Die Vereinigten Staaten und China haben ein gemeinsames Interesse!

03.12.2007
Die Vereinigten Staaten und China haben ein gemeinsames Interesse! admin 03.12.2007

Von Lyndon LaRouche

Wie ich am 25. Juli dieses Jahres bei einer Internetveranstaltung aus Washington berichtete, ist das Weltwährungs- und Finanzsystem heute in die wohl tödlichste Krise der letzten Jahrhunderte eingetreten. Ich hob bei meiner Vorhersage zu diesem Zeitpunkt besonders hervor, daß das Ende des jetzigen Weltwährungs- und Weltfinanzsystems unvermeidlich ist, wenn das System nicht in der relativ kurzen, uns noch verbleibenden Zeitspanne durch ein neues, weltweites System ersetzt wird.


Von Lyndon LaRouche

Wie ich am 25. Juli dieses Jahres bei einer Internetveranstaltung aus Washington berichtete, ist das Weltwährungs- und Finanzsystem heute in die wohl tödlichste Krise der letzten Jahrhunderte eingetreten. Ich hob bei meiner Vorhersage zu diesem Zeitpunkt besonders hervor, daß das Ende des jetzigen Weltwährungs- und Weltfinanzsystems unvermeidlich ist, wenn das System nicht in der relativ kurzen, uns noch verbleibenden Zeitspanne durch ein neues, weltweites System ersetzt wird.

Die wichtigsten weltweiten Entwicklungen seit dieser Zeit haben bestätigt, daß meine Vorhersage vom 25. Juli in allen relevanten Punkten im wesentlichen richtig war. Keine einzige Regierung der Welt hat seither irgend etwas unternommen, um das gegenwärtige Weltsystem so zu verändern, daß man die Krise lösen könnte. So waren z.B. sämtliche Maßnahmen, welche die amerikanische Regierung und Zentralbank seither ergriffen haben, schon an sich ein tragischer Irrtum. Bisher waren sämtliche Reaktionen insbesondere der Regierungen der USA und Mittel- und Westeuropas auf diese Krise mehr als falsch. Die Krise hat die Form einer Hyperinflation, die uns an Entwicklungen wie die in der Weimarer Republik 1923 erinnern sollte – nur ist es diesmal im Weltmaßstab.

Vor allem dürfen wir nicht die ganz entscheidende Tatsache ignorieren, daß jedes Währungs- und Finanzsystem, an sich betrachtet, nur das Äquivalent eines „Papiersystems" ist. Glücklicherweise lassen sich Währungs- und Finanzsysteme austauschen. Langfristig entscheidend ist die Form des herrschenden Gesellschaftssystems, auf dem die Realwirtschaft beruht.

Berücksichtigt man das uns heute zur Verfügung stehende Wissen, so gilt die folgende Regel: Wann immer sich eine machtvolle Kombination nationaler Regierungen auf eine passende Übereinkunft zur Änderung eines gescheiterten Finanz- und Währungssystems einigen kann, ist jede moderne Finanzkrise lösbar. Deshalb ist meine Botschaft heute:

Wenn die Regierung der Vereinigten Staaten einer aus den Regierungen der USA, Rußlands, Chinas und Indiens zusammengesetzten Ausgangsgruppe eine Zusammenarbeit für eine geeignete Reform vorschlägt, dann wäre es möglich, die gegenwärtige internationale Krise in den Griff zu bekommen und folglich eine Mehrheit der Nationen der Welt zur Beteiligung an Maßnahmen zu gewinnen, die das Weltsystem stabilisieren und die Grundlage für eine allgemeine wirtschaftliche Erholung schaffen würden.

Der letzte allgemeine Aufschwung der Wirtschaft der Vereinigten Staaten und West- und Mitteleuropas ging von den USA unter Präsident Franklin Roosevelt aus. Franklin Roosevelts Tod war ein großer Verlust für die Menschheit; aber obwohl die politischen Veränderungen unter seinem Nachfolger im allgemeinen ein großer Fehler waren, hielt das Wachstum der US-Volkswirtschaft dank der anhaltenden Nachwirkungen von Roosevelts Politik auch nach seinem Tode an, bis zum Attentat auf Präsident John F. Kennedy am 22. November 1963.

Die Folgen des Eintritts der USA in den langen Indochina-Krieg 1964 – vergleichbar den neueren, törichten Kriegen, die von den britischen und amerikanischen Regierungen unter Tony Blair und George W. Bush angezettelt wurden – führten nacheinander zur Zerstörung des Weltwährungssystems im August 1971 und zu einem allgemeinen realwirtschaftlichen Niedergang der Volkswirtschaften Amerikas und Europas. Dieser Niedergang, von etwa 1968 bis zum heutigen Tage, führte zu der sich beständig verschlechternden realwirtschaftlichen Lage in den genannten Nationen.

