Die EIR-Agrarexpertin
Marcia Merry Baker dokumentiert in ihrem Bericht, wie die Erfolge der
weltweiten Entwicklung in der Landwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg in den
vergangenen drei Jahrzehnten vorsätzlich zunichte gemacht wurden.
Die Welthandelsorganisation
als Institution und die sie bestimmende Ideologie müssen abgeschafft werden.
Wir stehen heute vor einer großen Ernährungskrise, weil im Januar 1995, also
vor nur 13 Jahren, die Welthandelsorganisation ins Leben treten durfte. Zuvor
war über 10 Jahre hinweg, 1984 bis 1994, die weltweite Nahrungsmittelproduktion
im Rahmen der GATT-Gespräche unter dem Dach der UNO hin zu einem System des
Freihandels „reformiert” worden. Damit erreichte der Abbau des Potentials der
weltweiten Nahrungsmittelerzeugung einen vorläufigen Höhepunkt, nachdem sie
während der Amtszeit von FDR und in der Nachkriegszeit systematisch aufgebaut
worden war. Das unausweichliche Ergebnis war die heutige weltweite
Ernährungskrise. Die WTO war von Beginn an bösartig. Nationen wurden unter
Druck gesetzt, bedroht und gezwungen, sich ihrer Politik zu unterwerfen. Wer
sie heute unterstützt, begeht ein Verbrechen.
Der folgende Bericht ist eine
Abrechnung mit den Verbrechen der WTO-Ära und eine Offenlegung der Taten von
Agenturen und Personen, die beteiligt waren. Es wird deutlich werden, daß die
Schaffung der Bedingungen, unter denen Millionen von Menschen dem Hunger und
dem Verhungern preisgegeben wurden, von Netzwerken in der Absicht, Nationen zu
unterminieren und zu entvölkern, geplant wurde. Den vorläufigen Schlußpunkt
unter diesen Prozeß des landwirtschaftlichen Abbaus bildet der
Biotreibstoff-Wahn, den Al Gore als Ober-Bio-Treibstoff-Clown mit seiner
Kampagne „Retter den Planeten” lostreten half. Gore ist nur eine Marionette der
neo-imperialen, britischen Gruppe, die das System souveräner Nationalstaaten
abschaffen will, genau jetzt, da das Finanzsystem zusammenbricht.
Das Verbrechensregister der
WTO kann man am besten verstehen, wenn man auf die Jahrzehnte und die Regionen
zurückblickt, in denen der Aufbau agroindustrieller Produktion gefördert wurde
– von den Farmprogrammen gegen die Depression in den dreißiger Jahren in den
USA bis zu den landwirtschaftlichen Autarkieprogrammen in Indien nach der
Unabhängigkeit von der britischen Kolonialherrschaft 1947. Aber dann wurde ein
Prozeß eingeleitet, der über Jahrzehnte die gesteckten Ziele unterminierte und
die erreichten Erfolge rückgängig machte. Der Umfang der verfügbaren
Nahrungsmittel ging weltweit zurück. Ehemals hochproduktive Farmregionen wurden
entvölkert, von den Hochebenen Nordamerikas bis Europa, Australien und
Südamerika. Heute hat ein Siebtel der Weltbevölkerung nicht ausreichend zu
essen. Vor diesem Hintergrund ist die Geschichte der WTO eine Serie von
Verbrechen gegen die Menschheit und nicht eine für akademische Debattierrunden.
Wie kann man die Politik der
WTO bekämpfen? Die Institution muß aufgelöst werden, Nationen müssen austreten.
Ihre Vorschriften müssen ausgesetzt werden, genau so wie die ihrer vielfältigen
„Klone“ wie die NAFTA, CAFTA und alle der anderen. Es gibt keinen Weg, wie
dieser sogenannte „kontrollierte” Freihandel in ein gerechtes und nützliches
System verwandelt werden könnte.
Angesichts des heutigen
Notstands in der Nahrungsmittelversorgung sollte man sich die Litanei der WTO
noch einmal in Erinnerung rufen: Nationen dürften keine Nahrungsmittelreserven
aufbauen, weil dies den Handel verfälsche. Nationen dürften nicht versuchen,
autark zu werden, weil dies den Bürgern das Recht auf Zugang zum weltweiten
Markt verwehre. Nationen dürften ihre eigenen Bauern nicht schützen, weil es
die in anderen Ländern benachteiligte. Nationen dürften keine Zölle erheben,
weil es das Recht anderer Produzenten auf Zugang zu deren Verbrauchern
verwehrte und so weiter.
Die Auswirkungen dieser
Politik sind völkermörderisch. Deswegen kann man darüber nicht debattieren,
sondern muß sie abschaffen.
Wir wollen zuerst auf das Ausmaß
und die jüngere Geschichte der heutigen Ernährungskrise blicken und dann die
kriminelle Natur der WTO offenlegen.
Die Nahrungsmittel sind nicht da!
Die Graphik 1 zeigt, daß die
weltweite, allgemeine Pro-Kopf-Erzeugung von Getreide aller Art – Reis, Weizen,
Mais u. a. – seit 20 Jahren gefallen ist. 1986 wurden noch 338 kg pro Person
erzeugt, bis 2006 sank das Aufkommen auf 303 kg pro Person. Dieser Rückgang
wurde jedoch keineswegs durch eine gesteigerte Produktion anderer Nahrungsgüter
ausgeglichen, wie z.B. durch Knollenpflanzen, Gemüse oder Ölfrüchte, die
ebenfalls unzureichend angeboten werden.
Graphik 2 zeigt, daß in 12
der letzten 20 Jahre weniger Getreide erzeugt als in dem jeweiligen Jahr
verbraucht wurde. Das schließt den direkten menschlichen Verbrauch,
Futtermittel, den Verbrauch in der Industrie und der Energieerzeugung, Reserven
usw. ein. Folgerichtig sind die Lagerbestände jedes Jahr auf ein inzwischen
gefährlich niedriges Niveau gesunken. Der Mißbrauch von Nahrungsmitteln für
Energiezwecke ist jetzt der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen bringt.
Die letzte Schätzung besagt,
daß 2008 der weltweite Vorrat an Getreide aller Art auf ein 25-Jahres Tief von
405 Mio. t fallen wird, eine Verringerung um 21 Mio. t oder 5 % im Vergleich
zum schon niedrigen Stand im Jahr 2007. Dieser Vorrat reicht nicht einmal für
zwei Monate, gemessen am Verbrauch des Jahres 2007, wie die Graphik 3 zeigt.
