[title]Das vor uns liegende Projekt[/title]
[author]von Lyndon LaRouche[/author]
[date]4. April 2008[/date]
Die folgende Darstellung ist eine radikale, aber unerläßliche und inhaltlich richtige Korrektur der völlig verfehlten Art und Weise, wie heute in maßgeblichen akademischen, politischen und finanziellen Kreisen und in der Öffentlichkeit fast überall auf der Welt über Zeitgeschichte diskutiert wird. Hauptsächlich geht es dabei um folgendes.
Meine Schrift „Projekt Genesis"[sup]1[/sup] behandelte insbesondere den entscheidenden Unterschied zwischen „ereignisgesteuertem" Verhalten bei Tieren und Menschen auf der einen Seite und „ideengesteuertem" Verhalten auf der anderen Seite. Letzteres ist das Merkmal vernünftigen menschlichen Denkens, im Unterschied zum Verhalten der Tiere und zu der derzeit in Amerika und Europa herrschenden „öffentlichen Meinung".
In dieser Schrift möchte ich die Bedeutung dieses ganz wesentlichen Unterschieds für die Gestaltung der Geschichte hervorheben. Ich lenke das Augenmerk des Lesers von dem heute häufig kindischen falschen Verständnis strategischer Realitäten auf die selten verstandene, höhere intellektuelle Ebene einer kompetenten Beschäftigung mit der Geschichte. Dieser höhere Standpunkt ist erforderlich, wenn man der Weltbevölkerung den in der gegenwärtigen globalen Krisenlage drohenden Holocaust ersparen will. Unser Thema ist die große Krise, in der die ganze Menschheit noch heute gefangen ist: die Serie von Entwicklungen seit der historisch entscheidenden Entlassung von Reichskanzler Otto von Bismarck 1890 bis zu dem heute drohenden Verhängnis eines finsteren Zeitalters für die ganze Menschheit.
Ein einfacheres Beispiel eines zur Veröffentlichung bestimmten Forschungsprojektes zu dem Thema ist ein neuer Film auf der Webseite [i]www.larouchepac.com,[/i] in dem als Beispiel die Folgen der Weimarer Hyperinflationskrise von 1923 für die Weltgeschichte der folgenden Jahrzehnte dargestellt werden. Nur eine solche dynamische Beschäftigung mit der Geschichte - in dem Sinne, wie Leibniz und Riemann Dynamik verstanden - kann heute Regierungen und anderen wichtigen Zielgruppen helfen, die Geschichte richtig als einen gesetzmäßigen Prozeß zu verstehen statt als bloßes Aufeinandertreffen relativ isolierbarer, diskreter, statistischer Tagesereignisse.
Ohne ein solches Verständnis ist es wahrscheinlich unmöglich, die Führungsqualitäten zu entwickeln, die wir brauchen, um ein relativ rasches Abgleiten der Menschheit in ein großes, langes, neues dunkles Zeitalter zu verhindern.
* * *
[intro]Zur Einleitung: Der brennendste Streitpunkt der Geschichte[/intro]
Die Welt steckt seit Ende Juli 2007 im größten finanziell-monetären Alptraum seit Europas Finsterem Zeitalter im 14. Jahrhundert. Was immer mit dem jetzt hoffnungslos verlorenen Weltwährungs- und Finanzsystem geschieht, der lange Geschichtszyklus, der mit Bismarcks Entlassung durch den Neffen des britischen Prinzen von Wales, Kaiser Wilhelm II., begonnen hatte, kommt jetzt an sein hochdramatisches, abruptes Ende. Wir sind am Kulminationspunkt der Höhen und Tiefen des britischen Weltreichs seit dessen Entstehung mit dem Pariser Frieden von 1763 angelangt, und entweder wird die lange Tyrannei dieses Empires durch ein neues, lebensfähiges System beendet oder die ganze Welt stürzt in das schlimmste dunkle Zeitalter der Geschichte seit dem in Europa im 14. Jahrhundert.
Seit jenem finsteren Zeitalter gab es in der europäischen und der Weltgeschichte viele wesentliche Entwicklungen, aber die bedeutsamste hinsichtlich ihrer Wirkung auf die Weltgeschichte war und ist der Konflikt zwischen den beiden großen englischsprechenden Mächten: den Vereinigten Staaten mit ihrem weltweit einzigartigen Modell einer konstitutionellen Republik auf der einen Seite und dem großen Feind dieser Republik, dem britischen Weltreich von 1763-2008, auf der Gegenseite.
Nachdem die USA unter ihrer Bundesverfassung als eine solche Republik gegründet wurden, kam die entscheidenden Wende nach dem Sieg der Union unter Präsident Lincoln über Londons Marionette, die Konföderierten Staaten von Amerika. Dieser Sieg der USA über den imperialen britischen Gegner war eine große Bedrohung für die weltweite Vormachtstellung des Empire, seit es 1763 unter dem Banner eines Privatunternehmens, der Britischen Ostindiengesellschaft, gegründet worden war.[sup]2[/sup]
Die wichtigste Folge des unter Präsident Abraham Lincoln errungenen Sieges war die Verwirklichung der Pläne für eine transkontinentale Republik, die unter Leitung von US-Außenminister John Quincy Adams für eine verbesserte Außenpolitik entworfen worden waren. Das entscheidende Element beim Aufbau einer kontinentalen Republik von Kanada bis Mexiko und vom Atlantik zum Pazifik war der Bau eines transkontinentalen Eisenbahnnetzes. Dies gab im übrigen auch die Richtung für die amerikanische Flottenpolitik vor, nämlich im Wettstreit mit britischen imperialen Kräften und deren Statthaltern im Pazifik große Partner für Handel und Entwicklung zu gewinnen.
So wurde die große landwirtschaftliche und industrielle Revolution der USA, deren Motor das transkontinentale Eisenbahnnetz war, zum Vorbild für die Bemühungen vieler Nationen Eurasiens, sich von der Kontrolle durch die britische imperiale Seemacht zu lösen. Daraus entstand der große „geopolitische" Konflikt, der seit dem Tode Lord Palmerstons bis heute unseren gesamten Planeten beherrscht. Ein vom britischen Weltreich unterdrücktes Europa ließ sich vom Vorbild der USA anregen; das britische Imperium empfand dies als existentielle Bedrohung für seine weitere Existenz. Der so definierte geopolitische Konflikt bildet seither für die anglo-holländischen maritimen Imperialisten das Hauptmotiv, bis auf den heutigen Tag große „Weltkriege" vom Zaun zu brechen.
Diese feste Entschlossenheit Londons, solche „Weltkriege" einzufädeln, kristallisierte sich 1890 heraus, als der Prinz von Wales seinen Neffen, Kaiser Wilhelm II., dazu bewegen konnte, seinen Kanzler Bismarck zu feuern. Bismarck blockierte die Pläne des Prinzen von Wales, den alternden närrischen Habsburgerkaiser als Werkzeug zu benutzen, um Balkankriege anzuzetteln, die es London möglich machten, törichte Franzosen und den Zaren Nikolaus II. einzuspannen, um Deutschland in einem Weltkrieg zu vernichten. Gleichzeitig überredeten der Prinz von Wales und sein Gefolge den japanischen Mikado, mit seinen amerikanischen Freunden zu brechen und sich England anzuschließen, um den großen britischen Krieg von 1895-1945 zur Zerschlagung Chinas in Gang zu setzen.
Unterdessen gelangten in den USA im Zuge der Ermordung von Präsident William McKinley durch einen europäischen Attentäter 1901 zwei Gefolgsleute der Briten, Theodore Roosevelt und Woodrow Wilson, an die Regierung, und dadurch gerieten die USA auf den Irrweg einer Allianz mit dem imperialen England gegen ihre eigenen langjährigen Verbündeten.[sup]3[/sup]
Die wichtigsten Folgen dieser britischen geopolitischen Strategie waren zwei offizielle „Weltkriege", ein sogenannter „Kalter Krieg" und jetzt der britische Vorstoß, mit dem imperialistischen Lissabon-Vertrag seine Marionetten in West- und Mitteleuropa dazu einzuspannen, die Nationen Eurasiens östlich der Westgrenze Rußlands und Weißrußlands zu zerstören. Der jetzt zur Ratifizierung anstehende Lissabon-Vertrag ist gleichbedeutend mit der Erklärung eines weltweiten Kriegszustands gegen Rußland, China, Indien u.a., dessen Folgen absehbar weitaus schlimmer wären als die aller bisherigen britischen Kriege. Der Lissabon-Vertrag ist das entscheidende Glied im derzeitigen Vorhaben der britischen Monarchie, die schlimmsten Kriege in der bekannten Geschichte der Menschheit in Gang zu setzen.
[subhead]„Das oligarchische Modell"[/subhead]
Es wurde immer wieder behauptet - besonders seit Edward Gibbons' [i]Verfall und Untergang des Römischen Reiches[/i] erschien -, das Römische Reich sei das Vorbild für das britische Weltreich gewesen. Diese vereinfachende Sichtweise ist ein erhebliches Hindernis, wenn man die heutige globalstrategische Lage angemessen verstehen will. Tatsächlich geht die Vorstellung eines „Reiches" oder „Imperiums" in der europäischen Zivilisation auf asiatische Modelle, so auf die bekanntesten Beispiele wie Babylon und Persien zurück. Die Vorstellung, wie sie sich in der europäischen Kultur manifestiert, beginnt im wesentlichen mit dem sog. „oligarchischen Modell", das entstand, als man versuchte, den Grundbesitzadel Westasiens mit dem Seemachtsmodell früher Reiche wie Tyros zu verbinden. Das bestimmende Prinzip dieser strategischen Vorstellung von „Imperium" wurde von Aischylos in seiner Prometheus-Trilogie dargestellt, speziell im überlieferten Teil der Trilogie, [i]Der gefesselte Prometheus[/i].
