31. Juli (LPAC) — Plötzlich ist in Deutschland in den Medien und in der Öffentlichkeit ein Aufschrei über angebliche Lieferungsprobleme in der Milchindustrie ausgebrochen. Der Konsument soll nun für Milchprodukte 40 bis 50 Prozent mehr zahlen, eine Erhöhung, die in den kommenden Tagen stattfinden soll. Als Hauptursache für die drastischen Preiserhöhungen gilt offiziell einen Anstieg des Verbrauchs der "Esser in China und Indien". Dies entspricht genau dem Propagandamuster der Monetaristen, die China, Indien und Rußland für jegliche auftretenden Probleme die Schuld zuschieben, um davon abzulenken, daß das gesamte Finanzsystem kollabiert ist.
Auch auf die Spekulation mit Biotreibstoffen wird nicht hingewiesen, von der insbesondere Sojabohnen und Mais stark betroffen sind; Sojabohnen und die daraus gewonnene Milch werden in vielen Nahrungsmittelprodukten angewandt. Auch wird kein Wort über das Quotensystem für die Milchproduktion von der EU verloren, das in Europa für ein niedriges Produktionsniveau sorgt. Deutsche Bauern haben monatelang eine Kampagne für ein Ende des Quotensystems und höhere Preise für die Erzeuger durch geführt, aber sich die EU Kommission weigert sich, die Quoten anzuheben.
Die Absurdität der Landwirtschaftspolitik der EU bzw. des anglo-holländischen Systems läßt sich daran erkennen, daß die Bauern tatsächlich mehr an der Herstellung subventionierter Biokraftstoffe verdienen als an der Nahrungsmittelproduktion. Ferner werden die Preiserhöhungen den Nahrungsmittelketten am meisten nützen und nicht den erzeugenden Bauern. Dazu kommt noch, daß die EU selbst eine offensive Ausfuhrpolitik für Nahrungsmittel finanziert. Das zeigt, daß man weder den "Chinesen" noch den "Indern" irgendeine Schuld zuweisen kann.
Gleichzeitig wird mit Preiserhöhungen für andere Grundnahrungsmittel wie Brot und Kartoffeln gedroht. Die Dynamik der durch Spekulationen angetriebenen Preiserhöhungen für Grundnahrungsmittel in Deutschland läuft parallel zu Ähnlichem in Italien, wo z.B. die Preise für Pasta und andere Getreideprodukte ansteigen.