Das sind Durchschnittswerte und bedeutet, daß in vielen Regionen entweder schon
Mangel herrscht oder eine Katastrophe droht.
Hinter der Hyperspekulation
bei Agrarrohstoffen in den letzten Wochen an den Börsen lauert die bittere
Wahrheit, daß es keine Produkte gibt, die den Bedarf der realen Verbraucher,
der Bäcker, Bierbrauer, Länder, decken könnten. Die Märkte funktionieren nicht.
Die Preise für Getreide schießen in den Himmel, doch die Preise von
„Papiergetreide” haben mit den realen Getreidepreisen nichts zu tun, und es
kann sein, daß man selbst zu viel höheren Preisen kein Angebot findet.
Am 17. April schrieben z.B.
die Philippinen eine Reisauktion für 500.000 t Reis aus, um Kontrakte mit
internationalen Anbietern zu sichern, aber nur 325.750 t Reis wurden
tatsächlich angeboten. Die Preise schwankten von 872.50 $ bis 1.220 je t. Die
nationale Nahrungsmittelbehörde des Landes hatte mit einem Maximum von 900 $
pro Tonne kalkuliert. Und dann reichte das Geld nicht aus.
Bis April hatten viele der
wichtigsten Getreideexportländer die Ausfuhr auf den internationalen Märkten
begrenzt, um den Verbrauch der eigenen Bevölkerung zu sichern. Vietnam, China
und Indien verhängten ein Ausfuhrverbot, Rußland und Kasachstan schränkten den
Weizenexport ein. Regierungen bemühen sich um bilaterale Verträge, um den
kurzfristigen Bedarf zu decken. Die Philippinen erhielten Zusagen aus Vietnam
und den USA, aber viele der ärmeren Nationen stehen mit leeren Händen da. In
vielen Teilen der Welt brechen Hungeraufstände aus, in Haiti und Mittelamerika,
in Afrika und Bangladesch.
Die Architekten in London,
die das Freihandelssystem in den vergangenen Jahren durchgesetzt haben,
schreien jetzt am lautesten gegen die Regierungen, die Getreide von den
Weltmärkten zurückhalten oder außerhalb des Marktes bilaterale Verträge
abschließen. Typisch ist ein Bericht der britischen Hongkong and Shanghai Bank
(HSBC) vom 15. April, der auf 45 Seiten unter dem Titel „Das Schreckgespenst
der Nahrungsmittelpreise” gegen Regierungen wettert, die die Preise, den Export
und die Transportbedingungen regulieren wollen. Sie schießen sich auf den
Vertrag zwischen Vietnam und den Philippinen ein und behaupten, solche
Maßnahmen hätten eine „perverse Wirkung” und würden nur den Anpassungsprozeß,
der die Inflation herunterdrücken soll, verlängern. Der Economist in
London verhöhnt Getreideverträge unter Regierungen als „Getreidepiraterie”
(cereal offenders – ein Wortspiel mit serial offenders – Serienverbrechern).
Aber im Gegensatz zu diesen
Schakalen ist der allgemeine wissenschaftliche und moralische Impuls als
Reaktion auf den Einbruch des Weltagrarmarkts und auf die Versuche von
Regierungen, das nationale Interesse zu schützen, der, die WTO zu schließen.
Besonders seit der Seattle-Runde 1999, die zeitweise von Gewaltaktionen und
Tränengaseinsätzen und der Absperrung der Innenstadt unterbrochen wurde,
wird die WTO berechtigterweise als „Zombie-Agentur”, als eine „lebende
Leiche” angesehen. Aber niemand hat bisher den Mut aufgebracht, die Interessen
des Britischen Empire, die hinter ihr stehen, anzugreifen und sie auszuschalten.
Der weltweite Kampf gegen den Hunger 1940-1960
In den ersten Jahrzehnten
nach dem 2. Weltkrieg war man allgemein entschlossen, die wirtschaftlichen
Anstrengungen zur Beendigung des Hungers zu verstärken. Das wird selbst an den
recht allgemeinen Daten der Graphik 1 der jährlichen Getreideproduktion pro
Kopf deutlich. Von 250 kg pro Person im Jahre 1950 stieg sie auf 337 kg pro
Kopf im Jahre 1978 an. In einigen Teilen der Welt baute dieser Anstieg auf den
Fundamenten auf, die in den Jahrzehnten zuvor z.B. in den USA, Kanada,
Argentinien gelegt worden waren. Auch die europäische Landwirtschaft wurde
wieder aufgebaut.
In den USA wurde die
Landbewirtschaftung im 19.Jahrhunderts, vor allem aber nach der Präsidentschaft
von Lincoln, auf immer größere Landflächen ausgeweitet und der Ertrag
gesteigert. Das hatte mit dem neu gebauten Eisenbahnnetz, der Mechanisierung,
der verbesserten Wasserwirtschaft und dem wissenschaftlichen Fortschritt in den
Bereichen der Viehzucht und der Chemie zu tun. In den fünfziger und sechziger
Jahren des 20. Jahrhunderts stieg der Hektarertrag immer noch an.
Für andere Teile der Welt,
besonders Indien und Afrika, mußten in diesem Zeitraum die Anstrengungen bei
der Nahrungsmittelversorgung intensiviert werden, damit die Versäumnisse
aus der Kolonialzeit, der Mangel an Infrastruktur und die vernachlässigte
Landwirtschaft wettgemacht werden konnten. Es war Roosevelts bewußte Politik,
die USA zu einer internationalen Nachkriegsmobilisierung zu verpflichten, um
den unabhängig gewordenen Nationen zum Wohlstand zu verhelfen.
Darüber hinaus gab es
institutionelle Initiativen zur Beendigung des Hungers in der Welt. 1945 wurde
im kanadischen Quebec die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft
(FAO) aus der Taufe gehoben, die später nach Rom umzog. Ihre Mission bestand
darin, den Hunger zu besiegen.
Im Dezember 1953 verkündete
Dwight Eisenhower in einer Rede bei der Vollversammlung der Vereinten Nationen
das Programm Atome für den Frieden. Das Programm formulierte spezifische
Vorschläge zur technologischen Verbesserung der Landwirtschaft wie z.B. die mit
Atomkraft betriebene Meerwasserentsalzung für die Bewässerung oder die mit
atomarer Sprengkraft beschleunigte Kanalbautechnik. Die leitende Idee war, daß
man mit Hilfe der Kernkraft die Landschaft transformieren und eine neue, von
Menschen gemachte und ausgeweitete Ressourcenbasis schaffen könne, insbesondere
für die Wasserversorgung, die Infrastruktur und den agroindustriellen Fortschritt.
