerst dich, daß anläßlich des 125. Geburtstages von FDR in Moskau ein Seminar stattfand, auf dem in einigen Reden die Pläne des New Deal aufgegriffen wurden. Doch in den Vereinigten Staaten gab es keinerlei Resonanz auf dieses wichtige Signal. Heute haben einige der gleichen Leute, die an den Gedenkfeiern für Roosevelt vor einigen Jahren beteiligt waren, völlig abgehoben; sie wurden mit Lockmitteln wie der Vision eines „Silicon Valley in Moskau" geködert.
Damit kommen wir wieder auf die Frage zurück, wie verlockend und verdorben der Kult des Geldes ist und wie Leute in Rußland und anderswo damit eingefangen wurden. Kannst du etwas dazu sagen?
LaRouche: Zunächst ist es kein russisches Geld.
Douglas: Genau!
LaRouche: Es ist britisches Geld, d.h. das heutige Rußland wird finanziell vom Britischen Empire kontrolliert. Und ausgerechnet Goldman Sachs ist daran beteiligt!
Douglas: Genau diejenigen, die BRIC [den Zusammenschluß von Brasilien, Rußland, Indien und China] in die Wege geleitet haben.
LaRouche: Ja. Goldman Sachs war nicht nur der Initiator davon, sondern hat mit mehreren Veranstaltungen versucht, Brasilien ganz zu übernehmen.
Aber Brasilien steckt jetzt tief in der Krise, denn Brasilien ist zum Land der Glückseligkeit geworden, eine merkwürdige Glückseligkeit, denn die meisten Leute sind alles andere als glücklich – genau wegen dieser Finanzoperationen. Dort läuft ein Geldvermehrungssystem, das das gesamte britische System abstützen soll…
Douglas: Der brasilianische Carry Trade.
LaRouche: Genau. Dahinter steht die Inter-Alpha-Gruppe, die 1971 vom Britischen Empire geschaffen wurde. Zur gleichen Zeit, 1971, versuchten Einflußkreise des Britischen Empire, den US-Dollar an die Wand zu fahren. Somit war die Inter-Alpha-Gruppe von vornherein ein antiamerikanisches Projekt.
Douglas: Die finanzielle Kernschmelze vor allem in Europa, von der Du gesprochen hast, wird sich auch auf die Banco Santander und einige andere Drahtzieher der Inter-Alpha-Gruppe auswirken.
LaRouche: Das ist bereits geschehen. Der brasilianische Carry Trade warf einen Gewinn von 8% ab, was damals im Vergleich zu anderen Märkten sehr viel war. Heute erreichen die Zinssätze in Europa bereits 15% und mehr. Sie steigen nicht nur, sie schießen hoch! Man weiß nicht, wie hoch sie gehen werden, aber Europa befindet sich derzeit in einer hyperinflationären Spirale. Das bedeutet, daß der brasilianische Carry Trade weiter gehen und zu einer Carry-Trade-Krise wie damals in Japan führen wird. Das bedeutet, daß das gesamte System ein Carry-Trade-Problem haben wird und das gesamte brasilianische System abstürzt. Es muß ja mit den europäischen Zinspreisen mithalten. Die europäischen Märkte lagen jetzt nahe 15%, als ich das letzte Mal nachschaute, und gehen weiter nach oben.
Somit befindet sich das europäische System in einer allgemeinen Zusammenbruchskrise, die nach Brasilien kommen wird, und sie wird die BRIC nicht verschonen – und das heißt, die derzeitige Politik der russischen Regierung ist weg vom Fenster!
Douglas: Genau! Somit wird den ganzen Betrügern und den russischen Agenten des Britischen Systems der Teppich unter den Füßen weggezogen.
Vorletzte Woche war Arkadij Dworkowitsch, über den du letzten Samstag sehr eloquent hergezogen bist, in den Vereinigten Staaten.[sup]1[/sup] Ganz oben auf seiner Prioritätenliste, die er vor einem öffentlichen Publikum in Washington und auch in Kalifornien unverblümt vortrug, stand: Mehr Geld! Als Berater des russischen Präsidenten erklärte er: „Meine Toppriorität lautet, mehr Geld zu beschaffen." Er forderte private Anlagefonds dazu auf, technologische Start-up-Unternehmen in Rußland zu unterstützen. Wenn man dabei von Hightech spricht, hört sich das natürlich gut an, doch leider sind die gleichen Süchtigen des Geldkults Teil dessen geworden, was Du als die „neuen Flagellanten" bezeichnet hast. Genausogut könnte man auch das Facebook-Phänomen als „Hightech" bezeichnen.
Ich mußte neulich mit anhören, wie ein US-Regierungsbeamter einer Gruppe von Russen – auf russisch! – erklärte, daß die sozialen Netzwerke im Internet „die Staatskunst des 21. Jahrhunderts" seien. Er war in Begleitung einer Delegation von sogenannten „Hightech-Unternehmen" wie Ebay und dem Social Gaming Network, als wenn diese irgend etwas mit unserer Zukunft zu tun hätten. Das klingt alles ziemlich absurd!
LaRouche: Ja, Debra [Freeman] hat in einem LPAC-Video bereits berichtet, wie das alles zustandekam.[sup]2[/sup] Der Auftritt dieses Mannes [Dworkowitsch] beim MIT und in Kalifornien war ein Angriff auf mich persönlich. Dieser Angriff ist Ausdruck des Kampfes innerhalb von Rußland, der von jenen ausgeht, die ich „die Feinde der Zivilisation in Rußland" nennen würde, wie Gorbatschow, Tschubais usw. Das sind britische Agenten und wirkliche Feinde der Zivilisation. Sie sind außerdem meine persönlichen Feinde. Sie sind auch die erklärten Feinde des russischen Ministerpräsidenten Putin.
Wir haben uns das nicht bieten lassen, weil er auch direkt an wichtige Leute herangetreten ist, mit denen ich zusammenarbeite, u.a. führende amerikanische Ökonomen am MIT und in Kalifornien. Sie versuchten etwas gegen mich loszubrechen, aber dem sind wir entgegengetreten. Ich habe darauf reagiert und ich meine, dieser Herr wird sich in einer peinlichen Lage wiederfinden, weil er einen Narren aus sich gemacht hat. Aber er kam in die Vereinigten Staaten als Abgesandter von Kreisen in Rußland, die von den Briten kontrolliert werden.
Doch das gesamte Weltsystem bricht derzeit zusammen, und die russische Wirtschaft ist vollkommen von dem britisch gesteuerten System der Inter-Alpha-Gruppe abhängig. Sie wird von Goldman Sachs kontrolliert, die das ganze System geschaffen hat.
Douglas: Wenn wir von Kontrolle über das Geld sprechen, hat das auch etwas mit Ideenkontrolle zu tun. Denn bei unseren Nachforschungen sind wir auf die Wurzeln dieser Kreise beim IIASA [Internationales Institut für Angewandte Systemanalyse] gestoßen.