Nach der strengen Definition des Historikers ist ein Imperium ein oligarchisches System mit absoluter Macht eines tyrannischen Kaisers, in dessen Händen die gesamte Rechtsgewalt liegt (wie bei einem „Cäsar"). Er kann ganzen Völkergruppen Richtlinien diktieren, und selbst die „Könige" sind nur untergeordnete Zwischenträger des Kaisers. Die Idee jenes modernen Turmbaus zu Babel namens „Globalisierung", um den Kern des britischen Commonwealth herum, trägt alle typischen Merkmale der imperialen Ordnung eines oligarchischen Systems.
Diese oligarchische Gesellschaft ist der typische Widersacher des Systems, das durch den Westfälischen Frieden zustande kam, so wie früher der Widersacher von Bestrebungen in die gleiche Richtung unter Karl dem Großen und unter dem Stauferkönig Friedrich, dessen Familie leider von den venezianischen, finanzoligarchischen Interessen hinter den Kreuzzügen jenes Jahrhunderts umgebracht wurde.
Das britische Empire der Zeit von 1763 bis heute ist eine Abart dieses imperialen oligarchischen Modells, die heute im britischen Vorstoß für eine imperiale Tyrannei unter dem Lissaboner Vertrag benutzt wird. Der Vertrag wurde als Neuerung entwickelt, um den Untertanen die Freiheitsrechte zu nehmen, und auch um die nominellen kontinentaleuropäischen Regierungen zu entmachten, damit sie in einem solchen neuen großbritischen Reich aufgehen. Der offizielle britische Klatsch besagt sogar, daß dieses großbritische Imperium sich vom Vereinigten Königreich als selbsternannter erhabener Gottheit von außen beherrschen ließe: Es würde über das unglückselige Kontinentaleuropa herrschen, ohne sich selbst irgend etwas von jenen früheren Nationen des Kontinents sagen zu lassen.
Berücksichtigt man die vorangehenden Überlegungen, so ist das Hauptmerkmal dieses bösartigen britisch-imperialen Plans der neumalthusianische Betrug, für den heute insbesondere der dicklich gewordene frühere US-Vizepräsident Al Gore steht, heute ein Vertreter des Empire, der mit seinem CO[sub]2[/sub] und seinen „16 Tonnen Kohle" die ganze Welt beschwindelt.[sup]4[/sup]
[subhead]Das prometheische Feuer der menschlichen Vernunft[/subhead]
Wie ich in meinen Schriften und Vorträgen des vergangenen halben Jahrhunderts häufig betont habe, kann man zusammenfassend durchaus sagen, daß das wesentliche strategische Konzept, das man braucht, um Geschichte als Prozeß zu verstehen, im zweiten Teil von Aischylos' großartiger Prometheus-Trilogie, [i]Der gefesselte Prometheus[/i], enthalten ist. Hier treffen wir auf die innerste, brennende Frage der gegenwärtigen Krise der Weltgeschichte.
Der grundsätzliche Unterschied zwischen wirklich menschlichem Verhalten und dem Verhalten aller niederen Lebensformen oder geistig verkommener Menschen beruht nur auf den schöpferischen Fähigkeiten des menschlichen Individuums, die Aischylos symbolisch als Wissen über den Umgang mit dem „Feuer" beschreibt - heutzutage würden wir eher von der kontrollierten Kernspaltung sprechen. Das bedeutet, daß diejenigen, die sich heute gegen den überlegten Einsatz des „Feuers" des Atomkerns sperren, sich selbst unterhalb der wahren Natur des menschlichen Individuums und seiner Gesellschaft stellen. Diese Entwürdigung hat heute fürchterliche Konsequenzen für unseren ganzen Planeten.
Diese Vorstellung vom „geistigen Feuer", welches den bewußt denkenden Menschen von allen Tierarten abhebt, wurde später der neuzeitlichen Zivilisation erneut vorgelegt, unter anderem von Kardinal Nikolaus von Kues, dem Gründer der modernen Naturwissenschaft im 15. Jahrhundert, als zentrales Prinzip menschlicher Erkenntnis in seiner [i]De Docta Ignorantia.[/i]
Cusanus betonte dies an zwei ganz entscheidenden Punkten, hier und auch in seinen Predigten. Das Konzept, das damit verbunden war, daß er den grundsätzlichen Fehler in Archimedes' fehlgeleitetem Ansatz an die Quadratur des Kreises erkannte, wurde zum wirklich „feurigen" physikalischen Begriff des ontologischen (nicht euklidischen oder kartesischen) Infinitesimals. Der gleiche Begriff tauchte auch als ein zentraler Aspekt auf, als Johannes Keplers, ein großer Anhänger des Nikolaus von Kues, insbesondere mit seinem Werk zur Astrophysik die systematische mathematische Physik der Neuzeit gründete.
Dieser Begriff des ontologisch Infinitesimalen bezeichnet die schöpferischen Fähigkeiten des menschlichen Individuums, welche die menschliche Gesellschaft grundsätzlich von den niederen Lebensformen abhebt. Dieses Prinzip ist der Schlüssel zu jedem kompetenten Verständnis von Geschichte.
Das gegenteilige soziale Hauptmerkmal des „oligarchischen Modells" imperialer oder anderer Prägung findet sich heute im kreativitätsfeindlichen „malthusianischen" Modell des „technischen Nullwachstums", beispielsweise beim Schwindel der „globalen Erwärmung" des früheren US-Vizepräsidenten Al Gore - ein Erzschwindler, britischer Agent und leider ganz der Sohn seines ausbeuterischen Vaters.
Die besondere Bedeutung von Aischylos' Werk für den ernsthaften Historiker wie auch für jeden, der heute ein qualifizierter Politiker sein will, besteht darin, daß Aischylos den großen Kampf zwischen zwei Menschenbildern behandelt - so wie auch Friedrich Schiller in seinen Jenaer Vorlesungen über Solons Athen und Lykurgs Sparta: hier eine Gesellschaft wirklicher Bürger, da eine Gesellschaft nach dem oligarchischen Modell, eine Herrschaft von Herren über Sklaven oder Leibeigene. Dieser Art ist auch die Herrschaft anglo-holländische liberaler Tyrannen über die einkommensschwächeren 80 Prozent der Amerikaner, da die transatlantische Oligarchie insbesondere seit 1968-72 die große Mehrheit der zunehmend entmutigten und ausgebeuteten Bevölkerung der USA ihrer Unterdrückung unterworfen hat.
Eine typische moderne Variante des verkommenen antiken Sparta als Modellfall in der transatlantischen Zivilisation ist der Abbau der Rechte der großen Mehrheit der US-Bürger unter der Tyrannei in Verbindung mit dem Ruin unserer Volkswirtschaft seit den wüsten, flagellantenähnlichen Unruhen der „68er" auf beiden Seiten des Atlantiks und den anschließenden wirtschaftlichen Verheerungen unter den von London gesteuerten Regierungen 1969-81 mit den Präsidenten Nixon, Ford und dem damals von der Trilateralen Kommission düpierten Carter.
Die auf den vorigen Seiten geäußerten Überlegungen sind unabdingbar für das Verständnis der großen Krise der Menschheit in Form der Bedrohung durch den neumalthusianischen Imperialismus heute.
[head]1. Was ist eigentlich Geschichte?[/head]
Wenn man mit der nötigen Strenge nachforscht, wird deutlich, daß sich die heute gebräuchlichen statistischen Methoden sogenannter Wirtschaftsvorhersage allesamt als hoffnungslos inkompetent erwiesen haben. Typisch für die Ursachen dieser Inkompetenz ist, daß nicht anerkannt wird, daß wir es mit dem Auftauchen der Menschheit auf diesem Planeten mit einer Gattung zu tun haben, deren potentielles relatives Bevölkerungspotential sich mit kartesischen statistischen Methoden, wie beispielsweise denen von R.A. Fisher, nicht angemessen vorhersagen läßt.
Diese ererbte peinliche Schwäche der heutigen statistischen Wirtschaftsexperten rührt daher, daß die technische und verwandte qualitative Weiterentwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte ein Veränderungsprozeß ist, der durch willentlichen schöpferischen (anti-entropischen) Fortschritt in den menschlichen Technologien bewirkt wird. Ohne diese Veränderung würde sich eine erfolgreiche Zunahme der menschlichen Bevölkerungsdichte an einem bestimmten Punkt in eine Phase des Zusammenbruchs umdrehen - es sei denn, es kommt zu eben dieser Wirkung, die wir etwas grob wissenschaftlich-technischen Fortschritt nennen. Dieser unverzichtbare qualitative Fortschritt überwindet die Tendenz, daß die menschliche Produktivität durch Erschöpfung von Rohstoffen etc. sinkt.
Zum Thema der „Tragödie" - so muß man diesen schicksalhaften Moment der Weltgeschichte in Amerika und Europa nennen - ist an dieser Stelle unseres Aufsatzes folgendes hervorzuheben.
Während romantische und ähnliche Schwätzer ständig von „tragischen Figuren" in der Geschichte faseln, wurzelt die Tragödie in Wirklichkeit nie in dieser oder jener Einzelperson, sondern in der Kultur, die in der ganzen Gesellschaft und in ihren Institutionen herrscht. Das ist der Kern der Tragödien von Shakespeare und Friedrich Schiller, auch wenn romantische und ähnliche akademische Schwätzer anderes meinen. Die Tragödie der Wallenstein-Trilogie ist keine Erfindung, sondern die wahre Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs von 1618-48 - ein Holocaust, der nur durch das Eingreifen Kardinal Mazarins beendet wurde, woraufhin der große Westfälische Frieden zustande kam, auf den jede Annäherung an die Vernunft in Europa seither zurückgeht.