Als Sofortprogramme wurden
neue Zentren für die Erforschung und Entwicklung neuer Saatgutarten mit höheren
Erträgen aufgebaut. Phantastische Fortschritte – die sogenannte Grüne
Revolution – zeitigten Durchbrüche für Weizen und Maissorten durch das in
Mexiko City ansässige Zentrum zur Verbesserung von Mais- und Weizen (CIMMYT).
Offiziell erst 1966 eingeweiht, ging seine Arbeit schon auf eine Initiative von
Roosevelts Vizepräsident Henry Wallace im Jahre 1942 zurück, der selbst
Getreidegenetiker aus Iowa war. Im Herbst 1941, als er ländliche Gegenden
Mexikos, dem Heimatland des Mais, besuchte, war er von den niedrigen
Maiserträgen, die man dort erzielte, überrascht. Er wußte, daß es wegen des
Krieges keine Regierungsgelder geben würde. So organisierte Wallace Spenden von
den Rockefellers, und die Forschung bei Mais und Weizen konnte beginnen.
1960 wurde das Internationale
Reis-Forschungs-Institut auf den Philippinen (IRRI) eröffnet, ähnliche
gemeinnützige Forschungszentren entstanden in Afrika, Asien und Amerika. Einige
sind auch spezialisiert, z. B. auf Kartoffeln, Bohnen, Weizen usw.
Es gab für den ganzen Planeten
Visionen und Hoffnungen, selbst für die extremen Klimaregionen der Erde. FDR
selbst sprach davon, die Sahara zum Blühen zu bringen. Es gab sogar Pläne für
die Region um den Polarkreis. Nach einer Expedition Roosevelts über die
Beringstraße rief Vizepräsident Wallace 1944 zur Gründung eines
„landwirtschaftlichen Rats für den Hohen Norden” auf. Führende Persönlichkeiten
aus Skandinavien, der Sowjetunion, Kanada und Alaska sollten zusammenarbeiten,
um nach dem Krieg die landwirtschaftliche Produktion in der subpolaren Welt
auszuweiten und den Weg für neue Siedlungsgebiete von Menschen freizumachen.
Aber es gab weitreichende
Netzwerke, vor allem in der anglo-holländischen Elite, die den Faschismus in
Europa insgeheim gefördert hatten und die eine so optimistische Weltanschauung
bekämpften. Trotzdem gab es sichtbare Erfolge und Prioritäten für die
Landwirtschaft in den Nachkriegsjahrzehnten. Um das wirklich hoch schätzen zu
können, wollen wir den Blick auf einige nationale Erfolgsgeschichten werfen, in
denen die Nahrungsmittelversorgung gesichert und sogar Überfluß erreicht wurde.
- Mexiko: In der ersten
Hälfte der 50er Jahre gelang es CIMMYT, die Erträge bei Weizen gegenüber dem
Niveau von 1940 um 20 bis 40 % zu erhöhen. Mit diesem Erfolg und anderen ländlichen
Programmen wurde Mexiko in den sechziger Jahren ein Netto-Exportland von
Nahrungsmitteln. Großangelegte Bewässerungsprojekte wurden auf dem Reißbrett
entworfen, die das reichliche Wasser der Sierra Madre optimal nutzen sollten,
und ein Programm zum Bau von Atomkraftwerken wurde ebenfalls auf den Weg gebracht. - Indien: 1974 wurde das Land
Nahrungsmittel-Selbstversorger und beendete damit das lange Erbe des Hungers,
das aus der Zeit der Ostindienkompanie übriggeblieben war. Diese Leistung, die
die Entschlossenheit der politischen, wissenschaftlichen und
landwirtschaftlichen Führung reflektierte, war durch eine intensive bilaterale
Zusammenarbeit mit Mexiko in den sechziger Jahren möglich geworden. 1964 hatten
indische und pakistanische Agrarwissenschaftler, die in Mexiko ausgebildet
worden waren, Feldversuche mit dem Getreidesaatgut der neuen CIMMYT-Sorte, auf
der die „Grüne Revolution” beruhte, auf dem indischen Subkontinent begonnen. - Sudan: Die größte Nation
Afrikas verfügt über eine landwirtschaftliche Nutzfläche von 8 Mio. Hektar, die
relativ leicht kultiviert werden könnte und die der Hälfte der Nutzfläche der
USA entspricht. 1954, zur Zeit der Unabhängigkeit von der britischen
Herrschaft, bestand die Herausforderung darin, das koloniale Erbe eines sehr
begrenzten Baumwollanbaus zu überwinden. Nur 7% der Anbaufläche war kultiviert,
und das ohne nennenswerte Bewässerung. In Zusammenarbeit mit Ägypten wurden
ehrgeizige Pläne entwickelt, um die Landnutzung und die Bewässerung enorm
auszuweiten. Das Schlüsselprojekt bestand im Bau des 360 km langen
Jonglei-Kanals, mit dem das Wasser des Weißen Nils im Oberen Flußsystem
reguliert werden sollte. Es bedurfte einer langen Vorlaufzeit, aber der Bau
begann 1980 und wurde in drei Jahren zu zwei Dritteln fertiggestellt. Dann
setzte die Kampagne der Gore-Netzwerke ein, die weiter unten beschrieben werden.
In den USA wurde in den
Jahren unmittelbar nach dem Krieg die landwirtschaftliche Produktivität
gesteigert. So lagen die Maiserträge z. B. 1931 noch bei rund 0,6 t pro Hektar
– also noch auf dem gleichen Niveau wie zur Zeit des Bürgerkriegs. Bis 1941
stiegen sie auf knapp 0,8 t/ha an und erreichten dank Hybridsaatgut,
Mineraldünger und anderer Fortschritte bis 1980 im Durchschnitt 2,5 t/ha.
Ein wesentliches Prinzip
dieses landwirtschaftlichen Entwicklungsprozesses wurde in den USA zu Beginn
der Roosevelt-Ära in Gesetzesform gegossen, es setzte sich in der
Kriegsmobilisierung zur Sicherung der Nahrungsmittel fort und zog sich bis in
die Nachkriegszeit hin: Die Vorstellung, daß es im nationalen Interesse der USA
sei, einen stabilen Landwirtschaftssektor auf der Basis von Familienbetrieben
zu haben. Zu diesem Zweck konnte die Regierung das Preisniveau festsetzen, das
private Verbraucher für ländliche Produkte bezahlen mußten. Die Bauernfamilie
sollte nicht nur die Kosten der Produktion zurückbekommen, sondern auch einen
anständigen Gewinn erwirtschaften können, mit dem die Familie ihre privaten
Ausgaben erhöhen und der Hof ausgebaut werden konnte. Wenn die Regierung die
Erzeugung von Weizen, Honig, Milch oder anderen Produkten anreizen wollte,
konnte sie für einen gewissen Zeitraum einen 100%igen Paritätspreis festsetzen.
