Schweinegrippe-Pandemie in England: „Wer soll leben, wer soll sterben?“

30.07.2009
Schweinegrippe-Pandemie in England: „Wer soll leben, wer soll sterben?“ admin 30.07.2009

In einem Artikel der britischen Boulevardzeitung Mail vom 27. Juli über die Pandemie-Pläne der britischen Regierung vom April auf der Webseite der Mail  heißt es: "Ärzte müssen ‚Gott spielen‘ und entscheiden, wer leben oder sterben soll, wenn die Schweinegrippe das nationale Gesundheitssystem überfordert".

Ein Bericht des britischen Gesundheitsministeriums mit dem Titel Grippepandemie – Management der Nachfrage und Kapazitäten bei der Gesundheitsversorgung beschreibt in allen Einzelheiten, wie bei einem schweren Ausbruch des H1N1 Virus Krankenhausbehandlungen rationiert werden sollen. In dem im April veröffentlichten Bericht heißt es: "Wenn die Hälfte der Bevölkerung infiziert wäre, müssten sich 6600 Patienten pro Woche um etwas weniger als 4000 Betten in Intensivstationen streiten. Etwa 85 Prozent jener Betten könnten bereits belegt sein mit den alltäglichen Notfällen. Um Beatmungsgeräte, Betten und und intensivmedizinische Geräte zuzuteilen, müssen Ärzte die Patienten bezüglich ihres Gesundheitszustands, ihrer Aussichten und der Schwere der Erkrankung mit Punkten versehen."

Laut Mail: "Diejenigen, bei denen die Behandlung nicht anschlägt, fielen unter ‚umgekehrte Triage‘ – wobei sie von den Beatmungsmaschinen getrennt werden würden, in ‚Sterbezimmer‘ verlegt und lediglich mit Schmerzmitteln versorgt werden würden, um ihre Leiden zu lindern. Patienten mit chronischen Krankheiten wie fortgeschrittenem Krebs oder Herz-, Lungen-, und Leberversagen im Endstadium — und diejenigen, die auch mit Behandlung wahrscheinlich nicht überleben würden — würden kein Bett auf der Intensivstation bekommen."

Der Bericht wurde zu Beginn der Schweinegrippe-Krise im April erstellt, gemeinsam mit Ratschlägen des Britischen Ärztebundes (British Medical Association) und der Gesellschaft für Intensivmedizin (Intensive Care Society). Dr Carl Waldmann, Vorsitzender der Intensive Care Society, sagte dazu: "Auch wenn wir die Kapazitäten in der Intensivmedizin verdoppeln würden, hätten wir bei einer in dem Bericht dargestellten Ausbruchsrate bei der Schweinegrippe sehr schnell keine Betten mehr zur Verfügung. Darüber wagt man kaum nachzudenken, und glücklicherweise sind wir noch weit von einer solchen Situation entfernt. Die damit verbundenen ethischen Fragen sind jedoch eine wichtige Angelegenheit für Ärzte", sagte Waldmann.

Angesichts des ruinösen Zustands und der bereits weitverbreiteten menschenverachtenden Kostenersparnispolitik im National Health Service (NHS) und NICE kann man wohl davon ausgehen, daß die Finanzoligarchie jetzt die Schweinegrippe-Pandemie dazu mißbraucht, um ein noch brutaleres Programm von Kürzungen und der Beseitigung "zu teurer" Patienten" durchzusetzen. 

 

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