Die schreckliche Tragödie, die den gesamten Planeten ergriffen hat, ist eine Ausgeburt der allgemeinen Kultur in sämtlichen wichtigen Mächten der transatlantischen Zivilisation. Es ist die tragische Torheit der USA und der Nationen und Völker Kontinentaleuropas, zuzulassen, daß die ganze Welt weiter unter den bestialischen Folgen der Politik des britischen Empire leidet. Dieser anglo-holländische imperiale Wucher ist mit dem venezianischen Erbe aus dem Mittelalter verbunden, heute erinnern Gestalten wie Felix Rohatyn von Lazare Frère und Londons Mann George Soros an die berüchtigten historischen Räuber Biche und Mouche.
Alle die buchstäblich armen Irren, die im amerikanischen Kongreß und ähnlichen Institutionen eine Politik à la Biche und Mouche wie bei Rohatyn und Soros tolerieren, verkörpern in dem Sinne die gegenwärtige „Live-Tragödie" in den USA.
Die heutige Tragödie ist ein Nachhall der deutschen Hyperinflationskrise von 1923. In der Krise heute kommt ein immer schlimmerer Wahnsinn zum Ausdruck, seit Ende Juli 2007 die größte Weltfinanzkrise der Neuzeit ausgebrochen ist. Das klarste Beispiel dafür sind die völlig aberwitzigen Reaktionen der amerikanischen Regierung, einschließlich des Kongresses, maßgeblicher US-Finanzkreise sowie auch der Regierungen und Finanzzentren West- und Mitteleuropas. Die wirtschaftlichen Folgen der Finanzkrise sind schrecklich genug; die größte Gefahr liegt aber nicht darin, daß die zunehmende Weltfinanzkrise die Gesellschaft an sich bedroht, sondern in der Macht der klassischen Tragödie, die unter solchen Umständen die ganze Gesellschaft in den Wahnsinn reißt, sowie in den faschistischen politischen Reaktionen von Regierungen, einschließlich der Administration von George W. Bush. Die Reaktionen der Regierung Bush-Cheney und ihrer Genossen in London würden, wenn man ihnen nicht Einhalt gebietet, die ganze Erde in eine Art neues dunkles Zeitalter stürzen, das schlimmer wäre als das finstere Zeitalter des 14. Jahrhunderts oder selbst die Folgen des mörderischen Untergangs des alten Römischen Reichs im Westen.
Die einzige Lösung für diesen katastrophalen Zustand der jetzigen Weltlage ist, kurz zusammenfassend gesagt: Nur durch das „Feuer", das der Olympier Zeus in [i]Der gefesselte Prometheus[/i] den Menschen verbot, war und ist die Gesellschaft in der Lage, die potentielle relative Bevölkerungsdichte der Menschheit zu erhöhen, wie man dies bei lebensfähigen menschlichen Kulturformen immer wieder gesehen hat - und diese Zunahme geht mit einer Steigerung des realen (im Unterschied zum bloß finanziellen) Lebensstandards einer Gesellschaft einher.
Die dringend erforderliche Erhöhung der physischen Arbeitsproduktivkräfte stützt sich auf den kombinierten Nutzen anti-entropischen wissenschaftlichen Fortschritts im menschlichen Handeln pro Kopf und pro Quadratkilometer sowie Fortschritts entsprechender Qualität in den sozialen Beziehungen, wie dies mit klassischer Kultur in der Entwicklung von Sprachen, Musik usw. verbunden ist.[sup]5[/sup] Dazu müssen wir unsere Aufmerksamkeit den Kernfragen in meinen kürzlich veröffentlichten Schriften [i]The Doomed and Brutish Empire[/i][sup]6[/sup] und [i]Projekt Genesis[/i][sup]7[/sup] zuwenden. Dies sollte man in der folgenden Art und Weise darstellen.
[subhead]Das Geheimnis des menschlichen Geistes[/subhead]
Wie ich in den letzten Jahrzehnten in zahlreichen Publikationen betont habe, äußert sich das, was wir als die Schöpferkraft des menschlichen Geistes definieren können, in Begriffen, wie sie Percy Shelley in seiner [i]Verteidigung der Poesie[/i] verwendet, speziell wenn er betont, es gebe bestimmte Phasen im Leben einer Kultur, in denen zumindest ein bedeutender Teil der Bevölkerung eine besondere Fähigkeit entwickelt, „grundlegende und leidenschaftliche Gedanken über Mensch und Natur aufzunehmen und weiterzugeben". Shelley zieht die Verbindung zwischen der Komposition und der Freude an den Ironien, die wahrhaft klassische Dichtkunst ausmachen, mit solchen außerordentlichen Abschnitten der sozialen Geschichte der Menschheit.
Wenn große Werke der Dichtung oder klassischen Musik aus der Vergangenheit heute in der Bevölkerung keine Resonanz mehr finden, sind also daran nicht die Werke schuld, deren Größe in früheren, moralischeren Zeiten noch verstanden wurde. Es ist vielmehr ein Ausdruck eines moralischen und intellektuellen Verfalls - so wie in den Vereinigten Staaten seit dem Tode Präsident Franklin Delano Roosevelts und in noch viel schlimmerer Form, seit die sog. „68er" von 1968 bis heute zum weitgehend hegemonialen, korrumpierenden Einfluß in den transatlantischen Kulturen aufstiegen.[sup]8[/sup]
Das, was sich allgemein „Gesellschaftstheorie" nennt, womit ich mich seit den fünfziger Jahren aus gegnerischer Sicht beschäftigt habe, ist eigentlich immer eine exemplarische Form solcher Inkompetenz - insbesondere in der Hinsicht, daß der grundlegende Unterschied des Phasenraums des menschlichen Geistes zu dem, was man als „Tierpsychologie" bezeichnen kann, nicht berücksichtigt wird. Daher definieren viele die Soziologie in ihrer üblichen Praxis als eine Form der Sophisterei mit einer pelztierartigen „freisinnigen" Suche nach sexuell orientierten Freuden der „Fühl-ologie", anstelle der Macht der Vernunft in den kognitiven Funktionen des menschlichen Geistes.
Wenden wir, um diesen Punkt zu verdeutlichen, unsere Aufmerksamkeit kurz dem Phänomen zu, das wir in Amerika die „Babyboomer" und in Europa „die 68er" nennen.
[subhead]Wer sind die 68er?[/subhead]
Die „68er" sind keine Generation, sondern nur ein Teil davon, eher eine „Degeneration". In den USA handelt es sich um einen bedeutenden Teil der Kinder der Angestelltenschicht, die in der Zeit vom Ende des großen Krieges 1945 bis zu der für die Haushalte dieser Schicht ziemlich einschneidenden Erfahrung der schweren Nachkriegsrezession um 1958 geboren wurden. Diese Kinder wurden in einer kulturellen Nische geboren und erzogen, nämlich der Gruppe, die in Gesellschaftsstudien der 50er Jahre als die „weißen Kragen" (C. Wright Mills, [i]White Collar[/i]) oder „Organisationsmänner" (William Whyte, [i]The Organisation Man[/i]) bezeichnet wird. Die Kindern waren geprägt von den kulturellen Gepflogenheiten im Haushalt und im Umfeld ihrer Eltern, die praktisch selbst erst im Nachkriegsleben unter fanatischen Feinden Roosevelts wie Harry Truman und Senator Joseph McCarthy erwachsen wurden - einer allgemeinen rechten, quasi pro-faschistischen Tendenz, die nach dem Durchbruch der Alliierten in der Normandie 1944 beinahe zwei Jahrzehnte lang in Amerika herrschte.
Auf den Reflex dieser Familien auf den wirtschaftlichen Einbruch 1957-58 folgten die anschließenden Schocks der 60er Jahre. Präsident John F. Kennedy versuchte, zum politischen Paradigma von Präsident Franklin Roosevelt zurückzukehren, aber das wurde durch seine Ermordung verhindert, und auf die folgte unmittelbar - und vermutlich genau so beabsichtigt - der Eintritt der USA in den Vietnamkrieg unter falschen Vorwänden. Dieser Krieg wurde zum Wendepunkt hin zu der höllischen heutigen Lage der Dinge in Amerika und Europa. Diese Folge von Entwicklungen Mitte bis Ende der 60er Jahre brachte unter den Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus der Angestelltenschicht das hervor, was wir heute im Nachhinein die „Babyboomer" oder „68er" nennen - einschließlich eines protofaschistischen, anarchischen Elements.[sup]9[/sup]
Als diese jungen Leute weiter heranreiften, traten die besonderen Merkmale dieses Teils dieser Generation zunächst zwischen 1968 und 1972 im anarchischen harten Kern dieser Schicht als Element eines politisch und kulturell zunehmend einflußreichen moralischen und intellektuellen Verfalls in Erscheinung. Unter der Regierung von Zbigniew Brzezinskis Trilateraler Kommission (1977-81) zeichnete sich ab, daß dieser anarchische harte Kern dieser Generation künftig die - bereits dekadenten - kulturellen und politischen Trends in Amerika und Europa bestimmen würde.
Dieser Verfall der transatlantischen Gesellschaft fand auch sein Echo im sowjetischen Machtbereich unter der anglophilen „Irre-Führung" von Andropow, Gorbatschow und dem IIASA-Institut, das von Anglo-Amerikanern - Anhängern der Bösewichte H.G. Wells und Bertrand Russell, etwa in der Systemanalyse-Gruppe in Cambridge - gesteuert wurde. Der systematische Abbau der Realwirtschaft der Nationen unter dem Einfluß solcher Pseudowissenschaftler auf beiden Seiten der strategischen Grenze zwischen Ost und West bereitete den Weg für die noch beschleunigte Zerstörung der bis dahin im wissenschaftlichen und sonstigen Fortschritt führenden Nationen Amerikas und Europas seit der Übergangszeit 1981-89.