LaRouche: Ja, das geht auf Bertrand Russell zurück. Es ist ein britisch imperialistisches System.
Was könnte alles geschehen, wenn wir hier in den Vereinigten Staaten unseren Präsidenten loswürden, der das alles blockiert? Ohne ihn ließe sich vieles erreichen. Denn wir werden auf die jetzige Krise so reagieren, wie es Senator Levin angedeutet hat.[sup]3[/sup] Es wird automatisch wie ein Reflex geschehen, denn die Leute sind verzweifelt, sie fordern Taten, und sie werden handeln. Der Präsident steht solchen Reformen im Wege, denn er denkt völlig britisch.
Wenn er aus dem Amt entfernt wäre oder sein Abgang unmittelbar bevorstünde, könnten wir auf die Krise mit einer Glass-Steagall-Politik reagieren. Man sah einen Ansatz dazu in dem, was Senator Levin gestern getan hat. Unsere Antwort muß eine Glass-Steagall-Politik sein – wie unter Roosevelt. Unter diesen Bedingungen würden wir das Bankensystem der Vereinigten Staaten nach Rooseveltschen Kriterien reorganisieren. Dadurch ließen sich viele Hunderte Billionen Dollar nutzloses Geld einfach streichen, denn es entspricht nicht dem Glass-Steagall-Standard; es ist reines Spekulationsgeld.
Dann könnte die Bundesregierung im Roosevelt-Stil neuen Kredit vergeben. Es würden großangelegte Infrastrukturprojekte entstehen: Massenverkehrsmittel, Wasser- und Energieprojekte, aber auch Bildungsprojekte und Schulneubauten, was ebenso zur Infrastruktur gehört. Solche Projekte werden das Wachstum von privater Industrie und Landwirtschaft stimulieren.
Man muß so verfahren, daß zuerst die Infrastruktur in großem Maße ausgebaut wird – wie unter Roosevelt. Dadurch entsteht das wirtschaftliche Umfeld für den Privatsektor. Dann kann auch das Bankensystem wieder Geld an den Privatsektor für Investitionen in die Landwirtschaft, die Industrie usw. ausleihen, um die Dinge instandzusetzen.
Wenn wir das vormachen, werden Europa und Rußland folgen. Wenn sie alle so handeln, haben wir das internationale Handelssystem gerettet und gleichzeitig Hunderte Billionen Dollar, wahrscheinlich sogar eine oder mehrere Billiarden an reinen Spekulationswerten ausgelöscht. Sie werden einfach aus den Büchern gestrichen! Wir beginnen einfach wieder ganz von vorn in einem Rooseveltschen System mit neuer Geldausgabe, so daß wir wieder wachsen können.
Gerüchte in Rußland
Douglas: Ich möchte noch einmal auf die Frage des Konkursverfahrens zurückkommen, denn ich weiß, wie in einigen russischen Kreisen über deinen Vorschlag diskutiert wird. Dabei wird, so meine ich, auch einiges an Klatsch und Tratsch – oder vielleicht auch nur Mißverständnissen – verbreitet. Das nimmt dann folgende Form an: „LaRouche fordert ja ein Konkursverfahren für das gesamte System. Aber es ist bekannt, daß die Vereinigten Staaten der größte Schuldner auf der Welt sind. LaRouche als Amerikaner will also, daß die USA auf Kosten der übrigen Welt ihre Schulden loswerden." Ich meine, wir sollten mit Nachdruck klarstellen, daß dies nicht ist, was du meinst!
LaRouche: Natürlich nicht. Das ist politisch. Die Leute haben Angst. Sie meinen, sie seien Geiseln der jetzigen Regierung. Deswegen sagen sie, was ihrer Meinung nach von ihnen erwartet wird, damit sie in Rußland gut behandelt werden. Eigentlich glauben sie aber gar nicht daran – denn sie verstehen davon überhaupt nichts. Und wenn Leute etwas behaupten, wovon sie eigentlich gar nichts verstehen, zeigt das, daß sie sich eine Geschichte ausgedacht haben.
Douglas: Aus Angst.
LaRouche: Ja. Oder aus Opportunismus.
Hoefle: Der Besuch von Arkadij Dworkowitsch und die ganzen Machenschaften dahinter sind sehr aufschlußreich, denn die Briten verstehen sehr genau, daß die einzige Gefahr für ihr System das ist, was Du vorschlägst. Das wird aber auch von Ökonomen und anderen politischen Kreisen hier in den Vereinigten Staaten ernst genommen. Und wenn sich Deine Politik durchsetzt, sind sie erledigt.
LaRouche: Der andere Aspekt ist, daß in Rußland versucht wird, Präsident Medwedjew als Strohmann dieser Kreise gegen Putin auszuspielen. Deswegen ist es bereits zur politischen Krise in Rußland gekommen. Das ist auch der Grund, warum sie gegen mich vorgehen, denn sie sehen in meinem Einfluß das größte Potential zur Verstärkung von dem, was Putin seinerseits in jener führenden Fraktion in Rußland zu erreichen versucht. Warum sollten sie sonst diesen armen Kerl hier herschicken? Er ist erst 38 Jahre alt, und er ist gar kein Ökonom, sondern ein Schachspieler mit Universitätsausbildung, der alle möglichen Komplikationen hat. Und sie schicken ihn nach Kalifornien und zum MIT, um genau jene Leute anzugreifen, mit denen ich innerhalb der USA zusammenarbeite! Wozu soll das dienen? Er wurde von seinen britischen Herren in Rußland in die Vereinigten Staaten entsandt, um meine Aktivitäten hier zu stören, weil meine Aktivitäten dazu dienen könnten, Putins Position gegen all jenes zu stärken, was die Briten in Rußland anzustellen versuchen.
Sie sahen es deswegen als unmittelbar dringlich an, mich klein zu machen, um auf diese Weise auch unserem verrückten Präsidenten zu helfen. Doch das war ein großer Fehler! Denn sie entblößten damit ihre Flanke, und jeder weiß, was ich mit einer Flanke tue, wenn ich einen Schuh anhabe.
Douglas: Vor etwa drei Wochen ist etwas ähnliches geschehen, als eine Zeitung, die – man glaube es oder nicht – dem früheren sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow gehört, plötzlich die russische Eisenbahn massiv angriff. In dieser Zeitung mit Namen Nowaja Gaseta, was Neue Zeitung heißt, wurde der russische Bahnpräsident Wladimir Jakunin namentlich attackiert, der bekanntlich zahlreiche Interviews gegeben hat, worin er den Bau eines Bering-Straßen-Tunnels als Verbindung zwischen den beiden transkontinentalen Nationen forderte. Auch Viktor Ischajew, der Präsidentenvertreter im russischen Fernost-Distrikt, wurde angegriffen. Ischajew hatte vor zehn Jahren ein Papier über die zukünftige russische Wirtschaftspolitik geschrieben, worin er sich auf Roosevelts New Deal bezog.
