Der nahe Vorbeiflug des Asteroiden 2012 DA14 und mehr noch die Explosion des Meteoriten über Tscheljabinsk an ein und demselben Tag haben die Gefahren, die uns aus dem Weltall drohen, der Weltöffentlichkeit klar vor Augen geführt. Experten, die an der Problematik schon seit Jahren arbeiten sind weder von den Medien noch der Politik bisher groß beachtet worden. Der EU war das Programm NEO Shield bisher gerade einmal magere 4 Millionen Euro wert. Es wird geschätzt, dass man von den Asteroiden über 300 Meter Durchmesser bisher etwa 80 Prozent entdeckt hat – von den kleineren Brocken aber nur den Bruchteil eines Prozentes. Die Herausforderungen für die Wissenschaft sind also gewaltig:
Erstens werden international koordinierte Beobachtungsstationen, Teleskope sowohl auf der Erde als auch im Weltraum, gebraucht, die mithilfe verschiedener Wellenlängen (Infrarot, Radar, sichtbares Licht) jene Brocken aufspüren, die der Erde potentiell gefährlich werden können. Das beinhaltet auch eine möglichst genaue Bahnbestimmung.
Und zweitens müssen Technologien entwickelt und erprobt werden, mit deren Hilfe solche Brocken, in ihrem Kurs beeinflusst oder anderweitig unschädlich gemacht werden können. Spätestens dazu sind unbemannte und bemannte Missionen, wie sie schon von der NASA und anderen Weltraumagenturen angedacht oder in Vorbereitung sind, von Nöten.
Mit der jetzigen Politik hyperinflationärer Bankenrettung, währende die Realwirtschaft zu Tode gespart wird, sind diese Herausforderungen nicht zu begegnen. Auch hier wird deutlich: Wenn der Überhang fiktiver Wettschulden, die nie etwas mit der Realwirtschaft zu tun hatten, nicht sofort aus den Büchern gestrichen wird – und dafür brauchen wir das Trennbankensystem – und wir nicht gleichzeitig ein auf souveränen Währungen basiertes Kreditsystem schaffen, dann sind diese notwendigen Investitionen in die Zukunft der Menschheit einfach nicht zu stemmen.
Es folgenden eine Auswahl unmittelbarerer Reaktionen auf die Ereignisse vom Freitag:
„Heute sind weder Rußland noch die Vereinigten Staaten in der Lage, Objekte aus dem äußeren Weltall abzuschießen“, schrieb Rußlands stellvertretender Premierministers Dimitri Rogosin in seinem Twitter-Account. „Am Montag werde ich Premierminister Medwedew ein objektives Bild des Ural-Ereignisses präsentieren und Vorschläge über die Möglichkeiten, Gefahren aus dem Weltall von der Erde abzuwenden, unterbreiten“. Rogosin hatte als russischer Botschafter bei der NATO das Konzept der Strategischen Verteidigung der Erde (SDE) bereits vor eineinhalb Jahren den NATO-Staaten unterbreitet – aber bisher keine Antwort erhalten.
Die Los Angeles Times zitierte am Samstag Wladimir Lipunow, den Vorsitzenden des Weltraumbeobachtungslaboratoriums an der staatlichen Universität Moskau: „Es ist höchste Zeit, daß Rußland umfangreiche Mittel in den Bau eines fortgeschrittenen Gefahrenerkennungs- und Warnsystems im All investiert und darüber hinaus Technologien zur Zerstörung solcher Super-Bomben, die vom Himmel fallen, entwickelt“.
Lipunow ist verantwortlich für ein System von vier 15,7 Zoll-Teleskopen, die über ganz Rußland verteilt errichtet und mit deren Hilfe, wie verlautet, Hochqualitätsvideos des Asteroiden 2012 DA14 während seines Vorbeiflugs aufgenommen wurden. Lipunows Laboratorium war bisher in der Lage, zweihundert solcher Brocken im All aufzuspüren und zu katalogisieren. Es verfügt aber bisher nicht über die Fähigkeit, vor möglichen Einschlägen rechtzeitig zu warnen. Offensichtlich existierte in der Sowjetära schon ein System, das gewisse Fähigkeiten in dieser Hinsicht aufwies, und deshalb rufen einige Experten in Rußland jetzt dazu auf, es wiedereinzusetzen und mit 59-Zoll-Teleskopen auszurüsten, wie sie von den Amerikanern genutzt werden. „Beispielsweise können Amerikaner ein gefährliches Objekt ausmachen und berechnen, dass es irgendwo im Ural niedergeht, aber das kümmert sie nicht weiter“, kommentierte Alexander Bagrow, Wissenschaftler am astronomischen Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften gegenüber dem Nachrichtenkanal Russia-24 „Sie können das stillschweigend übergehen.“
In den USA veröffentlichten die Kongreßabgeordneten Rush Holt und Donna Edwards am 16. Februar einen Gastkommentar in der Washington Post, in dem sie die Aufstockung der Forschungsgeldern für die Früherkennung erdnaher Objekte fordern. Holt ist Physiker und früherer stellvertretender Direktor am plasmaphysischen Labor in Princeton. Edwards ist führende Demokratin im Unterausschuß des Kongresses für die Belange der Weltraumforschung. Die beiden Ereignisse am Freitag unterstrichen, „wie bedeutsam es ist, daß Länder schnell erfahren, was da vom Himmel fällt und welche Gefahren damit eventuell verbunden sind.“
„Diese Bedrohungen sind auf einen Tag bezogen winzig, müssen aber sicherlich als existentielle Bedrohung der Menschheit ernst genommen werden“. Sie beklagen die chronische Unterfinanzierung dieses Forschungsfeldes und schreiben, daß Washington mehr tun solle, ein internationales Frühwarnsystem aufzubauen, das glaubwürdige und zeitnahe Informationen für den ganzen Globus bereitstellen kann“. Neben der unmittelbaren Gefahr eines Aufpralls, weisen sie auf die Gefahr hin, daß ein explodierender Meteorit, so wie jener, der Tscheljabinsk getroffen hat, mit einem nuklearen Angriff verwechselt und zu gefährlichen Überreaktionen führen könnte. „Der Schaden, der angerichtet werden könnte, wenn ein Land die Explosion eines Meteoriten mißinterpretiert, und einen Gegenangriff starten würde, ist erschreckend.“
Unglücklicherweise legen die beiden Kongreßabgeordneten eine sehr pragmatisch eingeengte Sichtweise an den Tag. Sie rufen zwar zu Programmen der Früherkennung auf, begnügen sich dann aber mit Maßnahmen zum verbesserten Katastrophenschutz. Ein offensives Forschungsprogramm, um solche Gefahren abzuwehren, wie von Rogosin gefordert, fehlt. „Wir sollten die notwendigen Investitionen bereitstellen, um erdnahe Objekte aufzuspüren und uns auf Katastrophen aller Art vorbereiten“.
In der Geschichte waren es gerade jene Perioden, in denen alle geistigen Ressourcen einer Gesellschaft mobilisiert wurden, die in Folge ein wirtschaftliches Aufblühen bewirkten. Es ist an der Zeit den Paradigmawechsel, hin zu einer neuen Renaissance, zu verwirklichen.