In diesem Kontext kam es in der Nachkriegs-68er-Generation, vor allem in Europa und Amerika, zu einem allgemeineren moralischen, geistigen und körperlichen Verfall. Ausgewählte Personen des harten Kerns der „Alt-68er", offensichtlich anarchistische oder geistig heruntergekommene Typen, wurden systematisch in Positionen gehievt, von denen aus sie im entstehenden „Establishment nach 1968" in Amerika, Europa und anderswo weit nach oben aufsteigen konnten. Selbst viele moralisch und intellektuell kompetentere Vertreter derselben Generation, die während des Aufstiegs der 68er z.B. gute Leistungen an Hochschulen erbracht hatten, wurden nun vom Neid auf diese jungen anarchischen Typen erfaßt, die in die einflußreichen Positionen im Establishment aufstiegen. Dieser Neid wuchs, je mehr diese Nichtsnutze aus dem harten Kern in die politischen und kulturell einflußreichsten Stellungen aufstiegen und dabei ihre Altersgenossen und andere, die tatsächlich noch einen gewissen Grad an intellektueller Integrität und fachlicher Leistung verkörperten, hinter sich ließen. Mit diesen „anderen" meinen wir Leute, die nicht so eindeutig verkommenen sind wie z.B. Al Gore heute.
Gerade moralisch und intellektuell minderwertige Kräfte - darunter auch offen räuberische Parasiten -, denen man den niedrigsten sozialen und politischen Rang unter den Nachrückern im herrschenden Establishment hätte zuweisen sollen, wurden herausgepickt, um an die Spitze aufzusteigen.
Der Neid trug dazu bei, daß diesen degenerierteren Typen mit ihrem steigenden Einfluß allgemein nachgeeifert wurde. Die Masse der sozial einflußreichen Schicht, die sich biologisch aus den Reihen der zwischen 1945 und 1958 in der Angestelltenschicht Geborenen zusammensetzt, akzeptiert anscheinend die Hegemonie des anarchischen harten Kerns ihrer gegenwärtig politisch und kulturell maßgeblichen Degeneration.
Insofern scheint die politische Zukunft der USA heute auf den Kopf gestellt: Mit Ausnahme einiger weniger wichtiger Vertreter einer wahren Intelligenzija in den höheren Reihen unserer Gesellschaft konzentrierte sich heute das Potential ehrlicher politischer Führung weitgehend auf wahre Patrioten innerhalb der meist ausgebeuteten einkommensschwächeren 80% der Bevölkerung. Der vorhandene und mögliche politische Einfluß dieses einkommensschwächeren Teils äußert sich gegenwärtig weit mehr auf Landes- und Kommunalebene als in der stärker durch Geld korrumpierten Bundesebene der Führung.
Nur eine schreckliche Krise, die die politischen und vergleichbaren Institutionen auf nationaler Ebene so einschüchtert, daß sie um der Realität willen ihren hurenhaften Opportunismus aufgeben, kann die einst ehrlicheren sozialen und politischen Kräfte vereinigen. Dann werden sie wieder ehrliche Amerikaner sein, nicht bloß stiefelleckende Lakaien des britischen Empire und seiner Vertreter wie George Soros und der faschistischen Tradition des früheren Pinochet-Partners und Lazard-Freres-Bankiers Felix Rohatyn.[sup]10[/sup]
[head]2. Was ist Kreativität?[sup]11[/sup][/head]
Der wesentliche Unterschied zwischen Mensch und Tier liegt im Potential des menschlichen Geistes für wirkliche Kreativität, eine Eigenschaft, die es im Tierreich nicht gibt. Um etwas wirklich Bedeutendes aus der Geschichte der Kulturen zu verstehen, muß man sich deshalb vorrangig mit zwei Themenbereichen beschäftigen: erstens mit der Natur von Kreativität - die naturwissenschaftliche Bedeutung dieses Begriffs werde ich im Laufe dieses Kapitels definieren -; zweitens damit, wie dieses einmalige Potential der menschlichen Gattung in verschiedenen Bereichen von Kulturen und ihren Gesellschaften manchmal gefördert, behindert oder sogar scheinbar zerstört wird.
So wie ich habe den Begriff „Kreativität" wiederholt in früheren Veröffentlichungen definiert habe,[sup]12[/sup] beschränkt sich eine angemessene Verwendung dieses Begriffs auf diejenigen geistigen Tätigkeiten des individuellen Menschen, die (im Gegensatz zu den Entartungen bei Clausius, Grassmann und ähnlichen Narren) einem universellen Prinzip der Antientropie in der praktischen Naturwissenschaft entsprechen - so wie dies z.B. in Albert Einsteins Vorstellung eines Riemannschen, endlichen, aber unbegrenzten physikalischen Universums definiert ist.
Der Begriff läßt sich Mitgliedern der heutigen modernen Gesellschaften leichter erklären, wenn man den Gegenstand menschlicher Kreativität auf das beschränkt, was wir gewöhnlich „Naturwissenschaft" nennen. Das gleiche Prinzip gilt jedoch, wenn auch in etwas anderer Weise, für streng klassische Formen künstlerischer Komposition. Das Erbe Johann Sebastian Bachs und auch das seiner getreuen Nachfolger veranschaulicht dies für die Komposition und Aufführung von Musik.
Diese Auffassung von Kreativität deckt sich systemisch mit der Entdeckung spezifisch menschlicher individueller Kreativität bei Kardinal Nikolaus von Kues. Seiner Erkenntnis des Fehlers in Archimedes' Quadratur des Kreises (oder implizit der Ellipse) verdankt die neuzeitliche europäische Wissenschaft so großartige ausdrückliche Cusanus-Nachfolger wie Leonardo da Vinci, Johannes Kepler und später deren Anhänger Fermat, Leibniz, Gauß, Riemann, den großen Naturforscher W.I. Wernadskij und Albert Einstein. Cusanus liefert ein Echo des gleichen Prinzips wissenschaftlicher und sozial-kultureller Kreativität in der antiken europäischen Wissenschaft, wie es besonders die Pythagoräer und Platon und dann später auch Eratosthenes und Archimedes[sup]13[/sup] verkörperten.
Wie ich weiter oben und auch in früheren Veröffentlichungen zusammenfassend dargestellt habe, kann der Begriff der „Naturwissenschaft" im richtigen Sinne nur das Ergebnis einer vorangegangenen langen Entwicklung einer Himmelsnavigation für ferne Reisen in antiken Seefahrerkulturen sein. Die Idee einer universellen Wissenschaft an sich setzt voraus, daß Beweise für die experimentelle Vorstellung eines realen Universums vorliegen, welches sich durch irreversible, fortschreitende, qualitative Veränderungen auszeichnet - ein antientropisches Universum im Sinne von Cusanus' Ablehnung der Kreisquadratur oder anders gesagt: ein Universum, das von einem Prinzip universeller Antientropie regiert wird.
Wenn dieser Punkt angesprochen wird, taucht beim Lernenden häufig das Problem auf, daß der heute immer noch gebräuchliche Wissenschaftsbegriff sehr weitgehend mit dem Sophismus Euklidischer oder vergleichbarer aprioristischer Annahmen verbunden ist - etwa der Vorstellung gewisser Definitionen, Axiome und Postulate - oder dem ähnlich gelagerten Fall des radikal reduktionistischen Schwindlers René Descartes. Da dies bedeutet, a priori von einer digital-mathematischen Ordnung des Universums auszugehen, wird bei der Darstellung einer Hypothese oder eines vermeintlichen Beweises die Realität eines antientropischen Universums von Anfang an fast fanatisch ausgeschlossen. Bei der Darstellung wissenschaftlicher Experimente wird das reale, antientropische Universum gewöhnlich zu unrecht völlig ausgeschlossen, noch bevor man anfängt, ernsthaft über sie zu diskutieren.
Die unverzichtbare Voraussetzung für einen Begriff wissenschaftlicher Universalität auf wirklich experimenteller Grundlage liegt deshalb in der Entdeckung, daß der Sternenhimmel nicht nur sich immer wiederholenden Veränderungen unterliegt, sondern offenbar unumkehrbare, tatsächlich antientropische Veränderungen von niedrigeren zu höheren Organisationszuständen des Universums als Ganzem durchläuft. Die Idee wirklicher Wissenschaft setzt die Entdeckung eines solchen antientropischen Prinzips hinter der höchsten Kraft voraus, die die antientropische Organisation unseres Universums bestimmt.
Entgegen den Euklidischen und vergleichbaren aprioristischen Sophismen kannte die beste antike Wissenschaft, wie die von Thales, Heraklit, der Pythagoräer und Platon, bereits die Belege für das gleiche Grundprinzip wie bei der späteren modernen Naturwissenschaft des Cusanus und seiner Nachfolger wie Leonardo, Kepler, Fermat, Leibniz, Gauß, Riemann, Wernadskij und Albert Einstein. Was Gauß' Lehrer Abraham Kästner zutreffend als „antieuklidische" Geometrie bezeichnete, die wir in den antidigitalen, analogen Methoden der Pythagoräer, Cusanus', Keplers, Leibniz', Riemanns u.a.[sup]14[/sup] wurzelnd entdecken müssen, beruht auf einem einzigen gemeinsamen Prinzip der Kreativität bei der experimentellen Methode. Dieses Prinzip ist das, was bei kompetenten experimentellen Ansätzen, wie bei Cusanus und Kepler, als Begriff des ontologisch Infinitesimalen in der Wissenschaftsmethode zum Ausdruck kommt.
Typisch für diese Wissenschaftsmethode ist auch das von mir erläuterte ontologische Infinitesimal bei Leibniz' ursprünglicher Entdeckung des Kalkulus - eine Methode, die Leibniz anhand einer Aufgabe entwickelte, die Kepler „zukünftigen Mathematikern" gestellt hatte. Dieses Prinzip ist das wesentliche Merkmal jeder kompetenten modernen Wissenschaftsmethode. Ich habe es wiederholt als das Prinzip des ontologisch Infinitesimalen beschrieben, das dem Konzept von Leibniz' Kalkulus zugrunde liegt, das sich aber auch im antiken pythagoräischen Begriff der Dynamik widerspiegelt, wie ihn die Pythagoräer mit ihrem Quadrivium der Sphärik verbanden und wie er dem gesamten Werk Platons zugrunde liegt.