Gorbatschows Zeitung suchte sich also eine ganz bestimmte Zielgruppe aus. Insbesondere aber – und man muß sich wirklich die Augen reiben – attackierte das Blatt Großprojekte als Projekte der Steinzeit. Eine solche Steinzeitpolitik hätte nichts mit den Bedürfnissen des russischen Volkes zu tun. Darüber hinaus prangerten sie einige der größten russischen Wissenschaftler des 18. Jahrhunderts an, darunter Michail Lomonossow, der mit Benjamin Franklins Kreisen über die Entwicklung Sibiriens, über Elektrizität u.a. korrespondierte. Lomonossow war berühmt wegen seiner Vorstellung, daß Rußland groß werde, wenn es Sibirien und das Nordpolarmeer entwickele.
Das Gorbatschow-Blatt behauptete also, das sei eine „uralte und dumme Phrase", das russische Volk brauche die Entwicklung Sibiriens nicht, genausowenig weitere Eisenbahnprojekte. Statt dessen müsse sich Rußland nach Süden orientieren – darüber wird in ganzen Büchern gestritten – und Hightech-Methoden anwenden, um auf den Märkten eine Nische zu finden.
Auch anderswo werden Projekte wie ein transkontinentales Eisenbahnnetz, das wir mit nationalem Aufbau und Fortschritt in Verbindung bringen, als „Technologie der Vergangenheit", als „obsolet" oder „altmodisch" bezeichnet.
LaRouche: Gorbatschow ist ein britischer Agent. Er war es von Beginn an. Er ist ein Verräter an Rußland! Führende Russen sehen in ihm einen Verräter an der Sowjetunion, und ich betrachte ihn heute als Verräter an Rußland. Er ist in seinem eigenen Lande ein Verräter seines Volkes, seiner Nation. Er repräsentiert eine Gruppe von Leuten, die alle der alten Bertrand-Russell-Tradition angehören, als sich Russell mit Chruschtschow in Rußland einmischte.
Deswegen habe ich auch einmal gesagt, daß Stalin meines Erachtens umgebracht worden ist.
Mütterchen Russell und die Cambridge-Apostel
Douglas: Auch weil Chruschtschow im Jahr darauf seine Emissäre zu Bertrand Russells Konferenz der Weltparlamentarier für eine Weltregierung entsandte?
LaRouche: Ja. Das war eine politische Wende. Stalin, der eine andere Politik verfolgte, wurde beseitigt, um Chruschtschows Politik einzuführen. Und Chruschtschows Politik entwickelte sich, gewann an Fahrt. Als es zu Verhandlungen mit der Sowjetunion in Paris kam…
Douglas: Die Konferenz 1960 in Paris, an der Nehru, die Führer der Nichtpaktgebundenen Bewegung und de Gaulle teilnahmen. Es eröffnete sich die Möglichkeit einer globalen Konstellation für Entwicklung – doch mitten drin kam es zu dem U2-Zwischenfall und die Konferenz war geplatzt.
LaRouche: Es geht wirklich darum, daß Chruschtschow ein britischer Agent war. Gegenüber der Zeit, wo er noch Regierungschef in der Ukraine war, machte er später eine völlige Charakteränderung durch. Breschnew war ein ganz anderer Fall. Man wußte, was mit Chruschtschow los war, und auf gemeinsamen Beschluß wurde er kalt gestellt.
Douglas: Doch selbst während Breschnews eher traditioneller Industriepolitik blieb diese Tendenz bestehen…
LaRouche: Ja, weil der Prozeß zuvor zu der Errichtung von IIASA führte. Und IIASA war, wie gesagt, die Bertrand-Russell-Politik jener Zeit, genauso wie die russische Politik heute wieder.
Douglas: Für unsere Zuschauer ist es sicher sehr wichtig, daß Du Russell als die Mutter dieser ganzen Vorgänge nennst, denn nicht jeder, der erst seit kurzem auf LPAC gestoßen ist, weiß, daß Du 1994 einen Artikel mit dem Titel „Wie Bertrand Russell ein bösartiger Mann wurde" geschrieben hast. Und Du hast ihn wiederholt als den „bösartigsten Mann des 20. Jahrhunderts" bezeichnet.
LaRouche: Was er ist!
Douglas: Wenn man sich die verschiedenen Aspekte des Problems in Rußland anschaut, stellt man fest, daß viele dieser Phänomene aus der Gruppe der Cambridge-Apostel aus den dreißiger Jahren stammten, deren Mutter Russell war. Aus diesem Prozeß entstand die Systemanalyse; die Cambridger Systemanalytiker traten genau zur Chruschtschow-Periode in Moskau in Erscheinung. John Maynard Keynes stammt daher, der sich von einem Russellianischen Wahrscheinlichkeitsexperten zu einem Ökonomen wandelte, in dessen Buch jede Kapitelüberschrift mit dem Wort „Geld" beginnt. Auch der Spionagering um Kim Philby stammt daher, den Du ja bekanntermaßen 1979 benannt hast; es sei nutzlos, ständig nach dem „dritten Mann" oder dem „fünften Mann" zu suchen, denn es seien alle Dreifachagenten gewesen! Kim Philby war ein bekannter britischer Geheimdienstmann, der zur Sowjetunion überlief, und Lyn behauptete, er habe die ganze Zeit für die Briten gearbeitet. Doch der ganze Komplex entstand doch durch Russells Einsatz während des 20. Jahrhunderts, oder?
LaRouche: Ja. Aber das war typisch britisch. Russell war eine extreme Form davon, aber er war ein vollkommen britisch imperiales Produkt. Er gehörte zu der gerissensten – und bösartigsten – Sorte. Einige andere hingen noch ihren Illusionen über Industrie und physische Realität nach, Russell aber war ein Völkermörder von Anfang an. Mit dem, was er wirklich anstellte, läßt Russell Hitler wie einen Helden erscheinen. Ich meine, in bezug auf Massenmord gibt es keinen größeren, erklärten Verbrecher wie Russell. Heute drückt sich die britische Völkermordpolitik in der Gesundheitsreform des amerikanischen Präsidenten aus. Das ist eine Völkermordpolitik in direkter Anlehnung an Hitlers Völkermordpolitik, die er zu Beginn des Krieges einleitete.
Monetarismus: ein globales Übel
Douglas: Die T-4-Politik.
LaRouche: Ja, und alles andere!
So breitet es sich aus. Die Vereinigten Staaten wurden von feindlichen Agenten infiltriert, die uns jetzt einen Präsidenten gegeben haben, dessen Politik – dessen Gesundheitspolitik und dessen Sozialpolitik insgesamt – die Politik von Adolf Hitler ist! Und der die gleichen Argumente dafür vorbringt wie das Hitler-Regime zu Beginn des Krieges!
