Die American Soybean Association (ASA), die rund 500.000 Landwirte vertritt, hat am 19. August einen Brief von ASA-Präsident Caleb Ragland, einem Landwirt aus Kentucky, direkt an Präsident Donald Trump geschickt. Darin fordert sie die Trump-Regierung auf, mit China zu verhandeln, um „eine Einigung zu erzielen, die die Aufhebung der chinesischen Vergeltungszölle und, wenn möglich, bedeutende Abnahmeverpflichtungen“ für US-Sojabohnen beinhaltet. Der Appell der US-Landwirte ist darauf zurückzuführen, dass China vor dem Hintergrund der aggressiven Handels- und Militärpolitik der USA für die neue Sojabohnen-Vermarktungssaison, die im September beginnt, überhaupt keine Bestellungen aufgegeben hat, obwohl es jahrzehntelang der größte Importeur von US-Sojabohnen war. Im Handelsjahr 2023-2024 kaufte China 54 % der US-Sojabohnenexporte.
Der Brief der ASA beginnt mit der düsteren Feststellung: „Die US-Sojabohnenbauern stehen vor einem Handels- und Finanzabgrund.“
Der Appell der Landwirte hat Bedeutung über die Forderungen der Erzeuger hinaus, deren Produktionskapazität 28 % der weltweiten Sojabohnenproduktion ausmacht. Sie macht darauf aufmerksam, wie sehr die Welt darauf angewiesen ist, dass US-Präsident Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping sich über Wirtschafts- und Sicherheitsfragen beraten und zu für alle Seiten vorteilhaften Vereinbarungen aller Art, insbesondere im Bereich der Lebensmittel, gelangen.
Der 3. September, der Tag des Sieges im Zweiten Weltkrieg in China, ist eine historische Gelegenheit für ein solches Treffen der Staats- und Regierungschefs. Der russische Präsident Wladimir Putin wird an den Feierlichkeiten in Peking teilnehmen, ebenso wie der indische Premierminister Narendra Modi. Die Ausarbeitung eines neuen Paradigmas für Produktion und Handel auf internationaler Ebene – der globale Norden mit dem globalen Süden – kann das letzte halbe Jahrhundert der wirtschaftlichen Diktatur des agro-finanziellen Komplexes transnationaler Konzerne mit Verbindungen zur City of London und zur Wall Street beenden.
ASA-Präsident Ragland schreibt in seinem Brief: „China hat für die kommenden Monate, in denen die Ernte schnell näher rückt, keine US-Sojabohnen gekauft. Je weiter wir in den Herbst kommen, ohne eine Einigung mit China über Sojabohnen zu erzielen, desto schlimmer werden die Auswirkungen auf die US-Sojabohnenbauern sein.“
„Die Sojabohnenbauern stehen unter extremem finanziellen Druck. Die Preise fallen weiter, während unsere Bauern gleichzeitig deutlich mehr für Betriebsmittel und Ausrüstung bezahlen müssen. Die US-Sojabohnenbauern können einen langwierigen Handelsstreit mit unserem größten Abnehmer nicht überstehen.“
Dem Brief liegt ein 10-seitiges Weißbuch mit Diagrammen und Dokumentationen bei. Es trägt den Titel „Sojabohnen ohne Abnehmer: Die Exportlücke schadet den US-Farmen“.
Der Brief der Landwirte fasst die Krise wie folgt zusammen: „In den letzten fünf Jahren hat China durchschnittlich 61 % der weltweiten Sojabohnenimporte bezogen – mehr als der Rest der Welt zusammen. In der Vergangenheit waren die USA der bevorzugte Lieferant für chinesische Kunden. Aufgrund der anhaltenden Zollvergeltungsmaßnahmen wenden sich unsere langjährigen Kunden in China jedoch an unsere Konkurrenten in Südamerika, um ihren Bedarf zu decken, und werden dies auch weiterhin tun. Brasilien kann diesen Bedarf aufgrund der seit dem letzten Handelskrieg mit China deutlich gestiegenen Produktion decken.“
Der Brief wurde auch an alle Kabinettsmitglieder und die Vorsitzenden der zuständigen Ausschüsse im Kongress geschickt.
Quelle: eirna.de