Ich habe die Sphärik als das Erbe antiker ozeanfahrender Kulturen bezeichnet, deren Ursprünge in der Himmelsnavigation notwendigerweise in der letzten großen Eiszeit auf der nördlichen Halbkugel liegen müssen.[sup]15[/sup] Aber wenn man die bekannte Geschichte der Menschheit betrachtet, allen voran in den Regionen vom westlichen Asien westlich über den Atlantik, wird in Werken wie Aischylos' Prometheus-Trilogie eine offenbar sehr lange Welle der Verrohung der großen Mehrheit der Menschheit und ihrer vorherrschenden Kulturen beschrieben. Dies läßt sich bis auf den heutigen Tag weiterverfolgen, seit das antike Griechenland in den Sophismus verfiel. Von einigen relativ seltenen Ausnahmen abgesehen unterlag die Menschheit immer überwiegend dem Einfluß einer vorsätzlichen und systematischen Verdummung der breiten Masse der Bevölkerung - in allen Kulturen, wie wir sie gewöhnlich einstufen: antike, mittelalterliche und auch die meisten neuzeitlichen. Aischylos stellt diese wesentliche Grundtatsache der Geschichte genau dar: Über alle diese Jahrtausende bis heute gründeten die Herrscher ihre Macht über die Masse der Bevölkerung gewöhnlich auf die gezielte Verdummung der Allgemeinheit, wie heute die Malthusianer und der frühere US-Vizepräsident Al Gore. Deswegen hat der olympische Zeus aus Aischylos' Prometheus-Trilogie verboten, Wissen über das Prinzip des „Feuers" (heute die Kernkraft) an die Masse der dumm gehaltenen Untertanen weiterzugeben.
In der neuzeitlichen europäischen Zivilisation seit Ende des 16. Jahrhunderts hat diese vorsätzliche Verdummung der allgemeinen Untertanenbevölkerung eine relativ neuartige Form angenommen, nämlich unter der Fahne des „Empirismus" - man spricht auch vom philosophischen Liberalismus Paolo Sarpis und seiner anglo-holländischen liberalen Nachfolger. Das umfaßt die heftigen Angriffe auf den verstorbenen Gottfried Leibniz aus dem Umfeld unmoralischer englischer Sklavenhändler, von Leuten wie John Locke und den Kreisen Voltaires im 18. Jahrhundert um den Betrüger Isaac Newton sowie de Moivre, D'Alembert, Leonhard Euler, Joseph Lagrange und ihren Anhängern wie den von London geförderten Laplace und Cauchy. Zu derselben Richtung gehörten später verkommene Positivisten wie Ernst Mach, Bertrand Russell u.a., die dafür sorgten, daß die schöpferischen Fähigkeiten selbst bei den meisten heutigen „Bildungsschichten" und vielen anerkannten Mitgliedern der Wissenschaftsprofession völlig abgestumpft sind.
In solchen angeblich gebildeten Kreisen des modernen philosophischen Liberalismus existiert keine wirkliche Vorstellung von Kreativität, und man würde sie auch nicht dulden, wenn sie in Erscheinung treten sollte.
Unter den Bedingungen moralischen Verfalls, wie ihn die existentialistischen Elemente der „68er-Generation" (oder vielleicht besser „Degeneration") verkörpern, sollte man sich besonders mit dem geistigen Verfall bei den Generationen des zeitgenössischen Liberalismus nach Franklin Roosevelt befassen.
Jetzt möchte ich die Aufmerksamkeit wieder auf das Thema in meinem kürzlich erschienenen „Projekt Genesis" zurücklenken.
[subhead]Wenn „glauben" nicht gleich „wissen" ist[/subhead]
Wie ich in „Projekt Genesis" betont habe, läßt sich der grundsätzliche Unterschied zwischen Mensch und Tier daran festmachen, daß die Funktionsweise des tierischen Gehirns, wie sie heute allgemein angenommen wird, nichts darüber aussagt, wie wirklich schöpferisches Denken in der spezifisch menschlichen Ökologie sich erfolgreich entwickelnder Kulturen abläuft. Nirgends in dem, was heute akademisch als „gängige Meinung" gilt, gibt es handfeste Belege, wie die Produkte wahrhaft schöpferischen Denkens von Angehörigen der menschlichen Gattung (d.h. Angehörigen der Noosphäre) die menschliche Ökologie als einzigartig kennzeichnen - anders gesagt, was den Menschen als Angehörigen der Noosphäre von den Tieren, die einen Bestandteil der Biosphäre bilden, unterscheidet. Ein paar besonders überzeugte philosophische Liberale mögen vorgeben, noch soviel über diese Fragen zu wissen, in Wirklichkeit sind sie Sophisten, die doch nur von angeblich „selbstevidenten Wahrheiten" schwätzen.
Die Pythagoräer, Platon und andere in der Antike sowie die auf Nikolaus von Kues' Entdeckungen zurückgehenden Strömungen der modernen europäischen Wissenschaft zeigen es eindeutig: Die Entdeckungen universeller physikalischer Prinzipien, auf denen allein die Steigerung der potentiellen relativen Bevölkerungsdichte der menschlichen Gattung beruht, entspringen gerade jenem Bereich des menschlichen Denkens, dessen Existenz die Aristoteliker der Antike und der Liberalismus der Neuzeit leugnen.
Das Handeln, das die menschliche Gesellschaft auf diese Weise von allen Tieren unterscheidet, zeichnet sich als antientropisch aus und verkörpert daher ein wirksames universelles Naturprinzip, das außerhalb der Grenzen deduktiven (d.h. „digitalen") Denkens liegt.
Wie ich in „Projekt Genesis" hervorgehoben habe, ist menschliches Wissen kein Wissen, das mit den Sinnen wahrgenommen wird (d.h. kein „materialistisches"). Unser Sinnesapparat ist der angeborene Sinnesapparat des biologischen Individuums. Die geistigen Mittel zur Deutung dieser Sinneserfahrungen zu entwickeln, ist eine ganz andere Frage. Der Fortschritt der Naturwissenschaften hat uns gezwungen, künstliche Sinnesapparate zu schaffen: Um den subatomaren Bereich oder das astronomische Universum zu erforschen, müssen wir Laborgeräte oder vergleichbare Apparate erfinden, die der menschliche Geist so behandeln lernt, als seien sie eine Erweiterung des gewöhnlichen Gebrauchs unserer Sinneswahrnehmung. Daß der menschliche Geist mit Hilfe seines Sinnesapparats etwas begreift, was das Tier nicht begreifen kann, ist keine Frage der „Sinnesgewißheit"; es hat mit den Apriori-Annahmen des euklidischen Sophismus nichts zu tun. Es ist ein Einblick in das Universum des Mikroraums, des Sternenraums und Sinnesraums zugleich: das reale Universum, nicht der Bereich tierischen Aberglaubens namens Sinnesgewißheit.
Ebendiese Erfahrung eines Universums, das die mit den Sinnen erfahrbaren Bereiche einschließt, aber auch über sie hinausgeht, ist der Ort, wo die Funktionen des individuellen menschlichen Geistes (und der Gesellschaft) liegen, die mit dem Begriff universeller physikalischer Prinzipien - wie den von Kues und dessen erklärtem Anhänger Kepler entdeckten Prinzipien - verbunden sind.
Wie ich in „Projekt Genesis" betont habe, ist das wirkliche Universum im wesentlichen antientropisch, und das läßt die üblichen Vorstellungen experimenteller Prinzipienbeweise mehr oder weniger inkompetent erscheinen - wenn nicht sogar, wie die positivistischen Annahmen Machs und Russells, bewußt verrückt oder böswillig betrügerisch.[sup]16[/sup] Wie ich an entsprechenden anderen Stellen betont habe, bedeutet dies, daß die wahren Prinzipien des Universums weder Sinnesobjekte noch eine Verschleierung von Sinnesobjekten sind. Die Erkenntnis tatsächlicher Prinzipien durch eine bloße Beschreibung als mathematische Formel zu ersetzen, ist ein typischer Ausdruck dieser gefährlichen Verwirrung unter den entsprechenden Mathematiker-Reduktionisten. Wie Einstein betonte, ist ein wirkliches Prinzip ein Prinzip des Universums, kein Objekt innerhalb des Universums. Die in Keplers [i]Weltharmonik[/i] dargestellte Entdeckung der Gravitation, eine selbst unter Wissenschaftlern selten verstandene Entdeckung, verdeutlicht treffend meinen Punkt. Ein wahres universelles Prinzip ist ein dem Universum eigenes Prinzip, welches das Universum an sich und in sich einschließt, ohne daß eine äußere Begrenzung erforderlich oder erlaubt wäre.
Der experimentelle Ausdruck eines solchen identifizierbaren, wirklichen universellen Prinzips, wie dem von Kepler entdeckten Gravitationsprinzip, ist für die mit den Sinnen wahrnehmbare Welt nur der Fußabdruck des eigentlichen Prinzips. Den auf Sinneswahrnehmung eingestellten menschlichen Denkprozessen ist nur der experimentell demonstrierbare, ontologisch infinitesimale Ausdruck zugänglich - und so stellt auch Kepler seine Entdeckung der Gravitation in der [i]Weltharmonik[/i] dar. Die Unterstellung, die Idee von Leibniz' Infinitesimal sei so etwas wie „sehr klein" im euklidischen oder kartesischen Sinn, nur eine Frage annähernder Entfernung oder ähnliches, ist ein Betrug von Leuten wie de Moivre, D'Alembert, Euler und Lagrange oder auch Cauchy. Das „Kleine" beim Leibnizschen Infinitesimal ist der unbegrenzt infinitesimale Ausdruck, der Schatten des Wirkens eines „unendlichen" (d.h. „unbegrenzten") universellen physikalischen Prinzips, so wie Albert Einstein argumentiert hat. Deswegen: ontologisch infinitesimal.