Das ist das Übel, mit dem wir es zu tun haben. Es ist ein globales Übel, das auch Rußland infiziert hat. Es ist charakteristisch für das britische System, es hat Westeuropa insgesamt infiziert, und jetzt auch unsere Vereinigten Staaten. Und all das geht einher mit der Idee des Monetarismus. Wenn die Leute an den Monetarismus glauben, dann kann man sie leicht manipulieren. Denn sie glauben dann, daß sie Geld brauchen. Und deshalb bestimmt meist das Geld, das sie bekommen oder nicht bekommen, was sie als ihr Interesse betrachten. Sie verlieren das Gespür für ein menschliches Interesse, und denken nur an ein monetäres Interesse. Und so werden die Leute korrumpiert.
Das ist der Grund dafür, daß die Menschen jetzt wütend sind, denn man hat ihnen versprochen, daß sie in einer Geld-Gesellschaft leben würden, in der die Politik sie mit dem Geld für ein anständiges Leben versorgt. Und das nimmt man ihnen jetzt weg! Und sie schauen sich um und sagen: „Was tut ihr uns an!? Das könnt ihr uns nicht antun!"
Douglas: „Was soll ich jetzt tun?"
LaRouche: Ja. Und dann finden sie sich in einer hoffnungslosen Lage, und stellen fest, daß die Mitglieder des Kongresses diese Politik unterstützen. Und die hassen sie mehr als den Präsidenten! Der Präsident betreibt eine Politik, die absolut nazi-ähnlich und haßerfüllt ist. Aber sie hassen die Abgeordneten des Kongresses noch mehr, denn diese Abgeordneten sollen sie ja vertreten! Und sie meinen, daß diese ihnen näher stünden als der Präsident. Und deshalb hassen die Menschen in den Vereinigten Staaten die Mitglieder des Kongresses mehr als den Präsidenten! Aber auch der ist heutzutage in negativen Zahlen [bei der Popularität].
Das ist also die Lage. So muß man diese Dinge sehen.
Man muß verstehen, warum die Masse der Menschen tatsächlich eine Führung toleriert, die sich dazu verschwört, ihnen das anzutun! Und wenn man sie dann mit Beweisen dafür konfrontiert, die sie zu dem Schluß bringen, daß es diese Leute sind, die ihnen das antun – dann sperren sie sich dagegen. „Nein, du mußt dich irren. Die öffentliche Meinung sagt etwas anderes."
Aber die öffentliche Meinung ist oft von Opportunismus beeinflußt. Und jetzt fangen die Menschen in den Vereinigten Staaten an, sich vom Einfluß des Opportunismus zu befreien, und ihre eigenen Interessen in einer wirklich vernünftigen Weise zu definieren, und an ihre Vorfahren und ihre Nachkommen zu denken.
Douglas: Und die Nachkommen. Das bringt uns zu Deiner Perspektive für die Wissenschaft, denn Bertrand Russell ist wohl eher ein Feind der Tradition in der Wissenschaft, die Dein Projekt und das Projekt des ,Basement‘ über die kosmische Strahlung verkörpert.
Ich erinnere mich, Lyndon, daß du 1995 bei einem Seminar in Moskau gesprochen hast, und du wähltest das Thema „Um die Wirtschaftskrise zu lösen, müssen wir die Mathematiker angreifen". Deine Polemik richtete sich ganz subtil gegen Leonhard Euler und Eulers Argumentation in seinen „Briefen an eine deutsche Prinzessin" für eine unendliche Teilbarkeit und gegen das Leibnizsche Konzept der Monade. Das war geschickt, denn Euler war ja viele Jahre lang in Rußland. Was war die russische Reaktion darauf?
LaRouche: Das Problem war die Kommunistische Partei, die einen sehr starken Einfluß auf die Führung der russischen Wissenschaft hatte. Es ist ähnlich wie bei dem Konflikt zwischen Wernadskij und seinen Gegnern –
Douglas: Oparin.
LaRouche: Oparin, ja. Oparin glaubte nicht an das Prinzip des Lebens. Er hatte nur eine Gelegenheit, bei der ihm erlaubt war, Wernadskij öffentlich, offen anzugreifen, aber inhaltlich war die Sache ganz klar! Man könnte sagen, seine Sicht der Menschheit war mechanistisch, seine Sicht der Chemie in Bezug auf das Leben war mechanistisch, ganz anders als bei Wernadskij. Und das Problem war, obwohl in Rußland Wernadskijs Name traditionell für viele Russen heilig ist, traten die Leute, die sonst Wernadskijs Namen hochhielten, selbst damals schon nicht mehr für die Methoden und Ideen ein, durch die er zu seinen Schlüssen kam.
Das ist das Problem, das Problem der Kommunistischen Partei! Und dieses Problem der Kommunistischen Partei Rußlands ist wie bei allen kommunistischen Parteien, daß Karl Marx ein Anhänger von Adam Smith war, und dieses Problem infizierte jeden, der sich für einen Marxisten hielt!
Douglas: Deshalb bin ich sehr froh, daß einer der großen Renner des letzten Jahres auf unserer russischsprachigen Internetseite ein Aufsatz von dir aus dem Jahr 1994 war, „Die Wissenschaft der physischen Ökonomie als platonische epistemologische Grundlage für alle Zweige des menschlichen Wissens", den wir in Rußland unter dem Titel Physische Wirtschaft als Buch veröffentlicht hatten. Und eine der ganz großen Kapitelüberschriften lautet: „Smith, Ricardo, Marx: Ökonomen der Britischen Schule". Das erlebte in den letzten Monaten einen großen Aufschwung an Popularität, und darin sehe ich ein sehr gutes Zeichen.
LaRouche: Sicher ist es das. Denn der Respekt für die Wissenschaft ist in der russischen Intelligenzia ziemlich stark, noch mehr als in den Vereinigten Staaten. Sie ist immer noch vorhanden, wird aber kaum finanziert. Die Russische Akademie der Wissenschaften und die Ukrainische Akademie der Wissenschaften sind beide Stellen, an denen dieses Denken bewahrt wurde. Und der Einfluß von Wernadskij ist ziemlich stark, denn schließlich beruhten die größten Errungenschaften der Sowjetunion auf der wissenschaftlichen Arbeit Wernadskijs. Wo immer die Institution wirklich wissenschaftlich war – im Gegensatz zu den soziologischen Typen -, hielt die Akademie der Wissenschaften Wernadskij sehr hoch. Alle mußten für Wernadskij sein, sonst wäre man nicht respektiert worden.
Die russischen Oligarchen: die „Außerirdischen"
Hoefle: Als die Berliner Mauer fiel und die Sowjetunion zusammenbrach, da glaubten viele, jetzt gäbe es eine „Friedens-Dividende" – die Welt sei auf dem Weg in eine glänzende, bessere Zukunft. Aber statt dessen kamen die Briten mit ihrem kriminellen Apparat und finanzierten den Aufstieg der sogenannten „Oligarchen" in Rußland, die in Wirklichkeit bloß Strohmänner für die eigentliche Oligarchie sind. Sie plünderten das Land aus und schufen Chaos, um das Land zu zerstören, damit es sich nicht als Nation neu formieren konnte. Und dann kam der Aufstieg Putins, der versucht, Rußland als Nation zu reformieren, und da sind die Briten dagegen.