Der Niedergang der Volkswirtschaften Europas und den Vereinigten Staaten hatte viele zusätzliche Ursachen, war aber hauptsächlich das Resultat der Einführung eines immer noch bestehenden, ruinösen und pro-malthusianischen Weltwährungssystems freier Wechselkurse. Trotz einiger wichtiger Trends zu Verbesserungen in einigen maßgeblichen Volkswirtschaften Asiens ist die Pro-Kopf-Nettoleistung der Weltwirtschaft als Ganzes zusammengebrochen.

So herrscht, trotz der Verbesserungen für einen bedeutenden Teil der Gesamtwirtschaft in einigen asiatischen Nationen, für den Großteil der Menschen in Asien ein bedenklicher Mangel an Entwicklung – zur selben Zeit, während die Produktivkraft in West- und Mitteleuropa und Nordamerika weiter katastrophal zusammenbricht. Deshalb erfordert die notwendige Entwicklung selbst der fortschrittlichen Volkswirtschaften Asiens eine Mobilisierung von Realkapital und Technologie, damit das Niveau der grundlegenden Wirtschaftsinfrastruktur und der physischen Produktivität überall angehoben werden kann: in Asien und Afrika, aber auch in den fürchterlich dekadenten Volkswirtschaften der USA, Mittel- und Westeuropas.

Die wichtigsten unter den dringend benötigten Maßnahmen, die gemeinsam von einer von den USA, Rußland, China und Indien angeführten Gruppe von Nationen ergriffen werden müssen, sind die folgenden:

1. Das gegenwärtige Weltwährungs- und Finanzsystem muß einem geregelten Konkursverfahren unterzogen werden.

Das bedeutet: Wie in der Verfassung der Vereinigten Staaten vorgesehen, werden alle Zentralbanken, die bisher von souveränen Regierungen unabhängig waren, der Aufsicht der jeweiligen verfassungsmäßigen Regierung unterstellt.

Das bedeutet auch: Über eine Einrichtung mit Befugnissen, die den von US-Finanzminister Alexander Hamilton nach der Verfassung ausgearbeiteten Plänen für ein Finanzministerium des Bundes entsprechen, wird die Regierung folgendes sicherstellen: Nach den Regeln des Insolvenzverfahrens werden speziell oder grundsätzlich von der Bundesbehörde autorisierte Zahlungen auf die übliche Weise getätigt, wie vor dem Insolvenzverfahren für das alte Finanz- und Währungssystem, aber unter Aufsicht hinsichtlich der Regulierung der Zahlung ausstehender finanzieller Verpflichtungen.

Zu den Zielen dieser Reformen eines Systems im Konkursverfahren gehört das Erhalten und Steigern des vorhandenen notwendigen Niveaus an Beschäftigung, gewöhnlichen Auszahlungen von Renten usw. sowie Produktion lebenswichtiger Güter und Dienstleistungen – mit Blick auf zunehmende Wachstumsraten des physischen Nettoausstoßes und die Produktivität der Volkswirtschaft pro Kopf und Quadratkilometer.

2. Realwirtschaftliche Erholung und Nettowachstum von Volkswirtschaften pro Kopf und pro Quadratkilometer des Gesamtterritoriums erfordern insbesondere physische Verbesserungen der grundlegenden Infrastruktur. Eine kapitalintensive Investitionspolitik in diesem Bereich wird als Motor weiterer volkswirtschaftlicher Aktivitäten dienen.

3. Der Erfolg solcher Vorhaben von Regierungen und Wirtschaft setzt ein System fester Wechselkurse voraus, nicht unähnlich dem Entwurf des Bretton-Woods-Systems mit festen Wechselkursen unter Präsident Franklin Roosevelt.

Mit anderen Worten, die erforderlichen Reformen müssen sich am Äquivalent einer allgemeinen „wissenschaftsgetriebenen" Politik für die gesamten Volkswirtschaften und Territorien orientieren.

Wissenschaft und Rohstoffe

Die Erfolgsaussicht solcher benötigter Programme hängt sehr weitgehend von zwei Erwägungen ab, die sich auf jeden Teil der Welt und auf die notwendige Entwicklung der Welt als Ganzer beziehen. 1. Entwicklung und Veredlung von Rohstoffen. 2. Wissenschaft, definiert als Prozeß von Entdeckungen physikalischer, universeller Prinzipien. Beide Punkte sind funktionell nicht zu trennen: Die erforderliche Versorgung mit notwendigen Rohstoffen läßt sich nicht nachhaltig sicherstellen, wenn man nicht besonderes Gewicht auf grundlegenden wissenschaftlichen Fortschritt legt, der durch die charakteristische Energieflußdichte der Produktionsmethoden meßbar ist.

