Vatikan verteidigt das Völkerrecht

06.03.2026
Vatikan verteidigt das Völkerrecht root 06.03.2026

Der vatikanische Staaatssekretär Kardinal Pietro Parolin hat in einem außergewöhnlichen Interview mit „Vatican News“ am 4. März eindringlich vor der Aushöhlung des Völkerrechts gewarnt. Dies führe zu einer Welt, in der „Gerechtigkeit der Gewalt gewichen ist“. Er verteidigte die entscheidende Bedeutung der Diplomatie als einzige Methode zur Lösung von Konflikten in der heutigen Welt. Er wies darauf hin, was diejenigen verlieren, die von dieser barbarischen Sichtweise geblendet sind: „Was verloren geht, ist das Bewusstsein, dass das Gemeinwohl wirklich allen zugutekommt – dass also das Wohl des anderen auch mein Wohl ist und dass Gerechtigkeit, Wohlstand und Sicherheit nur erreicht werden können, wenn alle davon profitieren.“

Auch von der katholischen Kirche in den USA gibt es starken Widerstand. In einem ausführlichen Interview mit den vatikanischen Medien hat der Erzbischof von Chicago, Kardinal Blase Cupich, eindringlich vor einer weiteren militärischen Eskalation im Nahen Osten gewarnt.  Gewalt entwickele eine Eigendynamik, die „sehr schnell außer Kontrolle“ geraten könne.

Cupich zog eine historische Parallele zum Ersten Weltkrieg, der mit einem Attentat in Sarajevo begann und in einen jahrelangen Konflikt mit Millionen Toten mündete. „Wenn man diese Tür erst einmal öffnet, ist es sehr schwer, sie wieder zu schließen“, sagte er laut Radio Vatican. Er stellte die Legitimität militärischer Angriffe gegen souveräne Staaten infrage, sofern keine unmittelbare Bedrohung vorliege. Gemeinsam mit den US-Kardinälen Tobin und McElroy hatte Cupich schon früher die US-Außenpolitik kritisiert und eine stärkere Orientierung an Frieden, Menschenwürde und Religionsfreiheit gefordert.

Die Wahrheit werde in der heutigen Politik oft zur bloßen Meinung reduziert – ein „Relativismus“, dem der Heilige Stuhl durch faktengestützte Diplomatie entgegenwirken müsse.

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