LaRouche: Das Problem ist ziemlich einfach: Es gibt, wie ich schon sagte, eine ziemlich starke wissenschaftliche Tradition in Rußland. Das ist das Werk der Akademie der Wissenschaften, und das geht zurück bis ins 18. Jahrhundert, zu Zar Peter dem Großen, der ein großer Förderer wissenschaftlicher Unternehmungen war. Er lag zwar in anderen Dingen nicht immer richtig, aber in dem Punkt hatte er recht. Und die Bewegung, die daraus entstand, blieb erhalten. Leibniz persönlich hatte einen sehr großen Einfluß auf diesen Prozeß. Es gab also, trotz des Aspekts der Kommunistischen Partei, diese sehr starke wissenschaftliche Tradition in Rußland.
Dafür war weitgehend Stalin verantwortlich. Stalin war kein einfacher Charakter, aber im Gegensatz zu Bucharin und anderen hatte er, ähnlich wie die meisten Staatsführer Rußlands, die große Bedeutung der Wissenschaft verstanden: daß man einerseits ein politisches System haben konnte, aber andererseits eine wissenschaftliche Grundlage für dessen Existenz brauchte. Hinsichtlich der Wissenschaft waren Stalins Ansichten also durchaus anders und vor allem moralischer als in anderen politischen Fragen – wen er umbringen ließ usw.
Die Stalin-Tradition, die benutzt wurde, um die Verteidigungskapazitäten der Sowjetunion zu mobilisieren, war also, was den wissenschaftlichen Faktor angeht, sehr stark. In der Nachkriegszeit war der Wiederaufbau Rußlands vom Wissenschaftsmotor angetrieben. Das war also tief verwurzelt…
Andropow dagegen hatte, schon bevor er Rußlands Staatsführer wurde, als Nachfolger Chruschtschows einen bestimmten Prozeß eingeleitet, indem er talentierte junge Russen aus der Wissenschaft holte und sie nach London schickte, damit sie dort Finanzwirtschaft studierten. Das lief über die Russell-Kanäle. Tschubais ist dafür typisch: Die Leute wurden korrumpiert. Sie hatten ihre Basis intellektuell in Großbritannien und den Niederlanden —
Douglas: Und in Österreich.
LaRouche: Ja, Österreich.
Douglas: Habsburg! Denn das Internationale Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) [bei Wien] spielte eine ganz zentrale Rolle dabei. Ich habe kürzlich ein Papier gelesen, das Tschubais 1990 verfaßte und am IIASA vortrug, in dem er beschrieb, was sie vorhatten, sei es in der Sowjetunion oder in Rußland. Er sagte: „Als erstes werden wir eine äußerst schmerzhafte Strukturreform haben und alle diese Industrien beseitigen, die wir nicht brauchen, und so die Frachtmenge für die Eisenbahnen reduzieren." Und dann beschrieb er im Grunde genau all das, was dann in den neunziger Jahren geschehen ist.
LaRouche: Das war Russells Politik.
Douglas: Und dann sagte er: „Wir werden das fehlende Element schaffen. Das fehlende Element in Rußland sind die Oligarchen." Er verwendete nicht dieses Wort, aber er sagte: „Wir müssen Leute aufbauen, die viel Geld haben und Firmengründungen etc. finanzieren können." Und das tun sie heute.
LaRouche: Ja. Diese Leute sind heute gegenüber Großbritannien loyaler als gegenüber Rußland. Wenn man an der Oberfläche kratzt, sieht man, daß ihre Ideologie britisch orientiert ist. Sie sind wie Außerirdische, wie die „Pod-Leute" in dem Film aus den fünfziger Jahren [„Die Körperfresser kommen"]. Sie wurden übernommen und durch außerirdische Körperfresser ersetzt, die äußerlich aussehen wie sie. Diese Leute gingen nach Großbritannien und wurden dort wie durch irgendetwas Außerirdisches aus dem Weltraum völlig verändert und sind jetzt keine wirklichen Russen mehr. Sie sehen wie Russen aus, sie sprechen Russisch, usw., sie erscheinen wie Russen, aber es ist, als kämen sie von einem anderen Planeten und einem anderen Universum. Dann gehen sie zurück nach Rußland, wo sie wie Russen reden und auftreten, aber in Wirklichkeit wurden sie zu Feinden, die das Land, aus dem sie kommen, unterminieren.
Wenn man die alten Filme über die Körperfresser anschaut und dann diese Leute sieht, dann sagt man: „Diese Kerle sind Körperfresser! Die ganze Bande, alles Körperfresser!"
Wenn man die Geschichte Rußlands betrachtet, dann ist eines, was man aus dem 20. Jahrhundert am besten weiß, daß die Idee des Patriotismus in Rußland ziemlich klar definiert ist. Ein Russe, der anders denkt, würde nicht als Patriot betrachtet. Einige unserer bestinformierten Russen dieser Tradition würden sagen: „Dieser Soundso ist in Wirklichkeit ein Feind."
Rußland ist ein Land des Atoms
Douglas: Und jetzt laufen diese Clowns herum und reden davon, ein neues Silicon Valley zu erschaffen. Dabei verschweigen sie, daß im Silicon Valley inzwischen die Hälfte der Büroflächen leer steht…
Und ein paar erfahrene Leute in Rußland sagen: „Moment mal! Warum brauchen wir ein solches Zentrum für Neugründungen, wenn wir in Rußland eine Tradition haben, die wir Akademgorodok – Wissenschaftsstadt – nennen. Das ist sehr stark auf die Entwicklung Sibiriens ausgerichtet, wo man eine Menge von Herausforderungen zu meistern hat.
LaRouche: Das Problem ist, daß die Briten Rußland hassen, und deshalb sind diese Leute Rußlands Feinde, auch wenn sie Russen sind – sie sind wirklich wie die Körperfresser.
Vor allem ist Rußland kulturell ein eurasisches Land. Es ist weder eine europäische Kultur noch eine asiatische. Es ist eine eurasische Kultur. Es hat ein riesiges Territorium, vom Pazifischen Ozean bis in den Norden, mit der Tundra, von der nur russische Spezialisten wissen, wie man dort die Rohstoffvorkommen richtig erschließen kann. Es hat also dieses Potential.
Südlich davon liegt die Mongolei, die gerade erst anfängt, sich aus ihrer Isolierung zu befreien. Da ist China, das jetzt aktiv wächst. Indien, Japan, Südkorea sind damit verbunden. Wir haben also Länder mit einer Menge armer Menschen, vor allem in China und Indien, aber man muß auf die Kernkraft setzen, auf Industrie und Wissenschaft! Und Rußland hat in diesem Rahmen eine besondere, natürliche Funktion. Es hat mit seinem Territorium und der Ausbeutung der Rohstoffe seit Jahrhunderten Erfahrungen, und Menschen, die eine solche gemeinsame Tradition in diesem Territorium verbindet. Auf dieser Grundlage kann man die Rohstoffe erschließen, die im Norden Rußlands, vor allem in Sibirien lagern, und die China und Indien in großen Mengen benötigen.
