Die folgende Liste vermittelt einen Eindruck, wie westliche Regierungen und private Einrichtungen sich in die inneren Angelegenheiten der Ukraine (wie vieler anderer Länder) einmischen. Die Liste stammt aus dem Jahresbericht 2012 der National Endowment for Democracy (NED), Abschnitt Ukraine, worin angegeben ist, welche Organisationen in dem Jahr wieviel Geld erhalten haben. Die NED wurde 1983 vom US-Kongreß gegründet und wird von der US-Regierung bezahlt. Wie Wikipedia es formuliert: „Trotz der staatlichen Finanzierung handelt es sich rechtlich um eine private, gemeinnützige Organisation. Das ermöglicht dem Staat die Weitergabe von Haushaltsmitteln an ausländische Organisationen über einen Dritten.“
Ähnliche finanzielle Unterstützung an zahlreiche kleinere und größere Organisationen vergeben u.a. die internationalen Institute der Demokratischen Partei und der Republikanischen Partei oder private Organisationen wie die von George Soros. Auch die EU hat über Programme für „nichtstaatliche Akteure“, „Demokratieförderung“ u.a. über die letzten Jahre einen zweistelligen Millionenbetrag an ukrainische Gruppen gezahlt.
AHALAR Center for Humane Technologies $35,230
ANGO Resource Center $30,086
Association of Ukrainian Law Enforcement Monitors $44,900
Bakhchisarai Center of Regional Development „Top-Kaya“ $15,526
Bukovyna Partnership Agency $48,295
Center for International Private Enterprise $359,945
Center for Political Studies and Analysis $27,940
Center for Progressive Young People “Apelsin” $25,000
Center for Research on Social Perspectives in the Donbas $39,776
Center for the Study of Social Processes and Humanitarian Issues $30,060
Center UA $26,920
Cherkasy Committee Voters of Ukraine $34,993
Chernihiv Youth Educational Center „Initiative“ $27,930
Chernivtsi Committee of Voters of Ukraine $29,920
„Civic Space“ Information and Analytical Center $31,535
Civil Initiative Support Center $48,486
Democratic Initiatives Foundation $73,464
Dniprovsky Center for Social Research (I) $25,000
Dniprovsky Center for Social Research (II) $25,000
Donetsk Press Club $39,810
Donetsk Committee of Voters of Ukraine $52,930
East European Democratic Center (I) $78,969
East European Democratic Center (II) $41,584
Foundation for Promotion of Civil Activity $27,130
Garage Gang Collective $37,637
Human Rights Training Center $19,370
Independent Association of Broadcasters $39,271
Independent Center of Political Researchers and Journalists $33,611
Institute for Euro-Atlantic Cooperation $48,120
Institute of Mass Information $34,470
Institute of Political Education $47,994
Institute of the Republic $29,990
International Republican Institute (I) $250,000
International Republican Institute (II) $35,000
International Republican Institute (III) $95,000
Journal Ji Analytical Center $34,981
Kharkiv Human Rights Protection Group $47,200
Kherson Association of Journalists „South“ $31,675
Kherson Association of Journalists „South“ $39,578
Kherson Committee of Voters of Ukraine $40,890
Krytyka Journal $47,000
Luhansk Business Club „European Choice“ $32,000
Lutsk Center for Political Analysis and Electoral Consulting $26,523
„Moloda Cherkaschyna“ Coalition of Cherkassy Youth NGOs $31,855
National Democratic Institute for International Affairs $345,000
Odesa Committee of Voters of Ukraine $41,851
Our House – Svatovschina $21,945
Policy Association for an Open Society $39,934
Polissya Foundation for International and Regional Research $25,000
„Postup“ Human Rights Center $24,030
Razumkov Center for Economic and Political Research $39,990
School for Policy Analysis of the Kyiv-Mohyla Academy $52,750
Smoloskyp $36,294
Spilnyi Prostir Association $50,000
Sumy Regional Committee of Youth Organizations $56,260
Sumy Regional Organization „Bureau of Political Analysis“ $31,293
„Tamarisk“ Center for Support of Civic and Cultural Initiatives $30,890
Telekritika $69,800
Ukrainian Catholic University $35,000
Ukrainian Center for Independent Political Research $56,950
Ukrainian Helsinki Human Rights Union $47,994
Ukrainian Youth Association of Ukraine $42,900
Vinnitsa Youth Organization „Nashe Podillya“ $52,046
Volyn Resource Center $16,170
Youth Alternative $42,143
Beispiel: Die Propaganda des „Projekts Demokratie“ in der Ukraine
Der Journalist Sergij Leschenko ist Reagan-Fascell-Stipendiat der US-Stiftung National Endowment for Democracy (NED), d.h. er wird über die NED von der US-Regierung bezahlt. Im Januar nahm Leschenko Interviews mit drei früheren US-Regierungsmitgliedern, einem Professor und dem Chef der Denkfabrik Freedom House auf, die darin die Euromaidan-Demonstrationen unterstützen. Diese Videointerviews wurden in der Ukraine u.a. als Abschriften in der Zeitung Ukrainskaja Prawda verbreitet, um den Eindruck zu verstärken, daß die USA die Aufstandsaktivitäten im Stadtzentrum von Kiew unterstützen. Es folgen einige wesentliche Auszüge aus den Interviews.