Die Verwirklichung dieser entscheidenden Zielvorstellungen erfordert eine klar definierte Veränderung, eine Abkehr vom bisherigen strategischen Vorteil der Seemächte gegenüber dem Machtpotential des Landesinnern. Über große Zeiträume hinweg, seit der letzten Eiszeit in den nördlichen Teilen unseres Planeten, waren Ozeanschiffahrt und verwandte Seemacht wirtschaftlich und strategisch immer gegenüber den Volkswirtschaften der Binnenländer im Vorteil. Das begann sich zu ändern, als in Amerika die transkontinentale Eisenbahn gebaut wurde und weitreichende, sogenannte „geopolitische" Veränderungen mit sich brachte. Seit dieser Zeit war der Konflikt der Seemächte, vor allem des britischen Empire, mit den Nationen und Völkern des kontinentalen Eurasiens und der USA vor allem geprägt von der Herausforderung der britischen Vormachtstellung durch den Sieg der Vereinigten Staaten unter Präsident Lincoln. Dieser Sieg löste eine Gegenreaktion aus: Mit dem Prince of Wales Edward Albert als treibender Kraft entfachte das britische Empire den Krieg zwischen Japan und China 1895-1945 sowie alle anderen imperialistischen Kriege im Zeitraum von 1905 bis 1945; dies veranschaulicht die Herausforderung, die in ähnlicher oder anderer Form bis heute fortdauert.

Im Falle Chinas (wie auch anderer Nationen) können die Lebensbedingungen der Gesamtbevölkerung nur mit Hilfe der modernsten wissenschaftlichen Methoden der Rohstoffversorgung in gegenwärtig nur wenig entwickelten Gebieten Eurasiens verbessert werden. Verbesserungen der Wasserwirtschaft in ganz Eurasien, erweiterte und qualitativ verbesserte globale (d.h. transkontinentale/interkontinentale) Transportsysteme sowie massive Investitionen in die Energieversorgung und Produktionstechnologien auf der Grundlage von Kernspaltung und Kernfusion sind jetzt unerläßlich. Diese dringend benötigte grundlegende Veränderung der Politik in Eurasien und darüber hinaus übersteigt die Mittel, über die gegenwärtig die asiatischen Nationen selbst verfügen. Z.B. müssen West- und Mitteleuropa angeregt werden, ihren Lebensunterhalt durch die Produktion enormer Mengen technisch hochwertiger Güter zu verdienen, die als Produktionsmittel in den dicht bevölkerten Regionen Asiens gebraucht werden.

Das Potential für solche Entwicklungen wird beispielsweise an der Bedeutung der Neueröffnung der Eisenbahnverbindungen zwischen Süd- und Nordkorea für die Fortführung dieser Strecken nach China und Rußland deutlich. Das implizite gemeinsame realwirtschaftliche Interesse von Japan, Korea, China und Rußland (und anderen) an der Öffnung der Eisenbahnrouten in Nord- und Ostasien ist heute als eine der ganz großen Gelegenheiten zum Wohl der Menschheit zu betrachten.

Die Hürde zum gesunden Menschenverstand

Heute droht der ganzen Welt eine Gefahr für den Fortbestand der Zivilisation, die an das „finstere Zeitalter" im Europa des 14. Jahrhunderts erinnert. Damals zerstörte sich – ähnlich wie heute in Südwestasien – die Zivilisation selbst durch Raubzüge, die von einer herrschenden Schicht räuberischer Bankiers angestiftet wurden. Ähnlich wie heute in Südwestasien benutzten diese Finanziers, die Lombard-Bankiers des 14. Jahrhunderts, Gewinne aus der Finanzierung von Kriegen als Geschäftsgrundlage.

Die räuberischen Nachkommen der venezianischen Bankentradition Europas aus dem sog. „Mittelalter" haben durch diebische Spekulationsgeschäfte Unmengen völlig fiktiver Gewinne angesammelt. Diese Summen haben ein Ausmaß angenommen, das die gesamte auf diese Weise geschaffene Spekulationsblase zum Platzen bringt, in einer Art und Weise, die den Ereignissen der zweiten Hälfte des Jahres 1923 in der Weimarer Republik ähnelt.

Diese Geldinteressen sind nicht nur Räuber, sie haben sich auch als eine mächtige Herrschaftsinstanz über Regierungen und maßgebliche politische Parteien führender Nationen verschanzt. Infolgedessen kommt es im Augenblick zu einem existentiellen Zusammenprall zwischen der gierigen Schicht räuberischer Finanzinteressen und dem Überlebensinteresse nicht nur des größten Teils der Bevölkerung von Nationen wie den USA, sondern auch dem Interesse am Fortbestand irgendeiner halbwegs vernünftigen Ordnung der Welt.

Das mittelalterliche Erbe der räuberischen Mächte des Wuchers hat soviel Einfluß gewonnen, daß es nur noch von einem im klar definierten Eigeninteresse geschlossenen Bündnis starker Nationalstaaten besiegt werden kann.

Das ist das gemeinsame Interesse, das wir in den USA und China derzeit teilen. Hier liegt die entscheidende Bedeutung derjenigen in Amerika, die das gemeinsame Interesse der Menschen in den USA und Asien vertreten. Daß wir uns dieses gemeinsamen Interesses bewußt sind, ist daher ein entscheidender Faktor an diesem Punkt der Weltgeschichte.

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