Die Atompolitik ist typisch: Rußland ist ein Atomstaat, eine atomare Macht! Und was wir heute überall in der Welt brauchen, ist ein Ausbau der Kernkraft. Rußland ist ein führendes Land in Asien, das Kernkraft liefert, insbesondere nach Indien, das eine lange Beziehung zu Rußland im Kernkraftbereich hat.
Douglas: Und jetzt auch mit China.
LaRouche: Und jetzt auch mit China!
So hängt die Existenz und das Überleben für China, Indien und die südasiatischen Nationen von der Kernkraft ab. Vor allem die Nationen, die eine hohe Bevölkerungsdichte haben, können ohne Kernkraft nicht überleben und die Armut, die dort jetzt herrscht, nicht überwinden. Hier gibt es ein organisches Interesse für Rußland als Nation und als ehemalige Supermacht. Jetzt ist es nur noch eine Quasi-Supermacht, eine Schatten-Supermacht, aber es hat immer noch diesen Charakter. Der patriotische Impuls in Rußland liegt in dieser erfolgreichen Tradition, mit der Rußlands Geschichte seit Anfang des 18. Jahrhunderts verbunden ist – die Entwicklung des Landes unter Peter dem Großen und danach. Das ist die Tradition. Es liegt in ihrer Natur, ein unabhängiges Rußland zu sein, das vom Charakter her den Vereinigten Staaten nahesteht.
Douglas: Und eine transkontinentale Nation ist. Denn der große Chemiker Mendelejew war auch ein Mann der Eisenbahnen, und ein antibritischer Ökonom. Sein Verbündeter Graf Witte setzte den Bau der Transsibirischen Eisenbahn nach amerikanischem Vorbild durch.
Jetzt gibt es dort kaum noch Menschen, und einige unserer Freunde in Rußland, die Patrioten sind, machen sich Sorgen über die Entvölkerung Sibiriens. Soweit ich weiß, leben heute zwischen dem Ural und dem Pazifik weniger als 20 Millionen Menschen; das ist, was die Bevölkerungsdichte angeht, ungefähr wie Australien! Man hat sogar vorgeschlagen, daß Rußland vielleicht seine Hauptstadt von Moskau in den Fernen Osten verlegen sollte. Aber was meinst du, wie sie mit der Frage der Bevölkerung und der Arbeitskräfte umgehen sollten?
Sibirien entwickeln
LaRouche: Ganz einfach. Zunächst einmal braucht man, um das sibirische Territorium zu erschließen, eine umfassende Infrastrukturentwicklung. Als die Sowjets daran arbeiteten, setzten sie vor allem auf die Wissenschaftszentren, um das zu fördern, und sie hatten besondere Projekte. Aber die Entvölkerung Rußlands nach dem Kollaps der Sowjetunion hat dieses Gebiet der Menschen beraubt, besonders, weil es vom übrigen Rußland abgeschnitten war. Ein Teil dieser Territorien ist recht gut bewohnbar. Es herrscht zwar im Winter ein recht „interessantes" Wetter, trotzdem kann man es dort aushalten. Und dieses Gebiet ist für Rußland als Rohstofflieferant wesentlich. Nicht nur für Rußlands eigenen Verbrauch, sondern auch für seine Nachbarn. Einen Teil dieses Gebiets können nur die Russen erschließen. China kann es nicht – aber China braucht die Produkte! Die Russen können sie liefern. Auch Indien erhält sie von Rußland. Die Frage der Kernkraft ist ein Beispiel für diese Dinge.
So ist es die natürliche Tendenz Rußlands, eine patriotische Nation mit der eigenen eurasischen Orientierung zu werden. Traditionell ist das auch mit den Vereinigten Staaten verbunden, wo es einige ähnliche Herausforderungen gibt. Wenn man an Kanada und Alaska denkt, dann haben wir in Nordamerika die gleichen Herausforderungen wie sie dort in Rußland.
Die Grundidee ist die Entwicklung durch große Infrastrukturprojekte, ohne die man in solchen Ländern nichts aufbauen kann. Das ist ein ähnliches Problem [für Rußland und Nordamerika]. Die Bevölkerung verhungert, wenn man sie davon abschneidet, deshalb haben sie ein Interesse daran.
Sie haben auch wie wir ein Interesse an einem guten Verhältnis zu Europa. Europa ist eine Art Mutterland, das nie erwachsen geworden ist. Es wurde nicht vernünftig, sondern senil. Europa ist auf Rußland wie auf die Vereinigten Staaten angewiesen. Und wir wiederum brauchen Europa als Verbündeten bei der Entwicklung Afrikas und der Entwicklung der armen Regionen beispielsweise Südasiens. Wir haben also gemeinsame Interessen als unterschiedliche Nationalstaaten – denn man darf nicht die Kultur zerstören, indem man versucht, diese Kulturen zu vereinheitlichen. Man muß die jeweilige Kultur nutzen.
Und davor haben die Briten Angst! Sie wollen ein Weltreich, ein einziges Weltreich, das sich über den gesamten Planeten erstreckt, und wollen es gegen Marsianer oder irgendwas von außen abschotten, damit keine Fremden hereinkommen. Das ist die britische Politik.
Wenn Rußland weiterexistiert, wenn es nicht zerstört wird – und es kann sich nur selbst zerstören! -, dann kann das Britische Empire die Welt nicht beherrschen. So einfach ist das. Und darum geht es.
Hoefle: Und das gilt genauso für die Vereinigten Staaten.
LaRouche: Genau! Deshalb tun sie uns das alles an! Deshalb führten wir den Vietnamkrieg. Man hat uns da hinein getrieben, um die Vereinigten Staaten zu zerstören. Und genauso kam es auch. Und sie mußten einen Präsidenten umbringen, um dahin zu kommen – Kennedy. Aus diesem Grunde wurde Kennedy umgebracht! Denn Kennedy war gegen den Indochinakrieg.
Douglas: Er hatte sich in dieser Frage mit General MacArthur getroffen.
LaRouche: Nicht bloß getroffen, sie haben sich ausführlich beraten. „Keine Landkriege in Asien! Keine großen Landkriege in Asien!" Und Kennedy hat sich daran gehalten. Deshalb haben sie dieses Problem „gelöst", indem sie ihn einfach umbrachten. Einige Leute, die Freunde der Faschisten in Frankreich und Spanien waren, wurden dazu nach Mexiko geschickt; sie gingen über die Grenze, ermordeten den Präsidenten der Vereinigten Staaten, gingen wieder zurück über die Grenze und ließen einen Sündenbock zurück, der mit der ganzen Sache gar nichts zu tun hatte.