Wenn sich eine Überproduktion anbahnte, konnte sie für eine bestimmte Periode
einen Preis unterhalb der Paritätsgrenze gelten lassen.
1949 wurde zum letzten Mal
ein solches Gesetz ausdrücklich verabschiedet, das auf die Gesetze zur
Festlegung eines Paritätspreises von 1933 und 1938 folgte.
Diejenigen, die das Recht und
die Verantwortung der Nationen für die Sicherung der Nahrungsmittelversorgung
der eigenen Bevölkerung ablehnen, haben die Paritätspreis-Politik immer
erbittert als „kommunistisch” und „altmodisch” angegriffen. Mit der Zeit ist es
ihnen gelungen, das Prinzip des Paritätspreises grundsätzlich im Interesse der
„Marktkräfte” auszumerzen, was nichts weiter ist als ein nettes Wort für
Privatisierung und Globalisierung.
Die 70er Jahre und der Angriff auf die Nationalstaaten
Zu Beginn der siebziger Jahre
hatten sich die Gegner des Prinzips einer Welt blühender Nationen umgruppiert,
um breitgefächerte Angriffe auf Nationen zu starten, die sich agroindustriell
entwickeln wollten. Ein besonders zerstörerischer Schritt war die Abkoppelung
des Dollars vom Goldstandard und die Einleitung der Politik schwankender
Wechselkurse. Länder, die u. a. vom Handel mit landwirtschaftlichen Produkten
vor allem für den Import abhingen, wurden destabilisiert. Sie mußten negative
Handelsbedingungen hinnehmen. Sie mußten teure Dollars erweben, um wichtige
Güter wie Maschinen oder Düngemittel zu kaufen. Und dennoch konnten sie ihre
Güter nur zu extrem niedrigen Preisen exportieren.
Dann kam weiteres Unheil in
Form der Ölkrise von 1973, die zu Preissprüngen und Spekulation auf dem Spotmarkt
führte. Die Organisatoren saßen in London und wurden von Henry Kissinger
unterstützt, der damals US-Außenminister war. Er hatte während einer Rede im
Chatham House 1982 zugegeben, er sei stolz darauf, ein britischer Agent zu sein!
1972 wurde nach einer
Getreideauktion, die „der Große Getreideraub” („The Great Grain Robbery”)
genannt wurde, bewußt weiteres Chaos herbeigeführt. In dieser Episode tätigte
Rußland über die üblichen Firmen des bekannten Weltgetreidekartells
nennenswerte Käufe auf den US-Getreidemärkten. Als die Preise in die Höhe
schnellten, wurden die amerikanischen Farmer mit der Propaganda übergossen, sie
würden bei „freien Märkten” am meisten profitieren. Kissinger schloß ein
Schiffahrts- und Hafenabkommen, das ausländischen Transportunternehmen die
amerikanischen Häfen öffnete. Das alles im Interesse der Kartelle.
Währenddessen hatte sich ein
Netzwerk supranationaler Warenhandelskartelle, das eng mit anglo-holländischen
Finanzinteressen verflochten war, daran gemacht, Schritt für Schritt die
Kontrolle über die gesamte Nahrungskette – vom Bauernhof bis zum Eßtisch –
festzuzurren. Die dabei führenden Firmen verfügen über eine Tradition, die bis
zu 250 Jahre in die Vergangenheit zurückreicht, in Zeiten, als sie mit
ähnlichen Methoden die Getreidehandelswege in Rußland, Europa, Nordamerika und
angrenzenden Regionen kontrollierten. Die großen Namen sind zur Legende
geworden: Andre, Louis-Dreyfus, Bunge, Continental/Fribourg und Cargill. Später
kamen ADM, in Europa Nestle, Unilever, Castel & Cook und andere hinzu.
Neben den großen Ölfirmen weiteten die großen Nahrungskartelle ihre Kontrolle
über grundlegende Güter des täglichen Lebens aus. Unter dem Titel „Die
Getreidehändler” (Merchants of Grain) enthüllte in den fünfziger Jahren Dan Morgan,
damals und heute noch bei der Washington Post, einen Teil der Geschichte
und der Aktivitäten dieser Multis. Was er jedoch geflissentlich aussparte,
waren die politischen und finanziellen Verbindungen zu der Gruppe, die der
US-Geheimdienst während des 2. Weltkriegs als „Synarchisten” bezeichnet hatte.
Das Fallbeispiel Argentinien
zeigt die typische Art, wie die Kartelle sich die Kontrolle aneigneten. In der
unmittelbaren Nachkriegszeit unternahm die Regierung von Juan Peron
Anstrengungen, die Gewinne aus dem Getreideexport wieder in den Aufbau weiterer
agroindustrieller Kapazitäten zu investieren. 1948 gründete Peron das
argentinische Institut zur Förderung des Handels (IAPI), womit er das Recht der
Regierung bekräftigte, die Einnahmen aus dem Getreidehandel zur Finanzierung
der Industrialisierung zu verwenden. Diese Politik wurde von den
Getreidekartellen erbittert bekämpft. Unter Beteiligung des damaligen
US-Handelsministers Averill Harriman wurde das IAPI geschlossen, sobald Peron
1955 gestürzt war. Die Operationen der Kartellfirma Bunge y Born stellten bald
die Kontrolle über den Getreidesektor wieder her. Die Firma wurde unter dem
Namen „Der Oktopus” bekannt, weil sie einen Großteil des Handels mit Gütern,
die von Malerbedarf bis Nahrungsmittel reichten, in Argentinien und Brasilien dominierte.
Ein paar Fakten der Geschichte Cargills mögen beispielhaft sein, wie der Nahrungsmittelsektor
kartelliert wurde. Cargill Co. ist der größte Getreidehändler der Welt. Er ist
in Privatbesitz und in dem Vorort Minnetonka von Minneapolis angesiedelt. Von
dem Schotten William Cargill 1865 in Conover, Illinois gegründet, wird sie seit
den zwanziger Jahren von der Milliardärsfamilie Macmillan geführt. Das
Unternehmen kam durch strategische Akquisitionen im Bereich der Getreideaufbereitung,
der Lager- und Transport-Infrastruktur voran, wobei es den Handelsfluß aus dem
amerikanischen Getreidegürtel zu den Zentren der Verarbeitung und den Häfen zum
Export ins Ausland nutzte. Die Cargills und die Macmillans setzten sich vor allem
am Knotenpunkt des Mississippi-Beckens bei Minneapolis-St. Pauls und anderen
Orten fest. Ihr breit gefächertes Unternehmen beinhaltete die Bereiche Stahl
und Schiffsbau, Salzgewinnung, Düngemittel und Orangensaft. Während des 2.
