Die Financial Times hat eine Erklärung ihrer gesamten Redaktion veröffentlicht, in der unverblümt dargelegt wird, wie die Briten unter den gegenwärtigen Bedingungen des totalen Zusammenbruchs die globalen Institutionen umgestalten wollen. Die Überschrift lautet: „Eine Rettungsmission für die regelbasierte Ordnung.“
Die Erklärung beginnt wie folgt: „Die von den USA verursachte Lücke in der globalen Governance ist nun für alle sichtbar und wirft eine Frage auf, die für unsere Zeit von entscheidender geopolitischer Bedeutung sein könnte: Kann eine Form der regelbasierten internationalen Ordnung für den Rest der Welt gerettet werden? Zumindest in einigen Bereichen gibt es Grund zur Hoffnung – wenn andere Mächte, allen voran Europa, sich dieser Aufgabe stellen.“
Konkret seien dafür globale Handelsabkommen erforderlich, wobei die FT auf die Tatsache verweist, dass „Brüssel und Neu-Delhi diese Woche ein lang ersehntes Handelsabkommen zwischen der EU und Indien vereinbart haben“, sowie auf das lang erwartete Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem Mercosur. Der Schlüssel liege jedoch laut der FT-Redaktion in China: „Ebenfalls in dieser Woche traf der britische Premierminister Sir Keir Starmer den chinesischen Präsidenten Xi Jinping, kurz nach dem kanadischen Premierminister Mark Carney, da beide versuchen, Partnerschaften zu schmieden, um die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen ihren Ländern und China zu vertiefen.“
Das sei ein guter Anfang, heißt es, aber „sie stellen keine vollwertige, regelbasierte Ersatzordnung für die ‚Welt minus eins‘ dar.“ Dazu bedürfe es eines funktionierenden Finanzsystems mit der City of London an der Spitze. „Mit mehr politischer Entschlossenheit als derzeit zu beobachten ist, könnte der [von London geführte europäische] Block durch eine Reform seines [Leistungsbilanz-]Überschussmodells zu einem Anker für die Weltwirtschaft werden und dabei sogar seine eigene Produktivität steigern.“
Zweifellos eine perfekte Formel – auf dem Papier. Aber „der Erfolg wird oft von der Fähigkeit Europas und Chinas abhängen, zusammenzuarbeiten“, und „die Bereitschaft Pekings, eine entgegenkommendere Rolle in der Weltwirtschaft zu spielen, ist kaum gesichert. Die schwere Aufgabe fällt also der EU zu – China unter Druck zu setzen, sich als Teamplayer zu beteiligen, oder, falls dies scheitert, allein die Führung zu übernehmen.“
Was kann da noch schiefgehen?
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