Der siebenundachtzigjährige Widerstandskämpfer und Komponist Mikis Theodorakis sagte am Wochenende in einem Interview mit Athen News, daß das griechische Parlament keinerlei Legitimität mehr besitze, da es nicht die Mehrheit der Bevölkerung repräsentiere.
Der siebenundachtzigjährige Widerstandskämpfer und Komponist Mikis Theodorakis sagte am Wochenende in einem Interview mit Athen News, daß das griechische Parlament keinerlei Legitimität mehr besitze, da es nicht die Mehrheit der Bevölkerung repräsentiere.
„Ich habe kein Interesse an einem Parlament, das nur noch eine Minderheit der Nation repräsentiert, weniger als die Hälfte der Wählerschaft. Vom Verfassungsstandpunkt betrachtet ist es sogar illegal, weil die Abgeordneten einen Staatsstreich durchführen, genau wie Mitglieder einer Junta.“ Deren Zustimmung zu den zwei Rettungspaketen habe Griechenland „für die nächsten 150 Jahre an Händen und Füßen an einen Marterpfahl von Schulden und Zinszahlungen gekettet. … Diejenigen, die uns voller Bewußtsein in den Bankrott getrieben haben – die Troika und die Regierung – behaupten jetzt, daß sie uns vor dem Bankrott bewahren wollen. Das ist unglaublich. Mit dem neuen Memorandum legitimieren sie das erste (von 2010), das nie die [für die Aufgabe souveräner Rechte erforderliche] dreifünftel Mehrheit bekommen hat. … Die Troika, die Regierung und alle Politiker, die diese Entscheidungen herbeigeführt haben, besitzen keine Legitimität. Man kann sicher sein, daß sie alle dafür eines Tages angeklagt und verurteilt werden.“
Auf die Frage, ob eine zukünftige linke Regierung die Abkommen in Frage stellen könnte, erklärte Theodorakis: „Die Linke kann das nicht allein. Aber das ganze Volk kann es – von der patriotischen Linken bis zur patriotischen Rechten. Das Vaterland, Hellas. Vereinigt als eine Faust werden wir eines Tages unwürdige Regierungen, Troikas oder Merkel-Sarkozys zum Teufel schicken.“
„Griechenland ist reich. Unsere Bürger arbeiten hart. Was fehlt uns dann? Was uns fehlt, ist unsere nationale Unabhängigkeit.“ Und auf die Finanzkrise angesprochen: „Die einzige Krise ist die Krise des Finanzkapitalismus, die Krise der Giganten des Finanzkapitals – was letztendlich nur virtuelles Geld darstellt. Die Finanzinteressen haben die europäische Führungsriege gekauft, die nicht bemerkt, daß sie sich damit den Strick um den eigenen Hals legt. Heute handelt die europäische Führung wie ein Raubtier. Morgen werden sie die Opfer sein, so wie wir es heute sind.“