Staatssekretär Mario Lettieri: Regierungen müssen neue Wege beschreiten

29.03.2008
Staatssekretär Mario Lettieri: Regierungen müssen neue Wege beschreiten admin 29.03.2008

Mario Lettieri, Staatssekretär im italienischen Finanzministerium, hatte 2005 eine Resolution in die italienische Abgeordnetenkammer eingebracht, in der zu einer Konferenz für ein Neues Bretton Woods und zur Errichtung eines neuen Währungssystems aufgerufen wurde. Ein einem Interview, das er Claudio Celani am 26. März für EIR gab, nahm er Stellung zur aktuellen Debatte zu diesem Thema.

EIR: Die Debatte im italienischen Wahlkampf ist von Giulio Tremontis Kampagne für ein Neues Bretton Woods polarisiert worden. Was halten Sie davon, da Sie ja zu den ersten in Italien gehörten, die sich für eine solche Politik eingesetzt haben?

Lettieri: In der Legislaturperiode 2001-2006 habe ich, wie Sie sich erinnern, einen Sonderantrag in die Abgeordnetenkammer eingebracht, der am 6. April 2005 verabschiedet wurde. In den Antrag war die Debatte einflossen, die damals weltweit in den für solche Fragen empfänglichen Kreisen geführt wurde, auch auf Grundlage der Vorschläge von Prof. [Lyndon] LaRouche. Dem Antrag stimmten nicht nur zahlreiche Abgeordnete aus vielen Gruppierungen zu, er veranlaßte auch eine breite Debatte im Parlament. Er verpflichtete die Regierung, die notwendigen Initiativen einzuleiten, um eine internationale Konferenz von Staatschefs und Regierungen einzuberufen, auf der ein neues und gerechteres Finanz- und Währungssystem definiert werden soll. In dem von mir entworfenen Text stand ein ausdrücklicher Verweis auf ein Neues Bretton Woods, während der schließlich verabschiedete Text hierin etwas allgemeiner war.

 

EIR: Unterstützen Sie also Tremontis Vorschlag?

Lettieri: Es ist positiv, daß auch Tremonti die Notwendigkeit zur Schaffung einer neuen Wirtschafts- und Finanzarchitektur weltweit teilt und unterstützt. Wenn wir von Bretton Woods sprechen, müssen wir an den großen amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt denken, der der Präsident des „New Deal" und der „vergessenen Menschen" gewesen ist. Ihm war es gelungen, Amerika hinter einem großen Programm der wirtschaftlichen und sozialen Wiedergeburt zu vereinen. Roosevelt schuf den Sozialstaat, schuf Arbeitsplätze und verteidigte die Rechte der Arbeiter. Roosevelt war der Präsident, der den Nazi-Faschismus besiegte und gegen den die amerikanische Rechte opponierte.

 

EIR: Die Finanzkrise hat mit dem Zusammenbruch von Bear Stearns und dem Eingreifen der Fed als „Kreditgeber der letzten Instanz" eine dramatische Beschleunigung erlebt. In einem Kommentar hat Lyndon LaRouche, wie Roosevelt, ein dringendes Eingreifen mit einer „Brandmauer" verlangt, um die Eigenheimbesitzer wie die Banken vor den Spekulationsfonds zu schützen. Nach LaRouches Auffassung ließen sich durch eine generelle Rettungsaktion ohne diese Brandmauer zwar einige Banken retten, aber die Folge wäre Hyperinflation. Sind Sie auch dieser Auffassung?

Lettieri: LaRouches Vorschlag ist sehr weise. Wir sollten einen Weg finden, um den spekulativen Teil des Finanzsystems von jenem zu trennen, der mit der Realwirtschaft, mit Betrieben und dem Leben der Familien verbunden ist. Wenn das geschieht, so glaube ich, könnten die Kosten zur Rekapitalisierung des Bankensystems in akzeptablen Dimensionen gehalten werden. Wir brauchen sicherlich ein reguliertes System, das die Finanzflüsse wieder in Investitionen lenkt und dazu führt, daß das Bankensystem aktiv an der Entwicklung der Realwirtschaft, der Infrastruktur usw. teilnimmt. Das sollte das Ziel eines Neuen Bretton Woods und einer Rooseveltschen Politik heute sein. Die exzessive Monetarisierung der Wirtschaft, die massive Spekulation mit Ölprodukten und die anhaltenden sozialen und territorialen Ungleichheiten verlangen es, daß Regierungen und internationale Gremien neue Wege beschreiten, und einer davon ist sicherlich die Rückkehr zu dem 1944 in Bretton Woods geschaffenen System.

Scroll to Top