Starbatty in „Athens News“: Griechenland sollte den Euro verlassen

28.06.2011
Starbatty in „Athens News“: Griechenland sollte den Euro verlassen admin 28.06.2011

Die älteste griechische englischsprachige Zeitung Athens News führte am 27. Juni ein Interview mit Prof. Joachim Starbatty, einem der Kläger gegen die Rettungspakete beim Bundesverfassungsgericht .Starbatty forderte die Griechen darin auf, sich selbst zu retten, indem es den Euro verläßt. Dieses Thema war bisher unter den Institutionen tabu, nicht jedoch bei der protestierenden Bevölkerung. Von daher ist es  bemerkenswert, daß dieses Interview veröffentlicht wurde. Heute fängt ein zweitägiger Generalstreik in Griechenland gegen das mörderische Sparpaket von EU, IWF und EZB an, das diese Woche im Parlament zur Abstimung steht.

Das Interview trägt den Titel "Griechenland sollte zur Drachme zurückkehren". Starbatty wurde gefragt, warum er eine Klage gegen den "Bail-Out" erhoben habe. "Man hat mich oft gefragt, ob ich Griechenland ein Finanzdisaster wünsche, indem ich gegen die Finanzhilfen für Griechenland klage. Aber das genaue Gegenteil ist der Fall. Bei diesem Bruch des Lissabon- Abkommens – durch den Ausschluß der ‚No-bailout-Klausel‘, was die französische Finanzministerin Christine Lagarde offen zugegeben hat, handelt es sich um eine Rettungsoperation für die europäischen Gläubiger, was Griechenland immer weiter in die Schuldenfalle hineingetrieben hat. Wir schlagen stattdessen vor, dass Griechenland für einige Zeit zu seiner traditionellen Währung, der Drachme, zurückkehrt, um die eigene Währung abwerten zu können und wieder international wettbewerbsfähig zu werden."

Auf die Frage,warum der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble so sehr darauf besteht, unbedingt den Euro zu retten, antwortete er, Schäubles kürzliche Rede "sei ein Versuch gewesen, der deutschen Öffentlichkeit zu erklären, warum weitere Zahlungen an Griechenland notwendig seien. Der Euro ist nur dann ein Garant des wirtschaftlichen Erfolges, wenn der Wechselkurs in der Währungsunion ein wirtschaftliches Gleichgewicht widerspiegelt. Wenn das nicht der Fall ist, würde jede Währungsunion explodieren oder sich in eine Transferunion umwandeln. Die Verpflichtung der deutschen Regierung gegenüber Europa ist nicht, mehr Geld in ein offenes Loch hineinzuwerfen, sondern die Grundlage der gemeinsamen Währung zu stabilisieren, indem man gesunde wirtschaftliche Maßnahmen ergreift."

Als Starbatty gefragt wurde,  was eigentlich die griechische Krise ausgelöst habe, attackierte er die "lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank". Sie sei "katastrophal" gewesen für alle Länder, die sich an der Peripherie der Eurozone befinden. Die Zinsraten seien in Wirklichkeit unter null gewesen und "somit wurden Politiker und die Bevölkerung in die Irre geführt – in exzessive Verschuldung, die allgemeine Wirtschaftsstruktur wurde durch Blasen verzerrt und alle diese Länder verloren ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit. Griechenland ist nur der bemerkenswerteste Fall."

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