So ist die Entdeckung der Seefahrer der Antike, daß das Sternenuniversum kein ewig gleichbleibender Kreislauf war, sondern einen sich selbst verändernden Prozeß (antientropischer) Selbstentwicklung darstellte, das Grundprinzip aller Vorstellungen von Universalität. Die Vorstellung der Arten von Prinzipien, die eine solche Universalität ausmachen, ist die Bedeutung der ontologisch aktualen Universalität wahrer physikalischer Prinzipien.
Die Idee „universeller Entropie", etwa bei Clausius, Grassmann oder Kelvinentlarvt sich damit nicht nur als Sophismus, sondern auch noch als betrügerischer obendrein. Die Vorstellung „universeller Entropie" war keine Frucht wirklicher Beweise, sondern war von vorneherein in ihre Formulierung des Diskussionsthemas eingebaut.[sup]17[/sup]
Eine ganz einfache pädagogische Schlußfolgerung: Auf der gleichen willkürlichen, axiomatischen Annahme eines universellen Entropieprinzips ruht auch das malthusianische Lügengebäude - damals wie heute unter der Leitung des berüchtigten Charles, des Prinzen von Wales, und seines verlogenen Lakaien, des früheren US-Vizepräsidenten Al Gore.
Das Antientropische, das in Form universeller Naturprinzipien abgeleitet werden muß, steht für die Kreativität, mit der Mann und Frau - im Abbild des Schöpfers geschaffen, wie es in der Schöpfungsgeschichte steht - diese Ebenbildlichkeit in entsprechenden schöpferischen Handlungen umsetzen. In der Hinsicht deckte schon der Freund des Apostels Petrus, Philo von Alexandria, zumindest indirekt den aristotelischen Betrug hinter der Behauptung auf, der Schöpfer habe sich durch die ewige Gesetzmäßigkeit seiner Schöpfung selbst zur Ohnmacht verurteilt. Diese verlogene, sophistische Auffassung von Gesetzmäßigkeit würde bedeuten, die Leitung des Universums anschließend dem Teufel zu überlassen (und somit dessen getreuen Erben wie dem Römischen Reich des Kaiser Tiberius auf Capri oder Lord Shelburnes Britischem Empire).
[head]3. Soziologie: Der olympische Zeus[/head]
Es ist nichts „Natürliches" daran, wenn in den meisten Kulturen die große Mehrheit der Bevölkerung bösartig auf den Status von Vieh herabgewürdigt wird, um nur noch der Bequemlichkeit und Unterhaltung einer herrschenden oligarchischen Tyrannei zu dienen - so wie dies heute der bösartige, imperialistische Lissaboner Vertrag vorsieht. In allen besser dokumentierten Gesellschaftsordnungen, in denen die Mehrheit zu einem viehähnlichen Dasein verurteilt wurde, war die von oben durchgesetzte Rechtsauffassung die gleiche wie bei dem bösartigen Monstrum, das Aischylos als den olympischen Zeus des (teuflischen) apollinisch-dionysischen Gaia-Python-Kults von Delphi darstellte und wie beim oligarchischen Recht in Lykurgs Sparta, das von den Priestern dieses satanistischen Kults geschrieben wurde.[sup]18[/sup]
Der Apollo-Dionysos-Kult ist Ausdruck einer Politik, die man im antiken klassischen Europa „das oligarchische Prinzip" nannte. Ein Beispiel dafür war sicherlich das verhaßte antike Tyros. Der Begriff, wie er in Darstellungen aus der Zeit der „alten Griechen" auftaucht, beschrieb den versuchten Zusammenschluß der ländlichen oligarchischen Traditionen Westasiens mit den oligarchischen Seefahrerkulturen - entsprechend des mediterranen „Olympia-Mythos" bei Diodorus Siculus und anderen[sup]19[/sup] -, in denen Platon und andere die wesentlichen ozeanischen Ursprünge der europäischen Zivilisation ausmachten.
Jedenfalls entstand die spezifisch europäische Zivilisation hauptsächlich durch Wechselwirkungen zwischen dem antiken Ägypten (d.h. Nil und antike Cyrenaica) und der Entwicklung der Mittelmeerküsten. Die Bestrebungen der imperialistisch ausgerichteten Kräfte, die seit dem antiken Tyros das Mittelmeer beherrschten, richteten sich auf diese Bereiche. Ägypten, die Ionier und die Etrusker mobilisierten dagegen Widerstand, und aus diesem kulturellen Phänomen entstand seither die spezifisch europäische Kultur.
Soviel sei in diesem Kapitel als Hintergrund gesagt. Wie gelang es nun den entstehenden imperialen Mächten der mediterranen Kultur seit Homers Zeit, dem Oligarchismus eine ungewisse, aber doch beständige Macht über die europäische Zivilisation zu sichern?
Was wir heute im Rückblick die „griechische" Zivilisation nennen, wurde durch den Verfall durch den Sophismus, der im Peloponnesischen Krieg mündete, in die Selbstzerstörung getrieben, um den Weg zur Einrichtung einer spezifisch europäischen Form imperialer Herrschaft zu ebnen. Unter diesen Umständen öffnete der Tod Alexanders des Großen die Tür für imperialistische und verwandte Entwicklungen, in denen das sogenannte „oligarchische Modell" zum Ausdruck kam. Seit das Römische Reich des Cäsar Augustus und Tiberius seinen Ausgang von der Insel Capri nahm, bis zum britischen Weltreich unserer Tage, ist dies der in Europa sitzende Feind der Menschheit auf dem gesamten Planeten.
[subhead]Wie dieses Modell funktioniert[/subhead]
Wesen und Mission dieses europäischen „oligarchischen Modells" entsprechen im Prinzip genau dem, wie es Aischylos im Kern darstellt. Es dreht sich um das folgende Prinzip.
Das Hauptziel eines Imperiums ist, die große Masse der Untertanen in der eigenen und anderen Nationen „hirnlos" zu machen. Dazu tut man genau das, was in den USA seit Beginn der Präsidentschaft Harry Trumans und bei zahlreichen früheren Versuchen ähnlicher Art geschehen ist. Ein Beispiel waren die britischen Machenschaften zur Durchsetzung der Sklaverei in den USA im 19. Jahrhundert, was hauptsächlich über die degenerierte spanische Monarchie, ein Anhängsel des britischen Empire, erreicht wurde. Ähnliche Anschläge gegen unsere Republik hatte es zuvor wiederholt gegeben. Weil die große Masse der Sklaven geistig unterdrückt und ein großer Teil der übrigen amerikanischen Bevölkerung durch den Einfluß des britischen Sklavereisystems ebenfalls verdummt wurde, schien unsere Zerstörung nach 1815 unaufhaltsam zu sein, bis es unter Präsident Abraham Lincolns Führung zum entscheidenden Sieg der USA über die Briten kam.
Wenn wir selbst einen großen Teil der Bevölkerung verdummen oder Außenstehenden wie den Briten erlauben, das zu tun, braucht uns niemand mehr zu unterjochen, weil wir uns schon selbst zerstören. Das ist systematisch geschehen, seit Präsident John F. Kennedy, der sich anschickte, Franklin Roosevelts Vermächtnis wiederzubeleben, ermordet (d.h. ausgeschaltet) wurde.
In diesem teils von außen gelenkten, teils verräterischen Vorstoß gegen unsere Republik seit dem leider zum ganz falschen Zeitpunkt verstorbenen großen Präsidenten Roosevelt sind wir Amerikaner (jedenfalls eine große Zahl von Dummköpfen aus den eigenen Reihen) dabei, uns immer weiter selbst zu ruinieren. Bei der Regierung Bush-Cheney und der Führung des Kongresses unter Nancy Pelosi als Handlangerin des rechten Korporativisten Felix Rohatyn zeigt sich das im Extrem. Unter solchen Umständen reicht es aus, unsere Bürger auf den Zustand von „dummen Häschen" zu degradieren, ein Kunststück, das die Reformen an unserem Bildungswesen zusammen mit unseren Print- und anderen Massenmedien bestens erledigt haben.
Das Wesen des Problems ist ganz elementar. Und zwar auf folgende Weise.
Der wesentliche Unterschied zwischen dem menschlichen Individuum und dem Tierischen des Menschenaffen liegt in der Entwicklung und Ausübung der geistigen Fähigkeiten, deren Modellfall die pythagoräische und platonische Kultur in der Antike und die Wiederbelebung dieses Erbes durch Cusanus auf dem großen ökumenischen Konzil von Florenz war. Weitere wichtige Bezugspunkte bilden in der neuzeitlichen Wissenschaft und Kunst neben der Pionierrolle des Nikolaus von Kues das Erbe von Dante Alighieri, Leonardo da Vinci, Raffael Sanzio, Shakespeare, Rembrandt, Kepler, Fermat, Leibniz, Moses Mendelssohn, Friedrich Schiller, die Gründer der französischen Ecole Polytechnique und vor allem die Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika als Gegenpol zu den Übeln der oligarchischen Traditionen Europas.
Bei allen angeführten und verwandten Beispielen ist immer die höchstmögliche geistige Entwicklung der Naturwissenschaften in der Tradition der Pythagoräer und Platons entscheidend für die Pflege der höheren Fähigkeiten, die nur der menschlichen Gattung eigen sind.
Aber diese Überlegenheit einer zivilisierten, anti-oligarchischen Kultur ist nicht nur eine Frage davon, die in einer Gesellschaft lebenden Individuen zu entwickeln.