Weltkriegs, als die alten Handelsmächte stark auf den US-Markt drängten, konnte
Cargill trotz allem seine Kontrolle über den Güterstrom ausweiten. 1947
eröffnete die Firma große Getreidezentren in Puerto Rico, 1948 errichtete sie
große Getreidesilos in Sao Paolo und Parana in Brasilien. In Nordamerika baute
sie einen großen, eisfreien Hafen an der Mündung des St. Lorenz-Stroms bei Baie-Comeau.
Aber ihre Dominanz bestand
nicht nur in der strategischen Positionierung, sondern in der politischen
Macht, die hauptsächlich durch Druck oder im Verborgenen ausgeübt wurde.
Bezeichnend ist die Eröffnung eines Büros von Cargill in Genf, Tradax Inc.
genannt. Einer der beteiligten früheren Cargill-Angestellten war Persall Helms,
dessen Bruder Richard später Chef des CIA werden sollte. Cargills Afrika-Operationen
werden von Europa aus gesteuert.
„Landwirtschaft und Menschen verseuchen die Umwelt“
Die wichtigste Operation der
wirtschaftlichen Kriegsführung gegen die Nationalstaaten war jedoch die
Verbreitung einer Kultur des Pessimismus in dieser Periode. Stellvertretend
dafür seien ein paar Ereignisse genannt: 1970 thematisierte der erste
„Tag der Erde” die These, die Ressourcen der Erde seien dabei, zu Ende zu
gehen. 1968 war Paul Ehrlichs Buch Die Bevölkerungsbombe herausgekommen.
William Paddock hatte inoffiziell zwischen 1975 und 1980 das Amerikanische
Außenministerium beraten und das Buch Hunger 1975 geschrieben, in dem er
die These vertrat, Hunger sei unausweichlich. 1972 war auch der Club of Rome
gegründet worden, der die Studie „Grenzen des Wachstums” herausgab. Per
Computersimulation hatten sie angeblich herausgefunden, die Grenzen des
Wachstums seien erreicht und eine Politik des Nullwachstums müsse durchgesetzt
werden. Eine Welle von Medienoperationen und neue Bewegungen wurden in Szene
gesetzt, um diese These zu verbreiten. Gleichzeitig war die
Gegenkultur-Bewegung als Teil davon in Gang gekommen, und so nahm der Prozeß
der Degeneration seinen Lauf.
1974 gab es einige
Schlüsselereignisse im Bereich der Landwirtschaftspolitik. Ein Rom war eine
Welternährungskonferenz einberufen worden, auf der diskutiert wurde, wie der
Hunger zu besiegen sei. In letzter Minute wurde jedoch Außenminister Henry
Kissinger eingeflogen, der an Stelle des Landwirtschaftsministers Earl Butz,
einem Mann der alten Schule, die USA repräsentierte. Anstatt ein Programm
vorzustellen, wie die Landwirtschaft voran gebracht werden könne, forderte
Kissinger ein bißchen Nahrungsmittelhilfe für die Ärmsten der Armen. Im
Dezember hatte er eine Geheimstudie zur nationalen Sicherheit unterzeichnet, „NSSM
200”, in der in 13 strategischen Schlüsselländern eine Politik der bewußten
Bevölkerungsreduzierung angemahnt worden war, die diese Länder davon abhalten
sollte, die Ressourcen aufzubrauchen, die den USA und befreundeten Nationen
vorbehalten seien. Zu den genannten Ländern zählten Indien, Bangladesch,
Pakistan, Nigeria, Ägypten, Mexiko, Indonesien, Brasilien, die Philippinen,
Thailand, die Türkei, Äthiopien und Kolumbien.
Neben diesen spezifischen und
anderen Regierungsmaßnahmen wurden eine Reihe von
Nicht-Regierungs-Organisationen geschaffen, um die Öffentlichkeit mit der
Behauptung, die Rohstoffe der Erde seien begrenzt, Technologie sei gefährlich
und könne die Verknappung nicht überwinden, usw., usf., verrückt zu machen. 1974
wurde das World Watch Institute in Washington gegründet. 1982 entstand das
Institut für Weltressourcen unter der Leitung von Gus Spaeth, das die
pseudowissenschaftliche These verbreitete, eine Ausweitung der
Nahrungsmittelversorgung und der Bevölkerung zerstöre die Umwelt. Al Gore sitzt
heute in ihrem Führungsgremium.
Im Laufe der siebziger Jahre
gab es verstärkte Aktivitäten des World Wildlife Fund, der 1961 gegründet
worden war, in enger Absprache mit der Conservation Foundation, einer
amerikanischen Fortsetzung der europäischen Eugenik-Bewegung, die aus der Zeit
vor dem 2. Weltkrieg stammte. 1991 fusionierten beide Bewegungen und nannten
sich fortan Worldwide Fund for Nature.
Ihr Angriff auf die
Landwirtschaft war tiefgreifend. Sie organisierten eine intensive Kampagne, mit
der Regierungen gezwungen werden sollten, die landwirtschaftliche Anbaufläche
zu verringern, um Rohstoffe zu sparen. In den USA wurde ein völlig neues
Programm aufgelegt, das „Programm zum Schutz der Reserven” (CRP). Bis heute hat
es dazu geführt, daß über 10 Mio. ha von 146 Mio. ha landwirtschaftliche
Nutzfläche stillgelegt wurden. Die „Wetlands Reserve” (Naßland Reserve) nimmt
weitere Flächen aus dem Anbau.
Lyndon LaRouche führte in den
siebziger Jahren einen harten Kampf gegen diese Kreise, ihre Operationen und
besonders ihren pseudo-wissenschaftlichen Schwindel. 1976 war er in 26 Staaten
als Präsidentschaftskandidat der US-Labor Party zugelassen. Das Emblem seines
Wahlkampfs zur Verteidigung von Landwirtschaft und Industrie war ein riesiger
Traktor. 1979/80 gab es zahlreiche lokale Farmerproteste; ein beachtlicher
Traktorkorso fuhr sternförmig nach Washington, um gegen die Zerstörung der
amerikanischen Landwirtschaft zu protestieren. Das Hauptproblem für die Bauern
rührte jedoch aus der Schuldenlast, die man den Bauern durch die unzureichenden
Preise ihre Produkte und durch die zweistellige Hochzinspolitik aufgebürdet hatte.
