Spekulation und Bio-Wahn verstärken Welthunger

17.02.2008
Spekulation und Bio-Wahn verstärken Welthunger admin 17.02.2008

Der Weltmarktpreis für Weizen ist Mitte Februar diesen Jahres um 83% höher als vor einem Jahr, die Preise für Milchprodukte sind über 30% und Reispreise um 40% angestiegen. Am 13. Februar veröffentlichte die Organisation für Nahrungsmittel und Landwirtschaft der Vereinten Nationen (FAO) eine Presseerklärung, mit der Warnung, daß in ärmeren Ländern wegen der "schweren finanziellen Belastungen" der Nahrungsmittelverbrauch drastisch sinken wird. Das bedeute, daß für eine wachsende Zahl von Menschen die Zahl der Tage zunimmt, an denen sie überhaupt nichts mehr zu essen bekommen. Die FAO schätzt, daß einige Länder, denen es bereits an Geld und Nahrungsmitteln fehlt, im Laufe des Jahres bis zu 35% mehr für Getreideimporte werden zahlen müssen, während gleichzeitig die Importmenge um 2% sinken wird.

Teilweise reflektieren sich hier die wilden Spekulationen an den Getreidemärkten und die Hyperinflation, doch darüber hinaus gibt es relative zum Bedarf einen dramatischen Mangel an Getreide und anderen Nahrungsmitteln. Hier zeigen sich die Auswirkungen jahrzehntelanger "erfolgreicher" Globalisierung der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelversorgung, durch welche das agrar-industrielle Potential derart reduziert worden ist, daß die Produktion weiter hinter den Bedarf zurückfällt; die Bedingungen für Hungersnöte und eine drastische Reduktion der Weltbevölkerung sind damit bereits geschaffen worden.

Während sieben der letzten zehn Jahre fiel die weltweite Produktion aller Getreidearten unter den jeweils jährlichen Verbrauch ab. Folglich werden die ohnehin bereits inadäquaten Getreidereserven übermäßig beansprucht und sinken zum Teil unter die festgelegten Mindestgrenzen.

Für das laufende Erntejahr 2007/2008 wird ein Verbrauch von 2120,3 Mio. metrischer Tonnen (MMT) Getreide erwartet – 17,7 MMT mehr als der erwartete Ernteertrag. Die U.S. Weizenreserven werden am Ende der Saison nur noch 7,4 MMT sein – der geringste Wert seit 1983/84.

Verschlimmernd kommt noch die Tatsache hinzu, daß Biotreibstoffe mehr und mehr Erntegut aus der Nahrungsmittelkette herausreißen: beim gegenwärtigen Trend werden im Jahr 2008 12% der weltweiten Maisernte in Biotreibstoff verwandelt!

Aufgrund des Ausbleibens internationaler Bemühungen, mit dem Finanzkollaps umzugehen und wieder vernünftige Nahrungsmittelsicherung zu betreiben greifen einzelne Regierungen inzwischen auf eine Reihe von Schutzmaßnahmen zurück. Am 20. Dezember führte China vorübergehend 5 bis 25 prozentige  Steuern auf Getreideexporte ein; Indien stoppte am 7. Februar seine Reisexporte, Vietnam ebenso. In Ägypten, dem weltweit größten Weizenimporteur, wurden kürzlich die bisher strengen Zuteilungsregeln für Brotsubventionen zum ersten Mal seit 20 Jahren abgeschwächt.

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