Hoefle: Und dann kam die Ausplünderung des produktiven Teils der US-Wirtschaft, die danach enorm zunahm, und die Invasion der Parasiten, der Wall-Street-Kreise. So wurde unsere Wirtschaft völlig von außen übernommen…
LaRouche: Ich denke, einer der Hauptschuldigen ist die Harvard Business School [Wirtschaftsfakultät der Universität Harvard]. Die Harvard Business School ist keine Lehranstalt, sie ist ein Krankheit.
Hoefle: Sie ist organisiertes Verbrechen. Wenn man ihre Netzwerke anschaut, dann könnte man das ganze nach dem RICO-Gesetz [Antimafiagesetz] vor Gericht bringen!
LaRouche: Eine RICO-Anklage gegen die Harvard Business School? Das klingt plausibel.
LaRouche als „zweiter Präsident"
Hoefle: Ja.
Wir sind an einem kritischen Punkt. Die Federal Reserve und das Finanzministerium haben enorme Geldmengen in die Rettungspakete gepumpt, und trotz all des Geredes und der Behauptungen Obamas, gegen die Machenschaften der Banken vorzugehen, läuft das alles immer weiter. Das stellt nun die Leute, die an Geld glauben, vor ein ernstes Problem, denn dieselbe Politik, die sie betreiben, um „das Geld zu retten", macht das Geld kaputt. Was soll jemand tun, der Geld an sich als Wert betrachtet, und plötzlich kommt eine Hyperinflation, und das Geld hat keinen Wert mehr?
LaRouche: Am besten sollte ich für einige Wochen das Präsidentenamt übernehmen – nur so als vorübergehende Regelung, als „amtsführender Präsident", oder als sein Statthalter oder Berater. Sagen wir einfach, ich bin „Sonderberater des Präsidenten". Und wenn ich dann dort hineingehe und der Präsident fragt: „Was soll ich tun?", antworte ich: „Ich werde Ihnen sagen, was zu tun ist. Ich weiß genau, was zu tun ist." Schließlich habe ich mich sehr lange mit all dem beschäftigt. Ich bin wahrscheinlich der führende Ökonom der Welt, was das Verständnis solcher Probleme angeht. Ich weiß genau, was zu tun ist. Ich kenne die Präzedenzfälle in der amerikanischen Geschichte, auf die man sich berufen muß! Ich habe die Verfassung verstanden und glaube an sie. Ich weiß, wie sie gemeint ist, ich weiß, wie sie entstand. Schließlich sind, wie man mir sagte, meine Vorfahren einst in Plymouth gelandet. Ich bin also ein „wirklicher Amerikaner"! Ich bin in diesen Dingen qualifiziert. Gebt mir ein paar Wochen im Weißen Haus, in denen ich berate, wer auch immer dann Präsident heißt, und wenn er zustimmt und mitmacht, dann werden wir wunderbar da heraus kommen! Ich weiß genau, was zu tun ist!
Hoefle: In Großbritannien werden sie völlig durchdrehen, wenn sie nur daran denken!
LaRouche: Mit Sicherheit! Sie haben Angst, mich umzubringen, weil sie fürchten, daß ich dann zu einer Art Heiliger werde und sie in dieser Gestalt weiter verfolge!
Douglas: Diese Verbindung zur jüngeren Geschichte ist so wichtig! Es gehört zu den besonders schönen Erfahrungen, wenn man Wernadskij liest, daß man ein viel besseres Gefühl für die Zeit bekommt. Er schreibt zur Noosphäre und zum menschlichen Denken gerne Sätze wie: „Erst in allerletzter Zeit" ist dies oder jenes auf dem Planeten geschehen – und er meint die letzten 10 000 Jahre!
LaRouche: Ja, sicher! Das ist noch gar nichts! Wartet nur ab, bis ihr seht, was demnächst vom Basement [der Wissenschafts-Arbeitsgruppe der LaRouche-Jugendbewegung] kommt!
Douglas: Über die kosmische Strahlung?
LaRouche: Viel mehr! Alles wird sich ändern, was ihr bis jetzt geglaubt habt!
Das Universum ist kreativ
Douglas: Das wird einige in Rußland wirklich freuen. Denn so sehr dein Buch Physische Wirtschaft ein Renner auf unserer russischen Internetseite war, unser größter Renner des Jahres in Rußland ist unser Video aus dem Basement über das Mond-Mars-Projekt mit russischen Untertiteln. Für die Russen ist es ein Teil ihrer Kultur – wie du schon in Bezug auf die Wissenschaft sagtest -, daß sie sich selbst in den schlimmsten Zeiten für eine optimistische wissenschaftliche Idee begeistern können.
LaRouche: Der Punkt ist der: Wir werden jetzt die falschen Ideen von Aristoteles abschaffen. Das Universum als ein System ist schöpferisch, so wie Einstein Keplers Entdeckung beschrieben hat: Das physische Universum ist überall eine Form kosmischer Strahlung, es besteht nicht aus Teilchen, die durch einen leeren Raum hindurch in Wechselwirkung stehen. Es gibt keinen leeren Raum. Das Universum ist in seiner gesamten Ausdehnung erfüllt von kosmischer Strahlung. Und daraus entwickeln sich gewisse Dinge. Es beginnt mit einfachen Elementen und Chemie, und dann sieht man, wie sich durch bestimmte Vorgänge, die ähnlich aussehen wie Kernfusion – es ist ein ähnlicher Prozeß – alle anderen Elemente der Periodentafel bilden und entwickeln. Das Universum ist seinem Wesen nach schöpferisch. Aber nur die Menschheit ist bewußt, absichtlich schöpferisch!
Das Leben ist kreativ: Lebensformen entwickeln sich aus Lebensformen, höhere Lebensformen aus niedrigeren. Ein Universum in seiner abiotischen Form entwickelt sich, nicht nur durch Kernfusion. Die Fusion, in allen ihren Formen, ereignet sich überall im Universum. Das Universum ist schöpferisch! So gibt es eine übergreifende Gemeinsamkeit der drei Bereiche Wernadskijs [Lithosphäe, Biosphäre, Noosphäre]. Einstein drückt es in seiner Beschreibung von Keplers Werk so aus: Das Universum ist endlich, aber unbegrenzt. Es entwickelt sich immer weiter, das ist seine Natur. Und die Menschheit ist der bewußte, kreative Faktor in der Entwicklung des Universums: Das ist unser Universum! Es gehört uns. Wir sind seine Produkte, und es gehört uns.
Hoefle: Wir sind nicht bloß Umweltverschmutzer.
LaRouche: Die Umweltverschmutzer sind alle britisch.
Hoefle: Ja.
Douglas: Zur der Zeit, als Wernadskij damals über die Noosphäre schrieb, versprach er auch, wir würden später große Freude an der Entwicklung der zukünftigen „Kosmo-Chemie" haben.