Andere Staatsmänner begannen
zu kämpfen. Am 18. März 1982 rief der mexikanische Präsident Lopez Portillo zu
einer nationalen Anstrengung zur Selbstversorgung auf, das er das „Mexikanische
Nahrungsmittelsystem” nannte. Er forderte ein Programm zum Bau von 20
Atomkraftwerken. Zur Nahrungsmittelversorgung sagte er: „Das Ziel des
Mexikanischen Nahrungsmittelsystems ist es, in jedem der Schlüsselbereiche der
nationalen Versorgung die Unabhängigkeit zu erreichen: Getreide, Speiseöle,
Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Milch und Eier…” Es sollte nicht dazu kommen.
Die „entfesselte verrückte Kuh“: die 80er Jahre
Während der achtziger Jahre
führte Margaret Thatcher als britische Premierministerin zwischen 1979 und 1990
noch größere Angriffe gegen die nationale Landwirtschafts-, Industrie- und
Energiepolitik. Ihre Regierung war das weltweite Vorzeigemodell für radikale
Privatisierung, die Deregulierung von Regierungsaufgaben und die Durchsetzung
von Freihandelspraktiken.
Selbst ihr Spitzname
„verrückte Kuh” kam durch die Freihandelspolitik Londons zustande. Die
Gehirnschwund-Krankheit BSE, „Rinderwahn ” genannt, trat erstmals in der
Geschichte 1986 in England auf und wurde danach vielerorts exportiert.
Veterinärmediziner führen das Auftreten direkt auf Amtsvergehen der
Thatcher-Regierung zurück. Unmittelbar nach ihrer Amtsübernahme wandte sich die
nationale Veterinärbehörde an die Regierung mit der Forderung, sie solle
eingreifen und verhindern, daß Überreste von Schafsmehl ins Tierfutter
gelangten. Zu der Zeit grassierte die Schafsseuche Scrapie (TSE) im Vereinten
Königreich. Thatcher und ihr Landwirtschaftsminister Lord Peter Walker
weigerten sich, mit der Begründung, der Tierfuttersektor sollte „sich selbst
regulieren“. Innerhalb von sechs Jahren kam es zum Artensprung des Virus vom
Schaf auf die Kuh.
Auf internationaler Ebene
verstärkten die Netzwerke der privaten Kartelle in den achtziger Jahren an
allen kritischen Punkten entlang der Nahrungskette ihren Würgegriff,
unterstützt vom Druck des IWF, der Weltbank und anderer Institutionen, um dem
Thatcher-Modell der Privatisierung und der Globalisierung zum Durchbruch zu
verhelfen. Die Weltbank begann, alle begrenzten, wirkungsvollen Kreditprogramme
für landwirtschaftliche Infrastrukturprojekte in armen Ländern auslaufen zu
lassen. Statt dessen förderte sie Privatisierungsmaßnahmen, einschließlich der
von Felix Rohatyn in Mode gebrachten „privaten-öffentlichen Partnerschaften”.
Das pseudowissenschaftliche
Argument dafür war, „klein und lokal sei besser und nachhaltiger“. Zum Beispiel
veröffentlichte die Weltbank im Oktober 1984 einen Bericht: „Auf dem Weg zur nachhaltigen
Entwicklung der Region Schwarzafrikas”. Darin verkündete sie, daß die großen
Bewässerungsprojekte einer neuerlichen Prüfung zu unterziehen seien. Das hieß,
daß sie aufgegeben werden sollten, weil „die Ressourcen bei weitem nicht ausreichten“.
Jahr um Jahr wurde weltweit
immer mehr Land der Nahrungsmittelproduktion entzogen, entweder aufgrund von
Erosion, Versalzung oder wegen der unsinnigen Politik der Flächenstillegung.
Gleichzeitig drängten die Kartelle die Regierungen, sich auf die einkommensstarken
Produkte für den Weltmarkt zu konzentrieren. Und so gingen die pro Kopf
produzierten Nahrungsmittel weltweit Schritt für Schritt zurück.
Im Oktober 1982 gewährte der US-Kongreß der Commodity
Credit Corp. des US-Landwirtschaftsministeriums die Erlaubnis, Getreidevorräte
der Regierung in Bio-Treibstoff umzuwandeln. Das war der Startschuß für das
Äthanol-Förderprogramm, das Cargill und ADM Regierungssubventionen in
mehrfacher Millionenhöhe für die Äthanolproduktion bescherte. Im nächsten Jahr
wurde ein nie da gewesenes Programm zur Verringerung der Erntemengen der USA
beschlossen, das sog. „Payment in kind”-Programm. Landwirte bekamen Gutscheine
für Anteile an den Maisreserven der Regierung, wenn sie 30-50 % ihres
Maisanbaus stillegten. Dann brach im selben Erntejahr 1983 die schlimmste Dürre
der letzten 50 Jahre herein. Die Maisernte des Jahres fiel um 50% unter das
Niveau der letzten Ernten.
Lyndon LaRouche warnte vor
den Konsequenzen, sollte dieser Unsinn in der Landwirtschaftspolitik
weitergehen. Er nahm zu den wissenschaftlichen Grundfragen Stellung und
veröffentlichte 1983 das Buch Es gibt keine Grenzen des Wachstums. 1984
hielt er sich zu Gesprächen über die Krise mit Wissenschaftlern und politischen
Führern in Argentinien auf und sprach auch mit anderen politischen
Persönlichkeiten darüber. Während seines Präsidentschaftswahlkampfs produzierte
er zwei halbstündige, national ausgestrahlte Fernsehsendungen über die Krise.
Eine trug den Titel: „Der Ernährungsschock des Jahres 1984”.
Im gleichen Jahr jedoch wurde
die UNO-Agentur GATT gegründet und ein Vorstoß zu einem allumfassenden
Welthandelsabkommen gewagt. Private Netzwerke in der Tradition der britischen
East India Company sollten es leichter haben, den Generalangriff auf die
Landwirtschaft, die dem Selbstinteresse der Länder verpflichtet war, zu führen.
Eine Eröffnungsrunde wurde in Punta del Este, Uruguay begonnen. Der Handel mit
landwirtschaftlichen Gütern sollte reformiert, Länder gedrängt werden, Tarife
fallen zu lassen und Exportkontrollen und nationale Regulierungen abzuschaffen.
