Die französische Partei Solidarité et Progrès (S&P) veranstaltete am 8. und 9.11. in Paris zusammen mit dem Schiller-Institut eine äußerst reichhaltige und anspruchsvolle internationale Konferenz zum Thema „Die Emanzipation Afrikas und der Globale Mehrheit - eine Herausforderung für Europa“. Der Schwerpunkt lag auf dem Aufbau einer internationalen Bewegung junger Menschen, die Verantwortung übernehmen, ihre Nationen aus den aktuellen Krisen in eine Welt des Friedens und der gegenseitigen Entwicklung zu führen. In Europa, Nordamerika und mehreren Städten in Afrika und Lateinamerika verfolgten Gruppen junger Menschen die Diskussionen auf Zoom.
Hier werden die deutschsprachigen Videos der Konferenz veröffentlicht.
Die Vorsitzende des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, betonte in ihrer Rede auf der Konferenz die Bedeutung der Methode des „Zusammenfalls der Gegensätze“ (Coincidentia Oppositorum) zur Konfliktlösung, die der große Renaissance-Denker Nikolaus von Kues entwickelte und die Papst Leo XIV. kürzlich befürwortet hat. Anschließend stellte sie zwei Gegensätze der heutigen Zeit gegenüber.
Typisch für die Kriegspolitik in Europa sei es, daß der Westfälische Friedenspreis 2026 an die NATO verliehen wurde, zusammen mit der Jugendorganisation socioMovens, eine typische NGO, die Farbrevolutionen vorbereitet. Zepp-LaRouche verglich dies mit George Orwells Buch 1984, in dem das Ministerium für Folter „Liebesministerium” heißt, das Ministerium für Lügen und Propaganda „Wahrheitsministerium”, das Ministerium für die Verwaltung des Hungers „Überflußministerium” usw. Angesichts der Lage auf dem Schlachtfeld werde der Ukraine-Krieg jedoch bis zur geplanten Verleihung dieses Preises im nächsten Jahr verloren sein.
Dagegen markiere der Westfälische Frieden von 1648 in Wirklichkeit den Beginn des Völkerrechts auf der Grundlage von nationaler Unabhängigkeit, Souveränität sowie der Forderung, daß jeder dauerhafte Frieden die Interessen der anderen berücksichtigen muß. Auf dieser Grundlage könne man Konflikte auf einer höheren Ebene lösen.
Jacques Cheminade, dreimaliger französischer Präsidentschaftskandidat, eröffnete die 1. Sitzung zum Thema „Es ist an der Zeit, die Denkweise zu ändern“, wenn unsere Gesellschaft Finanzkollaps und Atomkriegsgefahr überwinden will. Er polemisierte gegen die Logik des Aristotelismus, die heute unter der französischen (und anderen) politischen und militärischen Führung weit verbreitet ist und mit der künstlichen Intelligenz allgegenwärtig geworden ist. KI „ist einfach die Vervielfachung der aristotelischen Denkweise mit nahezu Lichtgeschwindigkeit. Daher rührt ihre Nützlichkeit bei der Lösung aller Fragen von Deduktion und Induktion, aller Fragen des logisch ,bereits Existierenden‘, aber auch ihre Unfähigkeit, Neues zu schaffen“. Cheminade fügte einen entscheidenden Punkt hinzu: „Lachen ist etwas Einzigartiges des Menschen, aber die KI ist so logisch, daß sie unfähig ist, Witze zu erzählen.“ Er entwickelte diesen Punkt weiter in der 5. Sitzung anhand von Rabelais' Gargantua und Pantagruel.
Zwei ehemalige S&P-Kandidaten für die Nationalversammlung legten anschliessend ihre Gründe für ihre damalige und heutige Wahlkampagne dar. Anschließend sprachen Diane Sare, ehemalige Kandidatin der LaRouche-Bewegung für den US-Senat im Staat New York und Jose Vega, der für den Kongreß im New Yorker Stadtteil Bronx kandidiert.
Der Nachmittag war dem Thema Afrika gewidmet, gefolgt von einer lebhaften Podiumsdiskussion über die Ziele einer Jugendbewegung mit Vertretern aus Frankreich, Deutschland, Mexiko, den USA und Uganda. Es wurden Videoclips gezeigt, in denen Lyndon LaRouche jungen Menschen erklärt, warum die menschliche Kreativität unser wertvollstes Geschenk ist. Ihre Mission sei es nun, (mit Humor!) eine neue, diesmal weltweite Renaissance zu schaffen.