LaRouche: Ja, diese Dinge. Das war damals schon bekannt. Es war allen führenden Leuten, die an der physikalischen Chemie arbeiteten, bekannt, Leuten wie William Draper Harkins, dessen Name bei uns immer wieder auftaucht. Und die Idee eines „schöpferischen Universums", des anti-entropischen, kreativen Universums, ist die Grundlage für dieses Denken.
Douglas: Das bringt uns zurück zu Bertrand Russell, denn er haßte diese Schule!
LaRouche: Ich weiß. Der Punkt ist der: Er war satanisch. Russell war buchstäblich satanisch. Man kann ihn nur verstehen, wenn man erkennt: „Das ist wirklich ein Kind des Teufels."
Douglas: Und wenn wir Aristoteles loswerden, dann verschwindet „Dirty Bertie" mit ihm, nicht wahr?
LaRouche: Richtig…
Hoefle: Diese Idee ist wirklich faszinierend: daß es unser Platz, unsere Rolle im Universum ist, an der Weiterentwicklung des Universums mitzuwirken und sie zu steuern. Das ist ein großer Gegensatz zu diesem Unsinn, den die Grünen und die verschiedenen Gruppen von Aristotelikern verbreiten. Ihre Macht hängt davon ab, diesen Prozeß aufzuhalten und uns in der mittelalterlichen Welt, die sie so sehr lieben, gefangen zu halten!
LaRouche: Genau das ist es. Das ist das Thema der Prometheus-Trilogie des Aischylos: diese Politik des Bösen, wie es in dem olympischen Zeus dargestellt ist. Das ist das Böse. Und das ist Aristoteles!
Douglas: Hier sehe ich gerade das Verderbliche an der Systemanalyse, daß sie als Wissenschaft getarnt ist. Sie wurde den Menschen in der Sowjetunion – einmal abgesehen von den direkten britischen Agenten – als etwas Wissenschaftliches verkauft: „Holen wir die Mathematik herein, seien wir ganzheitlich." Aber wenn man die Gründung des IIASA betrachtet, stellt man fest, wie richtig der Titel deines Aufsatzes war, den wir 1981 als Broschüre veröffentlicht haben – „Systemanalyse: Völkermord mit weißem Kragen". Aurelio Peccei, der Gründer des mörderischen Club von Rom, hatte zwei weitere große institutionelle Projekte: Das eine war das IIASA, zu dessen Katalysatoren er gehörte; das andere war Prinz Philips World Wildlife Fund.
LaRouche: Ja, das war noch früher, mit Prinz Bernhard und Prinz Philip.
Douglas: Ja. Bernhard lebte damals noch, in den sechziger und siebziger Jahren.
LaRouche: Aber es war das gleiche Projekt. Es war ein britisches Projekt. Es war ein Projekt des Britischen Systems, der britischen Monarchie. Und die britische Monarchie ist bösartig. Denken wir nur an die Bösartigkeit, die man bei Prinz Philip sieht. Und das ist längst nicht nur Philip, das geht zurück auf den früheren Kronprinzen [Edward]…
Douglas: Der Herr der Inseln unter Königin Viktoria.
LaRouche: Er hat das geplant und vorbereitet, was man später den Ersten Weltkrieg nannte, und dadurch indirekt auch eine Politik in Gang gesetzt, die zum Zweiten Weltkrieg führte! Er brachte die Politik in Gang, die zur heutigen Lage des Planeten geführt hat. Man kann also zu ihm zurückgehen, als den Vorvater, die Verkörperung des Bösen in Bezug auf die britische Monarchie.
Viktoria war ein etwas anderer Fall. Ihr Sohn war wirklich bösartig. Er organisierte Bismarcks Sturz, er plante den Japanisch-Chinesischen Krieg, und er machte auch die britisch-japanischen Pläne, nach denen später der Angriff auf Pearl Harbor erfolgte.
Sie waren sich irgendwann nicht mehr ganz einig, aber Japan verfolgte diese Politik weiter. Der Angriff auf Pearl Harbor war das Resultat eines Abkommens zwischen den Briten und den Japanern in den zwanziger Jahren. Aufgrund dieses Abkommens wurde von diesem Punkt an die ganze japanische Marine für einen Angriff auf Pearl Harbor aufgebaut – mit britischer Unterstützung! Und dieser Dreckskerl Churchill und seine Genossen wollten bei ihrer Planung im Zweiten Weltkrieg eigentlich gar nicht, daß wir die Japaner im Pazifik schlagen. Sie wollten einen langen, endlosen Krieg. Roosevelt und MacArthur waren aber anderer Meinung, und deshalb warf MacArthur diese Pläne über den Haufen. Eine Menge Leute in der Marine und anderswo, die auf der falschen, der britischen Seite standen, wollten gar nicht, daß MacArthur damals so vorging, wie er es tat.
Hoefle: Denn das ganze war und ist immer noch ein Angriff auf den Nationalstaat.
LaRouche: Vor allem gegen die Vereinigten Staaten. Wir sind es, was sie am meisten fürchten. Sie konzentrieren sich ganz besonders darauf, unser Land zu korrumpieren, das haben sie schon immer getan. Zu viele unserer Bürger lassen sich korrumpieren und haben eine Schwäche für das britische System. Sie glauben nicht, daß die Queen böse ist, was bedeutet, daß sie etwas nicht verstehen, obwohl es direkt vor ihrer Nase ist.
Hoefle: Man kann sagen, wir haben ein Problem mit unseren eigenen Körperfressen. Denken wir an die Bushs, an Obama usw.
LaRouche: Richtig, genau. Benjamin Franklin hatte das gut verstanden. Er wollte all die Verräter auf ein Schiff packen und wegschicken, und es war ihm egal, ob das Schiff sinken würde. Aber er wurde in dieser Frage überstimmt, und das war ein Fehler. Man denke nur an die Leute in Massachusetts, die bei den Machenschaften der Britischen Ostindiengesellschaft mitmachten.
Douglas: Die Tories.
LaRouche: Ja. Man hätte sie auf ein Boot setzen und sie aus den Vereinigten Staaten hinausbringen sollen, so wie Franklin es vorhatte. Unsere Nation wäre viel sicherer, wenn wir das getan hätten.
Anmerkungen
1. Siehe Lyndon H. LaRouche jr., "The Case of Arkadi V. Dvorkovich: Free Russia from the Pirates of the Caribbean!" EIR, 30. April 2010.
2. Siehe LPACTV, "Debra Freeman on the Stanford Group, Four Powers, and Obama,"
27. April 2010. http://www.larouchepac.com/node/14295; Freeman ist LaRouches nationale Sprecherin.
3. Senator Carl Levin (Demokrat aus Michigan) leitet die Anhörungen des ständigen Senatsuntersuchungsausschusses über die kriminellen Aktivitäten von Goldman Sachs, die Anfang 2007 zu der wirtschaftlichen Kernschmelze führten.