Über die nächsten 10 Jahre
hinweg wurde eine Serie von Konferenzen in Montreal und anderswo abgehalten, an
denen nicht nur Regierungsvertreter teilnahmen, sondern auch Cargill, ADM,
größere Banken und Nicht-Regierungs-Organisationen mitmischten. Schließlich
gaben die Regierungen nach, und das Datum für die Gründung der
Welthandelsorganisation wurde auf Januar 1995 festgesetzt.
Im Herbst 1988, nach einer
weiteren verheerenden Dürre im Getreidegürtel der USA, wurde die „Nahrung für
den Frieden”-Kampagne des Schiller-Instituts gestartet. Sie sollte der
Offensive der GATT/WTO entgegentreten und sich für eine nationale Entwicklung
der Landwirtschaft stark machen. Lyndon LaRouche sprach im Oktober 1988 in
Berlin und bei einer „Nahrung für den Frieden”-Konferenz in Chicago im
Dezember. Er sah den Zerfall der Sowjetunion voraus und forderte eine
internationale Zusammenarbeit für die Wiederherstellung der agroindustriellen Kapazitäten.
Das Ausmaß, zu dem die
Ernährungssicherheit der Nationen untergraben wurde, verdeutlichte der Druck,
dem sie ausgesetzt wurden, um sich von Importen abhängig zu machen. EIR
erarbeitete eine Studie über den Status der Versorgungssicherheit der 13
Länder, die 1974 als Zielobjekte für die Nahrungsmittelwaffe in dem
Geheimdokument von Kissinger und den Briten genannt worden waren. Man verglich
die Lage zu zwei unterschiedlichen Zeitpunkten, 1963 und 1990, und zwar in
Bezug auf die Selbstversorgungsrate bei Getreide, Hülsenfrüchten und
Speiseölen. Hier einige repräsentative Beispiele:
- Nord- Und Südamerika:
Mexiko war 1963 zu 100 % Selbstversorger bei Getreide, 1990 nur noch zu 79%;
104 % Selbstversorger bei Bohnen 1963 und nur noch 85 % 1990, Speiseöle 110%
1963, nur noch 57 % 1990. - Afrika: Ägypten war 84 %
Selbstversorger bei Getreide im Jahre 1963, zu 62 % 1990; 112 % bei Bohnen
1963, und 1990 nur noch zu 88%; 103% bei Speiseölen 1963, 1990 nur noch 90%. - Indischer Subkontinent:
Indien blieb Selbstversorger nach 1974 und konnte danach sogar ausgewählte
Produkte exportieren. In Pakistan ging es bergab. Bangladesch entwickelte sich
von einer Selbstversorgungsrate von 106% 1963 auf ein Niveau von 87% 1990; bei
Bohnen von 100 auf 88 %; bei Speiseölen stieg die Quote von 71 auf 83 %. - Südostasien: Die Philippinen
verringerten ihre Selbstversorgungsrate bei Getreide von 83 auf 80 %; bei
Bohnen von 97 auf 47 % und Speiseölen von 266 auf 101 %. - China erreichte zwischen
1960 bis 1990 unter großen Anstrengungen eine Selbstversorgung mit dem Ziel,
ein noch höheres Ernährungsniveau zu erreichen. Deshalb sieht es sich verstärkt
Angriffen ausgesetzt, es „beanspruche die knappen Ressourcen”. Aber der Verlust
von Ackerland durch Erosion und unkontrollierte Zersiedlung ist eine Gefahr für
die zukünftige Ausweitung der Nahrungsmittelproduktion. Chinas permanent
nutzbare landwirtschaftliche Fläche ist seit 1970 von 40,4 Mio. ha auf 38,26
Mio. ha im Jahre 1990 zurückgegangen. Dieser Verlust kam durch Erosion,
Trockenheit, Zersiedlung und ähnliche Faktoren zustande.
Der Weg zur Hungerkatastrophe: die 1990er Jahre
Eigentlich hätten die 90er
Jahre das Jahrzehnt werden müssen, in dem man die Anstrengungen für den Aufbau
agroindustrieller Kapazitäten im Interesse der Nationen wieder hätte aufnehmen
oder verdoppeln sollen. Denn in Afrika und anderswo hatten sich Hunger und
Nahrungsmittelverknappung eingestellt. Und man hätte die Erfolge in Indien und
China, Länder mit 2 Mrd. Menschen, dringend weiterführen müssen. Aber genau das
Gegenteil passierte. Eine Serie von Freihandelsabkommen beschleunigte den Abbau
des landwirtschaftlichen Potentials und den zunehmenden Mangel in vielen
Ländern. 1989 wurde das Freihandelsabkommen zwischen Kanada und den USA
abgeschlossen, 1994 das nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA. Im Januar
1995 wurde die WTO gegründet. Später kam das karibische Freihandelsabkommen
CAFTA dazu und weitere in Europa und Afrika.
1991 erlebte Europa die
größten Bauerndemonstrationen seiner Geschichte gegen niedrige Preise und
Freihandel, die sich gegen die Pläne der GATT/WTO richteten, in Paris, Bonn,
Straßburg und Rom und an vielen anderen Orten. Im Frühjahr gab es die größten
Bauerndemonstrationen der Geschichte in Argentinien. Aber der Zugriff auf die
Regierungspolitik durch die Globalisierer blieb erhalten.
Einer der häßlichsten Aspekte
des Freihandelssystems zur Kontrolle über die Nahrungsmittel war die zunehmende
„globale Beschaffung” (global sourcing) der Nahrungsmittel, um die USA und
Europa zu ernähren. In dem Prozeß wurden sowohl die Landwirte in den Export-
als auch in den Import-Regionen untergepflügt.
1995 wurde 13 % des
Nahrungsmittelkonsums in den USA importiert, viel mehr als 1980 (9%). Einige
Kategorien stiegen besonders an, z.B. Fisch und Krabbentiere. Zu Beginn der 80er
Jahre wurden 51 % dieser Nahrungsmittel importiert; heute sind es 78 %. Andere
Kategorien mit hohen Anstiegsraten sind Früchte, Fruchtsäfte und Nüsse. Anfang
der achtziger Jahre wurde 21% dieser Lebensmittel importiert (darunter viele
Früchte aus tropischen Regionen wie Bananen), aber heute ist die Quote bei 31 %
allgemein und beinhaltet auch große Mengen nicht-tropischer Waren wie
Apfelsaft. Heute kommt die Hälfte des Apfelsafts, der in den USA verbraucht
wird, aus China, andere Fruchtsaftsorten stammen aus der Türkei, Südafrika und Asien.
