Sohn des iranischen Reformpräsidenten Khatami: Krieg stärkt Hardliner im Iran

15.03.2026
Sohn des iranischen Reformpräsidenten Khatami: Krieg stärkt Hardliner im Iran root 15.03.2026

Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran führt wahrscheinlich zum Gegenteil dessen, was angeblich mit ihm politisch beabsichtigt ist, argumentiert Emad Khatami, der Sohn des ehemaligen iranischen Präsidenten Mohammad Khatami und eine führende Persönlichkeit in der reformistischen Partei seines Vaters, der Etehad-e Mellat. In einem Beitrag für Responsible Statecraft zeigt Emad Khatami, wie widersinnig der jetzige Krieg ist.

Sein Argument: Die Islamische Republik beruhe auf einer relativ kleinen, aber hochorganisierten ideologischen Basis – Netzwerken, die mit dem Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC), religiösen Institutionen und Hardliner-Organisationen verbunden sind, deren Zusammenhalt ihr in Krisenzeiten überproportionalen Einfluss verleiht. Ein Angriff von außen, so argumentiert er, sei genau die Bedingung, unter der sich diese Basis konsolidiert, anstatt zu zerfallen. Die Ermordung des Obersten Führers Khamenei habe diese Dynamik verstärkt: Innerhalb der schiitischen politischen Kultur demoralisiere das Märtyrertum durch die Hand eines ausländischen Feindes solche Hardliner nicht; es verstärke vielmehr ihr Gefühl, einer heiligen Pflicht zu genügen.

Der Krieg schränke jetzt den politischen Raum ein, auf den die Reformanhänger angewiesen seien – jene Offenheit, die die Präsidentschaft seines Vaters (1997–2005) gerade ausweiten wollte. Der Krieg bestimme die gesamte Politik im Sinne von Loyalität und Widerstand und dränge kompromissbereite Stimmen an den Rand, gerade dann, wenn sie andernfalls vielleicht Ansatzpunkte finden könnten. Sein Vater habe während seiner Präsidentschaft einen „Dialog der Zivilisationen“ vorgeschlagen. 

Ermad Khatamis Fazit: Diejenigen, die erwartet hatten, dass man mit Bomben den Regimewechsel beschleunigen werde, haben falsch eingeschätzt, wie sich ideologisch organisierte Systeme unter Druck verhalten. Den höchsten Preis zahlen die einfachen Iraner, die zwischen einem durch den Krieg gestärkten Regime und den ausländischen Streitkräften, die sie bombardieren, gefangen sind. Der Regimewechsel sei das beabsichtigte Ziel des Krieges. Aber wäre nicht der Abstieg des Iran ins Chaos das von Netanjahu gewünschte Ergebnis?

Ein Rückblick: Im September 2001, als die Trümmer der Zwillingstürme des New Yorker World Trade Center noch schwelten und die Logik eines Kriegs der Zivilisationen zur amerikanischen Politik wurde, trat der damalige iranische Präsident Mohammad Khatami bei den Vereinten Nationen auf und vertrat eine ganz andere Sichtweise. Die UN-Generalversammlung hatte gerade den Vorschlag seines Landes für einen Dialog der Zivilisationen gebilligt. Dieser Moment, sagte Khatami, erfordere nicht die „Verherrlichung der Macht“, sondern etwas weit Schwierigeres: den Verzicht auf Machtwillen zugunsten von „Empathie und Mitgefühl“. Der Glaube an den Dialog, so betonte er, schaffe die Grundlage für Hoffnung: „Die Hoffnung, in einer Welt zu leben, die von Tugend, Demut und Liebe durchdrungen ist und nicht bloß von der Herrschaft wirtschaftlicher Kennzahlen und zerstörerischer Waffen. Sollte sich der Geist des Dialogs durchsetzen, werden Menschlichkeit, Kultur und Zivilisation siegen.“   Dieser Weg wurde vom Westen bekanntlich nicht akzeptiert,  sondern die USA begannen „Regimechange-Kriege“ gegen die sog. „Achse des Bösen“.

Quelle: eirna.de

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