Gegenwärtig gibt es eine ganze Reihe von Initiativen, um die explosive Situation in Südwestasien unter Kontrolle zu bringen, und zwar unter Umgehung des Widerstands der US-Regierung.
So spielt der türkische Premierminister Tayyip Recep Erdogan eine wichtige Vermittlerroller bei Friedensverhandlungen zwischen Syrien und Israel. Erdogan war in den vergangenen Tagen mit dem syrischen Präsidenten Bashar al-Assad zusammengetroffen. Sowohl von syrischer als auch israelischer Seite wurde mittlerweile bestätigt, daß die Türkei offiziell zwischen den zwei Ländern vermittelt.
Einer Quelle zufolge könnte in der nahen Zukunft ein Treffen zwischen Präsident Assad und dem israelischen Premierminister Ehud Olmert stattfinden. Beide Seiten stimmen in wesentlichen Punkten eines Abkommens überein, mit dem Syrien gegen Sicherheitsgarantien für Israel die Golanhöhen zurückerhielte. Diese Garantien schließen die Sicherheit der nördlichen Grenze Israels zu Libanon ein.
Einem mit den Verhandlungen vertrauten arabischen Informanten zufolge, mit dem die Nachrichtenagentur Executive Intelligence Review sprach, sähe ein solches Abkommen auch eine bedeutende Rolle Syriens bei der Stabilisierung des Libanon und der Verwandlung der Hisbollah von einer militärischen in eine politische Organisation vor, die vollständig in den libanesischen Regierungsprozeß integriert wäre. Ein weiterer Gesprächspartner wies auf das Treffen zwischen dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas und dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak in Scharm el-Sheikh, Ägypten am 27. April hin. Dieses sei auch ein Element der "von Washington unabhängigen" regionalen diplomatischen Initiativen.
Präsident Bush hatte sich bei dem Besuch von Abbas geweigert, Druck auf Israel auszuüben, um weitere Siedlungsprojekte zu stoppen, was Abbas sehr erzürnt hatte. Palästinenischen Quellen zufolge nahm Abbas diese Haltung als Beweis dafür, daß unter diesen Umständen vor dem Ende der Amtszeit von Präsident Bush kein Friedensabkommen zu erwarten sei.
Die genannten Initiativen reflektieren den Widerstand gegen die kriegerischen Aktionen der von London bestimmten Cheney-Kreise in Washington. Es ist aber entscheidend, daß der britische Faktor, der eine Politik permanenten Krieges in der Region vorsieht, verstanden wird, denn sonst greifen die besten Kriegsvermeidungsabsichten zu kurz.