Südafrika und Rußland vereinbaren großes Kernkraftgeschäft

25.09.2014
Südafrika und Rußland vereinbaren großes Kernkraftgeschäft elke 25.09.2014

Das Tempo, mit dem neue Aufträge für den Bau von Kernkraftwerken vergeben werden, beschleunigt sich weltweit – mit Ausnahme der USA und Europa (abgesehen von Finnland). Am 22. September unterzeichneten Südafrika und Rußland eine Vereinbarung über den Bau von bis zu acht neuen Kernreaktoren in Südafrika mit einer Gesamtleistung von 9,6 GW elektrischen Stroms, eine Steigerung von 23% gegenüber der bisher installierten Kapazität in Südafrika. Von den derzeit 42 GW kommen 1,8 GW aus den Reaktoren in Koeberg nördlich von Kapstadt, wo das bisher einzige Kernkraftwerk auf dem afrikanischen Kontinent steht. Nach den Plänen von Rosatom sollen die neuen Reaktoren bis 2023 ans Netz gehen. Die „strategische Partnerschaft“ sieht Investitionen im Umfang von 40-50 Mrd.$ vor und wurde am Rande einer Konferenz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien unterzeichnet. Sie ist das bisher größte Projekt in der Geschichte Südafrikas, und Rußland wird durch zinsgünstige Kredite einen großen Beitrag zur Finanzierung leisten.

Die Vereinbarung sieht auch eine Partnerschaft beim Bau eines neuen Forschungsreaktors vor. Unterstützung bei der Entwicklung der nuklearen Infrastruktur sowie die Ausbildung südafrikanischer Spezialisten in russischen Universitäten. Bei der Unterzeichnungszeremonie sagte Rosatom-Direktor Sergej Kirijenko: „Rosatom ist bereit, Südafrika bei der Schaffung eines Weltklasse-Industrie-Clusters von der ersten Stufe des nuklearen Brennstoffzyklus bis hin zur Entwicklung und Produktion der Ausrüstung zu unterstützen.“ ITAR-Tass zitierte ihn, dies werde Rußland und Südafrika erlauben, in der Zukunft gemeinsame Projekte in Drittländern durchzuführen. Das Projekte werde auch Tausende von neuen Arbeitsplätzen schaffen und lokale Aufträge im Wert von bis zu 10 Mrd.$ generieren.

Südafrikas Energieministerin Tina Joemat-Petterson sagte: „Dieses Abkommen öffnet die Tür für Südafrika zu russischen Technologien, Finanzierung, Infrastruktur und sie bietet eine angemessene und solide Grundlage für eine umfassende Zusammenarbeit in der Zukunft.“ ITAR-Tass zufolge fügte sie hinzu, Südafrika sei mehr denn je zuvor interessiert an der Entwicklung der friedlichen Nutzung der Kernenergie als Motor des Wirtschaftswachstums.

Derzeit ist die Lage in der Stromversorgung Südafrikas so prekär, daß die Reservekapazitäten bei nur 1% liegen. Infolgedessen gibt es immer wieder Zeiten, in denen es zu Stromabschaltungen kommt. Südafrikas Regierung will die Reservekapazitäten durch Kohlekraftwerke, die sich derzeit im Bau befinden, bis 2019 auf 19% steigern. ITAR-Tass berichtet: „Rußland ist auch bereit, zinsgünstige Kredite für das Projekt zu vergeben. Experten sagen, dies werde Südafrika erlauben, eine eigene Nuklearindustrie aufzubauen, 40-60% Lokalisierung zu erreichen [d.h., Komponenten und Materialien im eigenen Land herzustellen], etwa 30.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen, 16 Mrd.$ an Investitionen ins Land zu holen und 5 Mrd.$ an Steuereinnahmen zu generieren.“

Von den Unternehmen, die Interesse an dem Auftrag zum Bau der Kernkraftwerke gezeigte hatten – Areva und EDF (Frankreich), Toshiba, Westinghouse Electric, China Guangdong Nuclear Power, Korea Electric Power und Rosatom – konnte allein Rosatom eine Vorzugsfinanzierung für das Projekt anbieten. Rosatom baut auch in einer Reihe von weiteren Ländern Kernkraftwerke, darunter Indien, China, Vietnam und Ungarn.

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