Unter der Überschrift „Der wirkliche Skandal hinter AIG“ schrieb der ehemalige Staatsanwalt des Bundesstaates New York jetzt in einem Artikel im Slate Magazine, bei AIG gehe es nicht um die Boni. Der Skandal sei, "dass die Geschäftspartner von AIG ihr Geld komplett zurückbekommen.“ Der Fall AIG entwickelt sich zunehmend zu einer Belastung für Obama, insbesondere die Rolle von Timothy Geithner. Und im Kongreß nimmt die Anzahl derjenigen zu, die statt immer weiterer gigantischer "Rettungspakete" für den Giftmüll eine geordnete Bankrottreorganisation wollen.
Spitzer zufolge ist die ursprüngliche Entscheidung, AIG zu retten, im letzten Herbst vom ehemaligen CEO von Goldman Sachs und damaligen Finanzminister Henry Paulson, dem ehemaligen Vorsitzenden der New Yorker Federal Reserve und gegenwärtigen Finanzminister Timothy Geithner, dem CEO von Goldman Sachs, Lloyd Blankfein und vom Vorsitzenden der Federal Reserve, Ben Bernanke, gefällt worden.
Der Artikel liest sich wie die Anleitung für eine Strafverfolgung oder ein Fragenkatalog für eine Untersuchungskommission. So fragte Spitzer: „Warum musste Goldman volle 100 Cent für jeden Dollar zurückbekommen? … Die Indizien, dass es sich um eine Insider-Verschwörung handelt, sind überwältigend. AIG wurde nur benutzt als ein Vehikel für riesige Kapitalflüsse an die üblichen Verdächtigen, ohne Grund und ohne Erklärung.“
Und weiter: „Über was haben sich Bernanke, Geithner, Paulson und Blankfein genau unterhalten, kurz bevor die ersten 80 Mrd. bewilligt wurden? War ihnen schon bekannt, wie weit die Geschäftspartner betroffen waren? Was haben Goldman und all die anderen Geschäftspartner über den finanziellen Zustand von AIG gewusst, als sie die Swaps und andere Verträge eingegangen sind? Haben sie angemessen überprüft, ob sie einem angemessenen Schutz erwarben? Und warum sollten sie nicht einen Anteil am Risiko des Scheiterns des Geschäftspartners tragen?"
Spitzer will ferner wissen, was das wirkliche Verhältnis von Goldman zu AIG ist und erinnert daran, beide hätten vor ein paar Jahren beinahe fusioniert. Damals sei das nur daran gescheitert, daß "die Black Box AIG zu groß für Goldman war".
Warum solle dann Goldman gerettet werden? Sie hätten schließlich, genau wie alle anderen auch, gewusst, dass ein Großteil des Geschäfts von AIG nichts mit dem normalen Versicherungsgeschäft zu tun hatte. Schließlich fragte Spitzer nochmals: "Warum wurden die Geschäftsverbindungen nicht sofort und vollständig offen gelegt?”
Interessante Fragen, die auch nach Europa reichen. Ein Fall für Pecora.