Giulio Tremonti, früherer Finanzminister Italiens und stellv. Vorsitzender der italienischen Abgeordnetenkammer, reflektierte in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera vom 23. August Lyndon LaRouches Analyse und Lösung der gegenwärtigen Krise. Besonders wichtig: Tremonti rief Europa auf, „sich von Erschlaffung zu wirtschaftlicher Initiative zu bewegen, so wie Roosevelts New Deal.“
Die Alternative zwischen New Deal und freier Marktwirtschaft war ein Thema, das Tremonti kürzlich mit Lyndon LaRouche und Alfonso Gianni, einem Unterstaatssekretär im Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung bei einer öffentlichen Konferenz in Rom am 6. Juni debattierte.
„August 2007: tempus revoltum“, sagte Tremonti in dem Interview. „Die Finanzkrise ist eine Haarnadelkurve, an welcher sich ein Teil unseres Lebens verändert. Das wird nicht nur wirtschaftliche Konsequenzen haben, sondern auch politische, ja sogar spirituelle Konsequenzen. Das bedeutet das Ende von vielen Gleichungen: daß das Vaterland das Ende der Welt sei, daß der Euro Europa umschließe… Europas Regierungen müssen sich von Erschlaffung zu ökonomischer Initiative bewegen, wie mit Roosevelts New Deal…
Die Intensität der gegenwärtigen Finanzkrise wird noch nicht genügend wahrgenommen. Sie wird wahrscheinlich noch immer unterschätzt. Auf jeden Fall ist es eine Krise, deren Effekte sich nicht auf Finanzen beschränken werden, sondern sie werden sich auf die ganze Wirtschaft und viele andere Aspekte des Lebens ausdehnen. Es handelt sich um eine Krise, die das Ende des „goldenenen Zeitalters" markiert, das Ende der letzten Ideologie des 20, Jahrhunderts, die sowohl heidnisch als auch postmodern ist. Die Idee der Finanzen als universellen Kraftstoff für einen Motor, der die Vergangenheit und die Gegenwart mit all ihren Begrenzungen und Verkomplizierungen und die Geschichte überholt; mit der die Menschheit eine „neue“, immer einfachere Zukunft sehen sollte. Die Krise von 2007 überwindet diese Bedingungen, beendet den Flug in die Zukunft, markiert die Rückkehr der Geschichte.“
Auf die Frage, ob der Vergleich mit 1929, der früher schon von Tremonti gezogen wurde, bedeute, daß es ein Replay von 1929 geben würde, antwortete Tremonti, „Geschichte wiederholt sich nicht auf vollkommen identische Art und Weise, sondern durch Analogien.“ Er verlachte jene, die „debatieren, ob es Substanz oder Zufall sei, ob es 1929 ist oder nicht. Was es auch sein mag, es ist eine Krise mit großgeschriebenem K.“
„Der Eindruck ist“, sagte Tremonti, „daß ein großes Pyramidenspiel an sein Ende kommt. Die leichten Hypotheken in den USA sind die Verbindung, die zusammenbrach, aber es gibt noch mehr schwache Punkte. Der schwächste Verbindung besteht in den Hedgefonds, ‚irregulären Banken’, die sich in den letzten 10 Jahren jeder Kontrolle entzogen haben. Ein Schlüsseldatum wird das Ende des Monats sein, wenn die Hedgefonds ihre Bilanzen präsentieren müssen und berichten müssen, wie viel sie wert sind und wieviel sie verloren haben.“