Die Große Koalition, die den Lissabon-Vertrag durchwinken will, da sie sich ihrer Position so sicher ist, daß weder die Bevölkerung noch Kritiker dazu angehört werden sollen, könnte noch vor dem geplanten Ratifizierungsdatum am 23. Mai selbst in Bedrängnis kommen. Da Merkels CDU bei den Landtagswahlen in Hessen und jetzt bei den Bürgerschaftswahlen in Hamburg schwere Verluste einstecken mußte, ist ihr bevorzugtes Koalitionsmodell mit den Liberalen abhanden gekommen – in Hamburg schaffte es die FDP noch nicht einmal in die Bürgerschaft. Das andere Lager, die SPD und die Grünen, hat in beiden Bundesländern ebenfalls keine Mehrheit, so daß die Sozialdemokraten in Hessen bereits mit der Linkspartei liebäugeln, um sich eine Mehrheit zu beschaffen. Aber da die CDU in Hamburg gleichzeitig mit den Grünen flirtet, könnte es dadurch auch für die SPD in Hessen schwierig werden, da sie dort ebenfalls auf die grüne Unterstützung angewiesen ist.
Es brauen sich also in der Großen Koalition in Berlin viele Probleme zusammen, so daß die Regierungsbildung in Hessen das Ende von Merkels Kanzlerschaft einläuten könnte – noch bevor die Ratifizierung des Lissabon-Vertrags im Mai in die letzte Runde geht.