Der Wirtschaftsminister Italiens Giulio Tremonti stellte bei einer Konferenz in Mailand am 26. Januar klar, das jetzige System könne nicht gerettet werden. Tremonti begründete seine Aussage darauf, daß die „Globalisierung zu schnell und zu sehr auf Schulden aufgebaut worden ist.“ „In den alten Industrieländern wurden zwar auch Schulden gemacht, jedoch hat man sie für neue Anlagen, neue Industrien eingesetzt. Heute werden Schulden aufgenommen, um bestehende Industrien aufzukaufen.“
Ferner analysierte Tremonti „alle Instrumente des Werkzeugkastens“, die seit dem Ausbruch der Krise im August 2007 zur Bewältigung derselben eingesetzt wurden: die Liquiditätsspritzen, das „Hubschraubergeld“ (damit meint er die Aussage des US-Notenbankchefs Bernanke, man könne im Notfall das Geld einfach über Großstädten aus einem Hubschrauber abwerfen), bis hin zu „Elementen keynesianischer Politik“.
„Die Grundsubstanz all dieser Interventionen ist Verschuldung,“ stellte Tremonti fest. „Schulden sind von einer Hand zur nächsten weitergereicht worden, von der privaten in die öffentliche Hand.“
Vor Beginn der Veranstaltung, die von der katholischen Organization Fondazione per la Sussidiarieta (FS) organisiert worden war, hatten Mitglieder der LaRouche Jugendbewegung Flugblätter verteilt, in denen die neuen Möglichkeiten der Obama-Administration, LaRouches Lösung eines Bündnisses zwischen den USA, Rußland, China und Indien zur Initialzündung für die Bankrottreorganisation des Finanzsystems durchzusetzen, angesprochen wurden. Es wurde auch auf Tremontis Äußerung Bezug genommen, eine „biblische“ Lösung für die Finanzkrise umzusetzen, bei der die Derivatpapiere, der „Giftmüll“, für einen gewissen Zeitraum aus dem Verkehr gezogen und neutralisiert würden.
Bemerkenswert ist auch die Äußerung Tremontis bei der Veranstaltung, die staatliche Investitionspolitik des New Deal von US-Präsident Franklin D. Roosevelt habe „mit Keynes wenig zu tun". Roosevelt sei selber dafür verantwortlich gewesen.
Indem sich Herr Tremonti in seiner Art des Umgangs mit der Finanzkrise nicht auf die herkömmlichen Methoden von Rettungspaketen, Verstaatlichungen und „Bad Banks“ beschränkt, erweist er sich im Gegensatz zu einigen deutschen Politikern in ähnlicher Position als ein ideologisch unverblendeter, wirklicher Denker: „Wir müssen die Familien, die Industrien und die funktionierenden Teile der Banken retten. Wer sagt, daß wir Derivate retten müssen?“ Aus dieser Fragestellung könne leicht „nachvollzogen werden, daß, im Geiste eines biblischen Moratoriums dieses Universum, das die Wirtschaft paralysiert, davon entkoppelt, aussortiert und auch in finanztechnischer Hinsicht außer Kraft gesetzt werden kann. Wenn Sie Herzprobleme haben, lassen Sie sich schließlich auch am Herzen und nicht am Bein operieren."