[subhead]Die wahre menschliche Natur[/subhead]
Man vergleiche die Steigerung der potentiellen relativen Bevölkerungsdichte des Menschen in der Gesellschaft (wenn es denn zu dieser erfreulichen Steigerung kommt), gemessen pro Kopf und pro Quadratkilometer, mit der vergleichsweise konstanten potentiellen relativen Populationsdichte der niederen Lebensformen. In diesem Fall sollte eine bestimmte Tatsache bei längerem Nachdenken leicht erkennbar sein: Wir sind nicht bloß irgendeine Tierart, die zufällig die höchst ungewöhnliche Fähigkeit besitzt, die potentielle relative Bevölkerungsdichte ihrer Gattung vorsätzlich zu erhöhen. Wir verändern dabei nicht nur unsere individuellen Eigenschaften. Es kommt auch zu einer qualitativen Veränderung der systemischen Beziehungen zwischen den Mitgliedern der Gesellschaft, was nicht nur bewirkt, daß wir als Gattung besser werden. Wir ändern uns auch hinsichtlich der Qualität der Beziehungen innerhalb der Gesellschaft.
Man sollte daher nicht versuchen, die Produktivität nur am sprichwörtlichen „Ort der Produktion" zu sehen: Die Produktionsverhältnisse ändern sich qualitativ. Beispielsweise werden sich unsere Bedürfnisse als produktive Individuen in der Gesellschaft nicht nur quantitativ, sondern noch wichtiger qualitativ verändern.
In erster Annäherung illustriert nichts diese Tatsache einfacher und deutlicher als die Folgen des Übergangs von der Verbrennung von Holz zu Holzkohle, dann zu Kohle, zu Erdöl und schließlich zur Kernkraft. Dabei wird das Verhältnis des einzelnen zur Gesellschaft in praktisch allen Aspekten der Lebensweise als Individuum und Akteur in der Gesellschaft qualitativ verändert.
Bei den bemerkenswertesten solchen Änderungen in Verbindung mit dem Übergang zu einer Kraft- und Wärmequelle mit höherer Energieflußdichte pro Kopf und Quadratkilometer bedeutet dies eine qualitative Änderung von etwas, mit dem unsere wesentlichen Aktivitäten zusammenhängen. So ändern wir nicht nur die Bedingungen unserer Existenz, wir sind auch gezwungen, uns selbst in der Weise zu verändern, wie es die neuen Erfordernisse von uns und den Beziehungen in der Gesellschaft verlangen.
Da wir als Gattung nicht auf eine bestimmte potentielle relative Bevölkerungsdichte beschränkt sind, können und müssen wir unsere Umgebung selbst verändern - sowohl um die Erfordernisse zu erfüllen, die uns die Erschöpfung bestimmter Rohstoffquellen eines gewohnten Niveaus auferlegt, als auch uns darauf einzustellen, immer stärkere Energiequellen zu nutzen. Wir sind dazu verurteilt, die Biosphäre zu verändern, nicht nur, um die Wirkung des erreichten Erschöpfungsgrades zu überwinden, sondern auch, um die benötigte Umgebung neu zu definieren.
Diese erforderlichen und optionalen Änderungen wirken letztendlich immer als antientropische Aufwärtsentwicklung der Umgebung, die wir uns schaffen müssen, um die Umgebung, mit der wir zuvor verbunden waren, zu ersetzen.
Zu dieser Art der Veränderung gehört ein Typus von noch entscheidenderer Bedeutung. Zu dem Grad, wie unsere Fortschritte mit der Entwicklung neu entdeckter Naturprinzipien verbunden sind, haben sich unsere Beziehungen zum Universum in unserer Eigenschaft als Gattung grundlegend verändert. Statt uns nur an Änderungen anzupassen, deren Grenzen durch feststehende Umstände von Prinzipien vorgegeben sind, haben wir also das Universum verändert, indem wir unser Verhältnis zu ihm auf neuentdeckten oder neugeschaffenen universellen Naturprinzipien aufbauen. Wir verändern also das Universum nicht nur im Zusammenhang mit universellen Prinzipien, sondern wir befinden uns auf einem allgemeinen Kurs weitreichender Änderungen im physischen Universum, das unsere Gattung bewohnt.
Die wichtigste der Änderungen, die wir uns als Gattung aufzwingen müssen, besteht darin, das Universum hinsichtlich unseres Zugriffs und unserer Abhängigkeit von der Nutzung neuer universeller Naturprinzipien neu zu definieren. Das ist hinsichtlich des Prinzips der wesentliche funktionelle Unterschied zwischen der Noosphäre und der Biosphäre. Wir sind nicht Geschöpfe der Biosphäre, sondern Geschöpfe, die nicht nur die Biosphäre, sondern auch die Noosphäre verändern.
Für die Menschen, die die mit dem modernen Empirismus verbundene allgemeine Weltanschauung übernehmen - ein Art Glauben wie bei Empiristen wie D'Alembert, Euler und Lagrange, die sich Leibniz' Entdeckung des ontologischen Infinitesimals des Kalkulus widersetzten - existiert das reale Universum, wie ich es beschrieben habe, nicht als praktische Möglichkeit. Das ist im Kern die Tragödie, die sie mit sich herumtragen, solange sie Empiristen oder vergleichbar geistig gestörte Menschen bleiben.
Die andere Seite der Medaille ist aber: Wenn wir das, was ich hier beschrieben habe, für unser praktisches Handeln akzeptieren, dann gibt es keine absoluten Grenzen für die Selbstentwicklung der Menschheit. Dem Schöpfer ist es nicht länger verboten, Seine Schöpfung durch Verbesserungen ihres Entwurfs zu verändern. Vielmehr liegt der Grund der Existenz des Menschen, wie er in [i]Genesis 1[/i] definiert ist, gerade in der Verpflichtung, für solche Verbesserungen zu sorgen. Der Himmel ist dann kein Ort des Ausruhens von der Arbeit, sondern eine aktive Berufung zu einer solchen Arbeit. Der Schöpfer des Universums, der nicht dazu neigt, sich von Meinungen irgendwelcher Narren aufhalten zu lassen, wollte es nicht anders.
Der tierische Körper, der uns zeitweilig als Instrument der Seele dient, die wir schon sind und sein werden, ist sterblich und in vielen wichtigen Aspekten seiner sterblichen Existenz ein Tier. Aber es gibt einen höheren Bereich, in dem die zeitlichen Beziehungen, wie sie die Menschen heute definieren, überschritten werden durch etwas, was man treffend als einen Bereich völlig nichtlinearer Wirkung in der physischen Raumzeit beschreiben kann. Hier, in diesem Wirkungsbereich - dem Bereich der Aufgabe, die uns implizit zugewiesen ist - finden wir unser wahres, unsterbliches Selbst und unsere Glückseligkeit in dem Sinne, wie Gottfried Leibniz das „Streben nach Glückseligkeit" definierte, um den gefühllosen Geist des erbärmlichen Sklavenherren John Locke zu erhellen.
Der Begriff der Glückseligkeit, wie Leibniz ihn den Verfassern unserer Unabhängigkeitserklärung (und implizit des gesamten in der Verfassungspräambel beschriebenen Gesetzeskörpers) vermittelte, beschreibt den wahrhaft unsterblichen Zweck, der einer richtig gewählten Mission unserer sterblichen Existenz zugrunde liegt. Das große Übel, das heute für unsere Volksvertreter und auch für die meisten Bürger typisch ist, ist deshalb ihre erbärmliche Illusion, daß die Ziele und Erfahrungen der individuellen menschlichen Identität auf das geschränkt sind, was man innerhalb der Grenzen unserer sterblichen Existenz konsumieren kann.
Wenn wir also das Risiko bedenken, daß wir morgen sterben könnten - was könnte der Zweck unserer weiteren Existenz sein, wenn dieser Zweck auf die zeitlichen Grenzen unserer Sterblichkeit beschränkt wäre? Die größte Leistung, der sich jeder wahrhaft menschliche Mensch erfreuen kann, ist das Gute, zu dem wir beitragen, das aber erst lange nach dem Ende unserer sterblichen Existenz entsteht.
Ein für eine unsterbliche Mission geführtes Leben ist das richtig definierte Eigeninteresse jedes wirklich menschlichen Wesens.
Mögen unsere Bürger also aufhören, Narren zu sein. Die Strafe dafür, seine Identität nicht im wahren Unterschied zwischen einer lebendigen menschlichen Persönlichkeit und den Tieren zu finden, ist ein Leben, das es vielleicht nicht wert war, gelebt worden zu sein, weil es keine Rechtfertigung in der Zukunft hat. Es ist Zeit, daß die Bürger zu diesem Gefühl einer wahren Unsterblichkeit heranreifen.
[hr]
[h3]Anmerkungen[/h3]
1. Siehe [i]Neue Solidarität,[/i] Nr. 17-19, 2008.
2. Lange bevor die britische Monarchie als Weltreich formell etabliert wurde, herrschte die Britische Ostindiengesellschaft in ihren Kolonien mit Privatarmeen und führte in weiteren Gebieten Privatkriege.
3. Theodore Roosevelt war nicht nur der Neffe von James Bulloch, der die britischen Interessen gegen die USA durch Unterstützung der von London geschaffenen Konföderierten förderte, er wurde auch von Bulloch persönlich ins politische Leben der USA eingeführt. Ganz ähnlich stammte Woodrow Wilson nicht nur aus einer Familie mit langen Verbindungen zum Ku Klux Klan, er machte den Klan auch von einem Ort aus wieder hoffähig, den Teddy Roosevelt in „Das Weiße Haus" umbenannt hatte.
4. Der Folksong „Sixteen Tons" von Tennessee Ford bezieht sich auf eine berüchtigte Kohlemine, die der Familie Gore gehörte und von ihr mit erbarmungslosen Ausbeutermethoden betrieben wurde.
5. „Klassisch" im Unterschied zu den Trends sogenannter „moderner" plastischer und nichtplastischer Kunst unter dem Einfluß des verkommenen Kongresses für Kulturelle Freiheit und der damit aufs engste verbundenen Frankfurter Schule von Adorno, Arendt usw.
6. [i]EIR[/i], 14. März 2008.
7. [i]Neue Solidarität [/i]Nr. 17-19, 2008.