Die Nahrungsmittellieferungen
aus Afrika nach Europa sind ähnlich angestiegen. Neben Kakao und Kaffe aus
tropischen Gegenden gibt es inzwischen große Lieferungen von „europäischen
Produkten” wie grüne Bohnen und Blumen aus Ostafrika sowie Obst und Gemüse aus Südafrika.
In weltweitem Maßstab haben
die größeren Verarbeitungskartelle riesige Regionen mit Monokulturen
geschaffen, damit sie die Schlüsselbereiche Speiseöle, Getreide und
Getreideprodukten kontrollieren können. Graphik 4 zeigt die weiten Flächen, die
in Argentinien und Brasilien bis 2004 auf Sojabohnen umgestellt wurden. Bis
2008 waren über 45% der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Argentinien auf
Sojaanbau konzentriert. Dies entspricht der Politik der Ostindienkompanie, die
bestimmte, wo und wie zum Verkauf bestimmte Produkte wie Indigo, Baumwolle,
Jute oder was das Imperium sonst noch begehrte, angebaut werden sollten.
Die heutige Monokultur wird
durch die beispiellosen Veränderungen im Patentrecht begünstigt, die den
Agrarkartellen nie da gewesene Rechte bei der Saatgutgewinnung und der
biogenetischen Forschung einräumt. Begünstigt werden Cargill/Monsanto,
Dupont/Pioneer und andere. Was die wichtigeren Mitgliedsländer beim
Freihandelssystem der WTO betrifft, so ist der Konzentrationsprozeß eine
tragische Ironie. Cargill und ADM sind zwei der Hauptfirmen, die 65% des
gesamten Sojahandels kontrollieren. Gleichzeitig sind sie unter den ersten
drei, die 80% des amerikanischen Maisexports abwickeln. Cargill, ADM und zwei
andere kontrollieren 60 % Verladeeinrichtungen für Getreide in den USA.
Die Not und das Elend dieser
Degeneration der Landwirtschaft unter dem Regime der WTO wird am deutlichsten
an der Sterberate in Afrika sichtbar, einschließlich der Todesfälle durch AIDS,
und dem Leid von 900 Mio. Menschen in 70 Ländern.
Bei der Wut auf die
Verursacher dieses Leids ist es kein Wunder, daß die Seattle-Runde 1999
scheiterte. Die Konferenz wurde ergebnislos aufgelöst, weil verschiedene
Entwicklungsländer sich geweigert hatten, sich dem Freihandelsdiktat zu beugen.
Das war richtig. Nichtsdestotrotz geht die Belästigung der Welt durch die WTO weiter.
Im November 2001 begann in
Katar die Doha-Runde. Nach wie vor ist es das Ziel, die Schwelle zum
grenzenlosen Freihandel weiter herab zu setzen, zum Nutzen der Interessen des
britischen Empire. Bei nachfolgenden Doha-Runden in Cancun, Hong Kong und Genf
sind die Auseinandersetzungen zwischen den Nationen weitergegangen.
Biotreibstoffe und Völkermord:
das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts
Um die Jahrhundertwende hatte
der Mangel an ausreichender Ernährung und Lebensmitteln für Millionen von
Menschen katastrophale Ausmaße erreicht. Aber anstatt selbst minimale Schritte zu
unternehmen, verharrten Regierungen größerer Länder und UN-Institutionen in
Tatenlosigkeit, während sogar die Menge der jährlichen Nahrungsmittelhilfe
absackte. Dann kam das Völkermordprogramm Biotreibstoffe.
Eine unheilvolle Allianz von
Neo-Konservativen und Neo-Grünen tat sich zusammen, damit Regierungen per
Gesetz festlegen lassen, wieviel Biotreibstoff in den nächsten Jahren dem
Benzin oder Diesel beizumischen sei. Das Energiegesetz 2005 machte in den USA
den Anfang, Frankreich verabschiedete noch im gleichen Jahr ein ähnliches
Gesetz, und Dutzende anderer Länder sind inzwischen gefolgt.
Riesige neue Plantagen für
Biotreibstoff haben den Getreidegürtel in den USA und den Zuckerrübengürtel in
Brasilien überzogen. Die großen Spieler sind die üblichen Kartelle und die
Finanzarchitekten der Globalisierung. Wir finden Cargill, ADM, Bunge, George
Soros, Bill Gates und andere von der Sorte wieder.
Al Gore hat die Rolle des
Stimmungsmachers in der Biotreibstoff-Parade übernommen und marschiert im
Gleichschritt mit Neo-Kons wie George Shultz und James Woolsey mit. Diese
propagieren die „Energie-Unabhängigkeit”, während Gore mit seiner „Rettet den
Planeten” -Mission auf der Klimaangst spielt, um den Bioenergie-Schwindel zu verkaufen.
Es gibt sogar Vorschläge für zwei
Biodiesel-Pipelines. Eine 2300 km lange Äthanol-Pipeline von Iowa soll zum New
Yorker Hafen, eine andere in Brasilien, über 1200 km vom zentralen Bundesstaat
Goias durch Minas Gerais zum Hafen von Paulinia/Sao Paolo führen. Diese
Vorschläge haben mit landwirtschaftlicher Infrastruktur so wenig zu tun, wie
die Arbeitslager der Nazis mit Industriebetrieben.
Volle 24 % der Maisernte der
USA gehen in diesem Jahr (vom September 2007 bis 2008) nach Angaben des
US-Landwirtschaftsministeriums in die Produktion von Äthanol. Im vergangenen
Jahr waren es nur 18%. Die Menge von Mais, die zu Äthanol verarbeitet wird,
übersteigt damit erstmals die Menge, die von den USA für die Ernährung der Welt
exportiert wird.
Dies sind die Parameter der
heutigen Hungerkatastrophe. Es gibt aus dieser Gefahr kein Entkommen, wenn man
an den Spielregeln des „freien Marktes” der letzten 30 Jahre und der WTO
festhält. Der entstandene Schaden war nicht das Ergebnis einer „fehlgeleiteten
Politik”, er war beabsichtigt. Das Leid entsprang der gleichen schäbigen
Haltung gegenüber der Menschheit, die auch die Politik der Ostindienkompanie
und des britischen Empire kennzeichnete. Viele der heutigen Netzwerke der
Nahrungsmittelkontrolle sind direkte Nachkommen des Empires.
Wir müssen diesen Gaunern den
Boden entziehen. Verlassen wir den Spieltisch und begraben wir die WTO.
Christine Craig bereitete
die Daten und Graphiken dieses Artikels auf.
Sie können die Autorin unter [email:“marciabaker@larouchepub.com“]marciabaker@larouchepub.com[/email] erreichen.