Der Sonntag war eine „Kaderschule”, eine sehr intensive Diskussion über die notwendigen Ideen beim Aufbau eine solchen neuen Renaissance, welche die meisten heute akzeptierten „Mainstream”-Vorstellungen verwerfen. Es wurden zahlreiche Beispiele für die Kraft der menschlichen Kreativität im Laufe der Jahrhunderte in vielen Bereichen angeführt: wissenschaftliche Entdeckungen, Philosophie, bildende Kunst, klassische Musik, Drama und Geschichte.
In der 2. Konferenzsitzung am 8.11. sprachen Vertreter aus verschiedenen afrikanischen Ländern und Bereichen - Kernkraft, Bildung, Geschichte, Friedensbewegung - über ihre Aktivitäten, die Afrika grundlegend verändern sollen. Die Sitzung wurde von Helga Zepp-LaRouche eröffnet.
Princy Mthombeni, Gründerin der Organisation Africa4Nuclear aus Südafrika, gab ihrer Rede den Titel „Afrika muß kritisch gehen“; sie erläuterte: „Wenn ein Reaktor kritisch wird, bedeutet das in der Welt der Kernenergie, daß er eine sich selbst erhaltende Kettenreaktion erreicht hat - Energie fließt, das System lebt... Und genau das wünsche ich mir für Afrika: daß unsere Nationen kritisch gehen. daß wir diesen Punkt der Selbstversorgung erreichen, an dem unser Wachstum, unsere Innovation und unser Fortschritt durch unsere eigenen Kapazitäten angetrieben werden, nicht durch externe Genehmigungen oder geliehene Energie.“
N’godo Filomene Ebi, Doktor der Zeitgenössischen Internationalen Beziehungen am Fachbereich Geschichte der Alassane-Ouattara-Universität in Bouaké in Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste), sprach über wichtige ökonomische Veränderungen: Im letzten Jahrhundert unterstanden größere Projekte in ihrem Land stets westlichen Mächten, vor allem Frankreich, aber seit 1994 leite China immer mehr Entwicklungs- und Infrastrukturprojekte. Hier wie in vielen afrikanischen Ländern spiele China eine wichtige Rolle bei der Förderung der Entwicklung.
Dora Muanda, Beraterin für pädagogische Innovation und Bewertung im Bildungsministerium der Demokratischen Republik Kongo, gab einen Überblick über Reformen, die das Ministerium durchführt. Die Friedensaktivistin Zenobita Manganga, die ebenfalls aus der DR Kongo stammt, beschrieb aus erster Hand die Schrecken des langen Krieges in ihrem Land. Chekaraou Halidou Namaiwa, Panafrikanist aus Niger, sprach über die Mobilisierung junger Menschen gegen die Kolonialisierung und darüber, wie unter jungen Afrikanern der patriotische Geist wieder wächst.
Mariano Nguema Esono Medja, Professor für Internationale Beziehungen an der Nationalen Universität von Äquatorialguinea, sagte, Afrikas Probleme - von der Armut über ethnische Konflikte bis hin zu Korruption usw. - seien ein klarer Beweis dafür, daß die bestehenden Organisationen und Institutionen verändert werden müssen. Er rief auch dazu auf, daß Afrika seine Zusammenarbeit mit anderen Ländern des Globalen Südens ausweitet. Einen inspirierenden Beitrag zu Afrikas Entwicklungspotential lieferte später in der 3. Sitzung Timothy Ninsiima, ein junger Ugander, der sich mit LaRouches Konzept der potentiellen relativen Bevölkerungsdichte in Bezug auf sein Land beschäftigt.
Die letzte Rednerin war Odile Mojon vom französischen Schiller-Institut, die über Israels Völkermord an den Palästinensern sprach, der inzwischen nicht mehr zu bezweifeln sei. Mojon forderte auch die Freilassung des palästinensischen Staatsmanns Marwan Barghuti, der seit Jahrzehnten in Israel inhaftiert ist.
Berichte über weitere Reden und Panels werden folgen; in Kürze werden auch die Videos im Internet verfügbar sein.
Mehr dazu (englisch) hier
Ein ausführlicher Bericht über die ganze Konferenz erschien in der Wochenzeitung Neue Solidarität.
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