8. Meine Erfahrungen in den aufeinanderfolgenden Perioden von Kindheit, Jugend und dann Erwachsenwerden während der Kriegszeit unter Präsident Franklin Roosevelt haben deutliche Spuren hinterlassen. Ich erlebte damals zuerst, schon ziemlich bewußt, die Dekadenz der zwanziger Jahre, dann die wachsende Zuversicht eines Großteils meiner eigenen und der noch lebenden älteren Generationen, dann in jungen Jahren die Kriegszeit, dann den plötzlichen Verfall der allgemeinen Moral in der Zeit nach dem erfolgreichen Durchbruch in der Normandie bis zu Präsident Roosevelts Tod und danach die Unmoral, die unter dem Churchill-Bewunderer Harry Truman maßgeblichen Einfluß errang. Wer eine solche Reihe qualitativer Veränderungen erlebt und diese scheinbaren Stimmungsumschwünge empfindsam wahrnimmt, der ist zu der Erkenntnis gezwungen, daß keine dieser aufeinanderfolgenden Phasen für die wahre Natur des Menschen steht, sondern daß gerade die Erfahrung solcher Änderungen uns hilft, sich der Wahrheit dahinter bewußt zu werden - dem, was den aufeinanderfolgenden Veränderungen zugrunde liegt.
9. Ich habe die Merkmale dieser besonderen Kategorie der Nachkriegsgeneration erstmals im Juni 1968 erforscht und meine These dazu bei einem Treffen an der New Yorker Columbia-Universität vorgetragen. Mein Bericht, der später in einer ziemlich weithin verbreiteten Schrift veröffentlicht wurde, hatte den Titel „Die Neue Linke, lokale Kontrolle und Faschismus". Ich verglich darin die Umstände des zweiten Studentenstreiks auf dem Campus der Columbia-Universität in jenem Jahr mit den Umständen des Streiks der Berliner Straßenbahnfahrer 1932, als junge Nazis und Kommunisten häufig die Seiten wechselten. Wie alle faschistischen Bewegungen der Geschichte wären diese Jugendbewegungen und ihre Nachahmer kaum möglich ohne Lord Palmerstons letzte Mißgeburt, die ihrem Wesen nach anarchistischen Bewegung der „48er" um Bakunin, Richard Wagner usw. Sie sind mit ihrer Technikfeindlichkeit ein Echo des seltsamen Phänomens der Flagellanten im „finsteren Zeitalter" Europas des 14. Jahrhunderts. Die fanatisch feindselige Einstellung der „68er" gegen Landwirte, Arbeiter und Wissenschaft ist insofern typisch für dieses soziale Phänomen der im Kern sophistischen Strömung der „Mittelschicht", das in der Geschichte immer wieder auflebt. So erkennt man auch in dem, was in Figuren wie Mussolini und Hitler zutage trat, das Modell Napoleon wieder.
10. Die Wahrheit ist, daß Senatorin Hillary Clinton in ihrem Präsidentschaftswahlkampf gegenwärtig keinen anderen ernstzunehmenden Gegner hat als das britische Empire, das über seine Einflüsse ihre nominellen Gegner in den USA (die „amerikanischen Tories") kontrolliert. Diese sind praktisch allesamt Marionetten jenes ausländischen Imperiums, dem historisch wichtigsten Feind der Existenz der amerikanischen Republik seit seiner (eigentlichen) Geburt im Frieden von Paris im Februar 1763, der Amerikas Patrioten zwang, den Weg in einen Krieg gegen die neugeschaffene imperiale Tyrannei der Rauschgift und Sklaven handelnden Britischen Ostindiengesellschaft zu beschreiten. So sind Gegner wie der betrügerische Ex-Vizepräsident Gore Marionetten des Empire der Britischen Inseln, denen im April so reichlich arktisches Wetter beschert wurde.
11. Hinweis an einige Leser. Im Vergleich zu entsprechenden früheren Veröffentlichungen gibt es in diesem Kapitel eine erhebliche Redundanz; dies ist jedoch um jener willen notwendig, die diese anderen Aufsätze noch nicht gelesen haben.
12. Siehe „The Doomed and Brutish Empire" und „Projekt Genesis", a.a.O.
13. Der etwa 200 v.Chr. nach dem römischen Triumph im zweiten Punischen Krieg starb. Die Wissenschaft starb nicht mit Eratosthenes und Archimedes, aber sie wurde durch den degenerierten Sophismus des Betrügers Claudius Ptolemäus fast zerstört. Im Prinzip wurde sie durch das Werk von Nikolaus von Kues, dem Gründer der modernen universellen Wissenschaft, und die beispielhaften Beiträge Brunelleschis wiedergeboren.
14. Siehe Brief von Gauß an Farkas Bolyai, 6. März 1832, und Gauß an C. Gerling, 14. Februar 1832.
15. Jene vor der heute näherrückenden neuen Eiszeit, im Gegensatz zu dem, was die neumalthusianischen Schwindel vom Kult der „globalen Erwärmung" predigen.
16. Es war typisch für Russell, daß er den Begriff „radikal empiristisch" benutzte, wo die Positivisten des Kontinents „positivistisch" sagten, worunter er aber, wie er zugab, ein und dasselbe verstand.
17. Wie Al Gores berühmt-berüchtigter Filmvortrag veranschaulicht, bestand das Kernargument, auf das Gore seine These stützt, in dem ungeheuer groben Betrug, den kausalen Zusammenhang zwischen Eis und vermehrtem Kohlendioxid einfach auf den Kopf zu stellen und das Gegenteil der Wirklichkeit zu behaupten. Womit Gore eigentlich nichts anderes bewies, als daß er ein Betrüger ist. Er unterstellte einfach eine Schlußfolgerung und behauptete dann, sie entdeckt zu haben. Aber genauso wie bei Malthus folgt Gore damit einem Auftrag, den ihm seine britisch-königlichen Dienstherren erteilt hatten. Er verbreitete die Lügen nur, weil er der Hund seines Herrchens war und auf Befehl mit Schwanz und Zunge wedelte.
18. Man denke an Homers [i]Ilias,[/i] diese Annalen teuflischen Unheils! Und man lese vor diesem höchst informativen Hintergrund Friedrich Schillers Darstellung des Konflikts zwischen Solon und Lykurg.
19. Man darf nicht übersehen, daß der nördliche Teil des eurasischen Kontinents mehr als hunderttausend Jahre lang großenteils von einer wechselnden, aber beständigen Schicht Gletschereis bedeckt war - ein Zustand, auf den der Planet jetzt wieder zuläuft, wenn wir nichts wirksames unternehmen, um es unter Kontrolle zu bringen. In dieser Frühzeit der Vereisung unterstand die fortdauernde Entwicklung erfolgreicher menschlicher Kulturen notwendigerweise wissenschaftlich überlegenen Kulturen, die Astronomie für Ozean- und andere Fahrten über weite Entfernungen nutzten, nicht den schwächer entwickelten im Binnenland. Als Folge der Navigation mit Hilfe der sich wandelnden Konfigurationen von Sternen und Planeten bildeten sich in diesen Seefahrerkulturen die Wurzeln einer Wissenschaftskultur heraus. In Teilen dieser Kultur herrschte die Tendenz, in ein oligarchisches Gesellschaftsmodell zu verfallen, wie die Berichte von Diodorus und anderen angeben, und so entstanden tyrannische Ordnungen, wo die entwickelteren Seefahrerkulturen, auf die man in der Antike an der Mittelmeerküste stößt, die kulturell weniger entwickelten Inlandskulturen systematisch unterdrückten. Wir beziehen uns hier auf die europäische Seite und eine bekannte maritime Zivilisation, im Unterschied zu Einmischungen oligarchischer Gesellschaftsformen im Osten. Jedenfalls kam es im Zuge der verheerenden Folgen des Peloponnesischen Krieges zu dem Vorhaben, die beiden Modelle oligarchischer Tyrannei, das europäische und das asiatische, miteinander zu verschmelzen.
20. Thor Heyerdahls ursprüngliche Annahmen über die Technik der Ägypter halten einer genaueren Prüfung nicht stand. Die maßgeblichen Zivilisationen des Mittelmeerraums und darüber hinaus waren Seefahrerkulturen, die an entsprechend einladenden Küsten siedelten und sich dann häufig von den Mündungen großer Flüsse stromaufwärts weiterbewegten. Die große Pyramide von Giseh etwa wurde nicht von „Landratten" geschaffen. Aus dem Niedergang der fortgeschrittensten, an Astronomie ausgerichteten Kulturen entstanden die kulturellen Strömungen, die weltweit vorherrschten, bis im Laufe des 19. Jahrhunderts die Institution der transkontinentalen Eisenbahnen geschaffen wurde. Die großen europäischen Reiche, wie das antike Tyros, von dem sich der Begriff der Tyrannei ableitet, Griechen und Römer in der Antike und Paolo Sarpis anglo-holländische liberale Anhänger später, stützten sich alle auf den Machtvorteil maritimer Kulturen gegenüber den Gesellschaften von Landratten. Der breite Ausbau von Binnenwasserwegen unter Karl dem Großen, damals die große Herausforderung an die Macht der byzantinischen Tyrannei, nahm voraus, was später mit der Vorreiterrolle der transkontinentalen Eisenbahn in den Vereinigten Staaten erreicht wurde. Die anglo-holländischen liberalen Imperialisten haßten diese Konkurrenz für ihre Seemacht durch die Eisenbahn dermaßen, daß das britische Empire zwei Weltkriege anzettelte. Die anglo-holländischen liberalen Imperialisten und ihre verräterischen Parteigänger in Amerika, die Lincoln und Franklin Roosevelt haßten, organisierten zwei Weltkriege, den „kalten Krieg" und heute den Vorstoß für eine imperiale weltweite Tyrannei namens „Globalisierung", mit einer systematischen Zerstörung der US-Binnenwirtschaft und der Vereinigten Staaten als solcher seit Roosevelts Tod.