Der Präsident des syrischen Parlaments appellierte am 6.9. in einem Brief leidenschaftlich an die US-Kongreßabgeordneten, mit ihren syrischen Kollegen zusammenzuarbeiten, um auf diplomatischem Wege Differenzen beizulegen. Wir veröffentlichen unten den Brief im englischen Original. Der US-Kongress kehrt heute nach Washington zurück, um über die Syrien-Frage zu beraten.
Der offizielle Brief, den der Sprecher des syrischen Parlamentes, Mohammed Jihad Al-Lahham, am 4. September an seinen Amtskollegen Boehner im amerikanischen Kongreß geschickt hat, enthält angesichts des massiven Widerstandes in den USA gegen einen Militäreinsatz Amerikas in Syrien großes Explosivpotential. Der Bitte, den Brief zu Beginn der nächsten Sitzung laut zu verlesen, so daß alle Kongreßabgeordneten seinen Inhalt zu Kenntnis nehmen können und einem leidenschaftlichen Appell, der drohenden Gefahr, daß aus regionalen globale Konflikte werden können, durch zivilisierten Dialog zu entgehen, folgen dann einige politische Sprengbomben.
Al-Lahham präsentiert die folgenden Fakten: Der Hauptfaktor bei dem Anschlag vom 11. September sei der Haß der wahabi-dschihadistischen Ideologie, die von den Saudis adoptiert und finanziert werde, aus dieser Ideologie sei die dschihadistische Doktrin der Muslimbrüder entstanden, mit saudischem Geld würden nach wie vor Tausende von Salafi-Wahabi-Terroristen ausgebildet. Syrien sei „das letzte säkulare Land in der Region“ und müsse sich gegen Zehntausende nicht-syrischer Dschihadisten verteidigen. In Wirklichkeit seien die USA und Syrien gleichermaßen Opfer desselben Gegners, nämlich der haßerfüllten Wahabi-Ideologie, die von den Saudis unterstützt und finanziert werde.
Dschihad Al-Laham betont dabei einen sehr wichtigen Punkt, den die Kriegspartei gerne unterdrücken will: „Der gemeinsame Feind unserer beiden Nationen ist die wahabitische Haßideologie des Dschihad, verkörpert in Al-Kaida, der Al-Nusra-Front und deren Ablegern.“ Diese „von den Saudis übernommene und finanzierte“ Ideologie sei der Hauptfaktor bei den Angriffen des 11.9. 2001 gewesen und die Saudis finanzierten weiter religiöse Dschihad-Schulen, um Terroristen aus aller Welt auszubilden. Syrien als „der letzte verbliebene wirklich säkulare Staat im Nahen Osten“ kämpfe heute gegen Zehntausende ausländische Dschihadisten.
Die dem Brief beigefügte Faktensammlung widerlegt die Behauptungen über einen Chemiewaffeneinsatz der syrischen Armee. Weiter heißt es, ein Militärangriff wäre illegal, da Syrien keine Gefahr für die USA und den UN-Sicherheitsrat darstelle. Als letzter Punkt schreibt Al-Lahham statt einer gegenseitigen Bekämpfung an die vollständige Umsetzung der UN-Sicherheitsratsresolutionen 1373 und 1624 gegen Terrorismus zusammenzuarbeiten. „Statt Feinde zu sein, sollten wir gemeinsam den Weg zu Frieden und Wahrheit beschreiten.“
In einem Versuch, die Brücke zu den Kongressabgeordneten zu schlagen zitiert Al-Lahham den US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt: „Wenn die Zivilisation bestehen soll, müssen wir die Wissenschaft der menschlichen Beziehungen kultivieren — die Fähigkeit, dass alle Völker in derselben Welt in Frieden zusammenleben.“
Wie zu erwarten, wurde der Inhalt von Al-Lahhams Schreiben in den Medien kaum erwähnt. Wie die Familie Bush vor ihm ist Obama fest entschlossen, die Verwicklung der anglo-saudischen Achse in die Finanzierung von Terrorismus und „Regimewechsel“ zu vertuschen und die schändliche „Sonderbeziehung“ zu Saudi-Arabien zu erhalten.