Zbigniew Brzezinski
Brzezinski war der berüchtigte außenpolitische Guru des US-Präsidenten Jimmy Carter aus der Trilateralen Kommission Ende der 70er Jahre. In einer Aussage vor dem US-Senat am 15. Januar rief er die ukrainische Opposition auf, sich hinter einer Führungspersönlichkeit zu sammeln, die eine Übergangsvereinbarung mit der Regierung aushandeln soll, um einen Regimewechsel herbeizuführen.
„Ich grüße die heroischen Menschen vom Maidan. Was ihr tut, ist historisch und lebenswichtig. Gerade solche Aktionen dramatisieren eure nationale Identität, euren Kampf für eure Unabhängigkeit und euren Glauben an den Sieg. Nun müßt ihr das in ein wirksames politisches Werkzeug umsetzen. Ihr müßt nicht nur den Ukrainern, sondern der ganzen Welt demonstrieren, daß der Wunsch nach Unabhängigkeit, das Ziel, ein freier europäischer Staat zu sein, der gleichzeitig Rußland freundlich gesinnt ist, etwas ist, was euch alle vereint, und daß ihr eine Führung habt, die diese historische Verpflichtung symbolisch widerspiegelt. Deshalb müßt ihr ein Komitee der nationalen Einheit gründen, ihr braucht eine sichtbare Führung und ihr müßt allen Betroffenen klarmachen, sei es in Kiew, in Washington, in Berlin, in Moskau, daß die neue Generation der Ukrainer einer unabhängigen Ukraine verpflichtet ist, die Teil Europas ist, Teil eines Europas, dessen Teil letztlich auch Rußland sein wird, und daß ihr nicht aufgeben werdet, bis dieses Ziel erreicht ist.“
Melanne Verveer
Verveer ist ehemalige Sonderbotschafterin der USA.
„Ich sage allen Ukrainern, die auf dem Maidan viele lange Tage und lange Nächte bei eiskalten Temperaturen für das Ziel der Demokratie und einer besseren Zukunft ihres Landes verbracht haben: Gebt nicht auf, denn ihr seid die Zukunft. Euer Wunsch nach Demokratie, eure harte Arbeit ist es, was die Zukunft bringen wird, die ihr sehen wollt… Ich hoffe, ihr erkennt, was ihr erreichen könnt, wenn ihr gemeinsam dafür arbeitet, die blühende Demokratie und Integration mit Europa zu schaffen, die jeder einzelne von euch sehen möchte. Als Amerikanerin weiß ich, daß ihr unseren Respekt und unsere Bewunderung habt, und daß meine Regierung daran arbeitet, herauszufinden, ob es andere Mittel gibt, euch in euren Bemühungen zu unterstützen… Ich weiß nicht, wie es ausgehen wird, aber ich kann euch sagen: Wir sind mit euch allen solidarisch.“
David Kramer
Früherer US-Außenstaatssekretär für Demokratie, Menschenrechte und Arbeit; Kramer leitet heute das Freedom House, ein Projekt aus dem Kalten Krieg, das in den 1950er Jahren vom anglo-amerikanischen Geheimdienstmann Leo Cherne gegründet wurde.
„Ich bin sehr beeindruckt, daß so viele Ukrainer eine westliche Orientierung der Ukraine fordern… Ich sagen ihnen: Wir stehen an eurer Seite… Ich hoffe, daß die Lage sich schnell und ohne weitere Gewalt löst, aber ich hoffe auch, daß meine Regierungen und Regierungen in Europa die notwendigen Schritte ergreifen werden, um den Druck auszuüben, den ich für notwendig halte…“
Prof. Francis Fukuyama
Autor des bekannten Buches „Das Ende der Geschichte“, Professor an der Stanford-Universität
„Ich war im September (2013) in Kiew und alle waren voller Hoffnung, daß die Ukraine die richtige Entscheidung treffen und sich auf Europa zu bewegen würde. Und ich sagte damals, das wäre die einzig denkbare Zukunft für die Ukraine. Es gibt keine Zukunft in einer Allianz mit Rußland. Rußland ist ein Ölstaat, der im wesentlichen auf Diebstahl gegründet ist, der kein längerfristiges Ziel hat und keine langfristige politische Freiheit. Und deshalb denke ich, obwohl ich von der Entscheidung der Führung der Ukraine (gegen das EU-Assoziationsabkommen) sehr enttäuscht bin…, daß der Kampf nicht vorbei ist… Ich bin voller Hoffnung, daß der Kampf weitergehen wird und daß die Ukraine am Ende die richtige Entscheidung treffen wird – für Europa.“