Am neunten Tag des WTO-Treffens in Genf brachen die Verhandlungen zusammen, nachdem es kein Weiterkommen mehr gab. Beim WTO-Treffen war die EU selbst tief gespalten: neun der EU-Mitgliedsstaaten stellten sich gegen die von EU-KOmmissaar Peter Mandelson vertretenen Forderungen. Frankreich, Irland, Polen, Ungarn, Griechenland, Portugal, Litauen, Zypern und Italien verlangten bessere Bedingungen. Auch der irische Bauernverband hielt am selben Tag eine Demonstration vor dem Regierungsgebäude in Dublin ab, um gegen die vorgesehenen WTO- Bestimmungen bei Rindfleisch zu demonstrieren.
Votr allem aber kam Widerstand von Indien, Indonesien und China. Der indische Handelsminister Kamal Nath hatte aufs dringlichste darauf bestanden, daß Nationen das Recht haben, ihre Bauern und die regionale Nahrungsmittelversorgung vor der Überflutung der Märkte mit Nahrungsmittelimporten zu schützen. Nath verlangte, jeder neu abgeschlossene Vertrag müsse spezielle Schutzmechanismen (SSMs) enthalten. Dies wurde von den USA und einigen der von großen Kartellen dominierten,exportorientierten südamerikanischen Länder abgelehnt, aber Indien und Indonesien blieben bei ihrer Forderung.
Nath berichtete, daß er die Unterstützung von 90 Staaten hinter sich habe und entschlossen sei, die Ärmsten der Armen zu schützen. Indien erhielt starke Unterstützung von der indonesischen Handelsministerin Mari Pangestu, die in einer Debatte sagte, daß sie das Überleben von 60 Mio. Bauern sicherstellen muß, die derzeit durch große ausländische Nahrungsmittelproduzenten bedroht sind.
Viele Entwicklungsländer wiesen darauf hin, daß ihre Landwirtschaft angesichts der kürzlichen rasanten Anstiege in den Nahrungsmittelpreisen der Grund mehr Schutz braucht. Nicht kontrollierte sprunghafte Preisveränderungen durch globalen Freihandelkönnten dazu führen, daß der einheimische Reismarkt zusammenbrechen und damit auch die nationale Nahrungsversorgung gefährdet werden könnte.
Indien und Indonesien sprechen zusammen für 1,387 Mrd. Menschen. Auch China hat sich an die Seite Indiens gestellt und fordert das Recht, hohe Zölle auf Reis, Zucker und Baumwolle zu erheben, um ihre Landwirte und die Bevölkerung von 1.33 Milliarden Menschen zu schützen.
Bereits am 18. Juli hatte sich der indische UN-Repräsent NIrupam Sen bei einem Sondertreffen der UN-Generalversammlung zur globalen Nahrungsmittel- und Energiekrise zur globalen Krise geäußert und Maßnahmen gefordert, die dem Wohle der Nationen dienen. Man müsse die Nahrungsmittel- und Energiekrise zusammen anpacken. Aber noch wichtiger sei es eigentlich, sich mit der "3. Krise und eigentlichem Problem", nämlich der globalen Finanzkrise zu beschäftigen.
Mit dem Scheitern der WTO-Runde haben nach dem irischen Nein zum Lissabonner Vertrag die Globalisierungs- und Freihandelspiraten und ihre Ideologen eine weitere schwere Niederlage einstecken müssen. Jetzt gilt es, ein Bankrottverfahren des Finanzsystems und ein "Neues Bretton-Woods-System" souveräner Nationen durchzusetzen, für das der amerikanische Staatsmann und Ökonom Lyndon LaRouche steht.